Drei Jahre nach dem ersten Abenteuer des ungleichen Duos, schickt Eidos die beiden erneut ins Rennen. Dieses mal nach Shanghai. Ob der Ausflug, sein Geld wert ist, oder besser hätte storniert werden sollen, lest ihr jetzt.
Ein wahrer Hundstag
Du stehst morgens auf und bemerkst, dass du ziemlich heftig verschlafen hast. Beim aufstehen haust du dir den Kopf an, die Dusche gibt nur kaltes Wasser und zu allem Überfluss gibt es auch keine Milch im Haus. Ohne Cornflakes oder Kaffee machst du dich auf den Weg zum Geburtstag deiner Freundin, gibst dein letztes Geld für einen mies gelaunten Taxifahrer aus, um vor ihrem Haus festzustellen, dass du doch tatsächlich ihr Geschenk zu hause hast liegen lassen.
Das der Wohnungsschlüssel gleich neben dem Geschenk liegt, ist ab dem Moment wo dich die Polizei nach deinem Ausweis fragt, während du durch das zerschlagene Fenster kriechst, egal, denn da du dein Portemonnaie im Taxi vergessen hast, verbringst du die Nacht sowieso im Knast.
Das kann man wahrlich als einen hundsmiesen Tag bezeichnen, in Anbetracht was Kane und Lynch in Shanghai erwartet jedoch nicht mehr, als ein humorloser Witz.
„Und wie gefällt dir Shanghai?“
Nach den Ereignissen aus Teil Eins setzt sich Hobby-Psychopath Lynch, die Hauptfigur des zweiten Teiles, in der chinesischen Metropole Shanghai zur Ruhe. Seine Tabletten wirken, ihm geht’s Gut. Er hat sogar eine Freundin, mit der er zusammen lebt.
Doch da selbst in China kein Geld auf Bäumen wächst, zieht Lynch einen fetten Waffen Deal an Land und ruft seinen alten Freund Kane an, um ihm zur Seite zu stehen.
Der Ex-Söldner kann das Geld mehr als dringend gebrauchen, um seine Tochter Jenni durch zubringen, was ihn letztendlich nach Shanghai verschlägt.
Die erste Szene macht den neuen Stil des Spiels recht deutlich.
Das Action Duo ist splitterfasernackt an zwei Stühle in einer öffentlichen Toilette gefesselt. Das Messer eines großen Chinesen spielt den beiden dabei übel mit. Sie haben tiefe Schnittwunden am ganzen Körper.
Lynch verliert langsam das Bewusstsein, Kane brüllt seinen Peiniger an.
...48 Stunden zuvor...
„Kane! Willkommen in Shanghai“
Alles wirkt sehr Authentisch, als wäre man mitten drin. Das ist wohl größtenteils der Kamera und dem Grafikstil zuzurechnen, denn das Spiel präsentiert sich im ungewöhnlichen Youtube-Shaky-Cam Stil. Man hat das Gefühl, ein Typ würde Lynch mit einer 0.3 Megapixel Kamera hinterher laufen.
Fängt man an zu sprinten, wackelt die Kamera einem hinterher, Wind rauscht ins Mikrofon, Blut- und Wassertropfen kleben an der Linse und brechen das Licht in bunte Strahlen und auch Bildfehler tauchen auf. Bei Explosionen wird das Bild grob pixelig und im dunklen flimmert das Bild.
Aber auch die dreckigen Gassen, Zigarettenstummel und die chinesischen Leuchtreklamen sorgen dafür, dass man sich fühlt, als wäre man im Hinterhof einer heruntergekommenen Kneipe, wo die ganzen Typen rumhängen, vor denen Mama einen immer gewarnt hat.
Was du nicht willst, was man dir tut...
Nach dem Lynch seinen Kollegen vom Flughafen abgeholt hat, muss er noch einen kleinen Job erledigen.
Nichts großes, bloß ein Typ der zu viel redet.
Lynch tritt die Tür des Appartements ein und erwischt das Opfer mit seiner Freundin, in einer Situation, in der man nur ungern eine Kanone vor's Gesicht gehalten bekommt.
Der Kerl fackelt aber nicht lange und zückt prompt eine Waffe, schießt wild um sich und rennt in Unterhosen, samt nackter Freundin davon.
Eine rasante Verfolgungsjagd durch die Gassen und Dächer Shanghai's beginnt, mit einen leicht gestörten Beigeschmack.
In einer Sackgasse geht ein Schuss daneben und trifft das Mädchen tödlich.
Der Chinese zieht ein Messer, und beendet sein Leben darauf selbst.
Was ist gerade passiert? Das weiß wohl keiner von beiden so richtig.
Denn wüsste das Duo, dass die Tochter eines korrupten Politikers, der auch im Waffen Deal involviert ist, gerade von ihnen erschossen wurde, wären sie dem Beispiel des Chinesen gefolgt.
Der will nämlich Rache und es dauert nicht lange bis halb Shanghai hinter den zwei verrückten her ist. Ob Kane und Lynch dabei auf Soldaten, Gangstern oder Polizisten schießen, ist ihnen relativ Wurst, den was zählt, ist der Deal.
Klar das da auch nicht alles glatt läuft.
Rum ballern ist wie Fahrrad fahren...
Schlussendlich tun sie doch das, was sie am besten können.
Ballern aus allen Nähten! In Shanghai vorwiegend mit chinesischen Bleispritzen, die man hier zu lande kaum kennen dürfe.
Zwei der Schießeisen trägt Lynch immer bei sich. Auf Knopfdruck sieht Lynch alle Waffen in der Umgebung, an denen er sich bedienen kann. Hin und wieder liegen auch Feuerlöscher, Propangas Flaschen und andere hoch explosiven Behälter im Level die man mit sich tragen kann und mit einem gezielten Schuss für ordentlich Wumms hinter Feindlichen Linien sorgen. Das tröstet über die fehlenden Granaten hinweg. Deckung sucht sich der tablettensüchtige nun mit Druck auf die A bzw. die X Taste. Helfen tut das ganze nicht wirklich, den auch in Deckung wird man vom Feindbeschuss nicht verschont.
Und das, obwohl die KI der Gegner an den Intelligenzgrad eines nassen Müllbeutels grenzt.
Während die Feinde sich hinter einer der meist zerstörbaren Objekte verstecken und hervor spähen, scheint es als würden sie nur darauf warten beschossen zu werden, damit sie die kleinen Kügelchen futtern können, wie Pacman in seinen besten Jahren.
Auch KI Kollege Kane sieht dir lieber zu wie du zu Boden gehst, anstatt einen sinnvoll zu unterstützen. Kommandos wie in Teil Eins kann man ihm auch nicht mehr geben. Bekommt man dann zu viel ab, geht man zu Boden, ist aber noch nicht Tot.
Man hat noch die Möglichkeit in Deckung zu kriechen und sich dort wieder auf zu rappeln.
Im Koop Modus, der dieses mal im Splitscreen und auch online spielbar ist, kann man seinen Partner wiederbeleben, wird dieser zu hart erwischt.
Kane & Lynch 2 im Koop durch zu spielen ist sogar sehr Ratsam.
Aber nicht weil es so sehr auf kooperatives Zusammenspiel ausgelegt ist, nun gut, hin und wieder muss man gemeinsam eine Tür öffnen oder sich aufteilen.
Sondern eher, weil man zu zweit leichter über die fehlende Abwechslung hinweg sehen kann.
Im gesamten Spiel läuft man durch enge Gassen zu einem etwas größerem Platz und verteilt sein Blei in der Luft, um danach wieder durch eine Seitenstraße zu laufen, an deren Ende weitere Gegner darauf warten drauf zugehen.
Moorhuhn lässt grüßen.
Ruhigere Momente oder Highlights wie der Disco Besuch im Vorgänger, oder das abseilen eines Hochhauses bleiben aus.
Auch die flaue Erzählweise der Story baut im laufe der 5 bis 7 Stunden immer mehr ab.
Bis zum enttäuschendem Ende, bleibt Lynch auch relativ normal.
War er in Kane&Lynch 1 noch der unberechenbare Sidekick, spiegelt sich Lynch's Verrücktheit einzig darin, dass er jede Tür im Spiel auftritt, anstatt sie normal zu öffnen.
Und bis auf kleine Selbstgespräche war's das.
Geld, Verrat, Belohnung
Der Multiplayer des Erstlings wurde adaptiert und Sinnvoll erweitert.
Im “Fragile Allianz“ Modus nehmt ihr im Team an einem Raubüberfall teil.
Ihr kämpft euch durch KI Gegner Richtung der Dollarnoten und sackt möglichst viele davon ein, dann lauft ihr zum Fluchtfahrzeug. Gierige Gauner die nicht gerne Teilen können ihre Teamkollegen kaltblütig ausschalten und deren Beute einsacken. Derjenige wird aber für alle anderen als Verräter gebrandmarkt und für vogelfrei erklärt.
Der Verratene spawnt als Cop wieder und hat die Möglichkeit sich an seinem Killer zu rächen, dessen Beute könnt ihr euch dann auch noch unter den Nagel reißen.
Außerdem ist es möglich dem Fluchtfahrer ein Teil der Beute abzugeben, damit er direkt losfährt und die anderen bis zum nächsten Fluchtfahrzeug überleben müssen.
Offline ist der Modus mit der KI im Arcade Modus spielbar, reizt aber nicht so sehr, wie die paranoiden Multiplayer Raubzüge.
Im Modus Undercover Cop ist das Spielprinzip ähnlich. Wieder zieht man im Team los um sich die Kohle zu angeln, doch einer der Ganoven ist ein Verdeckter Mann des Gesetztes und hat die Aufgabe alle Gangster auszuschalten, man sollte jedoch erst ihr Vertrauen gewinnen, und sie einer nach dem anderen erledigen. Sehr Spannend, da der Undercover Cop per Zufall ausgewählt wird.
Der Räuber und Gendarm Modus ist eine Art Team-Deathmatch, in dem Cops gegen Gangster kämpfen, und dabei Geld aufsammeln.
Das im Match verdiente Geld kann für neue Waffen ausgegeben werden, von denen einige erst freigeschaltet werden müssen, indem man im Rang aufsteigt.
Pro
+ viel Action
+ Einzigartiger Grafikstil
+ Verbessertes Gameplay
+ Authentische Hinterhof-Atmosphäre
+ Zerstörbare Umgebung
+ Guter Multiplayer und Koop Modus
Kontra
- Sehr Linear
- Keine Abwechslung
- Zu kurze Spielzeit
- Keine Kommando Funktion mehr
- Schlechte KI
- Schaden, trotz Deckung
- keinerlei Soundtrack im Spiel
Fazit:
Kane & Lynch 2: Dog Days ist ein geradliniger 3rd Person Shooter ohne nennenswerte Höhepunkte. Das Gameplay wurde verbessert, zum Preis des Storytelling. Das fällt nämlich recht mager aus. Von Checkpoint zu Checkpoint laufen und Schießbudenfiguren wegpusten, macht auch nicht Glücklich.
Tipp: Geteiltes Leid, ist halbes Leid. Dem Koop Modus sei dank.
Dafür kann der spannende Multiplayer über die maue Kampagne hinweg trösten.
Der läuft stabil und macht eine Menge Spaß.
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