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Red Dead Redemption - Testartikel

Autor
Henry Lai - MadD4mon
Erstellt am
21.05.10
Streetdate
21.05.2010
Spielgenre
Adventurespiel
Entwickler/Publisher
Rockstar Games
Kommentare
26
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Red Dead Redemption Review

Es ist kurz vor Sonnenuntergang in der Steppe irgendwo im Westen Amerikas. Die Freiheit liegt John Marston auf der Zunge, sie durchströmt seinen Körper mit jedem Atemzug und wandert durch seine Adern mit jedem Schlag seines Herzens. Das Pferd unter ihm ist schweißgebadet, die Mähne fliegt wehend im Abendwind und der Wüstenstaub legt sich wie ein dünner Film auf das glänzende Fell des majestätischen Tieres. Die untergehende Sonne taucht die Szenerie in ein dunkles Karmesinrot und erinnert den Reiter an Bilder in seinem Kopf, an den Ruf seines Herzens, dem er folgt. Meile für Meile reitet er, folgt den wenigen Spuren, die ihn zu seiner Familie führen und stellt sich seinen Feinden und einstigen Freunden. Rockstar Games will euch mit Red Dead Redemption in den Wilden Westen entführen und euch das wohlige Flair alter Westernschinken gepaart mit modernen Gameplay-Mechaniken näher bringen. Eine wilde Kutschenfahrt erwartet euch, also packt die Zügel, ladet die Winchester durch und schmeckt die Freiheit der Cowboys.
Auf Leben und Tod
Der erste Geschmack ist leider ein bitterer, denn John Marston ist nur äußerlich ein freier Mann. Er ist ein Gejagter, der bereits seit drei Jahren versucht vor seiner Vergangenheit als Outlaw zu fliehen und die Gräueltaten zu vergessen, die er zusammen mit seinen Freunden aus der Gang begangen hat. Doch nicht nur das schlechte Gewissen holt ihn ein, auch die amerikanische Regierung heftet sich an seine Fersen und stellt ihm ein Ultimatum. Er soll seine alten Kameraden jagen und zur Strecke bringen. Hat er Erfolg, so darf er sich beruhigt als braver Bürger zur Ruhe setzen und die Wunden vergangener Schlachten verheilen lassen. Weigert er sich oder bringt es nicht fertig seine ehemaligen Gefährten der Regierung ans Messer zu liefern, wird eben diese ein Exempel an ihm statuieren. Sozusagen als Pfand wird seine Familie von der Regierung festgehalten, damit Marston sein Möglichstes tut, um seinen Auftrag zu erfüllen.

Es gibt Dinge, die muss ein Mann allein tun, und es gibt Dinge, die ohne die Hilfe vieler Freunde nicht zu bewältigen sind. Auf seiner Reise begegnet John vielen Personen, die alle etwas von ihm wollen. Sei es seinen Kopf, damit sie in Ruhe ihren eigenen, bösen Geschäften nachgehen können, oder seine Hilfe, um eine missliche Lage für sie doch noch zum Guten zu wenden. Rockstar Games San Diego hat sich viel Mühe gegeben und einen ganz großen Haufen Nebencharaktere eingebaut, die den geschundenen Cowboy auf seinem Weg begleiten. Da wäre zum Beispiel Bonnie MacFarlane, auf die ihr gleich in den ersten zehn Minuten des Spiels trefft. Sie versorgt Johns Wunden, nachdem er von einem ehemaligen Mitglied seiner Bande angeschossen wurde und zeigt ihm die Gegend rund um ihre Farm. Mit ihr übt ihr in den ersten Spielstunden die Fortbewegung zu Pferd sowie auch das Schießen. Außerdem stellt sie ihm noch den Sheriff Johnson aus dem schon erwähnten Armadillo vor. Gegen Hilfe bei Ermittlungen gegen Viehdiebe und kleinere Kriminelle verspricht er John seine Unterstützung.

Schon diese ersten beiden Rollen aus dem vielfältigen Ensemble des Spiels gehören zu dem Besten, was es derzeit in einem Open-World-Spiel zu bewundern gibt. So werden zum Beispiel schnell die Eigenheiten und Persönlichkeiten der beiden Charaktere klar. Sie sieht sich selbst als starke, emanzipierte Frau (im Jahre 1911, wohlgemerkt) und will sich zum Beispiel mit euch in einem Wettrennen messen. Der Sheriff dagegen hat jeglichen Idealismus verloren und verklickert euch klipp und klar, dass er sich nur um seine eigenen Leute kümmert. John Marston selbst ist ebenfalls kein blasser Typ. In den hervorragend geschriebenen und vertonten Dialogen, die wunderbar originell, authentisch und rau klingen, kommt eine Seite zum Vorschein, die ihr rein äußerlich sicherlich nicht erwartet habt. Unter dem Mantel des von Kampfnarben übersäten Desperados befindet sich eigentlich ein Mann, den das Alter und die Zeit stark zugesetzt haben. Dies wird auch in den vielen Zwischensequenzen deutlich. Statt wild und impulsiv zu reagieren, überrascht euch John, indem er nicht ausrastet und alles kurz und klein schießt, sondern souverän und überlegt handelt. Nico Bellic aus Grand Theft Auto IV war da schon eine ganze Ecke cholerischer. Das Highlight der Besetzung in Red Dead Redemption stellt jedoch Seth dar, dessen Sucht nach einem verlorenen Schatz ihn alles gekostet hat. Familie, Freunde, Geschäft. Die Umstände, in denen ihr das erste Mal auf ihn trefft, sowie die bissigen Dialoge, die John mit ihm führt, gehören zu dem Besten, was das Genre zu bieten hat.
Langeweile? Kann man das essen?
Überhaupt muss sich Red Dead Redemption Vergleiche mit den legendären Grand Theft Auto-Spielen gefallen lassen. Wenn ihr das erste Mal einen Blick auf die Anzeigen werft, dann erkennt ihr sicherlich einen Menge Ähnlichkeiten. Das auffälligste Merkmal ist der Radar in der linken unteren Ecke. Dort werden die wichtigsten Punkte in eurer Umgebung als Symbole angezeigt. Auf der Weltkarte könnt ihr dann außerdem Wegpunkte setzen und das Radar berechnet euch den schnellsten Weg zu eurem Ziel. Ein Navigationssystem im Wilden Westen also. Nicht unbedingt realistisch, aber auf jeden Fall sehr nützlich. Nicht zuletzt, weil die Spielwelt von Red Dead Redemption sehr weitläufig ist und Anfänger sowie generell Orientierungslose verwirrt. Die Einzelspielerkampagne führt euch in nämlich insgesamt drei große Gebiete, die wiederum unzählige Lokalitäten enthalten.

Nico Bellic, zu Fuß eher ein phlegmatischer Zeitgenosse, bewegte sich primär mit geklauten Autos durch Liberty City. Aus Mangel an verfügbaren Automobilen kann John natürlich nicht auf diese Möglichkeit ausweichen. Stattdessen schwingt er sich auf den Rücken eines Rosses und prescht mit ihm durch das Land. Anfangs ist die Steuerung des Tieres allerdings noch sehr gewöhnungsbedürftig. Mit dem linken Stick steuert ihr das Pferd in die eine Richtung und mit der A-Taste bestimmt ihr die Geschwindigkeit. Ein einmaliges Drücken der Taste und das Tier macht einen kleinen Satz nach vorn und fällt dann wieder in die Schrittgeschwindigkeit zurück. Wollt ihr also vom gemächlichen Schritt in den deutlich flotteren Galopp wechseln, müsst ihr unablässig auf die entsprechende Taste hämmern. Dabei müsst ihr allerdings auf die Ausdaueranzeige neben dem Radar Acht geben. Sinkt sie auf den Nullpunkt, bockt das Pferd und wirft euch unsanft aus dem Sattel. Je nachdem welches Pferd ihr reitet und in welcher Beziehung ihr zu eurem Fortbewegungsmittel steht, verändert sich auch die Ausdauer des Tieres. Eine schnelle Rasse sowie ein inniges Vertrauensverhältnis zwischen Reiter und Pferd garantieren schier unendliche Sprints durch Amerikas Steppen. Mit Hilfe diverser Mittelchen könnt ihr euer Pferd übrigens auch dopen und die Ausdauer noch weiter erhöhen. Gebremst wird mit LB. Von dem Rücken eines Pferdes könnt ihr auch eure Feinde beschießen, egal ob beritten oder zu Fuß. Das erfordert jedoch eine Menge Geschick, denn ihr müsst gleichzeitig euer Pferd steuern und mit der Flinte auf die KI-Gegner schießen. Nettes Detail: Wenn ihr im Verband reitet, dann reicht es die A-Taste gedrückt zu halten, damit John seine Geschwindigkeit an die der anderen anpasst. Denn was ist besser als alleine gen Sonnenuntergang zu reiten? Mit den Geräuschen von ein Dutzend Hufen auf Sand und dem euphorischen „Yieha!“ eurer Kameraden im Rücken dem Horizont entgegen zu preschen!

Innerhalb der Städte und Dörfer gibt es eine Menge zu tun. Ihr könnt entweder beim Gemischtwarenladen eure Vorräte aufstocken oder neue Pferde kaufen. Wer will kann in der Bar einen oder gleich ein Dutzend Drinks nehmen. Oder ihr besucht die vielen Damen in den Freudenhäusern, die es praktisch in jeder größeren Stadt gibt. Ärzte und diverse Quacksalber verkaufen euch Medizin für euch und eure Pferde, während der Sheriff Kopfgeldplakate an seinem Wachhaus aufhängt. Der Büchsenmacher versorgt euch mit diversen Waffen und Munition, die allerdings mit teurem Geld bezahlt werden wollen. Darüber hinaus gibt es noch unzählige Aktivitäten denen ihr nachgehen könnt. Poker spielen, Hufeisenwerfen, Würfeln, Blackjack, wilde Pferde fangen, Kräuter sammeln, Five Finger Filet... und das sind noch bei weitem nicht alle. Rockstar Games hat eine schier unendliche Palette an Beschäftigungsmöglichkeiten für euch eingebaut, so dass für alle etwas geboten ist.

Hierbei gewährt euch Red Dead Redemption die Freiheit, die der gute Name der Entwickler und ihr altbewährtes Konzept versprechen. Ihr könnt euch zum Beispiel als Wilderer verdingen, toten Kaninchen und Büffeln die Haut abziehen und für viel Geld wieder verkaufen. Schnappt euch einfach das nächste Repetiergewehr, sattelt euer Ross und reitet in die Wildnis hinaus. Die Spielwelt bietet euch genügend Gelegenheiten zur erfolgreichen Jagd. Auf Gehöften und landwirtschaftlich bebauten Flächen könnt ihr Hasen schießen und ihnen das Fell über die Ohren ziehen. Diese Tierchen stellen für euch keine Bedrohung dar, denn sie können euch lediglich in Massen bespringen. Anders sieht es da aber bei einem Rudel Kojoten oder einem original amerikanischen Grizzlybären aus. Bereits ein Hieb seiner mächtigen Pranken reicht aus, um euch in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Deshalb solltet ihr bei solch einem Kaliber Tier auch ein größeres Waffenkaliber wählen. Unnötig zu erwähnen, dass Bärenfell bei den Händlern sehr begehrt ist und mit einer prächtigen Summe entlohnt wird. Dabei ist das nur eine der vielen Möglichkeiten, um im Wilden Westen an Geld zu kommen. Ehrgeizige können aber alleine mit der Jagd nach den begehrtesten Fellen Stunden oder gar Tage verbringen. Schade nur, dass die kleine Sequenz beim Häuten jedes Mal gleich aussieht und nicht frühzeitig abgebrochen werden kann. Aber wer sich das stärkere Scharfschützengewehr verdienen will, der muss das wohl hinnehmen.

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