Dante´s Inferno
„Sieh dieses Thier, o sieh mich’s rückwärts jagen, Berühmter Weiser, sei vor ihm mein Hort, Es macht mir zitternd Puls’ und Adern schlagen.“
Hättet ihr gedacht, dass ein solcher Satz die Vorlage für ein blutiges Metzelspiel bieten könnte? Ganz Richtig, denn „Dante´s Inferno“ aus dem Hause EA hat ein fast 700 Jahre altes Buch zur Vorlage. Die Rede ist von Dante Aligheris „Die göttliche Komödie“, die bis heute noch zu den bedeutensten italienischen Dichtungen zählt.
Entwickelt wurde das Spiel von Visceral Games, die für ihr Studio den passenden Namen gewählt haben. „Visceral“ heißt soviel wie „Eingeweide“ und davon sprudelt es in „Dante´s Inferno“ zur Genüge. Zudem war das Studio schon für den blutigen Hit „Dead Space“ verantwortlich.
Wer im heiligen Krieg kämpft, dem sei seine Sünden vergeben! Oder doch nicht?
Der Kreuzritter Dante kommt nach gewonnener Schlacht zurück nach Hause, wo er seine Geliebte Beatrice nur noch tot auffindet. Luzifer persönlich hat sich ihrer angenommen und das kann der gottesfürchtige Dante nicht auf sich ruhen lassen. Er muss hinab in die Hölle und seine Beatrice aus den Fängen des Teufels befreien.
Da steht der gebrochene Ritter schon vor seinem ersten Problem: Der Tod! Doch Dante lässt sich auch hier nicht lumpen und macht dem grimmigen Sensenmann gleich mal den Garaus. Praktischerweise erhält er dadurch auch die Sense von Gevatter Tod, die sich als Hauptwaffe im Spiel als besonders effektiv erweist. Zudem tragt ihr auch euer Kreuz bei euch, das sich auf größere Distanz als Fernwaffe bezahlt macht. Nach und nach erkundet ihr die verschiedenen Abschnitte der Hölle, macht scheinbar unzähligen Kreaturen dem Erdboden gleich und stellt euch den verschiedensten Boss-Gegnern, die euch gern mal um ein vielfaches an Größe übertreffen. Dante muss sich in den verschiedenen Bereichen der Hölle seinen Sünden stellen, die er als Kreuzritter auf Erden begangen hat.
Wie verhält man sich moralisch in der Hölle?
Nun liegt es an euch, auf welche Seite ihr euch schlagt. Die Meisten der kleineren Gegner, sowie einige verdammte Seelen könnt ihr in einem kleinen Minispiel wahlweise „bestrafen“ oder „erlösen“. Dem entsprechend gibt es auch eine „Heilig- und Unheiligleiste“, die euch jeweils erlaubt, bestimmte Fähigkeiten und Comboattacken zu erwerben. Bezahlt wird mit gesammelten Seelen.
Natürlich darf genretypisch die Magie nicht fehlen. Die verschiedenen Attribute dazu liefern euch besiegte Bossgegner. Zudem findet ihr im Lauf des Spiels ein paar Relikte, die eurem Helden zusätzliche Kräfte oder Verbesserungen verleihen. Ihr habt also in eurem diabolischen Abenteuer viel zu tun, denn einige der Relikte, sowie die Verdammten sind wirklich gut versteckt.
Die Hölle zum Himmel preisen?
Damit das ganze Hack´n´Slay auch nicht so langweilig wird, haben sich die Entwickler im Leveldesign und Soundkulisse ordentlich ins Zeug gelegt. Die schaurig schönen Schauplätze zeugen von einer Menge an Kreativität, aber auch Sadismus. Ständig kreischt und heult es aus den Kehlen der verloren Seelen, an denen man sich sogar entlang hangeln kann. Organische Architektur und Flammenmeere, eine Mischung aus Fleisch und Feuer versetzt euch in eine Hölle, die in solcher Form durchaus realistisch rüber kommt. Die Animationen der Kämpfe und das ausgefallene, fast schon ekelerregende Gegnerdesign runden den Trip in die Hölle ab. Ihr stoßt auf ungetaufte Kinder mit Klingenarmen, dämonische Huren mit phallusartigen Gebilden oder einem Bossgegner, aus dessen Brustwarzen sich Ungetaufte Kinder absetzten. Leider wiederholen sich die Gegnertypen ständig, so dass gerade im späteren Spielverlauf sich etwas Langeweile breit macht. Das ist aber aufgrund der tollen Bossgegner und dem Leveldesign nicht so tragisch. Die Bosse lassen sich nicht durch simples Knöpfchendrücken allein ausmerzeln, sondern benötigen ein klein wenig Taktik.
Die Story wird Euch anhand einiger Videosequenzen präsentiert, die teils gerendert oder im stimmigen Comiclook präsentiert werden.
Grafisch kann es Dante´s Inferno zwar nicht ganz mit seinem griechischen Kollegen aufnehmen, dennoch präsentiert sich das Spiel durchaus respektabel. Die Grafik läuft stets flüssig, auch wenn sich viele Gengner um Dante versammelt haben. Einzig das viele Rot und die Dunkelheit macht den Augen nach einer Weile zu schaffen, oder könnte Aggressionen auslösen bei labilen Geistern. Stimmunsvoll ist das Spiel allemal, auch wenn es grafisch nicht mit Mass Effect 2 oder Bioshock mithalten kann. Soundtechnisch macht es ebenfalls ne Menge Spass. Dunkelt euer Zimmer ab, nehmt eine bequeme Position ein und dreht eure Anlage auf. So kommt ihr vollends in den diabolischen Genuss.
Buße tun im Schnellverfahren!
Dante ist wirklich von der schnellen Truppe, denn schon nach knapp 7 Stunden hat er sich seinen Sünden gestellt und ihr betrachtet den Abspann. Nun folgen noch kleine Boni: eine Kampfarena, wo ihr euch gegen 50 Gegnerwellen behaupten müsst, ein neues Kostüm und ihr dürft einen Teil des Spiels mit eurem aktuell aufgelevelten Dante noch einmal spielen. Außerdem hab ihr die Möglichkeit auf höchsten Schwierigkeitsgrad zu spielen.
Zusätzlich wird es in nächster Zeit noch ein paar Downloadkontents geben. In dem für Ende April angekündigten DLC wird es möglich sein mit einem Freund im Coop-Modus zu zocken, denn dann gibt es einen neuen Charakter: St. Lucia. Zudem enthält das Paket auch einen Leveleditor, wo die kreativen Köpfe unter euch selbst Arenen erstellen dürfen. Fans des Spiels dürfen sich auch noch auf einen animierten Film freuen, der im Mai bei uns auf DVD erscheinen soll.
Fazit:
EA lassen die Hölle bluten. Mit „Dante´s Inferno“ gelingt es endlich, neben Devil May Cry und Wolverine endlich mal ein gelungenes Metzelabenteuer auf den Markt zu bringen. Tolle Atmosphäre, diverse kleine Rätsel, massig Gegner und beeindruckende Bosse. Was will man mehr, wenn man keinen Kratos zur Verfügung hat? Zugegeben, vieles wirkt etwas zu ähnlich, aber besser gut geklaut, als schlecht neu erfunden. Dummerweise ist die Höllentour schon nach kurzer Zeit vorbei und ein paar andere Hauptwaffen täten dem Spiel auch noch gut. Wenn ihr auf das Genre steht, volljährig und nicht zu zartbesaitet seid, dann lasst euch das Spiel nicht entgehen. Auch wenn das blutige Spektakel recht schnell vorbei ist, so werdet ihr euch noch lange an manche Szenen erinnern.
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