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NeverDead - Testartikel

Autor
Henry Lai - MadD4mon
Erstellt am
03.02.12
Streetdate
02.02.2012
Spielgenre
Actionspiel
Entwickler/Publisher
Rebellion / Konami
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Der Unsterbliche mit den fliegenden Gliedmaßen im Test

Wenn ihr den Game Over Bildschirm zu sehen bekommt, dann heißt das meistens, dass euch eure Spielfigur gerade weggestorben ist. Ins Gras gebissen hat, abgekratzt ist, den Löffel abgegeben hat. Aber was passiert eigentlich, wenn der Held gar nicht sterben kann? Und zwar nicht in Folge eines Schummelcodes, sondern praktisch ab Werk unsterblich ist. Mit dieser Frage haben sich Rebellion Games (Alien vs. Predator, Rogue Trooper) und Konami beschäftigt. Herausgekommen ist der Action-Shooter NeverDead, der mit seinem eigenwilligen und darüber hinaus unsterblichen Hauptcharakter und einer gehörigen Prise Gliedmaßen-Tango für Furore sorgen soll. Ob sich das Spiel mit der Unsterblichkeit letztendlich lohnt, erfahrt ihr unserem Test.

Lieber Arm dran als Bein ab

Jaja, ewiges Leben hat nicht nur vor Vorteile. Davon kann Bryce Boltzmann ein Lied singen. Über 500 Jahre wandelt er schon nun auf der Erde. Ein Oberdämon hat ihn zum ewigen Leben, das Bryce jetzt lustlos fristet. Im Laufe der Jahre ist aus dem einst rachsüchtigen und naiven Dämonenjäger ein abgebrühter, zynischer Drecksack geworden, der mit mehr oder minder witzigen Einzeilern um sich wirft. Zusammen mit seiner sterblichen Partnerin Arcadia schnetzelt er in der Gegenwart fleißig Dämonen für eine Regierungsorganisation. Bei einem ihrer Aufträge treffen die beiden auf die erfolglose Pop-Sängerin Nikki, in der mehr steckt als nur Talentfreiheit. Tatsächlich scheint sie Bryces einzige Chance auf Rache zu sein...

Okay, der Plot ist nicht wirklich mitreißend. Ein grimmiger Dämonenjäger auf der Suche nach Rache und ein junges Mädchen, das ihm die Chance dazu bieten kann. Das ist ein Szenario, das euch ab der ersten Sekunde bekannt vorkommt und von Anfang an ein bisschen ausgelutscht wirkt. Auch was die Erzählweise angeht hätten die Entwickler ihre Entscheidung noch einmal überdenken sollen. Ohne Einleitung oder Vorwarnung werdet ihr mitten beim Kampagnenstart mitten in eine CGI-Sequenz geschleudert, Erklärungen fehlen vollkommen. Wie Bryce schließlich vor 500 Jahren an seine Unsterblichkeit gekommen ist, wird euch erst im Laufe des Spiels anhand von einigen Bruchstücken erklärt, wenn ihr euch das meiste eh schon zusammengereimt habt oder es einfach am Allerwertesten vorbeigeht. Eine gute Exposition geht anders.

Zudem sind die Charaktere von NeverDead zwar nicht unbedingt unsympathisch, aber werden zu wenig ausgeführt. Bryces Kampf gegen die Unsterblichkeit wäre beispielsweise ein wunderbares Spielfeld für allerlei nihilistische und/oder selbstzerstörerische Ansätze und dergleichen. Stattdessen ist und bleibt er ein eindimensionaler Actionheld und erfüllt sämtliche Klischees. Er lungert in der Bar herum, lässt den Macker und den Macho raushängen und hat immer einen pseudocoolen Spruch auf den Lippen, den er zu jedem passenden und unpassendem Zeitpunkt loswerden muss.

Komm her und kämpfe mit mir!

Aber hey, wenigstens ist Bryce ja unsterblich. Das wird im Spiel konsequent durchgesetzt. Schüsse, Klingen, Feuer, Elektrizität oder Bomben kratzen an seiner Vitalität kein Stückchen. Im Gegenteil: Manchmal werdet ihr sogar dazu ermuntert, Bryce in Brand zu setzen. Ein brennender Unsterblicher leuchtet nämlich ganz toll dunkle Kanalisationen aus. An Bryces Verteidigung gibt es also nichts zu meckern. Und wie sieht es mit seiner Offensive aus?

Zweierlei Waffen stehen euch zur Auswahl. Entweder ihr bevorzugt den Nahkampf mit einem überdimensionierten Butterfly-Messer oder ihr durchlöchert eure Gegner traditionell mit einem Haufen Blei. Beiden Optionen fehlt leider das gewisse Etwas. Beim Schwertkampf will es nicht so richtig „Klick!“ machen, weil die ungewohnte Steuerung (LT gedrückt halten und den rechten Stick hin- und herschwingen) das Ganze zu einer Art Hack'n'Slash verkommen lässt – Taktik oder Präzision ist nicht gefragt. Den Schusswaffen dagegen fehlt das Gewicht und vor allem der Bumms. Sowohl die Soundeffekte der Schießeisen als auch der Effekt, den die Kugeln auf eure Gegner haben, lassen zu wünschen übrig.

Damit das Spiel vor allem in den Kämpfen nicht zu leicht wird, gibt es noch zwei Dinge, auf die ihr aufpassen solltet. Da wäre zum einen Arcadia, die euch immer und überall hin folgt. Sie soll theoretisch eine KI-Hilfe im Kampf gegen die Dämonenhorden sein, praktisch ist sie aber eure ausgelagerte Lebensleiste. Vergreifen sich nämlich zu viele Monster an ihr, fällt sie um und ihr habt eine gewisse Zeitspanne, um ihr per Knopfdruck aus der Patsche zu helfen. Zum anderen gibt es da noch die ziemlich nervigen Grandbabys. Das sind kleine Monsterkugeln, die auf jedem Schlachtfeld rumrollen. Verliert ihr im Eifer des Gefechts irgendwann euren Kopf, sausen sie ganz flink heran und versuchen euch einzusaugen. Und nur ein gut getimter Knopfdruck kann euch vor dem ewigem Leben im Verdauungstrakt eines solchen Wesens bewahren. Schafft ihr das nicht, heißt es Game Over. Diese Methoden euch zu Konzentration zu zwingen sind zwar effektiv, aber wirken aufgesetzt und billig. Vor allem die Grandbabys nerven!

Der Gliedmaßen-Tango

Das interessanteste Konzept des Spiels: Weil Bryce unsterblich ist, macht es ihm nicht aus, wenn ihm ein oder zwei Gliedmaßen abgehackt werden. Es macht ihm sogar so wenig aus, dass er sich selbst den Kopf abschraubt, um mit ihm einen Lüftungsschacht entlang zu rollen. Klingt abgefahren? Ist es auch. Immer wieder tauchen in NeverDead Situationen auf, in denen ihr Köpfchen braucht – im wahrsten Sinne des Wortes. Wirklich anstrengen müsst ihr eure grauen Zellen nicht, denn die Rätsel bewegen sich auf einem durchgehend niedrigen Niveau. Mehr als den richtigen Schalter drücken oder mit Hilfe des Kopfes durch eine kleine Öffnung schlüpfen wird von euch nicht verlangt.

Auch im Kampf könnt ihr eure abnehmbaren Gliedmaßen als Waffen benutzen. Zum Beispiel als Köder, indem ihr euch einen Arm abreißt und ihn in die Gegnermenge wirft, die ihn dann wie eine wilder Hunde verfolgt. Hatte der Arm außerdem noch eine Waffe in der Hand, könnt ihr immer noch damit herumballern. Sonderlich effektiv ist das aber nicht. Habt ihr außerdem genug Erfahrungspunkte gesammelt, könnt ihr euch außerdem Gliedmaßen-Granaten oder andere nützliche Fertigkeiten kaufen. Damit werden eure Körperteile explosiv und sorgen für eine Bombenstimmung unter euren Gegnern.

Dich habe ich doch schon einmal getötet?!

Die Sache mit den Körperteilen findet teilweise auch Anwendung bei den diversen Bossgegnern, die euch im Laufe der Kampagne begegnen. Einmal müsst ihr zum Beispiel euren Arm in den Schlund eines besonders großen Viehs werfen, um es von innen und von außen beschießen zu können! Insgesamt gehören die Bosskämpfeaber  zur langweiligen Sorte, viel grübeln müsst ihr bei keinem. Eher viel Geduld haben, weil einmal besiegte Obermacker später wieder auftauchen. Überhaupt wiederholen sich die Monster sehr oft. Die unterschiedlichen Gegnertypen könnt ihr ganz gut an zwei Händen abzählen.

Das gilt leider auch für das Leveldesign. Das wird vor allem in ersten Hälfte des Spiels auffällig, weil ihr eigentlich nur von Raum zu Raum wandert, um dort alles und jeden platt zu machen. Denn erst dann öffnet sich eine durch Dämonennetze versperrte Tür, hinter der es noch einmal genauso zugeht. Im Zweifelsfall kämpft ihr noch gegen einen Boss und das war es dann auch schon. Nach einigen Stunden hängt euch das zum Hals raus.

Falls ihr trotzdem noch Bock auf das Spiel habt, so könnt ihr euch auch in den Mehrspieler-Modi vergnügen – vorausgesetzt ihr findet Mitspieler. Wenn dem der Fall sein sollte, so könnt ihr euch in vier Disziplinen messen. Kooperativ geht es in „Ansturm“ und „Suche und rette“ zu, die starke Ähnlichkeiten zu Gears of Wars Horde-Modus beziehungsweise Halos Firefight haben. „Eiersuche“ ist im Grunde Capture the Flag und „Zerbrechliche Allianz“ eine Art Checkpointrennen für zwei – nur eben mit Dämonen.

Das sticht ins Auge

Visuell glänzt NeverDead vor allem mit seinem abgefahrenen Grafikstil, weniger mit seiner Technik. Ein gutes Beispiel für die Exzentrik des Designs ist der Oberdämon Sangria, der wie ein grüner Hutten-Jabba mit dünnen Beinen und einem Hang zu Perücke, Halskrause und Barockhose aussieht. Aber auch die normalen Gegner entspringen einem verrückten Geist: Riesige Dämonenhunde, aus deren Hinter Puttenköpfe herausschauen. Spinnenartige Gebilde, die statt Köpfen Maschinengewehre, Raketenwerfer und Klingen haben. Oder fliegende Dämonen, die wie eine Kreuzung aus Engelchen und Harpyie aussehen und euch mit Laserzielsuchgeräten verfolgen.

Dagegen steht allerdings eine etwas maue Technik. Wenn auf dem Schirm gerade viel los ist (und das ist es Dank der halb zerstörbaren Umgebung meistens), dann geht die Framerate durchaus in die Knie. Auch die Kamera spielt nicht immer auf eurer Seite, doch das sind Ausnahmen. Die Animationen und Texturen sind größtenteils okay, spielen aber definitiv nicht in der oberen Liga mit. Insgesamt wirkt NeverDead leblos und starr. Erst in der zweiten Hälfte wandeln sich die Levels von bedrückenden, engen Räumen zu offenen Straßen und großen Brücken. Beeindruckend sind die aber nicht.

Fazit

Schade, dass aus NeverDead nicht mehr geworden ist. Das Konzept mit den abnehmbaren Gliedmaßen hat ja durchaus etwas Interessantes an sich. Genauso die Geschichte des 500 Jahre alten Dämonenjägers auf der Suche nach der Sterblichkeit. Mit einer besseren Erzählweise und viel tieferen, interessanteren Charakteren hätte aus dem Spiel ein echtes Meisterwerk werden können. Doch dem ist leider nicht so. Rebellion und Konami verschenken mit der eher halbherzigen Umsetzung sehr viel Potenzial. Das überaus repetitive Gameplay, die dumpfen Rätsel und die altbackene Technik werden der netten Idee nicht gerecht. Denn die allein zieht das Spiel nicht aus der Mittelmäßigkeit. Schade drum.

 

Rebellion Games hat sich bei NeverDead sicher kein Bein ausgerissen“

Pro
  • Interessante Spielidee
  • Abgefahrener Grafikstil
  • Zerstörbare Umgebung
  • Rätsel mit Köpfchen
  • Leveling-System
  • Mehrspieler
Kontra
  • Wiederholt sich viel zu oft
  • Maue Technik
  • Langweilig erzählte Geschichte
  • Flache Charaktere
  • Kämpfen fehlt es an Wumms
Einzelspieler
6.4
Mehrspieler offline
-
Xbox LIVE Mehrspieler
6.5
Steuerung und Gameplay
6.6
Grafik und Präsentation
7.0
Sound, Musik und Special FX
6.2
Sprachausgabe
Englisch
Bildschirmtexte
Deutsch
Zensur
Nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden
+10
Geeignet für
Anfänger bis Profis
Altersfreigabe
Ab 18 Jahren

Xboxdynasty Gesamtbewertung



6.4


keine Auszeichnung


Die Wertung ist keine Durchschnittswertung aus den einzelnen Wertungskriterien, sondern eine Gesamtbewertung des Titels.


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