Zusammen mit Guitar Hero hat Rock Band das Genre der Musikspiele aus dem Boden gestampft. Verantwortlich zeichnet sich dafür unter anderem das amerikanische Entwicklerstudio Harmonix. Und jetzt, wo Rock Band ruht und das controllerlose Spielen dank Kinect auch auf der Xbox 360 möglich ist, können die musikbegeisterten Entwickler es nicht lassen. Dance Central war einer der Kinect-Starttitel und gehörte lange Zeit zu den besten Spielen, die es für die neue Peripherie gab. Mit Dance Central 2 soll alles noch besser werden. Ob Harmonix es wieder schafft, euch und eure Beine zum Tanzen zu bringen, erfahrt ihr im Xboxdynasty-Test.
Der Beat, der alles bestimmt
Egal ob Guitar Hero, Rock Band, Just Dance oder eben Dance Central: Auch das beste Musikspiel der Welt hat keine Chance, wenn der Soundtrack nicht stimmt. Immerhin ist die Songliste der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Spielgeschehens und deshalb müssen die Entwickler ein besonderes Augenmerk darauf legen. Glücklicherweise befinden sich unter den Jungs und Mädels von Harmonix offenbar ein paar ganz erfahrene Musiker, die nicht nur den diversen Rock Band-Ablegern den richtigen Ton verpassten, sondern auch bei Dance Central ein paar gute Griffe in die Musikkiste getan haben. Herausgekommen sind sie mit über 40 bekannten Songs, die Discostammgästen wohl bekannt sind und nicht nur aus der modernen Ära stammen. Klassiker wie Venus von der Bananarama oder My Prerogative von Bobby Brown finden sich ebenfalls auf der Disk. Auch die restlichen Tracks können sich sehen und eben tanzen lassen: Lady Gaga, Willow, Mary J. Blige, Usher, Darude, David Guetta, O-Zone, Bruno Mars, Rihanna und sogar Lena machen aus eurem Wohnzimmer eine Tanzfläche. Falls euch das noch nicht genügt, könnt ihr mittels Code noch die komplette Songliste aus dem ersten Dance Central in den Nachfolger übertragen. Das Ganze kostet euch allerdings 400 Microsoft Points. Ob euch das wert ist, müsst ihr allerdings selbst entscheiden.
Tanzt euch von Crew zu Crew
Viel hat sich in Dance Central 2 im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert. Wozu auch? Immerhin konnte schon der erste Teil Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen, so dass Harmonix gar nicht soviel machen musste. Dennoch gibt es unter anderem zwei grundlegende Änderungen. Die erste ist die Implementierung rudimentären Kampagne. Darin seid ihr der Newcomer in der Tanzszene und beweist euren Wert und eure Tanzfähigkeit, indem ihr gegen Crews wie zum Beispiel der Riptide Gang antretet. Konkret geht es darum zu ausgewählten Songs zu tanzen, euch die begehrten Sterne mit einer guten Performance zu ergattern und dann in einem ultimativen Battle die Crew zu besiegen. Habt ihr das geschafft, geht es weiter zum nächsten Herausforderer. Zwar hat dieser Modus letztlich nicht das Zeug zum Hauptspielelement, unterhält und motiviert aber trotzdem genug zum Weitertanzen, so dass er seine Existenzberechtigung erhält.
Die zweite große Änderung: Ein lokaler Mehrspielermodus, bei dem ihr nicht mehr nacheinander auf die Tanzfläche müsst. Stattdessen können eure Freunde sofort und ohne Umschweife mitten in einem Song dazukommen und einfach mittanzen. Dabei verfolgt Dance Central die Bewegungen beider Spieler gleichzeitig, so dass ihr entweder zusammen oder gegeneinander antreten könnt. Das funktioniert im Übrigen genauso gut wie alleine, so dass einer wilden Tanzparty bei euch im Wohnzimmer nichts mehr im Weg stehen dürfte. Unverständlich ist allerdings, wieso Harmonix bei diesem klaren Bekenntnis zum Mehrspieler auf eine Online-Variante verzichtet. Zwar gibt es jetzt zumindest Bestenlisten und Social Network-Einbindungen, gegen eure Freunde könnt ihr aber nur vor der heimischen Konsole antreten.
Von Tanzschule und Sprachbefehlen
Ansonsten fallen die Änderungen in Dance Central 2 eher marginal aus. So funktioniert die Tanzschule noch wie bisher: Bevor ihr bei der Performance eure besten Moves zeigt, übt ihr diese in der Tanzschule, wo euch die Schritte einzeln und langsam beigebracht werden. Ist euch eine Bewegung zu schnell, könnt ihr sie in der Zeitlupe anschauen und beliebig oft wiederholen. Dabei zeigt euch Dance Central 2 anhand der rot glühenden Gliedmaßen eurer Protagonisten, welchen Fuß oder Arm ihr gerade falsch gesetzt habt. Das ist zwar häufig sehr nützlich, dennoch fehlen Hinweise darauf, was genau ihr falsch gemacht. Dann müsst ihr häufig raten. Entsprechende Tipps vom Sprecher à la „Heb deinen Fuß etwas mehr“ oder „Halte deinen Arm näher am Körper“ hätten noch schneller zu einem Lernerfolg geführt. Neu ist, dass ihr ein Video von euch selbst aufnehmen könnt, um es dann mit dem virtuellen Tänzer auf eurem Bildschirm zu vergleichen. Das ist zwar etwas aufwändig, führt aber letztendlich zum Erfolg und ist die Mühe also allemal wert. Habt ihr während einer Performance Probleme mit bestimmten Moves, markiert das Spiel diese außerdem in einer Liste. Die könnt ihr dann direkt trainieren und spart euch somit eine Menge Zeit und Nerven.
Sehr komfortabel ist auch die eingebaute Sprachsteuerung, die ihr fast überall im Spiel benutzen könnt. Sei es im Menü bei der Auswahl der Spielmodi oder in Tanzschule, wo ihr mit einem „Langsamer“ oder „Video aufnehmen“ neue und alte Funktionen nutzen könnt, ohne eure Arme heben zu müssen. Und dabei müsst ihr gar nicht laut sein. Sogar ein leises Hauchen erkennt Kinect – natürlich nur unter den richtigen Bedingungen.
Fazit
Nanu, ist der Test schon vorbei? Ja, denn Harmonix hält sich bei Dance Central 2 an die goldene Regel „Never change a running system“. Viel zu schreiben gibt es also nicht. Wozu sollten sie auch ein erfolgreiches Spiel grundlegend verändern – das würde keinen Sinn ergeben. Stattdessen haben sich die Entwickler auf einige Kleinigkeiten konzentriert. Jetzt gibt es endlich einen echten Mehrspielermodus, wenn auch ohne direkte Online-Anbindung, und die Tanzschule bringt euch die knapp 1600 Tanzschritte noch effektiver bei. Dank Sprachsteuerung auch ganz komfortabel. Die Kampagne sieht zwar eher wie Beiwerk aus, stört aber keineswegs. Und bei der Musikauswahl hat Harmonix auch dieses Mal ein glückliches Händchen bewiesen. Einige alte Macken des Vorgängers sind geblieben, sicher. Aber schon der war eine Tanzwucht und sein Nachfolger ist noch besser. Wer mit Kinect tanzen will, kommt an Dance Central 2 also nicht vorbei.
„Tanzbären brauchen Dance Central 2“