Wer würde nicht vor Wut in die Luft gehen, wenn er in einem geheimen Labor von dubiosen Wissenschaftlern mit blauen Kapuzen festgehalten wird? Im Xbox Live Arcade-Spiel Splosion-Man, das von dem weitgehend unbekannten Entwicklerstudio Twisted Pixel (Erstlingswerk: The Maw) stammt, detoniert der explosive Titelheld in einer Tour. Einer Tour, die durch das gesamte durchgeknallte Labor führt und jede Menge Spaß macht.
Feuerwerk im Forschungszentrum
Sie stecken in der, nicht vorhandenen, dafür aber verdammt heißen, Haut des Splosion Man. Dieser wurde bei einem Experiment genetisch verändert und kann sich nun nach Belieben selbst in die Luft jagen. Dadurch nimmt er allerdings keinen Schaden, sondern vollführt einen kleinen Luftsprung. Da bis zu drei Explosionen ohne zwischenzeitliches Aufladen zur Verfügung stehen, lassen sich die aberwitzigsten Sprungkombinationen zusammenstellen, um die vielen 2D-Level mit reichlich kniffligen Sprungpassagen abzuschließen. Was am Anfang noch mit einigen kleinen Hüpfern und Wandsprüngen zu bewältigen ist, endet schließlich in einem fulminanten Feuerwerk aus explosiver Akrobatik. Das Spiel wird dabei konstant immer schwieriger und die Levels immer länger, dabei bleibt das Spielgeschehen aber die ganze Spielzeit über fordernd, aber fair. So sind beispielsweise viele Speicherpunkte in den Levels verteilt, die an gerechte Stellen gesetzt wurden. Mit ein bisschen Übung sind die meisten Abschnitte eigentlich kein großes Problem. Wo man sich anfangs, es sei denn man versucht Bestzeiten zu knacken, noch Zeit lassen kann, wird man im weiteren Verlauf des Spiels ziemlich unter Druck gesetzt. An einigen Stellen steigt Wasser unablässig die Laborwände hinauf und man muss sich gehörig sputen um nicht zu erlöschen und als schwarzer Klumpen in die Unendlichkeit zu versinken. Mit dem höheren Anspruch der Rätsel steigt auch die Anzahl der relevanten Gegenstände. Zu mehreren explosiven Fässern der ersten Levels stoßen später weitere Elemente wie elektrische Schranken, Säure-Seen und dicke Donut-Männer hinzu.
Donuts – Go Nuts
Dicke Donut-Männer? Jawohl! Der Humor der Spiels ist seine große Stärke, folglich wird hier auch geklotzt und nicht gekleckert. Das fängt schon bei der Hauptfigur an. Anstatt normal zu Laufen rennt der Splosion Man teilweise wie ein Affe durch die Levels, schlägt Purzelbäume oder bildet sich ein, dass er wie ein Flugzeug abheben könne, was natürlich in einer niedlichen Bruchlandung endet. Die bösen Wissenschaftler hingegen rennen putzig animiert fort und zerfallen bei explosivem Kontakt mit dem Splosion Man in eine handliche Auswahl an Fleischstücken. Als wäre das nicht schon abgedroschen genug, gibt es kleine kugelige Roboter mit Ninja-Sternen, Bossgegner die Selbstgespräche führen und, nun ja, eben dickbäuchige Wissenschaftler die man nicht ohne weiteres sprengen kann, die sich dafür aber den Wanst unablässig mit Donuts vollstopfen. Versucht man die fettleibigen Forscher anzuheben ertönt ein lustiges Lied, das (im Original) über 3 Minuten lang ist, nur von Donuts handelt und unter den Fans des Spiels bereits legendär geworden ist.
Einfach aber anspruchsvoll
Die Steuerung von Splosion Man ist denkbar einfach, es gibt nämlich nur eine Aktion und die ist selbstverständlich: Explodieren! Gleich vier Tasten erfüllen diese Funktion, nämlich alle farbigen Aktionstasten, sprich A, B, X und Y. Trotz dieser vermeintlich simplen Steuerung sollte man nicht lieber nicht erwarten können, auch mal der Oma das Gamepad zu geben, dafür sind in der Regel die Level einfach zu komplex aufgebaut. Im Optionsmenü des Spiels bietet sich witzigerweise die Möglichkeit die Funktionen der Aktionstasten zu vertauschen, was natürlich bei komplett identischer Belegung (Explodieren!) total sinnlos ist, allerdings zu einem leichten Schmunzeln verführt und sogar 10 Gamerscorepunkte bringt. Die Schwierigkeit der Achievements schwankt bei Splosion Man generell ziemlich stark. Teilweise gibt es schon Gamerscore für derartige Kleinigkeiten, für andere Erfolge muss man das gesamte Spiel durchspielen oder alle 47 in den insgesamt 50 Levels versteckten Kuchen finden, eine nette Anspielung auf Valves Knobelspiel Portal. Sollte man einmal nicht mehr weiterkommen gibt es eine Funktion namens „Ausweg für Feiglinge“, mit der man nach mehrmaligem Scheitern an derselben Stelle in den nächsten Level springen kann. Das Spiel quittiert das mit einem rosa Rock an Splosion Man’s feurigen Lenden, ein guter Grund das vorige Level doch ohne Hilfe abzuschließen.
Im Multiplayer brennt die Hütte
Zu den 50 Sololevels, die bereits um die zehn Stunden in Anspruch nehmen, wenn man versucht alle Geheimnisse zu ergründen, gesellen sich auch noch 50 weitere Koop-Levels, die man entweder mit bis zu drei Freunden vom Sofa aus, oder über Xbox Live in Angriff nehmen kann. Hierbei steigt der Schwierigkeitsgrad nochmal um ein gewaltiges Stück, denn zwischen den Spielern ist genaueste Abstimmung gefragt um die Sprünge zu meistern. Das Spiel bietet aber auch hier eine kleine Hilfe, so kann man jederzeit einen Countdown herunterlaufen lassen um die Detonationen richtig zu timen. Wenn man sich dann zu viert in den Spielspaßhimmel sprengt entfaltet das Spiel sein volles Potenzial. Als einzige kleine Einschränkung wäre zu erwähnen, dass die Server nicht mehr so gut gefüllt sind wie vor einem halben Jahr, als das Spiel erschienen ist. Aber weil man meistens eh zusammen mit ein paar Anfängern die schweren Multiplayer-Levels bewältigen soll, ist es dem Spaß und den Nerven zuträglicher, sich einfach sich ein paar Kumpels nach Hause einzuladen und mit mehreren Gamepads den lokalen Multiplayer zu bestreiten.
Bombastische Technik
Die Grafik ist für einen Arcade-Titel mehr als gelungen, die sauberen Animationen und die stark verbesserte Kantenglättung lassen einen deutlichen Fortschritt zum Vorgängerspiel The Maw entdecken. Trotz klinischer Umgebung ist diese keineswegs steril, es gibt stets etwas zu entdecken bzw. in die Luft zu jagen. Die schön und witzig animierten Figuren bewegen sich in 3D vor einem 2D Hintergrund, die Schlauchlevels erinnern an einigen Stellen an den Jump ‚N‘ Run-Klassiker New Super Mario Bros. Der brillante Soundtrack besteht aus eingängigen Musikstücken, wird aber meistens von den Soundeffekten überlagert. Splosion Man höchstpersönlich brabbelt wie ein Säugling mit einem Riesenlolli und die ständigen Explosionen sind eh das prägnanteste Geräusch für das Ohr, allerdings auf einer Stufe, in der sie nicht als nervig eingestuft werden. Alles in allem gibt es auf technischer Seite kaum etwas zu bemängeln, die bunte Comicoptik bleibt letztendlich Geschmackssache, ist aber stimmig inszeniert, passt einfach gut zum Spiel und die witzigen Charaktere muss man einfach gerne haben.
Stundenlange Sprengungen
Neben den zwölf Erfolgen in den Solo- und Multiplayerlevels gibt es noch mehr freizuschalten. So bekommt man während der (Solo-)Kampagne zwei Spielerbilder und für das Besiegen des letzen Endbosses sogar ein schönes Premium-Thema für seine Xbox 360. Die Jagd nach den 47, teilweise sehr gut versteckten, Kuchen hält einen auch noch nach dem Abschluss sämtlicher Levels an der Stange, kann allerdings auch zu Nervenzusammenbrüchen führen. Aber schließlich muss jeder für sich entscheiden ob er sich auf die Suche begeben will, um alle klebrigen Köstlichkeiten zu finden. Sämtliche bereits in der Kampagne angespielten Levels kann man später erneut auswählen um sich auf die Kuchensuche zu begeben oder die Bestzeiten von Freunden bzw. den Weltbesten zu knacken. Nach einmaligem Durchspielen der 50 Sololevels wird zusätzlich noch der Hardcore-Modus freigeschaltet, der wirklich nur für ganz erfahrene Spieler taugt. Alle Speicherpunkte in den Levels werden deaktiviert und sobald man in die Säure stürzt, in eine elektrisch geladene Schranke springt oder auf anderem Wege den Heldentod erleidet muss man den Level erneut beginnen. Stundenlanger Spielspaß ist garantiert. Nach der Aktualisierung des Spiels aus dem September 2009 ist es sogar möglich Auszeichnungen freizuspielen, das heißt Kleidung für seinen Xbox 360 Avatar, wie zum Beispiel ein T-Shirt mit dem feurigen Protagonisten. Die Spielzeit ist lang, das ganze Spiel grandios und es gibt kaum etwas zu meckern. So gerne bin ich noch nie in die Luft gegangen.
Feuriges Fazit
Splosion Man vereint schöne Grafik und brillanten Sound mit anspruchsvollen und gut ausgebauten Levels, die sich auch vor großen Vorbildern, wie italienischen Klempnern nicht verstecken müssen. Die Spielbarkeit ist grandios, die Steuerung denkbar einfach aber nicht spartanisch und die Spieldauer für einen Arcade-Titel einfach umwerfend. Das alles gewürzt mit dem herrlichen Humor der Entwickler von Twisted Pixel ergibt ein explosives Spielspaßfeuerwerk, für das 800 Microsoftpoints vollkommen gerechtfertigt sind. Ein echter Dauerbrenner der 10 von 10 Punkten verdient!
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