|
Mit Divinity II: Ego Draconis feiern die belgischen Entwickler der Larian Studios ihren Einstand auf der Xbox 360 Konsole. Das Rollenspiel, in dem ihr euch in einen riesigen Drachen verwandeln könnt, bietet mehr als 40 Stunden Spielzeit und eine frei erkundbare Welt, sowie zahlreiche Quests und Entdeckungen abseits der Hauptgeschichte. Durch ein klassenfreies Charaktersystem könnt ihr eine Vielzahl von persönlichen Vorlieben den Vorzug geben und euren individuellen Helden aufbauen. In unserem heutigen Test zu Divinity II: Ego Draconis haben wir das Rollenspiel unter die Lupe genommen und berichten euch von unseren Erfahrungen aus der Welt von Rivellon. |
Ausgeburt der Hölle Divinity II: Ego Draconis führt euch zurück nach Rivellon, einer zeitlosen Welt voller Wunder und Magie, die von fürchterlichen apokalyptischen Kriegern gebeutelt mittlerweile brachliegt. Schon zweimal wagte sich die Ausgeburt der Hölle aus seiner teuflischen Dimension heraus, um im Blut gefallener tapferen Recken zu baden, die sich ihm entgegenstellten, und zweimal ließen sich die Verteidiger Rivellons trotz schrecklicher Verluste nicht unterkriegen. Allerdings konnten sie sich nie über den Sieg freuen: Denn sie wussten ganz genau, dass der Dämon eines Tages zurückkehren würde.
Die historische Vorgeschichte von Divinity II: Ego Draconis wird euch in einer mehrseitigen Vorgeschichte im Handbuch näher gebracht. Aber auch im Spiel selbst werdet ihr die Gelegenheit haben, euch über die Geschichte von Rivellon zu erkunden. Beispielsweise werdet ihr auf eurem Abenteuer zahlreiche Bücher und Schriften finden, die von Drachentötern und Drachenrittern aus längst vergangenen Tagen berichten. Aber auch Gesprächspartner sind mit Wissen bewandert, die euch weitere Einblicke in Ereignisse und Personen geben werden, die ihr ansonsten nur aus dem Vorgängerspiel Divine Divinity kennen dürftet, das aber lediglich für den PC erschienen ist. Ihr braucht also keine Angst zu haben, in eine Art Fortsetzung geworfen zu werden, von der ihr den Hintergrund nicht kennt oder versteht.
Seit der letzten Schlacht ist nun ein halbes Jahrhundert vergangen. Die befreiten Völker genießen den Frieden und haben den schrecklichen Horror längst vergessen. Doch dem dunklen Herrscher gelingt es sich aus seiner Verbannung zu befreien und über Rivellon könnten sich erneut dunkle Wolken legen. Es liegt nun an euch, eine wichtige Rolle in dieser Geschichte zu spielen. |
Das Abenteuer beginnt Nach einem recht kurzen Intro gelangt ihr in die Charakterstellung, wo ihr eurer Figur einen Namen und das gewünschte Aussehen verpassen könnt. So stehen euch beispielsweise beim Gesicht einige Narben und unterschiedliche Bartwüchse zur Auswahl. Weiterhin dürft ihr in den Farben blond oder braun zwischen drei Frisurtypen wählen. Zum Schluss benötigt euer Charakter noch eine Stimme. Darf es ein Bürger, ein Aristokrat oder vielleicht lieber der Soldat oder Ritter sein? Die Auswahlmöglichkeiten bei der Individualisierung sind leider stark begrenzt. So hätten wir uns mehr Gesichter bzw. Frisuren gewünscht und auch die Statur hätten wir gerne unseren Wünschen angepasst. Zumindest besteht später im Spiel die Möglichkeit, bei einem Illusionisten das Aussehen nochmals zu überarbeiten, falls ihr mit eurer bisherigen Wahl nicht ganz zufrieden sein solltet.
Da wir uns nun optisch ausgestattet haben, beginnt ihr eure Geschichte als Drachentöter in der Akademie von Leuchtenfeld. Während ihr die ersten Dialoge führt, fällt besonders die Aufmachung der Gespräche positiv auf, bei der sich in fast jedem Satz der Kamerawinkel verändert bzw. einen sichten Schwenk um die Figur macht, was das Ganze optisch auflockert und nicht in einer steifen Konversationen enden lässt. Schließlich werdet ihr im Laufe der Zeit unzählige Gespräche führen können, die dazu noch sehr gut in die deutsche Sprache vertont wurde und die stimmig wirken.
Glücklicherweise fehlt hier auch der Zwillingseffekt, den es in vielen Rollenspielen zu beobachten gibt. Fast jeder Charakter sieht anders aus und hat eigene Stimme. Das macht die ganze Welt viel glaubhafter und realistischer. In der Akademie von Leuchtenfeld werdet ihr in die zur Verfügung stehenden Charakterklassen herangeführt. Für die Klassen des Kriegers, Magiers und Waldläufers stehen euch Talent-Ausbilder zur Seite, die euch die verschiedenen Eigenschaften der jeweiligen Klasse näher bringen und euch auf den richtigen Talentpfad führen. In der Kampfarena könnt ihr dann die gewählte Klasse an ein paar Goblins in der Praxis testen. Eine weitere Klasse ist die des Priesters, der jedoch mit allen Klassen kombinierbar ist. Die Auswahl der Klasse ist jedoch nicht permanent. Denn Divinity II: Ego Draconis verzichtet bewusst auf feste Charakterklassen, damit ihr euch frei entfalten dürft. Ihr könnt später eure Fertigkeitspunkte in eine beliebige Fähigkeit aller Klassen investieren, was euch eine große Freiheit bei der Entwicklung eures Helden ermöglicht. So könnt ihr etwa die heilenden Kräfte eines Priesters mit der Stärke eines Schwertschwingenden Krieges verbinden. Die Vielfalt ist groß und verschafft euch die Möglichkeit, nach dem ersten Durchspielen ein weiteres Mal in die Welt von Rivellon einzutauchen.
Neben den Fertigkeitspunkten werdet ihr auch für jeden Stufenaufstieg mit Steigerungspunkten belohnt, die ihr auf die Attribute Lebenskraft, Willenskraft, Stärke, Geschicklichkeit und Intelligenz verteilen könnt. Neben jedem Attribut findet ihr zudem eine Auflistung, in welchen Bereichen sich die vergebenen Punkte auswirken werden. So behaltet ihr den Überblick für die gewünschte Entwicklung eures Helden und könnt so euren Charakter weiter den eigenen Wünschen anpassen. Für echte Rollenspieler also genau das Richtige.
|
In Bewegung Viele Meilen werdet ihr in Rivellon zurücklegen um zahlreiche Höhlen zu erforschen, in Behausungen einzutreten, Türme zu erklimmen und gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Gegner im Kampf antreten. Klar, dass hier eine vernünftige Steuerung her muss. Divinity II: Ego Draconis bietet diese zum Glück und einem entspannten Spielen über viele Stunden steht somit nichts im Wege. Im Kampf könnt ihr mit der linken Schultertaste euren Gegner anvisieren und mit den farbigen Tasten am Controller euer Ziel angreifen. Geschossen oder einer blitzenden Klinge im Nahkampf könnt ihr auch noch ausweichen in dem ihr bei gedrückter linker Schultertaste die rechte Schultertaste hinzunehmt. Die Tasten, A, B, X und Y sind außerdem noch frei belegbar. Haltet dazu die gewünschte Taste einfach einen Moment lang gedrückt und sucht eine Fähigkeit oder Angriff aus der Liste heraus. Gleiches könnt ihr auch mit dem analogen Steuerkreuz tun und euch dort vielleicht einige Tränke zuweisen. Mit nur sechs belegbaren Tasten mag es euch auf den ersten Blick im Gegensatz zu den zahlreichen Fähigkeiten sehr spartanisch vorkommen, jedoch könnt ihr jederzeit das Spiel mit einem Druck auf den rechten Stick in den Pausenmodus versetzen und über die Schultertasten das Menü aufrufen, um euren nächsten Schritt oder Angriff zu planen. Eine automatische Pause könnt ihr übrigens auch einleiten, indem ihr im Spielmenü vorher angebt, bei wie viel Prozent Restleben der Pausenmodus aktiviert werden soll. Tolle Sache und vor allem sehr nützlich, wenn ihr im Eifer des Gefechts mal nicht einen Blick auf eure Lebensanzeige werfen könnt. Auch die restliche Belegung der Tasten ist sinnvoll und effizient gestaltet. Mit dem linken Bumper könnt ihr Dialoge starten und eure Beute aufsammeln und zu einem Sprung setzt eurer Held mit der rechten Schultertaste an. Die Belegung Steuerung geht leicht von der Hand. Auch das Bewegen eures Charakters mit dem linken und der Kameraführung mit dem rechten Analogstick geht gut und flüssig von der Hand. Schön umgesetzt finden wir.
Über die Starttaste offenbart sich dann auch noch das eigentliche Menü, das euch Zugang zu euren Fertigkeiten, eurem Tagebuch, einer Weltkarte sowie dem Inventar und einigem mehr gewährt. Bis auf das Questlog im Tagebuch sind alle Untermenüs übersichtlich gestaltet und erklären sich an Hand von eingeblendeten Infos am unteren Bildschirm selbst. |
Die Sorgen der Anderen Nach dem Prolog in der Akademie beginnt euer Abenteuer in einem kleinen Dorf im Trümmertal, wo euch neben der Hauptquest auch zahlreiche Nebenaufträge erwarten, die nach einem Helden wie ihr es einer seid bzw. werden wollt, schreien. Denn so mancher Bewohner hat seine eigenen Sorgen und benötigt eure Hilfe. Egal ob Nachschub für ein anderes Dorf, ein Mord aus Liebe oder zwei Waschweiber die beim Aufhängen der Wäsche in der glitzernden Sonne ihrem Namen als Tratschtanten alle Ehre machen: Die Nebenaufträge führen euch in die Welt von Rivellon ein und geben euch die Möglichkeit, die Welt erstmals zu erkunden. Ohnehin sind die Nebenaufträge unverzichtbar. Denn schließlich seid ihr noch schwach, ohne gute Ausrüstung und mit wenigen Fähigkeiten ausgestattet. Beim Einlösen von Quests habt ihr dann stets die Wahl zwischen Belohnungen auszuwählen. Dabei springt dann entweder zusätzliche Erfahrung, ein Sack voll Gold, oder Ausrüstungsgegenstände für euch heraus. Die Quests sind abwechslungsreich, durch teils humorvolle Dialoge sehr gut präsentiert und bringen euch dazu das Trümmertal bis in den letzten Winkel zu erkunden. Denn auf den ersten Blick werdet ihr nicht erkennen, dass bereits im ersten Abschnitt des Trümmertals eine Menge entdeckt und erforscht werden kann. Zahlreiche Falltüren die im Gras versteckt sind, eine kleine Siedlung, ein Goblinlager und vieles mehr erwarten euch bereits zu Beginn des Abenteuers. Es wäre eine Schande wenn ihr einiges davon verpassen würdet, denn gerade die Höhlen sind vorwiegend wunderschön in Szene gesetzt und zeigen viel Liebe zum Detail in der Ausstattung.
Einige Geheimnisse lassen sich zusätzlich noch in Dialogen mit eurem Gesprächspartner entlocken. Als Drachentöter habt ihr die Gabe des Gedankenlesens inne. Durch einen Druck auf die X-Taste könnt ihr die Gedanken eures Gegenüber lesen. Doch kostet das jedes Mal Erfahrungspunkte, die in unterschiedlicher Höhe ausfallen. Es empfiehlt sich daher nach Möglichkeit das Spiel vorher zu speichern, damit ihr am Ende nicht einen Haufen Erfahrungspunkte für belanglose Gedanken verschwendet habt.
Auch die Gegenstände die in Truhen, Fässern, oder von besiegten Gegnern in Besitz genommen werden können sind sehr unterschiedlich und gehören nicht gleich Händler verkauft. Ihr werdet zahlreiche Waffen finden, die ihr noch mit besonderen Aufsätzen aufwerten könnt um starke Rüstungen und mächtigere Waffen zu kreieren. Kräuter und Pflanzen können in Tränke umgewandelt werden und aus verwesten Leichenteilen könnt ihr euch einen prima Untoten Begleiter zusammenbasteln, der euch im Kampf unterstützen wird. Vermisst haben wir lediglich eine Vergleichsmöglichkeit zwischen einem neuen und bereits angelegten Gegenstand. Da ist ein wenig Gewusel durch die sonst gut durchdachten Menüs von Nöten. |
Drachenturm Da ihr euch im Laufe des Spiels auch in einen mächtigen Drachen verwandeln könnt, gehört sich auch ein schicker Drachenturm. Dieser muss jedoch erst mal erobert werden und kostet viel Schweiß und Arbeit. Doch seid ihr an diesem Punkt letztendlich angelangt, stehen euch auch im Stile von Overlord Diener zur Seite. Ist es nicht schön einen Alchemisten, Nekromanten, Zauberer und persönlichen Trainer rund um die Uhr zur Verfügung zu haben? Wir finden schon. Die Diener statten euch mit allem aus was ihr auf eurem Abenteuer an Tränken, Gefährten, Rüstungen und Waffen so braucht. Selbst Sammler könnt ihr auf den Weg schicken, damit sie benötigte Erze, Edelsteine oder Pflanzen für euch besorgen. Eine tolle Art der Dienstleistung. Aber gebt Acht, das ihr eure Sammler auch vorher ausstattet, sonst liegen sie schneller tot im Dreck als euch lieb ist. |
Präsentation In Divinity II: Ego Draconis zeigt sich die Welt von Rivellon von seiner schönen Seite. Die Fantasiewelt zeigt sich lebendig, Gräser und Bäume wiegen sich im Wind und Hasen laufen frohen Mutes durch den Wald während die Vögel zwitschern. Im Trümmertal ist das Wasser des dahinplätschernden Flusses so klar, das ihr euch am liebsten mit einem kräftigen Schluck daran laben möchtet. Die Optik kann sich also definitiv sehen lassen und zeigt gegenüber Risen, was auf der 360 möglich ist. Die erkundbaren Höhlen und Innenräume sind sehr detailverliebt und wirken echt und bringen euch immer wieder dazu die nächste Etage erkunden zu wollen, obwohl ihr euch schon vor Stunden vom Spiel losreißen wolltet. Ein Wechsel des Umgebungslichts in den Höhlen ist zudem ebenfalls positiv zu vermerken und beugt damit einer aufkommenden Langeweile vor.
Die wunderschöne Welt hat aber auch eine Schattenseite: Gelegentlich sind vor allem in den Außengebieten Ruckler zu spüren und Tearing erscheint vereinzelt auf dem Bildschirm. Hinzu ploppt beispielsweise ein Wiesenteppich in 10-15 Metern vor euch auf. Das ist halt der Preis der gut gelungenen Grafikumsetzung, die wir während unseres Tests aber durchaus gerne in Kauf genommen haben. Denn die Mischung stimmt einfach: Zahlreiche Nebenquests mit teils mehreren Lösungswegen, eine frei erkundbare Welt in der es eine Menge zu Entdecken gibt, klasse gesprochene Dialoge mit vielen unterschiedlichen Individuen und einer guten Story.
Ein ganz großes Lob gilt auch der Soundkulisse und insbesondere der Musik. Fast jedes Areal ist hier mit einem eigenen musikalischen Thema stimmig untermalt und unterstreicht die aktuelle Atmosphäre bzw. Situation im Spiel sehr positiv. Als Beispiel führen wir den Kampf und den Aufstieg in einem Turm an, der durch eine dramatische Musik wunderbar unterlegt wurde und dem Spielgefühl einen zusätzlichen Kick verleiht. Einfach klasse.
Was uns negativ auffiel waren die Reaktionen der NPC's auf bestimmte Aktionen. So könnt ihr jederzeit euren kleptomanischen Trieben freien Lauf lassen und einem Bewohner die Hütte ausräumen. Ruck zuck Kisten und Fässer geleert, die Truhe noch geöffnet und das frische Brot vom Tisch stibitzt. Vom Besitzer folgt keinerlei Reaktion. Hier hätten uns der NPC wenigstens mit einem Besen in der Hand zum Teufel jagen sollen um die Welt noch etwas lebendiger zu gestalten. Auch Hühner dürft ihr getrost mit dem dreckigen Stiefel treten. Den Bauer kümmert das nicht im Geringsten. Schade. Aber gut zu verkraften. |
Die Divinity-Saga ist vorwiegend auf dem PC heimisch und unter Konsolenspielern eher weniger bekannt. Umso überraschter waren wir daher während unseres Tests von der gelungenen Umsetzung auf der Xbox 360 und der uns hier präsentierten Welt des kleinen belgischen Studios Larian. Rivellon ist eine wunderschön gestaltete Welt, in der die Entwickler an vielen Stellen besondere Liebe zum Detail zeigen. Eine lebendige Welt mit glaubwürdigen Charakteren und toll gesprochenen Dialogen, zahlreichen Quests und einem freien Klassensystem, in dem wir unseren eigenen Helden nach Wunsch gestalten und entwickeln können. Unglaublich positiv waren wir auch von der Musik überrascht, die wunderbar auf den entsprechenden Ort zugeschnitten ist und einem das positive Gefühl dieser Welt nochmals schön unterstreicht. Die Steuerung geht gut von der Hand und das Kampfsystem ist solide umgesetzt worden. Einziges Manko im Spiel sind die gelegentlichen Ruckler und die Streifen des Tearings, die sich an manchen Stellen bemerkbar machen. Doch Rollenspieler werden sich davon nicht entmutigen lassen und definitiv einen Blick in die Welt von Rivellon riskieren wollen, denn Divinity II: Ego Draconis sollte in keiner RPG-Sammlung fehlen dürfen.
„Divinity II: Ego Draconis sollte in keiner gut sortierten RPG-Sammlung fehlen“
|
Pro
- Lebendige Welt
- Gute Hauptstory
- Abwechslungsreiche Nebenquests…
- …die teilweise mehrere Lösungswege haben
- Abseits der Hauptstory viel zu Entdecken
- Offene Welt
- Unterschiedliche Charaktere
- Tolle gesprochene Dialoge und Vertonung
- Erstklassige musikalische Untermalung
- Gute Präsentation der Grafik…
|
Kontra
- … die an manchen Stellen jedoch ruckelt
- Gelegentliches Tearing samt Streifenbildung
- Pop-Ups in der Landschaft
- Kein Vergleich zwischen Gegenständen möglich
- Reaktionen der Bewohner nicht immer glaubhaft
|