Review: Batman Arkham City
Batman ist zurück und das besser als jemals zuvor! Hier der große Test:
Einleitung
Der erste Teil Arkham Asylum war vor zwei Jahren ein Überraschungshit und wurde von allen Kritikern in den höchsten Tönen gelobt. Völlig zu Recht, denn nie wurde der Dark Knight so intensiv in einem Spiel in Szene gesetzt. Storyline, Kampfsystem und Charakterzeichnung: hier stimmte alles. Doch Arkham Asylum reicht nicht mehr aus, um alle Kriminellen wegzusperren. Es wird expandiert und Arkham City entsteht: Ein eingezäuntes Gebiet mitten in Gotham ohne Wachen oder Gesetze, in der die Verbrecher ihrem Schicksal überlassen werden. Schnell bilden sich Gruppierungen die jeweils einem anderen Anführer folgen, aber egal ob sie nun Two-Face oder dem Joker folgen, in einem sind sich alle einig: Batman muss sterben. Da der bekannte Psychologe Hugo Strange die Leitung übernimmt, bleibt Bruce Wayne nichts anderes übrig, als politisch gegen das Gefängnis vorzugehen. Doch Strange wartet nur auf diese Chance und lässt Wayne während einer Pressekonferenz inhaftieren.
Story
Das Spiel bedient sich aus dem Comic und hat nichts mit den Kinoblockbustern zu tun. Ohne dem großen Vorbild zu schaden, entwirft Rocksteady mit diesem Titel eine eigene Variation des Gotham-Universums. Das Spiel beginnt in einer Zelle in Arkham. Erst dunkel, strahlt einem auf einmal ein gleißendes Licht entgegen. Man ist geblendet. Als sich die Augen daran gewöhnt haben, erkennt man sich, Bruce Wayne, in einem Spiegel - gefesselt an einen Stuhl. Im Hintergrund sind Kampfschreie und grölende Wärter zu hören. Ein Monitor geht an und Hugo Strange liest Bruce die Leviten und berichtet über einen ominösen „Plan 10“ der alles verändern soll: Wie leicht es doch gewesen sei, Bruce Wayne und nicht Batman gefangen zu nehmen. Da er seine Geheimidentität kennt, fordert er Wayne auf sich raus zuhalten, sonst würde er jedem sein Geheimnis verraten.
Nicht sonderlich beeindruckt spinnt Wayne bereits Fluchtpläne. Da kommt ihr das erste Mal zum Zug. Per QTE (Quick-Time-Event) müsst ihr nun mit dem linken Stick den Körperschwerpunkt so verändern, dass ihr umfällt. Sofort alarmiert stürzt eine Wache herein und Batman schaltet sie mit einer Konteraktion aus. Gleich fällt auf, das Wayne einen größeren Plan verfolgt: Er schnappt sich, vom eben niedergeschlagenen Gegner das Funkgerät und hat mit einem Handgriff einen Datenchip entfernt. Auf einem Dach angekommen wird Batmans Butler Alfred kontaktiert, der prompt das Equipment per Batgleiter liefert. Klar könnte Batman nun Arkham City verlassen, doch er hat noch etwas zutun…
Ablauf und Steuerung
Hauptziel ist es, Hugo Stranges Plan zu vereiteln. Um an Informationen zu kommen, passt es gerade ganz gut das Catwoman von Two-Face gefangen genommen wurde, denn sie soll Informationen haben. Batman macht sich auf den Weg sie zu retten. Mit einer sehr flüssigen Animationsfolge, schwingt ihr euch per Batclaw (eine Art Pistole die Seile mit Enterhaken verschießt) von Dach zu Dach. Das funktioniert meist reibungslos, da das Spiel einem immer das nächstliegende Dach oder ähnliches, anbietet.
Dann drückt ihr nur noch auf den RB oder R1-Button (je nach Konsole) und Batman zieht sich vollautomatisch an den gewünschten Vorsprung. Der aufgebohrte Umhang Batmans kommt gerade hier zur Geltung: Der erhöhte Einfluss ermöglicht euch große Distanzen ohne Barclaw zu überwinden. Das sieht schick aus, ist sehr gut kontrollierbar und erhöht das Freiheitsgefühl immens. Im Gegensatz zum Vorgänger habt ihr diesmal auch Sidequests die eigenständige Storylines verfolgen, aber nicht zwangsläufig gemacht werden müssen, um das Spiel zu beenden. Im Zuge dessen trifft ihr immer wieder auf bekannte Gesichter. Dadurch entstehen Konstellationen die überraschen und die Komplexität der Protagonisten unterstreichen: Mal verfolgt man ein gemeinsames Ziel, doch meist geht es darum die Bösewichter ihrer gerechten Strafe zuzuführen.
Fast alle Charaktere aus dem Gotham-Universum haben es diesmal in die Story geschafft. Sei es nun Joker, Bane oder Poison Ivy. Und sogar, der nicht besonders beliebte Partner Batmans, Robin, kriegt, im neuen Design, einen coolen Auftritt.
Prinzipiell verfolgt ihr auf einer frei begehbaren Karte die Hauptstory, mit einem Icon der auf dem Radar zentriert wird, sobald ihr euch in die korrekte Richtung bewegt. Das Open-Wold-Szenario ist nicht ganz so groß wie die der bekannten Rockstar-Titel, und doch ist es im Vergleich zum ersten Teil ein großer Fortschritt.
Fortlaufend bekommt ihr Funksprüche von Alfred, oder verfolgt einfach den Polizeifunk. So entstehen neue Aufgaben: In einer Sidequest klingelt ein öffentliches Telefon und nachdem ihr den Anruf angenommen habt, zwingt der Psychopath Zasz euch ein weiteres Telefon in Raum Arkham City zu finden, das gerade klingelt. Unter Zeitdruck verfolgt ihr nun das Signal des zweiten Telefons. Gerade hier kommt die wunderbar flüssige Steuerung zur Geltung: ohne das ihr ein einziges Mal hängen bleibt, schwingt ihr euch von Dach zu Dach: sehr schön! Am anderen Telefon angekommen, müsst ihr nun den Ausführungen eines Psychopathen folgen. Während Zasz nun seine perversen Vorstellungen ausführt, hat Batman Zeit seine Position zu ermitteln. Das macht ihr insgesamt viermal bis sein Standpunkt verifiziert ist. Abschließend muss man dann noch mit ihm kämpfen.
Die jedoch größte Sidequest bietet, wie schon im ersten Teil, der Riddler, mit insgesamt 400 Riddlerstatuen, wobei jede Statue ein Rätsel oder eine Herausforderung darstellt. Mit steigender Anzahl der gefundenen Objekte werden Kampf- und Sneakherausforderungen freigepielt, die mit Batman oder Catwoman dann jederzeit separat gespielt werden können. Das sind eigene Karten die spezielle Herausforderungen bieten und nichts mit dem normalen Storyablauf zu tun haben. Alle Sidequests sind mehr oder weniger mit der Hauptstory verknüpft und können ausschließlich mit den Bat-Gadgets gelöst werden.
Zwangsläufig müsst ihr schon sehr oft den Batsinn aktivieren um Beweise zu finden oder Gespräche mitzuhören. Bei aktivierten Batsinn seht ihr durch Wände, könnt Gespräche mithören oder erkennt die Flugbahn einer Kugel und könnt so den Standort des Schützen feststellen. Das war auch einer der wenigen Kritikpunkte beim ersten Teil: Die Sicht nimmt der ansonsten wunderbar texturierten Grafik ein wenig die Schönheit. Arkham Asylum zwang dem Spieler die Sicht zu sehr auf, da man nur auf diese Art Rätsel lösen konnte. Das hat man diesmal zum Glück ein wenig reduziert. Ansonsten sind die Sidequests sehr motivierend und abwechslungsreich.
Das Kampfsystem ist immer flüssig, egal wie viele Gegner euch gerade traktieren. Ein Button zum angreifen, einen für den Konter, der praktischerweise deutlich erkennbar über den Köpfen der Gegner dargestellt wird und dadurch perfekt planbar ist, und einen Button um die Opponenten zu betäuben. Bei schwierigeren Gegnern (mit Schild oder Gepanzert) müsst ihr mit Betäuben und Angriff das Timing variieren. Aus diesem einfachen Prinzip entstehen minutenlange Massenschlägereien die wunderschön choreografiert und stets perfekt kontrollierbar sind. Ständig seht ihr neue Animationen und jede Szene wirkt frisch. Die Rätseleinlagen und die Kampfsequenzen halten sich angenehm die Waage, sodass ihr stets motiviert seid weiterzuspielen. Seien es nun Geschicklichkeitsprüfungen, indem ihr durch vorgegebene Ringe gleiten müsst oder Schlägereien, die ihr jederzeit mit den Handlangern der Bösen, die durch die Strassen ziehen, starten kann: man hat immer Abwechslung.
Für jede Aktion gibt es Erfahrungspunkte mit denen ihr Batmans oder auch Catwomans Kampffähigkeiten verbessern könnt. Apropos Catwoman: Per DLC kann sich jeder Erstkäufer Catwoman herunterladen. Sie hat eine separate Story, die in vier Abschnitte unterteilt ist. Da sie weder Umhang noch Batclaw besitzt, gestaltet sich die Bewegung von Catwoman wie folgt: Sie schwingt sich zwar ähnlich wie Batman mit ihrer Peitsche von Dach zu Dach, doch schafft sie es meist nicht bis zum höchsten Punkt und muss deshalb den Rest klettern. Da ist Timing gefragt. Jedes Klettermanöver muss nun mit X oder A (Konsolenabhängig) per QTE bestätigt werden. Sie kämpft zwar deutlich schneller als Batman, besitzt aber weniger Moves und Gadgets und ist deshalb schwerer zu steuern. Es fühlt sich halt anders an – ist aber jederzeit gut kontrollierbar und macht Riesenspaß. Sie fügt sich perfekt in die Szenerie ein. Mit knapp einer Stunde ist das DLC leider recht kurz ausgefallen, da hätte man viel mehr herausholen können! Tatsächlich hat Catwoman das Potenzial für einen eigenständigen Titel.
Präsentation
Der erste Teil war ja schon sehr schön, aber Arham City toppt das locker: Perfekt designte Charaktere, gestochen scharfe Texturen und wunderbare Animationen befriedigen jeden Grafikfetischisten. Mit professionellen Synchronstimmen, zum Beispiel hat Batman die Stimme von Johnny Depp, und einem Soundtrack, der von Hans Zimmer sein könnte, wird die düstere Stimmung perfekt transportiert. Die Zwischensequenzen, die sich mit Spielgrafik präsentieren, fügen sich perfekt ein und nerven nie. Jede Szene wird dabei, wie von „Splinter Cell: Conviction“ bekannt, per Aktioncam eingefangen und wirkt dadurch sehr dynamisch. Das Mondlicht ist hier fast ein eigener Charakter, der mit seinen langen Schatten ein düsteres Bild zeichnet. In einer Situation stand Bats (Jokers Spitzname für Batman) auf dem Dach und hörte aus der Ferne einen Schuss. Sekunden später wird über einen erneuten Anschlag des bekannten Bösewichts Deadshot berichtet. Alles fühlt sich lebendig und schlüssig an, klasse!
Allgemein
Die Story hat eine Spiellänge von etwa 10 Stunden, die mit der Erledigung der Sidequest und der Rätselsuche noch einmal verdoppelt werden kann. Die separaten Herausforderungen, von denen es immer neue Variationen gibt, motivieren zum weiterspielen. Spielbar sind diese nicht nur mit Batman oder Catwoman, sondern auch mit Robin oder Nighthawk. Catwoman kostet als DLC ca. zehn Euro und ist jeden Cent wert! Robin und Nighthawk werden ca. sechs Euro kosten. Beide Zusatzcharaktere haben keine eigenständige Story sondern können nur in den storyunabhängigen Herausforderungen gesteuert werden. Die Grafik ist eine Augenweide, perfekt animierte lebendige Charaktere, die selbst jeden Comic-Nerd zufrieden stellen dürften. Eine Fernsicht ohne Pop-Ups oder Zeilenverschiebung und auch die Partikeleffekte sind High-End. Die deutsche Synchro ist hollywoodreif, aber nicht immer lippensynchron. Man merkt dem Spiel einfach den Aufwand und die Detailverliebtheit an. Das sehr flüssige Kampfsystem und die anspruchsvollen Rätsel runden das Bild ab!
Batman ist kein Held, sondern der Dunkle Ritter und einer der komplexesten Comiccharaktere, die es gibt: Dieses Spiel wird ihm gerecht!
|