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SAW II - Testartikel

Autor
Tobias Schulte - Z0RN
Erstellt am
09.11.10
Streetdate
29.10.2010
Spielgenre
Horrorspiel
Entwickler/Publisher
Konami
Kommentare
8
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Jigsaw stellt euren Überlebenswillen und wir das Spiel im Test auf die Probe

Filme und Konsolenumsetzungen, dieses Thema ist schon fast eine Wissenschaft für sich. Als Kern dieser Diskussion lässt sich jedoch festhalten, dass die virtuellen Vertreter der Leinwandhelden aus Hollywood selten den guten Eindruck ihrer realen Ebenbilder erreichen. Ausnahmen bestätigen natürlich auch in diesem Fall die Regel und so konnte im vergangenen Jahr die Umsetzung der Horror-Reihe Saw mit einer Wertung von 7.2 zumindest einen kleinen Achtungserfolg in unserem Test erzielen. Fast auf den Tag genau ein Jahr später schickt das Entwicklerteam der Zombie Studios den Nachfolger Flesh & Blood in den Ring, um dem psychopathischen Jiggsaw ein für alle Mal das Handwerk zu legen. Kann der zweite Teil der Horrorsaga die Schnitzer des Vorgängers ausbessern und unserem knallharten Testlabor unbeschadet entkommen? Hier erfahrt ihr, wie viel Horror wirklich im Sägewerk steckt.
Hallo Michael, ich möchte ein Spiel spielen...
Von Schmerzen geschüttelt erwacht ihr aus eurer Ohnmacht. Ihr schmeckt Blut in eurem Mund, euer Blut. Langsam realisiert ihr, dass der Druck und das Gewicht auf euren Schultern durch eine gigantische Stahlkonstruktion verursacht werden. Wie eine übergroße Mausefalle schwebt dieser Mechanismus über eurem Kopf und droht bei der kleinsten Bewegung zuzuschnappen. Plötzlich springt ein Fernseher vor euch an. Eine kleine Puppe ist darauf zu sehen. "Hallo Campbell", ertönt es aus den Lautsprechern. Die unwirkliche Figur zeigt euch die einzige Möglichkeit, das Schloss an eurem Hals zu öffnen. Der Schlüssel befindet sich in eurem Körper, unter eurem Auge. Vor euch auf dem Tisch liegt ein rostiges Skalpell. "Die Uhr tickt, Campbell." Langsam setzt ihr das Messer an eurem Augenlied an. Der erste Schnitt, Blut fließt, Schreie fahren aus eurer Kehle. Doch ihr könnt nicht aufhören, wollt Leben. Eure Hand fährt wieder nach oben, bereit zum nächsten Schnitt.

Im Vorgänger des digitalen SAW durftet ihr in die Rolle von Detective David Tapp schlüpfen. Tapp, der im ersten Film von Schauspiellegende Danny Glover verkörpert wurde, musste sich durch ein Irrenhaus aus mörderischen Fallen und brutalen Mechanismen kämpfen, um am Ende den Fängen des Jigsaw Killers zu entkommen. Ganz im Stile des Untertitels Flesh & Blood übernehmt ihr in SAW II die Geschicke von Davis Sohn Michael, der zu Beginn des Spiels den Selbstmord seines Vaters verkraften muss. Detective Tapp soll sich angeblich mit einer Kanone selbst gerichtet haben, was ihr jedoch kaum glauben könnt. Michael, der lieber Reporter geworden ist als seinem Vater zur Polizei zu folgen, will den Fall auf eigene Faust klären. Noch am Tatort wird Michael von Jigsaws Komplizen Pighead entführt und in ein Labyrinth aus Schmerz und Pein eingesperrt.

Der geisteskranke Psychopath möchte den jungen Schreiber für dessen erfundene Storys und kompromisslose Vorgehensweise zur Rechenschaft ziehen. Er stellt euch vor eine folgenschwere Wahl: Entweder kämpft ihr euch durch zahlreiche Fallen und lüftet die Hintergründe des Todes eures Vaters oder ihr werdet auf qualvolle Weise selbst den Tod finden. Nehmt den Kampf gegen Jigsaw auf, überlebt seine kranken Rätsel und findet die Wahrheit selbst heraus. Seid ihr bereit? Das Spiel beginnt...
Mehr habt ihr nicht zu bieten?
Ihr erwacht zu Beginn in der Rolle des Drogensüchtigen Campbell und habt die Aufgabe euch den oben erwähnten übergroßen Nussknacker vom Kopf zu befreien. Als Belohnung für eure bestandene Prüfung entlässt euch Jigsaw in die Freiheit, vorausgesetzt ihr schafft es lebend aus dem Gewirr an tödlichen Fallen, die sich euer Peiniger für euch ausgedacht hat. Raum für Raum tastet ihr euch durch die alte Fabrik, die dem Mörder als Gefängnis für seine Opfer dient. Doch keine Panik, diese kurze Passage dient mit seinen recht simplen Rätselstrukturen größtenteils dazu, euch mit der Steuerung eures Charakters vertraut zu machen und ist nach einigen Knobeleien schnell überstanden. Die Geschichte wechselt zu Michael, der sich gerade in der Wohnung seines Vaters aufhält. Alles um ihn herum gleicht einem Kriminalschauplatz.

Die Spurensicherung sammelt mögliche Beweismittel, um den Selbstmord eures alten Herren aufklären zu können. Übermannt von Gefühlen der Trauer schreitet ihr aus dem Haus. Pighead nutzt die Möglichkeit und nimmt euch in seine Gewalt. Ihr erwacht wenig später in einem scheinbar von Jigsaw umfunktionierten Hotel. Der Psychopath gibt euch die Chance zu überleben, wenn ihr den Tod eures Vaters aufklären könnt. Raum für Raum kämpft ihr euch durch die verwinkelten Grundrisse des Hotels. Hinter jeder Tür lauern Fallen auf euch. Revolver feuern durch die Türspione, Sensen sausen von der Decke herab, um euch das Leben zu nehmen.

Allein seid ihr jedoch nicht. Auf eurer Reise durch das Gewölbe trefft ihr auf weitere Opfer des Puzzlemörders. Diese armen Seelen stehen alle in Verbindung zu eurem Vater und wurden entweder von ihm hinter Gitter gebracht oder haben die Auswirkungen seines Handelns zu spüren bekommen. Einigen dieser Gestalten verspricht Jigsaw das Leben, wenn sie das eure nehmen. Sie stellen sich euch in den Weg und wollen euch ohne mit der Wimper zu zucken zur Strecke bringen. Andere wiederum verfügen über Informationen, die euch bei der Aufklärung des vermeidlichen Selbstmordes nützen könnten. Leider hat sich euer Peiniger für diese Personen einige ganz besondere Foltermethoden ausgedacht und stellt euch vor eine folgenschwere Wahl: vergebt ihr diesen Personen, um an ihr Wissen zu kommen oder führt ihr sie der gerechten Strafe zu und genießt es mit anzuschauen, wie die Falle zuschnappt?

An brutalen und menschenverachtenden Gerätschaften mangelt es SAW II gewiss nicht. In der Tradition der Filme werden Menschen zerstückelt, unter Strom gesetzt, in die Luft gesprengt oder in Stacheldraht zu Schaschlik verarbeitet. Wer von euch über einen schwachen Magen verfügt und sich vom Namen SAW hat noch nicht abschrecken lassen, der wird im Spiel selbst wohl das ein oder andere Mal schlucken müssen. Fans der Filme hingegen wird es enttäuschen, dass die virtuelle Variante die Grenzen des guten Geschmacks nicht in dem Maße übertritt, wie es die Kinofilme vorgemacht haben. Keine Frage, Flesh & Blood ist ein brutales Stück Software.

Wir haben in der Geschichte der Xbox 360 aber auch schon blutigere Ausflüge erlebt. Gleiches gilt für die Abwechslung. Zwar motiviert das Spiel durch die unterschiedlichen Rätseleinlagen und kreativen Fallen. Doch spätestens, wenn ihr zum fünften Mal die gleichen Türfallen entschärft, den nächsten Ex-Knacki vermöbelt oder einen weiteren einstürzenden Fußboden überspringt, ist der Gänsehautfaktor und die mysteriöse Aura Jigsaws wie verflogen. Gelangweilt werdet ihr euch fragen, ob das schon alles war, was der angeblich so kreative Psychopath auf dem Kasten hat.

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