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Blackwater

Autor: Henry Lai - MadD4mon
Streetdate: 03.11.2011
Gametyp: Ego-Shooter
Entwickler: Zombie Studios
Publisher: 505 GAMES
Leser: 1719

In der Herbstzeit, praktisch der Höhepunkt eines jeden Spielejahres, haben es kleine und unbekannte Spiele nicht einfach. Wenn sich Branchengrößen auf kleinstem Raum um die besten Plätze in den Verkaufscharts prügeln, bleibt einfach nicht viel Platz für Underdogs. Das kann schade sein, denn dadurch entgehen der Spielewelt manchmal echte Perlen. Beim Kinect-Shooter Blackwater ist das... nicht so. Bei diesem Machwerk ist es ganz gut, dass kaum einer Wind davon kriegen wird. Warum ihr lieber die Finger davon lassen solltet, erfahrt ihr im Kurztest.

Vier Söldner in Afrika

Zunächst etwas Hintergrundinformation: Blackwater ist ein reales, privates Sicherheitsunternehmen, das auf internationaler Ebene Aufträge für diejenigen erfüllt, die sich ihre Dienste leisten können. In der Vergangenheit sind die Blackwater-Söldner bereits öfter in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, weil sie sich nicht ganz an ihren Auftrag gehalten oder einfach mal Freund und Feind verwechselt haben. Seit 2009 heißt Blackwater Xe Services. An ihrer Arbeit hat sich jedoch nichts geändert.

Jedenfalls übernehmt ihr in dem Spiel zur Militärorganisation die Rolle von vier Soldaten, die dem fiktiven, afrikanischen Staat Harri den Frieden und die Demokratie bringen sollen. Mit Waffengewalt, versteht sich. Abwechselnd schlüpft ihr in ihre Rollen und verbringt die meiste Zeit des Spiels damit, Milizen abzuknallen. Viel wird euch anfangs nicht erklärt: Zwei Afrikaner stehen mitten auf einer sandigen Straße, der Blackwater-Jeep rollt an, die Söldner steigen aus und nehmen die Befehle von ihren Auftraggebern entgegen. Dann steigen sie wieder ins Auto und los geht die Schießerei. Das Skript ist nicht wirklich originell oder interessant, die Sprecher sowieso nicht. Schon von weitem seht ihr Blackwater an, dass das Entwicklungsbudget nicht gerade hoch gewesen sein kann – und das hat sich leider auch auf das Gameplay ausgewirkt.

Mit oder ohne Controller?

Blackwater bietet euch zwei Steuerungsvarianten. Das Hauptaugenmerk haben die Entwickler von Zombie Studios offenbar auf die controllerlose Steuerung via Kinect gelegt. Theoretisch sind sie an das Ganze überlegt herangegangen: Zwar bewegt ihr euch nicht selbst, habt aber dennoch mehr zu tun als nur den Arm für das Fadenkreuz zu heben. Während ihr wie in einem Railshooter automatisch von Deckung zu Deckung dirigiert werdet, fordert euch das Spiel immer wieder mal dazu auf über ein Hindernis zu springen oder eine Tür einzutreten. Genauso könnt ihr von einer Deckung hervorlinsen, wenn ihr euren Oberkörper nach links oder rechts neigt. So etwas soll euch in das Spiel hineinziehen. Klingt gut? Ja. Ist es denn auch gut? Definitiv nicht, denn die Entwickler hatten zwar gute Ideen, aber anscheinend keine guten Programmierer. Das Spiel erkennt eure Bewegungen nämlich kaum oder so unpräzise, dass ihr manchmal nur hilflos vor dem Fernseher steht und wild mit den Armen herumfuchtelt. Auch das Schießen geht nicht gerade intuitiv vonstatten – in einem Shooter! Es gibt nämlich keine Geste, um den Abzug eurer Waffe zu betätigen. Stattdessen bewegt ihr eure Hand über einen Gegner und verweilt dort kurz, um einen Kugelsalve abzugeben. Dass das Ganze mit der Zeit ziemlich ermüdend wird und wegen eines fehlenden Feedbacks auch noch ziemlich langweilig ist, versteht sich. Granaten werft ihr mit der linken der Hand, Durchschlagskraft und Zielgenauigkeit lassen aber etwas zu wünschen übrig. Außerdem funktioniert das bereits erwähnte Neigen aus der Deckung nicht richtig, so dass ihr öfter sterbt, als es eigentlich nötig ist. Mangels Checkpoints dürft ihr dann das ganze Level noch einmal von vorne anfangen. Na danke, da rutscht die Spielmotivation gleich noch tiefer in den Keller.

Mit dem Controller geht zwar die eigentliche Arbeit leichter von der Hand, wirklich Spaß macht sie aber trotzdem nicht. Ein Railshooter wird nämlich erst dann richtig interessant, wenn ihr selbst eine Plastikkanone oder eben euch selbst ins Spiel einbringen könnt. Mit der herkömmlichen Steuerung via Analogsticks und Knöpfen ist das einfach nur langweilig. Aber wenigstens präziser als mit euren Gesten. Dafür stellen sich die Gegner recht dumm an, bleiben einfach wie Salzsäulen stehen und lassen sich brav von euch abschießen. Wirkliche Gefahr geht eigentlich nur von ihrer Anzahl aus.

Was sonst noch schief läuft

Neben einer recht kurzen Kampagne bietet euch Blackwater noch die Option auf einen lokalen Mehrspielermodus mit insgesamt bis zu acht Spielern. Dabei kämpft ihr mit euren Freunden um die beste Platzierung auf den sogenannten Wettkampfkarten – das aber nur abwechselnd. Ansonsten könnt ihr euch noch beim schnellen Spiel um einen Highscore in der weltweiten Rangliste bemühen.

Noch kurz zum Thema Präsentation: Das Spiel sieht nicht gut aus und hört sich auch nicht gut an. Obwohl es mit der Unreal 3-Engine läuft, mit der schon deutlich sehenswertere Spiele angetrieben wurden, schafft es Blackwater nicht, euch einigermaßen ansehnliche Schauplätze zu bieten. Die Texturen sind ziemlich niedrig aufgelöst und alles versinkt in einer Art Farbmatsch. Dazu kommen noch die steifen Animationen eurer immer gleich aussehenden Gegner, die unspektakulären Explosionen sowie die langweiligen Synchronsprecher. Kurzum: Nicht schön!

Fazit

Über ein Jahr ist bereits seit der Veröffentlichung von Kinect vergangen, richtig gute Spiele können wir jedoch noch an einer Hand abzählen. Vor allem Core-Gamer blicken auf eine noch ziemlich magere Spielauswahl, die sich zwar mit Titeln wie The Gunstringer schon teilweise sehen lassen kann, aber immer noch arg zu wünschen übrig lässt. Blackwater ist dagegen nur ein weiterer, liebloser Versuch ein altes Spielkonzept auf die neue Technologie zu übertragen. Dass dazu die Technik nicht funktioniert und so auch nicht zum Spielen einlädt, spricht auch nicht gerade für das Spiel. Um hilflos vor eurem Fernseher rumzuhampeln braucht ihr kein Geld auszugeben, das gibt es auch gratis. Also: Finger weg von Blackwater!

Blackwater könnt ihr getrost in die Mülltonne werfen“


Pro:
  • Vier spielbare Charaktere
  • Mit Controller und Kinect steuerbar

Kontra:
  • Kinect-Steuerung versagt total
  • Langweilige Spielprinzip
  • Dumpfe KI
  • Miese Präsentation
  • Schlechte Animationen
  • Nur lokaler Mehrspieler
  • Öde, schlecht inszenierte Story
  • Keine Checkpunkte in den Levels

Einzelspieler: 2.9
Mehrspieler: 2.9
Xbox Live: -
Steuerung: 2.0
Grafik: 2.4
Sound: 3.0
Sprache: Englisch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 4
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 18 Jahren

Gesamtbewertung
2.7


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