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Earthworm Jim HD


Autor:Tobias Greiser - HEADCRASH
Streetdate: 09.06.2010
Gametyp: Jump and Run
Entwickler: - - - -
Publisher: - - - -
Hits:3410

Die Lieblingsbeschäftigung vieler Politiker besteht darin unser liebstes Hobby schlechtzureden. So sollen Videospiele nicht nur an genereller Verblödung und Amokläufen schuld sein. Vielmehr würden deshalb heutzutage keine Kinder mehr vor die Tür gehen und beispielsweise mit Regenwürmern spielen, wie sie es vor Jahren noch getan haben. Das dies vor einiger Zeit so gewesen ist, mag allerdings auch an Earthworm Jim gelegen haben. Der pixelige Hüpfspaß begeisterte damals Unmengen an Spielern, obwohl ein Regenwurm nun nicht gerade das Sinnbild eines Spielehelden darstellt. Um den Politikern zu zeigen, wie sehr ihr Regenwürmer mögt, könnt ihr euch jetzt vom Marktplatz für 800 Microsoft Points das 435MB große Remake Earthworm Jim HD herunterladen. Wirklich Sinn macht das aber nur, wenn das Spiel ebenso viel Spaß macht wie das veraltete Original. Und genau diese Frage beantworten wir euch in unserem großen Arcade Test!
Superanzug
Ähnlich wie kleinere Kinder Regenwürmer gerne durch ein Vergrößerungsglas inspizieren, müsst ihr eine Handlung bei Earthworm Jim HD mit der Lupe suchen. Fündig werdet ihr höchstens im Menü, wo in einem kurzen Text steht, dass Jim die Prinzessin retten muss. Euch wird nicht gesagt was das für eine Prinzessin ist, warum ihr die ganzen Monster in den Levels besiegen müsst und warum genau Jim einen Kampfanzug an hat, der ihm Superkräfte verleiht. Erzählerisch wirft das Game jedenfalls viel mehr Fragen auf, als es beantwortet. Aber das ist ja zum Glück auch nicht so wichtig. Denn entscheidend ist natürlich die spielerische Komponente. Und da muss sich der kleine Regenwurm wirklich nicht verstecken.
Superabwechslungsreich
Obwohl die Abschnitte aus dem Original 1:1 übernommen wurden, gehören sie immer noch zu den abwechslungsreichsten Levels überhaupt. Das Szenario wechselt blitzartig von saftigen grünen Wiesen zu einer feurigen Hölle, gefolgt von einem Unterwasserabschnitt, einer Maschinenwelt und einem Ausflug ins All. Ihr seid auch nicht nur zu Fuß unterwegs und springt durch die Gegend, sondern reist in einer Wasserkapsel, versucht gummiartige Gegner gegen Felswände zu stoßen oder müsst einen süßen Hund vor dem Tod bewahren. Überall warten andere Gegner auf euch, die mit unterschiedlichen Taktiken besiegt werden wollen. Zu Hilfe kommt euch dabei natürlich eure Waffe, die locker mehr als tausend Schuss auf Lager hat. Zusätzlich findet ihr neben Regenerationsperlen auch besonders durchschlagskräftige Wummen in den Levels verteilt, die Gegner schon bei einem Schuss knackig durchbraten. Ansonsten könnt ihr auch jederzeit nach Feinden peitschen, dazu benutzt Jim ganz einfach seinen eigenen Kopf!

Eine besondere Herausforderung sind die vielen Bosskämpfe. Auch hier ist eine durchdachte Vorgehensweise gefragt, ansonsten sinkt Jims Lebensanzeige flott gen Null. Auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad dürft ihr euch immerhin noch ein paar Tipps anzeigen lassen, damit ihr nicht total ratlos an den Kontrahenten verzweifelt. „Leicht“ ist auch die klare Empfehlung für alle Neulinge in dem Spiel, denn ansonsten gibt es in aufsteigender Reihenfolge noch „Mittel“, „Schwer“ und „Klassik“, was die Anforderungen des Originals zeigen dürfte. Der Titel ist nämlich wirklich bockschwer und an einige Stellen beim besten Willen nicht zu meistern. Wenn ihr also wirklich irgendwann das Spiel abschließen wollt, solltet ihr euch für den einfachsten Weg entscheiden.
Superfreunde
Ihr könnt allerdings nicht nur alleine hüpfen und ballern, sondern auch zusammen mit drei anderen Mitspielern. Sowohl online als auch offline. Online besteht aber wieder die altbekannte und leidliche Problematik, dass die Server fast immer verwaist sind und ihr daher keine Mitspieler findet. Lokal habt ihr dafür die Auswahl zwischen ganzen 15 Levels, die sich nur mit geschickter Zusammenarbeit bewältigen lassen. So kann beispielsweise ein Mitspieler die Gegner abwehren, während ein anderer den Öffnungsknopf für die Tür aktiviert vor der ihr gerade steht. Das ist wirklich gelungen und macht jede Menge Laune, vor allem weil jeder Spieler beweisen will, dass er der Beste ist. Aber auch alleine könnt ihr nach dem Abschluss der „Story“, die auch aus ganzen 16 Abschnitten (davon acht eher kurz) besteht, noch weiterspielen. Im Menüpunkt „Bonuslevel“ warten ein paar ganz ausgefallene Welten auf euch. Es gibt also stets genug zu tun in der abwechslungsreichen Welt von Earthworm Jim HD.
Supersimpel
Im Gegensatz zum generellen Schwierigkeitsgrad ist die Steuerung schön einfach. Nach kurzer Eingewöhnungszeit habt ihr das Repertoire des Erdreichbewohners verinnerlicht und könnt es geschickt einsetzen. Mit einem Druck auf die A-Taste vollführt Jim einen Sprung, ein Touchieren des B-Knopfes lässt seinen Kopf zur Peitsche mutieren. Da das Schießen so wichtig ist, wurden gleich zwei Tasten mit dieser Funktion ausgestattet. Mit X oder der rechten Schultertaste lasst ihr eure Kanone sprechen. Entscheidend kann für Anfänger auch der Back-Knopf sein, denn dahinter verbirgt sich die nützliche Hilfefunktion.
Superanimationen
Optisch ist Earthworm Jim HD durchgehend gelungen. Die Levels machen einen sehr stimmigen Gesamteindruck und sehen durch knallige Farben einfach toll aus. In den Unterwasserabschnitten wurde an Luftblasen gedacht und bei Explosionen erscheint ein kleiner Feuerball auf dem Bildschirm. Herauszuheben aus der schicken Präsentation sind eindeutig die Animationen. In kaum einem anderen Spiel wurde so viel Herzblut in solche Kleinigkeiten investiert. So verknotet sich Jim nach einem Sieg selbst als Lasso, wirft sich vor lauter Lässigkeit die eigene Waffe an den Kopf oder kratzt sich beim Hängen an Objekten ganz ungeniert den Allerwertesten.
Supermusik
Akustisch gibt es ordentlich flotte und schmissige Hintergrundmusik zu hören. Die schnellen Töne passen wunderbar zu dem Spiel und werden in manchen Momenten sogar von überraschend leisen Tönen abgewechselt. Die Soundeffekte gehen allesamt in Ordnung, wirkliche Highlights sind allerdings Mangelware. Eine richtige Sprachausgabe gibt es nicht (schließlich wird bei Earthworm Jim HD nicht gesprochen), dafür lässt der Regenwurm oftmals ein „Jieha“ oder „Groovy“ von sich hören. Ältere Spieler kriegen dabei vielleicht erinnerungstrunken Tränen in die Augen, jüngere Gamer dürfte das ständige Gekreische aber auch schnell mal auf die Nerven gehen.
Fazit
Ähnlich wie bei The Secret of Monkey Island 2: Special Edition ist Earthworm Jim HD immer noch das gleiche geniale Spiel wie vor vielen Jahren, nur jetzt in ansprechender Grafik. Und was soll daran bitte schlecht sein? Die Levels sind immer noch unglaublich abwechslungsreich, optisch vielfältig und spielerisch herausfordernd. Der leichte Schwierigkeitsgrad und der Hilfemodus verhelfen auch Anfängern zu den gewünschten Erfolgserlebnissen. Die vielen Abschnitte für mehrere Spieler sind fast noch besser als der Einzelspieler und sorgen für eine große Langzeitmotivation. Abgerundet wird das Spielerlebnis von dem ganz besonderen Humor der Serie, angefangen bei Kühen, die mit Kühlschränken abgeschossen werden, bis hin zu Jim als Kultfigur an sich. Für 800 Punkte gibt es eigentlich keine Ausrede sich dieses Meisterwerk nicht zu kaufen!

„Immer noch ein Meisterwerk, jetzt auch optisch ansprechend. Kaufen!“




Pro:
  • Umfangreich
  • Preisgünstig
  • Anspruchsvoll
  • Anfängerschwierigkeitsgrad
  • Viele Mehrspielerabschnitte
  • Schicke Optik
  • Unglaublicher Humor
  • Avatar-Gegenstände

Kontra:
  • Leere Online-Server
  • Wenige wirre Stellen im Leveldesign

Einzelspieler: 9.0
Mehrspieler: 9.2
Xbox Live: -
Steuerung: 8.7
Grafik: 8.5
Sound: 8.7
Sprache: Keine
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 7
Geeignet für: Profis und Hardcore Gamer
Altersfreigabe: Keine Altersbeschränkung

Gesamtbewertung
9.0


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