Pro: ein neues Castlevania. Contra: in 3D. Pro: der Hauptcharakter heißt Belmont und schwingt eine Art Peitsche. Contra: es ist ein komplett neuer Anfang der Castlevania-Franchise.
Allein diese von vornherein bekannten Eigenschaften des neusten Castlevania-Titels hat wohl den ein oder anderen eingefleischten Castlevania-Fan durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt. Was kann man also nun wirklich von Lords of Shadow erwarten und welche Erwartungen enttäuscht das Kloppfest?
Aller Anfang...
Mein erster Eindruck war positiv. Es fängt damit an, dass Patrick Stewart die Einführung vorliest. Währenddessen lädt das Spiel, so wird es auch das gesamte Spiel hindurch fortgeführt, so dass die nicht mal allzu langen Ladezeiten noch weiter verkürzt werden. Auch im Intro spricht Stewart aus dem Off, später wird er dann einem Charakter seine Stimme leihen. Selbiges Intro ist düster und fängt die typische Castlevania Atmosphäre gelungen ein. Dann das erste Level: man wird sofort in die Action geworfen. Doch nicht ohne Hilfestellung, im Gegenteil! Das Tutorial ist vorbildlich. Zu Beginn sind die Fähigkeiten sehr überschaubar und zur Erklärung einer jeden wird das Spiel pausiert und per Text erläutert. Im Laufe der ersten zwei Level kommen dann noch von selbst welche dazu, weitere Fähigkeiten und Schlagcombos kann man sich durch Erfahrungspunkte hinzu kaufen, was das Spiel zunächst ein ganzes Stück motivierender erscheinen lässt.
Sammeln, kämpfen, zaubern
Doch auch in späteren Abschnitten bekommt man immer wieder neue Gegenstände dazu, die Gabriel Belmont stärker oder agiler machen. Vor allem das Fokus- und Magiesystem, dessen man im Verlauf des Abenteuers habhaft wird, ist gut durchdacht. Pariert man Angriffe mit dem richtigen Timing und schlägt seinerseits gekonnt zu, ohne zwischendurch von einem Gegner erwischt zu werden, lädt sich die Fokusleiste auf. Ist sie voll, sprudelen mit jedem weiteren erzielten Treffer Magiekugeln aus dem Gegner, mit denen man entweder Licht- oder Schattenmagie aufladen kann. Diese zwei Arten der Magie wiederum bewirken unterschiedliches: mit aktivierter Lichtmagie füllt jeder erzielte Treffer die eigene Lebensenergie wieder ein Stückchen auf, mit aktivierter Schattenmagie hingegen sind die Schläge für die Gegner besonders schmerzhaft. Sobald man jedoch irgendeine Magie benutzt, gibt es keine Magiekugeln mehr und die Fokusleiste sinkt wieder.
Weniger ist mehr kämpfen
Dieses System macht das Kampfsystem zwar um einiges spannender, doch das Grundgerüst ist eher mau. Zwar kann man mit den Erfahrungspunkten und den entsprechenden Gegenständen im Gepäck gefühlte 1000 zusätzliche Combos und Aktionen freischalten, doch letztendlich braucht man das ganze Spiel über nur vier oder fünf, die man allerdings immerhin gegen eine verbesserte, zugekaufte Variante austauschen kann. Das scheint jedoch nur fair, denn auch die Gegner, ja selbst die Levelbosse, haben nur eine ähnlich übersichtliche Zahl an Attacken, die sich auch von Boss zu Boss zumeist nur optisch unterscheiden.
Inhalt und Aufmachung
Ähnlich flach ist leider auch die Story geraten. Ich hatte mehr als einmal ein Deja Vu-Erlebnis während dessen ich an Dantes Inferno denken musste. Lediglich gen Ende wartet die Geschichte mit einer überraschenden Wendung auf, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Was die Story dennoch erlebenswert macht sind die hervorragenden Synchronsprecher sowie die liebevoll designten mythischen Wesen und Bossgegner.
Wo die Präsentation der Story glänzt, hakt es im Spiel selbst, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wurde immer wieder von Framerate-Einbrüchen jenseits von gut und böse geplagt, die grade bei Bosskämpfen nicht nur nervig, sondern wirklich hinderlich sind. Denn so muss man teilweise einer Attacke nicht nur zum richtigen Zeitpunkt ausweichen, sondern sie vorher gar vorausahnen! Nimmt man noch den manchmal zickigen Kameramann hinzu, der einen so garnicht selbst Hand an den Kamerawinkel legen lassen will, teilweise das Geschehen aber so ungünstig wie möglich einfängt, dann sind einige Frustmomente garantiert.
Zumeist ist die Kamera aber gut postiert und wären da nicht die Ruckler, wäre ich auch vollkommen zufrieden damit, denn durch diesen Kompromiß sieht Lords of Shadow einfach nur hervorragend aus. In Kombination mit dem ebenfalls grandios geratenen Soundtrack sorgt das Spiel immer wieder für einige "Wow!"-Momente.
Solides Spiel, aber kein Castlevania
Abgerundet wird diese solide Schlachtplatte durch ein paar leider recht simple, aber dennoch spassige Klettereinlagen sowie einige teils überdurchschnittlich gut gemachte Rätsel. Mit dem Spiel ist es also wie mit dem Magiesystem darin: Licht und Schatten. Alles in allem macht Castlevania nichts neu, aber vieles richtig. Oh, doch, eines ist neu. Der neue Anfang der Castlevania Reihe. Und er hat absolut keinen Bezug zu irgendwelchen anderen Teilen. Wer also an altem festhalten und unbedingt ein Castlevania aus dem ihm wohlbekannten Erzählkosmos will, sollte sich bei der Gesamtbewertung noch mindestens ein bis zwei Punkte wegdenken.
Doch zumindest alle Hack'n'Slay Fans dürfen auch bei Castlevania: Lords of Shadow beherzt zuschlagen.
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