Die unendlichen Weiten des Weltraums sind eines der grösten Mysterien unserer Zeit. Die Vorstellung, die Erde zu verlassen und zu den Sternen zu reisen ist ein Wunsch vieler Menschen, den man sich heute nur mit viel Geld oder vor dem heimischen Monitor erfüllen kann. Klassiker wie Wing Commander, X oder Freelancer ließen euch anno dazumal die Kontrolle über euer eigenes Raumschiff übernehmen und erzählten zusätzlich epische Weltraumopern. Dann wurde es still um die Sternensagen, bis 2006 eine Gütersloher Spieleschmiede Namens Ascaron den Titel "DarkStar One" für den PC veröffentlichte. Schnell wurde das Spiel als die Wiederauferstehung der Spaceshooter gefeiert und mit Lorbeeren überschüttet. Trotz des Erfolges musste Ascaron wenig später Insolvenz anmelden. Eine große deutsche Entwicklerfirma verschwand von der Bildfläche.
2009 konnte sich der Entwickler Kalypso die Lizenzrechte einiger namhafter Ascaron-Titel sichern, darunter auch "DarkStar One". Mit dem Zusatz "Broken Alliance" erscheint das Weltraumepos nun für die Xbox 360 und will auch hier der Raumfahrt abseits reiner Rollenspiele à la Mass Effect neues Leben einhauchen. Ob dies gelingt, oder es sich nur um die simple Portierung eines vier Jahre alten Computerspieles handelt, erfahrt ihr in unserem Test. |
GZSZ im Weltraum Mit Tränen in den Augen betätigt ihr den großen vor euch liegenden Knopf zum Start der Rakete. An Bord befinden sich die Überreste eures Vaters, der durch einen Unfall im Weltraum ums Leben kam. Ihr seid Kayron Jarvis, einziger Erbe eines Multimillionen-Dollar Konzerns zur Herstellung von Raumfahrttechnologie. Als ein Vertrauter eures Vaters euch wenig später zu sich ruft, habt ihr immer noch ein ungutes Gefühl, was den Tod eures Mentors angeht. Zu schwammig sind die Untersuchungsergebnisse des Vorfalls bisher. Der Familienfreund eröffnet euch euer Erbe. Ihr erhaltet die DarkStar One, ein Kurzstreckenjäger der neuesten Generation, welcher auf Alientechnologie basiert und mit beliebigen Waffensystemen aufgerüstet werden kann. Es liegt nun an euch dass Werk eures Erzeugers mit diesem Prototyp fortzuführen. Doch eure Zweifel an einem Unfall scheinen nicht unbegründet. Ein Angestellter der Firma scheint das Schiff, in dem euer Vater den Tod fand, manipuliert zu haben. Fest entschlossen, die wahren Hintergründe für diese Tat in Erfahrung zu bringen und den Mörder aus dem Verkehr zu ziehen, brecht ihr in ein Abenteuer auf, dass euch bis an die Grenzen der bekannten Galaxien führen wird.
Zum ersten Mal nehmt ihr im Ledersessel der Kommandobrücke platz. Förmlich riechen könnt ihr die neue Ausstattung und die frisch geschweißte Hülle. Langsam öffnen sich die Schotts der Raumstation. Mit zitternden Fingern schiebt ihr den Schubregler langsam nach vorne. Ein Lichtstrahl der hinter einem Planeten hervorkommenden Sonne blendet euch leicht, als die DarkStar One in das in rötliche Spektren getauchte All gleitet. Eure Gedanken sind nur auf ein Ziel fokussiert: den Verräter zu finden und das Geheimnis um eures Vaters Tod zu lüften. Hastig tippt ihr den Schlüssel eines benachbarten Sonnensystems in euren Computer ein. Der Knopf für den Hyperraumantrieb saust unter dem Gewicht eurer Faust nach unten. Langsam schließt ihr die Augen, dann werdet ihr in den Hyperraum gesogen. |
Springen auch ohne Unwahrscheinlichkeitsdrive Um die Steuerung eures neuen Gefährts richtig erlernen zu können, dürft ihr euch zu Beginn des Spiels in einigen Trainingsmissionen die Zeit in den unendlichen Weitenum die Ohren schlagen. Habt ihr diese einmal gemeistert, steht euch die Galaxis völlig offen. Auf eurer Sternenkarte seht ihr alle bekannten Galaxien, Sternencluster und Sonnensysteme verzeichnet. Per Hyperraumsprung gelangt ihr, je nach Ausbaustufe eures Antriebes in nahe und ferne Sonnensysteme. Um euch die Entdeckungsreise zu erschweren, haben sich die Entwickler einen kleinen Kniff einfallen lassen: alle Systeme können nur mit einem speziellen Sprungschlüssel angeflogen werden, welcher euren Schiffscomputer mit den richtigen Koordinaten füttert. Die Schlüssel umliegender Systeme erhaltet ihr in der Handelsstation des aktuellen Sternenhaufens, andere Koordinaten müsst ihr euch erst durch das Abschließen bestimmter Missionen verdienen. Dies hat zur Folge, dass sich die Reise durch das Universum in den Grundschritten nach enger Zeit recht eintönig gestaltet: ihr fliegt ein Sonnensystem an, landet auf der Handelsstation, erhaltet einen Sprungschlüssel für das nächste System, dockt ab und fliegt zum nächsten Planeten.
Damit ihr nicht schon nach dem fünften System vor Langeweile aus den Latschen kippt, hat man sich damals im Hause Ascaron einiges einfallen lassen, was man bei Kalypso für die Xbox 360 unverändert übernommen hat. Über 300 Systeme lassen vor allem das Herz eines jeden Entdeckers und Sammlers höher schlagen. Es macht einfach Spaß auf Weltraumreise zu gehen und so viele Planeten wie möglich zu entdecken. Zudem seid ihr völlig frei in der Gestaltung eures Weges durch Galaxien. Ihr habt die Wahl, ob ihr den Spuren des Mörders eures Vaters folgend wollt, der sich wie mit Brotkrumen gelegt durch alle Teile des Alls verfolgen lässt, oder an Bord der Handelsstationen unterschiedliche Aufträge, Geleitschutzaufgaben oder eines der zahlreichen Sidequests annehmt.
Die euch feil gebotenen Missionen sind gut inszeniert und zeigen sich innovativ und abwechslungsreich. Mal müsst ihr im Auftrag eines Konzerns die Konkurrenz abhören und ausspionieren, mal gilt es einen verloren gegangenen Frachtcontainer wiederzubeschaffen. Natürlich sind auch eure Kopfgeldjägerfertigkeiten gefragt, wenn es darum geht unbequeme Rebellen oder Piratenfürsten mit der Kraft eurer Laser auszuknipsen. Wem das noch nicht genug ist, der darf seiner Kreativität freien Lauf lassen und für den hiesigen Sternenkalender auf die Jagd nach den schönsten Fotos des Planeten gehen. Trotz der Fülle unterschiedlicher Missionen werden euch einige der Aufgaben des öfteren über den Weg laufen. Habt ihr euren Job erfolgreich abgeschlossen, winkt eine stattliche Summe an Credits, die ihr in neue Schiffsteile oder Waren investieren könnt.
Waren? Richtig, denn DarkStar One verfügt für alle Pazifisten, Kaufmänner und BWL Studenten unter euch zusätzlich über ein ausgeklügeltes Wirtschaftssystem. Je nach Reichtum des Systems, den dort vorhandenen Gütern, so wie Angebot und Nachfrage richtet sich der Preis der zu kaufenden und verkaufenden Produkte. Durch geschicktes Einkaufen preisgünstiger Nahrungsmittel in einem Agrarsektor und deren Verkauf zu teuren Preisen in einem reichen Wissenschaftssystem lässt sich so auch ohne große Piratenjagd dick Geld machen. Wer aber glaubt so allen fiesen Gestalten aus dem Weg zu gehen hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Mit voll bepacktem Laderaum voller kostbarer Güter werdet ihr nicht selten selbst zum Objekt der Begierde für Freibeuter und Rebellenkommandos.
|