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In den erlesenen Kreisen der mythischen Kreaturen nehmen Drachen die Königsrolle ein. Sie sind ein Sinnbild für Eleganz und Macht, faszinierende Anmut und tödliche Schönheit. Nicht nur in modernen Fantasy-Geschichten finden sie ihren Platz. Schon der mittelalterliche Sagenheld Siegfried hatte mit den feuerspuckenden Geschöpfen das ein oder andere Treffen. Es ist also kein Wunder, dass Rollenspiele immer wieder Drachen als Motiv nehmen und eine Geschichte um diese Kreaturengattung spinnen. Divinity II hat 2009 ein erfolgreiches Debüt hingelegt, krankte jedoch an einigen technischen Mängeln. In diesem Jahr kam mit Flames of Vengeance ein umfangreiches Add-On für das Hauptspiel auf den Markt und seit Kurzem können Drachenfans die komplette Saga in einer Box kaufen. Divinity II: The Dragon Knight Saga bietet euch, das Hauptspiel und die Erweiterung zusammengenommen, mehr als 50 Stunden Spielzeit. Doch macht diese Zeit Spaß oder ziehen die Stunden nur langsam ins Land Rivellon? |
Euer eigener Held rettet die Welt Versetzt euch in eine magische Welt, die noch die Narben der letzten Kriege trägt. Die Drachen gelten in Rivellon als gefährliche Kreaturen, die es zu vernichten gilt. Das übernimmt die Gilde der Drachentöter, der ihr angehört. Dieser Orden mächtiger Ritter hat es sich zur Aufgabe gemacht, die magischen Geschöpfe und ihre Vasallen, die Drachenritter, zu jagen und zur Strecke zu bringen. In einem viele Jahre währenden Kampf ist die Zahl der Drachen immer weiter gesunken, bis nur noch ein einziges Exemplar übriggeblieben ist. An diesem Punkt startet die Geschichte des Hauptspiels. Ihr seid ein vielversprechender Adept der Gilde und konntet in vielen Jahren harten Trainings alle Disziplinen des Kampfes meistern. Bevor ihr euch jedoch zu den Drachentötern dazuzuzählen dürft, werdet ihr durch einen Fluch mit der Seele eines Drachen ausgestattet. Eure ehemaligen Freunde werden zu Feinden und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Am Horizont wartet jedoch ein bösartiger Feind, Damian, der das Gefüge in der Welt durch seine Machtgier auseinanderzureißen droht. Könnt ihr ihn am Ende aufhalten?
Bevor ihr diese epische Reise startet, braucht ihr zunächst ein passendes Äußeres. Männlein und Weiblein stehen euch zur Wahl, jedes Geschlecht bietet eine relativ begrenzte Auswahl unterschiedlicher, vorgegebener Varianten. Aus einer Handvoll Frisuren, ein paar vorgefertigten Gesichtern und einigen mehr oder weniger passablen Stimmen sollt ihr am Anfang der Kampagne euren Helden schnitzen und in die große weite Welt entlassen. Der Charakter-Editor ist ziemlich mager, eine Auswahl für Klassen fehlt. Das ist aber durchaus etwas Positives. Divinity 2 lässt euch bei der Gestaltung eurer Fähigkeiten völlig freie Hand. Genügend Fertigkeitspunkte vorausgesetzt könnt ihr aus der vielfältigen Skillpalette frei wählen. Wollt ihr einen muskelbepackten Krieger mit Hang zu feurigen Explosionen? Setzt einfach genügend Punkte auf die entsprechenden Fähigkeiten. Das System ist sehr variabel und erlaubt euch größtmögliche Freiheit. Damit geht natürlich auch die Gefahr einher, einen völlig unspielbaren Charakter zu bauen. Aber das ist eben ein Berufsrisiko.
Auf der DVD befindet sich nicht nur das Hauptspiel. Im Bundle ist nämlich auch noch das Add-On Flames of Vengeance enthalten. Damian, der Oberbösewicht aus dem Hauptspiel, belagert Aleroth mit seinen fliegenden Festungen, die Bomben gegen den magischen Schutzwall der Stadt werfen. Lange hält dieser nicht mehr aus, deshalb ist es eure Aufgabe, einen mächtigen Magier aus den Katakomben Aleroths zu wecken und seine Kräfte für seine Dienste zu nutzen. Da Katakomben nicht gerade als Partykeller bekannt sind, ist es ratsam, nur mit einem einigermaßen mächtigen Helden dort hinunterzusteigen.
Habt ihr einen Endspielstand aus dem Hauptspiel, so könnt ihr euren alten Charakter gleich in das neue Add-On übertragen. Wer aber lieber von Neuem anfangen will, der kann allerdings auch einen neuen Recken mit Level 35 erschaffen und den durch die Gassen Aleroths schicken. Ausrüstung hat er aber keine, dafür einen Sack voller Gold. Damit lassen sich ganz passable Gegenstände einkaufen. |
Ich weiß, was ihr denkt Nach einer kurzen Einführung in die Welt der Drachentöter, in der ihr die Fähigkeit Gedanken zu lesen gewinnt und eure Erfahrungen aus eurer Ausbildung verliert, steht ihr etwas verloren im Trümmertal. Der Name ist Programm. Das Dorf ist eigentlich eine rudimentäre Ansammlung von Häusern, die von einer kleinen Holzpalisade umzäunt ist. Goblins streifen marodierend durch die Gegend, Schmuggler machen den Wachen zu schaffen und zu allem Überfluss warten gruselige Skelette und riesige Trolle auf unvorbereitete Abenteuer. In der Mitte des Tals thront ein verlassener Turm, der einst vom Drachenritter Lovis bewohnt wurde. Jetzt ist er nur noch ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit - ein Verdienst der Drachentöter-Gilde. Die Mission ist klar. Die Drachentöter-Generalin Rhoda, eure Kameraden und ihr seid hier, um Talana, die letzte Drachenritterin, zu töten. Da ihr aber kaum stärker als ein Hundewelpe seid, müsst ihr dröge Detektivarbeit leisten, anstatt mit gezückter Klinge durch das Gebüsch zu streifen. Das Schicksal meint es anscheinend nicht gut mit euch, aber nichtsdestotrotz müsst ihr euch ihm beugen.
Ihr sollt Informationen über den Drachen einholen, die Einwohner berichten von seltsamen Beobachtungen in den letzten Tagen. Doch nicht jeder will mit euch reden. Während ihr in anderen Rollenspielen entnervt einen anderen NPC aufsuchen oder euren Gesprächspartner mühsam überreden müsstet, könnt ihr Dank eurer Drachenkraft einfach in ihren Gedanken stöbern. Lügner haben keine Chance. Mithilfe dieser nützlichen Fähigkeit lassen sich viele weitere Geheimnisse aufdecken. Hinweise auf versteckte Schätze oder gar neue Quests könnt ihr auf diese Weise zutage fördern. Doch ganz umsonst ist der Spaß nicht. Statt mit Gold bezahlt ihr jeden Einsatz eurer Kräfte mit wertvollen Erfahrungspunkten. Je pikanter die Information und je mächtiger der Geist eures Gegenübers ist, desto teurer kommt es euch zu stehen. Das Gedankenlesen sollte also wohlüberlegt sein. |
Nehmt es mit Humor Die NPCs in Divinity II haben aber auch ohne Drachenmagie einiges zu erzählen. Fast jeder sieht anders aus und hat oft auch eine Geschichte zu erzählen. Sei es nur von den täglichen Arbeiten, von sich selbst oder von der durchaus umfangreichen Geschichte der Spielwelt. Außerdem gehen sie emsig ihren täglichen Aufgaben nach, laufen einfach nur herum oder sitzen in der Schenke und genehmigen sich ein kühles Bier. Ihr könnt den Stadtwachen beim Training zuschauen, dem Gebrüll des Kommandanten lauschen oder den Schmied bei seiner Arbeit beobachten. Diese kleinen Details machen die Spielwelt lebendig und greifbar, die hakeligen Animationen und größtenteils steifen Körper der NPCs nehmen leider wieder viel von dieser Atmosphäre weg.
Dafür sind die Quests in der Regel unterhaltsam und abwechslungsreich. So werdet ihr zum Beispiel von einem Schweinebauern gebeten, seine liebgewonnenen Tiere von einem nahen Bauernhof wieder zu holen. Nicht, damit er sie selbst schlachten kann. Sondern weil er sein Herz an die rosa Schweinchen verloren hat und sie deshalb vor dem Metzger retten will. Ihr merkt schnell, dass sich Divinity II in den Nebenquests nicht immer allzu ernst nimmt. Humor spielt in diesem Rollenspiel eine große Rolle und findet sich dementsprechend oft in den Dialogen oder Aufgaben wieder.
Oft habt ihr zudem die Möglichkeit, euch zwischen zwei Parteien zu entscheiden. Dabei wirken sich eure Entscheidungen direkt auf den Ausgang der jeweiligen Mission aus. Die Präsentation der Aufgaben ist gut umgesetzt, genauso wie die Möglichkeit, eure Belohnung am Ende teilweise selbst wählen zu können. Seid ihr eher in Geldnot, könnt ihr euch einen Haufen Extragold schnappen. Wenn ihr lieber das nächste Level erreichen wollt, ist der Griff zum Erfahrungsbonus ratsam. |
Kämpfe ohne Balance Bei euren Streifzügen durch Rivellon begegnet ihr vielen ungeheuren Gestalten, die euch ans Leder wollen. Um euch mit Schwert, Bogen oder Zauber zur Wehr zu setzen, müsst ihr eine der acht Schnelltasten drücken. Die könnt ihr vor dem Kampf mit einer entsprechenden Aktion verbinden, etwa ein Hieb mit dem Schwert oder einen nützlichen Heiltrank. Mit der RT-Taste springt euer Held oder eure Heldin ungewöhnlich hoch, während ihr mit der Back-Taste Zugriff auf die Weltkarte habt. Falls euch die Kämpfe einmal zu hektisch werden, könnt ihr das Geschehen außerdem mit einem Druck auf den rechten Analogstick pausieren und in aller Ruhe über euren nächsten Zug nachdenken.
Das ist mitunter auch nötig, denn ihr kämpft vor allem zu Beginn eines Kapitels mit argen Balancing-Problemen. Wagt ihr euch zu schnell zu weit in ein unbekanntes Gebiet, liegt ihr schneller mit dem Gesicht auf dem Boden als euch lieb ist. Schon wenige Level machen den Unterschied zwischen "Verdammt einfach" und "Viel zu schwer" aus. War der Elite-Skelettkrieger auf Level Sieben noch viel zu stark, registriert ihr seine Treffer drei Stufenaufstiege gar nicht mehr. Außerdem haben Bogenschützen einen enormen Vorteil, da sie aus weiter Ferne angreifen und bei Bedarf einfach wegrennen können, ohne großartig Schaden einstecken zu müssen. Hier hatten die Entwickler die Chance, noch mal anzusetzen und das Ganze auszubalancieren. Leider haben sie diese nicht genutzt. |
Schöne Welt Rivellon ist, obwohl es von bösen Schergen bedroht wird, eine schöne Welt. Das Trümmertal erstrahlt in lebendigem Grün, breite Flüsse schlängeln sich feucht und frisch durch die Landschaft. Die Baumkronen wiegen sich im Wind und überall findet ihr Zeugnisse vergangener Kulturen. Eine zerstörte Kapelle, verlassene Lager und eine Menge versteckte Dungeons könnt ihr finden, wenn ihr abseits der Pfade wandelt. Der Umweg lohnt sich, denn es gibt nur wertvolle Gegenstände zu finden, sondern auch wunderschöne Landschaften zu betrachten. Leider sind die Animationen und Effekte nicht ganz so gelungen wie Umgebung. Ihr braucht gar nicht so genau hinzuschauen, um zu erkennen, wo eine Animationen aufhört und wo die andere beginnt. Die Figuren bewegen sich hölzern und relativ unrealistisch, was vor allem bei eurem Helden auffällt. Mal abgesehen davon, dass er aus dem Stand mehrere Meter hochspringen kann, bewegt er sich, als hätte er einen Besen in der Rüstung.
An der akustischen Untermalung gibt es nichts zu meckern. Die Hintergrundmusik präsentiert sich abwechslungsreich und passt sich dem Geschehen an. Spaziert ihr gemütlich durch die Welt, erklingen sanfte Töne. Dagegen bekommt ihr dramatische Musik zu hören, wenn es heiß hergeht. Die Qualität der Sprecher schwankt. Von Totalabstürzen bis zu angenehmen Überraschungen ist alles dabei.
Vor allem auf der technischen Seite hatte Divinity II seine Probleme. Die sollen in der überarbeiteten Fassung verschwunden sein. Und tatsächlich tritt das bemängelte Tearing nicht mehr auf und die Framerate bleibt größtenteils stabil. Dafür scheint das Spiel jetzt gehäuft von Abstürzen geplagt zu sein. Innerhalb von wenigen Stunden ist es dreimal abgestürzt. Da eine Quicksavefunktion fehlt und das Spiel vor bestimmten Missionen speichert, kann es sein, dass ihr durch einen Absturz viele Stunden umsonst investiert habt. |
Fazit Rollenspieler haben es in diesem Herbst gut. Erst kommt mit Two Worlds II ein Überraschungserfolg aus Polen, dann erscheint mit Divinity II: The Dragon Knight Saga noch ein episches Abenteuer aus dem Hause Larian Studios. Sicher, wer sich bereits im letzten Jahr nach Rivellon gewagt hat, der braucht dieses Bundle nicht mehr. Doch für alle anderen bietet die Disc einen ganzen Haufen Spielstunden für das hart verdiente Geld. Die umfangreiche Kampagne, unzählige Nebenquests und die humorvollen Dialoge und Aufgaben haben schon das Hauptspiel spielenswert gemacht. Das Add-On und die technischen Verbesserungen runden das ganze Paket noch ab. Es gibt aber immer noch etwas zu meckern. Zwar ruckelt Divinity II nicht mehr so stark, dafür stürzt es häufiger ab. Außerdem haben die Entwickler die Balacing-Probleme noch nicht in den Griff gekriegt. Da hoffen wir auf einen Patch, der auch noch die letzten Fehlerchen beseitigt.
„Divinity 2: The Dragon Knight Saga ist ein episches Rollenspielpaket mit kleinen Makeln“
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Pro
- Umfangreiche Kampagne im Hauptspiel und Add-On
- Freie Wahl der Charakterklasse
- Humorvolle Dialoge und Aufgaben
- Abwechslungsreiche Nebenquests
- Wunderschöne Präsentation
- Stimmungsvolle Hintergrundmusik
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Kontra
- Steife Animationen
- Balancing-Probleme
- Häufige Abstürze
- Magerer Charakter-Editor
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