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Alpha Protocol


Autor:Henry Lai - MadD4mon
Streetdate: 28.05.2010
Gametyp: Rollenspiel
Entwickler: Obsidian Entertainment
Publisher: SEGA
Hits:2840

Es hätte alles so schön werden können. Die Experten von Obsidian Entertainment, die sich schon auf dem PC einige Skillpunkte in der Rollenspiel-Entwicklung verdient haben, werkeln an einem Spiel, in dem ihr die Rolle eines James Bond-Imitats übernehmt. Alpha Protocol sollte euch an entlegene und gefährliche Winkel der bekannten Welt verschlagen, fiese Bösewichter euren Martial Arts-Kenntnissen und Kanonen zum Fraß vorwerfen und, sogar ohne Martini-Einfluss, eine Menge Frauen verführen lassen. So verheißungsvoll die ersten Eindrücke des Spiels auch waren und so sehr sie auch eure Fantasie angeregt haben, umso mehr schmerzt es dann zu sehen, wie wenig Alpha Protocol eure Träume von einem Geheimagenten-Rollenspiel erfüllen kann. Versagt das Spiel auf ganzer Linie oder glimmen noch ein paar Funken Spielspaß unter der Asche der nicht erreichten, ehemals höchst ambitionierten Ziele auf?
Wem könnt ihr trauen?
Wer wollte nicht schon immer mal in die auf Hochglanz polierten Schuhe eines James Bond oder Jack Bauer schlüpfen? Mit Michael Thornton habt ihr die Möglichkeit dazu, denn er hat alles was, was seine Vorbilder auch haben. Charme, die Lizenz zum Töten und immer ein Schießeisen oder zwei griffbereit, falls es mal nötig ist. Ein geheimnisvoller Flugzeugabsturz, verursacht durch den Einschlag von Halbech-Raketen, ist der Aufhänger der Geschichte. Halbech ist eine Waffenfirma der Vereinigten Staaten, die behauptet, dass ihre Raketen von einer saudischen Terrororganisation namens Al Samad gestohlen worden seien. Diese gefährlichen Waffen zurückzuholen ist der erste Auftrag, den ihr erhaltet. Das Reiseziel: Saudi-Arabien. Doch nicht alles ist so, wie es scheint und schon bald befindet ihr euch inmitten eines riesigen Komplottes, während sich die Grenzen zwischen Freund und Feind verschieben.
Alpha Protocol schickt euch rund um die Welt und lässt euch große Metropolen besuchen. Rom, Moskau und sogar Taipeh stehen auf dem Reiseplan. Das klingt eigentlich ganz gut, doch die riesigen Städte entpuppen sich schnell als Mogelpackung. Ihr könnt nämlich nicht frei herumlaufen, sondern lediglich Missionen auswählen. Diese teleportieren euch dann direkt in das Einsatzgebiet. Eine Sightseeing-Tour fällt somit flach. Das ist schade, denn eine weite, offene Welt mit viel zum Entdecken hätten die Spielzeit und auch den Spielspaßfaktor um ein Vielfaches nach oben schrauben können. Da können die gut gemacht gemachten Zwischensequenzen und das hervorragende Dialogsystem nicht mehr viel machen.

Ihr startet eure Missionen von zu Hause aus. Besser gesagt von eurem Hauptquartier in der jeweiligen Stadt aus. Per Menü wählt ihr einen der verfügbaren Aufträge und schon kann es losgehen. Per Funk seid ihr mit eurem Handler, sozusagen euer Überwacher, verbunden. Dieser sorgt euch mit Hinweisen und Tipps zu euren aktuellen Zielen oder gibt euch auch optionale Missionsziele, deren Erfüllung ordentlich Cash in eure Kasse spült. Dabei kann es darum gehen einen Sender zu zerstören, einen Lagerraum zu öffnen oder eine Elitetruppe kurz und klein zu schlagen. Derlei Nebenaufträge gibt es viele und bringen ein wenig Abwechslung ins Spiel rein. Eure Hauptaufgabe ist es meist von einem Punkt zum anderen zu kommen und auf dem Weg möglichst am Leben zu bleiben. Manchmal steht am Ende eines Levels auch ein Kampf gegen einen besonders hartnäckigen Gegner auf dem Programm. Wir erinnern uns zum Beispiel an das explosive Gefecht mit einem Panzer!
Sprich mit mir, Mann!
Größter Lichtblick und gleichzeitig bestes Feature, das Alpha Protocol zu bieten hat, ist das von den Entwicklern vielfach angepriesene Dialog Stance System, kurz DSS. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Art Gespräche zu führen, wie ihr es bisher noch nicht in einem Rollenspiel erlebt habt. Anstatt vorgefertigte Gesprächsfetzen auszuwählen oder wie in Mass Effect zumindest die ungefähre Richtung eurer Antwort im Voraus zu wissen, lässt euch Michael Thorton mit seinen Antworten fast komplett im Dunkeln. Ihr könnt lediglich aus verschiedenen Haltungen wählen. Ihr wisst ja, der Ton macht die Musik und in Alpha Protocol seid ihr auch tatsächlich darauf beschränkt. Dadurch, dass ihr nicht wisst was genau ihr sagt und wie euer Gegenüber auf eure Antwort reagiert, müsst ihr euch wortwörtlich auf euren Instinkt verlassen. Ist euer Gegner also ein übler Triadenboss, dessen Schläger sich für euch strategisch ungünstig in eurem Rücken positioniert haben, ist die professionelle Haltung wohl die gesündeste. Steht er aber mehr auf freche Typen hättet ihr mit einem schleimigen Tonfall eher schlechte Chancen. Es gilt also vor und während des Gesprächs den anderen genauestens zu prüfen und blitzschnell ein Urteil darüber fällen zu können, was er mag und was nicht. Viel Zeit bleibt euch nicht. Während ihr euch darüber den Kopf zerbrecht, welche Antwort die Beste ist, tickt die Uhr. Ihr müsst euch entscheiden und dann mit den Konsequenzen leben. Dabei helfen euch keine Fertigkeiten, die ihr beim Levelaufstieg verbessern könnt. Hier werdet ihr allein gelassen und auf die Probe gestellt, ob ihr diesen wichtigen Aspekt des Geheimagenten-Daseins meistern könnt oder nicht. Durch das DSS erlangt Alpha Protocol in den vielen Dialogen einen großen Bonus an Atmosphäre und Spannung. Obsidian hat mit diesem System einen mutigen Schritt getan, der ihnen zum Glück wunderbar gelungen ist.

Eure Haltung hat sogar unter Umständen eine permanente Wirkung auf den weiteren Spielverlauf Am Anfang des Spiels, in einem mysteriösen Krankenraum, werdet ihr zum Beispiel von einer euch unbekannten Frau per PDA kontaktiert. Sie informiert euch, dass vor der Tür eine Wache steht. Das Spiel bietet euch dann drei Antwortmöglichkeiten. Je nachdem welche davon ihr wählt, erhaltet ihr einen anderen Bonus auf eure Fähigkeiten. Das ist bei weitem kein Einzelfall, denn solchen Situationen begegnet ihr im Spiel laufend. Außerdem hat es auch Einfluss darauf, ob euch eure Kollegen oder Feinde mögen. Wenn ihr euch gut mit den Obigen stellt, dürft ihr euch bei Missionsbeginn über bestimmte Boni freuen, wie zum Beispiel einen Rabatt beim örtlichen Waffenhändler oder eine Erhöhung eurer Ausdauer.
Die Qual der Wahl
Was wäre ein richtiges Rollenspiel ohne ausgebaute Charakterentwicklung? Ziemlich langweilig und eintönig, denn ein großer Teil der Faszination dieses Genres besteht für viele aus dem individuellen Helden. Zumindest beim Aussehen müsst ihr leider einige Abstriche machen, denn allzu sehr könnt ihr das Standardmodell nicht verunstalten. Hier ein halbes Dutzend Frisuren, dort ein paar Brillen und Hüte. Viel gibt es nicht zu verändern, zumindest nicht für ein Rollenspiel. Dragon Age: Origins oder auch Mass Effect 2 boten da eine viel größere Palette an Individualisierungoptionen. Nichtsdestotrotz ist dieser Verlust verschmerzbar, da das Aussehen generell keinen großen Einfluss auf die Spielweise hat.

Alpha Protocol bietet euch beim Spielbeginn die Auswahl zwischen drei Klassen. Der Soldat bleibt seinem Stereotyp treu und kennt sich daher bestens mit allem aus, was Bumm macht. Entscheidet ihr euch für diese Klasse, dann werdet ihr euch am wohlsten fühlen, wenn ihr eine Maschinenpistole oder ein dickes Sturmgewehr in die Hand nehmt, der Heimlichkeit eines Sam Fischer einen Tritt in den Hintern verpasst und ballert was das Zeug hält. Wer es heimlicher mag, der fährt mit dem Spion am besten. Bereits von Anfang an habt ihr einige Punkte in eure Tarnung investiert und könnt euch für kurze Zeit völlig lautlos fortbewegen. Von Deckung zu Deckung schleichen und die Gegner einzeln und leise ausschalten. Das ist genau euer Ding und die schallgedämpfte Pistole am Gürtelholster euer bester Freund. Die Techniker greifen von allen Klassen am liebsten auf die verfügbaren Gadgets zurück. Nützliche Fertigkeiten wie das Übertakten von Granaten und anderen Werkzeugen erleichtern das Leben als Geheimagent Personalunion mit einem Technik-Freak. Solltet ihr euch gar nicht entscheiden können, so bleibt immer noch die Rekrutenklasse. Dort startet ihr allerdings komplett ohne Fertigkeitspunkte und seid am Anfang so hilflos wie ein junger Welpe. Außerdem könnt ihr euch nach einigen Stufen spezialisieren. Ab diesem Zeitpunkt ist es zudem möglich eure gesamte Punteverteilung zurückzusetzen und quasi nochmal ganz von vorne zu beginnen.

In eurem Hauptquartier, in das ihr nach jeder Mission zurückkehrt, könnt ihr euch übrigens mit dem Computer mit dem lokalen Waffenhändler verbinden. Dort werden die interessantesten Modifikationen für eure Schießeisen zum Kauf angeboten. Laser-Visiere, verbesserte Läufe oder größere Magazine gehören genauso mit zum Repertoire wie neue Rüstungen und Verbesserungen. Außerdem bietet er euch, gegen einen Obolus, Hilfe bei euren Missionen. Wollt ihr also die komplette Karte aufgedeckt haben, dann bestellt sie einfach bei Clearinghouse. Sollen die Wachen von ihren Posten abgezogen werden? Dann zahlt einfach die horrende Summe und schon ist es passiert. Das Geld, das ihr während eurer Missionen sammelt, kann dann im Internet wiederum für eine bessere Ausrüstung ausgegeben werden.
Kampfsystem mit großen Macken
Mit all euren verbesserten Fertigkeiten seid ihr also bestens gerüstet für den Kampf gegen die Horden quasi hirnloser Gegner, die euch das Spiel entgegen schickt. Denn während eure Feinde auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad schneller schießen und besser treffen als alle legendären Geheimagenten zusammen und euch in wenigen Augenblicken zu Klump verarbeiten, könnt ihr auf Leicht eigentlich noch froh sein, dass sie euch überhaupt finden. Ohne Witz, es kommt vor, dass ihr euch sekundenlang in offenem Gelände unter Feindbeschuss befindet und ALLE Kugeln an euch vorbeiflitzen. Das ist dann auch schon wieder zu leicht.

Alpha Protocol lässt euch die Wahl zwischen drei Kampfvarianten: Entweder ihr vermöbelt die Gegner mit euren Kampfkünsten, bewerft sie mit Granaten und anderen technischen Spielereien oder zückt eure Lieblingskanone und haltet einfach drauf. Je nachdem was ihr wählt, ist die Spielerfahrung natürlich eine andere. Am schwierigsten dürfte es sein mit Granaten effektiv Schaden anzurichten. Sobald ihr euch erst mal an die etwas unrealistische Physik gewöhnt habt, werdet ihr feststellen, dass auch die dümmste KI gut im Ausweichen eurer Wurfgeschosse ist. Im Zweifelsfall laufen sie nämlich auf euch zu und versuchen euch eins mit dem Gewehrkolben zu verpassen. Und keiner von euch würde wohl eine Granate direkt vor die eigenen Füße fallen lassen. Ganz im Gegensatz dazu steht der Nahkampf. Denn Michael Thornton kann mit nur einigen wenigen Tritten einen gestandenen Mann außer Gefecht setzen, Elite-Kämpfer bedürfen einer etwas intensiveren Behandlung. Die Steuerung hierbei ist simpel, wiederholtes Drücken der B-Taste reicht vollkommen aus. Mit höherer Fertigkeitsstufe steigt auch der Schaden, so dass sich eure Beine und Fäuste zu den gefährlichsten Spiel entwickeln können.

Als Agent bleibt euch oft der Griff zur Pistole oder schwererem Kaliber nicht erspart. Umso wichtiger ist es also, dass Obsidian gute Arbeit leistet und das Abknallen diverser Triaden, Banditen und Terroristen richtig Spaß macht. Leider haben die Entwickler aus dem sonnigen Kalifornien mächtig geschludert und kein zufriedenstellendes Kampfsystem auf die Beine gestellt. Statt zu treffen, wenn ihr einen Gegner anvisiert, hängt eure Trefferquote zu einem Großteil von euer Punkteverteilung habt. Fadenkreuz perfekt mittig auf den Kopf den Gegners ausgerichtet, aber bei den Punkten gespart? Selber schuld, geht der Schuss halt daneben und ruft viele Wachen auf den Plan, die euch unerbittlich jagen. Das frustriert vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, wo eure Kontrahenten eine ganze Ecke mehr Schaden aushalten können. Pistolen, die eigentlich als relativ präzise gelten, streuen schlimmer als ein Rasensprenger und sind daher nutzlos. Außer ihr investiert mehrere Dutzend Fertigkeitspunkte in die Waffe eurer Wahl. Da die aber sowieso knapp sind und auch andere Bereiche abgedeckt werden müssen, ist die Auswahl der Schießeisen zugunsten der Spielbarkeit auf maximal zwei Waffen beschränkt. Das hätte besser gelöst werden müssen, Obsidian hat sich einen ganz schön großen Fehler geleistet. Dieser äußert sich auch beim Spielspaß, der durch die suboptimale Designentscheidung ganz schön leiden muss.
Wer hacken will, muss geduldig sein
Ganz schön leiden muss auch eure Geduld, denn neben den Schießereien nehmen die Hacking-Sequenzen in Alpha Protocol auch noch einen großen Teil der Spielzeit ein. Drei verschiedene Minispiele müsst ihr erfolgreich absolvieren, damit ihr auch wirklich jede Tür knacken und jeden Sicherheitsmechanismus umgehen könnt. Das erste Spiel ist noch denkbar einfach. Ihr seht auf eine Platine herab, auf der sich mehrere Schaltkreise befinden. Einige von ihnen sind aufsteigend nummeriert. Eure Aufgabe ist es innerhalb eines knappen Zeitlimits alle Schaltkreise in der richtigen Reihenfolge abzuknipsen. Das Problem dabei: Die Schaltkreise verlaufen nicht gerade, sondern sind richtig verzweigt, so dass ihr manchmal ganz schön aufpassen müsst, um nicht den falschen zu erwischen. Passiert euch das, gibt es einen Abzug auf eure verbleibende Zeit. Läuft die ab, verliert ihr das Spiel und der Alarm wird aktiviert.

Am besten hat uns das Schlösser knacken gefallen. Wenn ihr Bethesdas Fantasyrollenspiel Oblivion gespielt habt, dann wird es euch sehr bekannt vorkommen. Doch Obsidian hat ein sehr sehenswertes Detail eingebaut, dass das Minispiel um den Aspekt des Fingerspitzengefühls erweitert. Anstatt plump die Bolzen im Schluss mit dem Dietrich nach oben zu drücken, müsst ihr euer Werkzeug mit LT ruhig halten und durch leichten Druck auf dieselbe Taste den Bolzen ein kleines Stück nach oben schieben. Erreicht dieser eine bestimmte Marke setzt ihr diesen mit RT fest und euch dem nächsten Kandidaten widmen. Das Tolle daran ist, dass der Bolzen immer soweit hoch geschoben wird, wie ihr die LT-Taste nach unten drückt. Das erste Schloss ist noch eine echte Quälerei, doch schon bald habt ihr euch an das verbesserte System gewöhnt und wollt es gar nicht mehr missen.

Das mit Abstand schwierigste Minispiel stellt wohl die zweite Variante des Hackens dar. In einem großen Feld voller Zahlen und Buchstaben, die sich nach dem Zufallsprinzip mehrmals in der Sekunde ändern müsst ihr in diesem Gewirr zwei feste Codeblöcke finden. Diese verändern sich nämlich nicht und sind somit leicht auszumachen. So zumindest die Theorie, denn das harsche Zeitlimit setzt euch nicht nur unter Druck, sondern kann auch des Öfteren dazu führen, dass ihr das Spiel entnervt aufgebt. Denn wenn ihr es innerhalb einer kurzen Zeit nicht schafft die Blöcke zu finden, verändern sie ihre Position und ihr müsst euch erneut auf die Suche begeben. Nach drei Veränderungen gilt das Spiel dann als verloren. Dabei bewegen sich die beiden Blöcke aber so langsam über das Spielfeld, dass ihr alleine schon die Hälfte der Zeit verbraucht, um von einem Ende zum anderen zu kommen.
Gute Sprecher, schlechter Rest
Die gute Nachricht zuerst: In akustischer Hinsicht ist Alpha Protocol echt gut. Die leider nur englischen Sprecher machen einen wunderbaren Job, sie klingen alle so, wie man sie sich vorstellt. Die Stimme der Journalisten Scarlett hat einen dezenten Hauch Frechheit und sogar ein wenig Erotik, der Scheich Shaheed spricht mit einem schönen Akzent, der zwar etwas übertrieben klingt, aber dennoch nicht allzu sehr stört. Michael Thornton selbst gehört zwar nicht zu den Besten des Ensembles, doch allzu schlimm ist er auch nicht. Es gibt gewiss schlechtere Stimmen für einen Hauptcharakter eines Geheimagenten-Rollenspiels.

Nun zum Rest. Auf grafischer Seite dürften selbst Fanboys nicht viel erwartet haben, Skeptiker noch viel weniger. Deren Zweifel an der grafischen Qualität des Spiels werden von Obsidian nicht zerschlagen, sondern nur noch bestätigt. Die Texturen brauchen oftmals eine halbe Ewigkeit, um zu laden. Wenn sie dann mal erscheinen, dann sehen sie allerdings größtenteils gut aus. Nur einen Tick schärfer und detailreicher hätten sie sein können. Die Modelle der Figuren sind leider sehr kantig in Zeiten der HD-Fernseher und es werden grundlegende Features wie Zwinkern, Gesichtsmimik oder Lippensynchronität vermisst. Auf der Seite der Animationen sieht es auch nicht besser aus. Michael sieht beim Schleichen aus, als müsste er ganz dringend mal auf den Abort und auch sonst sind seine Bewegungen eher steif als katzengleich, wie es sich für einen richtigen Spion gehören würde. Seine Feinde machen es keinen Deut besser und bleiben gerne an irgendwelchen Kanten hängen oder fliegen einfach mal ein paar Meter in die Luft. Die Physikengine tut mit ihren Leichen das Übrige und lässt sie oftmals unkontrolliert über den Boden zucken, bis ihr euch erbarmt und weg schaut. Hinzu kommen dann noch ein paar unschöne Technikbugs. So können eure Gegner unter Umständen durch eure Deckung schießen oder Michael bewegt sich auch ganz gerne von alleine, vorzugsweise aus der Deckung heraus und direkt ins Feuer eurer Gegner.
Fazit
Es wäre einfach Alpha Protocol abzuschmettern und es für all seine Fehler und Macken mit einer wirklich niedrigen Wertung zu bestrafen. Die diversen Bugs, das total verhunzte Kampfsystem, die nicht mal mehr mäßige Präsentation und das unausgereifte Balancing bieten genug Angriffsfläche, um das Spiel in der Luft zu zerreißen. Selbst die Entwickler sind nicht zufrieden mit ihrem Produkt. Wir auch nicht, doch hat Alpha Protocol Seiten an sich, die honoriert werden müssen. Allem voran steht das Dialog Stance System, von dem wir in Zukunft unbedingt noch mehr sehen wollen. Die Hintergrundgeschichte kann sich ebenfalls sehen lassen, obwohl sie im Grunde auch nur einige Klischees abdeckt. Die Sprecher sind gut, Schlösser knacken ist realistisch umgesetzt. Um also auf die Frage ganz am Anfang dieses Artikels einzugehen. Alpha Protocol verfügt über genug Fünkchen Spielspaß, um es durchzustehen. Nur bedarf es dazu Geduld und Durchhaltevermögen, um diese kleinen, wertvollen Momente zu sehen. Wer es kann, hat Spaß dabei.

„Alpha Protocol ist nur was für geduldige Feinschmecker“

Pro:
  • Interessante Hintergrundgeschichte und Setting
  • Gute Sprecher
  • Hervorragendes Dialogsystem
  • Schön gemachter Waffenshop
  • Entscheidungen haben Einfluss auf den Spielverlauf
  • Innovative Art Schlösser knacken

Kontra:
  • Unterdurchschnittliche Grafik
  • Diverse Bugs
  • Kämpfen macht keinen Spaß
  • Nahkampf im späteren Spiel zu stark
  • KI läuft nur auf euch zu
  • Keine offene Welt, nur Missionen
  • Sehr schweres Hackspiel
  • Unausgereiftes Balancing

Einzelspieler: 6.5
Mehrspieler: -
Xbox Live: -
Steuerung: 6.0
Grafik: 5.8
Sound: 6.5
Sprache: Englisch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 30
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

Gesamtbewertung
6.3


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