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Guitar Hero Warriors of Rock

Autor: Henry Lai - MadD4mon
Streetdate: 24.09.2010
Gametyp: Musik/Tanzspiel
Entwickler: Activision
Publisher: Activision
Leser: 2765

Wer von euch kann noch alle Spiele zählen, die seit der ersten Ausgabe von Guitar Hero auf den Spielemarkt geworfen worden sind? Fans wissen: Es sind inzwischen über ein Dutzend Musikspiele, die im Grunde ihres Herzen nur ein Spielprinzip haben. Ihr spielt mit einem Plastikinstrument die Songs eurer Musik-Idole nach, sei es jetzt Van Halen, Metallica oder auch Santana. Die Songauswahl ist inzwischen riesig, doch am Ende kommt es nur darauf an, wie gut ihr mit eurer Gitarre oder eurem Schlagzeug umgehen könnt. Mit Guitar Hero: Warriors of Rock will Activision ein neues Element in die Serie einführen, nämlich eine spannende Hintergrundgeschichte in einem Setting ähnlich dem von Brütal Legend. Solltet ihr euch also erneut zum Gitarrenhelden aufschwingen oder ist die eierlegende Wollmilchsau, die die Serie inzwischen geworden ist, endgültig ausgemolken?Der Herr sagte: „Es werde Rock“ – und es war gut
Lange, wehende Haare und Mittelalterklamotten vertragen sich gut mit Metal Musik. Das hat in letztem Jahr bereits Tim Schafers Brütal Legend bewiesen, das mit seinem ungewöhnlichen und musikalisch angehauchtem Thema viele Metal-Fans auf der ganzen Welt betörte. Der Musik eine spannende Geschichte zu verpassen, so lautete auch die Aufgabe der Entwickler. Anstatt euch einfach einen Song nach dem anderen vorzulegen, den ihr so gut wie möglich nachspielen sollt, präsentiert euch Activision eine mehrstündige Kampagne, in deren Verlauf ihr die bösartige Bestie, die Geißel des Rocks, vernichten sollt. Doch das geht nicht alleine, dazu braucht ihr die Hilfe von acht Rock-Kriegern, die überall in der Welt verteilt sind. Diese aufzuspüren und für eure Sache zu rekrutieren ist eines eurer Ziele. Weiterhin müsst ihr aber noch die Gitarre des Halbgotts des Rocks finden, denn nur mit ihr habt ihr überhaupt eine Chance gegen euren übermächtigen Gegner. Jeder Krieger hat außerdem noch eine ganz spezielle Fähigkeit. So kann die hübsche Kriegerbraut Pandora etwa dafür sorgen, dass sich euer Multiplikator bei aktivierter Starpower nicht nur verdoppelt sondern verdreifacht. Schafft ihr es außerdem, sie weiterzuentwickeln, indem ihr genügend Sterne in ihrer Songliste erspielt, erhaltet ihr sogar einen Sechsfach-Multiplikator. Casey Linch, die manche von euch vielleicht noch aus früheren Teilen der Serie kennen, versorgt euch hingegen mit einem nützlichen Schild gegen Fehler. Denn selbst dem besten Gitarristen kann ab und an ein Fehler unterlaufen und die ganze schöne Notenserie wäre dann zunichte gemacht. Mit ihrer Spezialfähigkeit dürft ihr euch allerdings einen Fauxpas leisten, ohne gleich euren Lauf zu verlieren.

Um alles zusammenzufassen: Fantastisches Metal-Thema? Check. Hintergrundgeschichte, die zum Spielen einlädt? Check. Einbindung von Bonusfähigkeiten bei den Charakteren? Check. Doch irgendwie mag nicht alles zusammen passen. Auch wenn am Ende der Kampagne Teamarbeit großgeschrieben werden muss, kommt nur selten bis gar nicht das Gefühl auf, dass es tatsächlich an euch liegt, um die Welt des Rock zu retten. Und auch rekrutieren eurer Kriegskameraden folgt einem bekannten Prinzip: Spielt Songs, um genügend Sterne zu sammeln, schaut euch die kurzen Zwischensequenzen der Charaktere an, spielt einen weiteren Zusatzsong. Weiter geht es dann mit dem nächsten Krieger. Fans, und an die ist das Spiel nämlich gerichtet, werden sich daran nicht weiter stören, doch die versprochene, spannende Geschichte bleibt irgendwie auf der Strecke. Lediglich die Spezialfähigkeiten sind eine nette Abwechslung und machen die anspruchsvolle Songauswahl etwas leichter.Alles beim Alten und doch etwas Neues
Spielerisch ändert sich bei Guitar Hero: Warriors of Rock kaum etwas. Wieso auch? Inzwischen hat Activision eine sehr gute Spielmechanik entwickelt, da wäre es fatal und idiotisch noch etwas daran zu ändern. Spielt ihr die Gitarre oder den Bass, so drückt ihr die Taste entsprechend zu der ersten Note, die auf eurem Noten-Highway auf euch zu fährt. Zum richtigen Zeitpunkt müsst ihr dann noch die Anschlagtaste drücken. Beim Schlagzeug malträtiert ihr mit den Holzsticks einfach darauf los und das Singen erklärt sich eigentlich von selbst. Wie immer könnt ihr zwischen verschiedenen Schwierigkeitsgraden wählen. Neuling ist als Anfängermodus gedacht, von dem aber selbst die blutigsten Anfänger gelangweilt werden und dementsprechend in den nächsthöheren Gang schalten. Wer auf Profi spielen kann, der kann sich getrost auch als einen bezeichnen – zumindest an der Plastikgitarre. Denn in diesem Schwierigkeitsgrad wird euch alles abverlangt. Aber wenn ihr am Ende eines besonders schweren Solos noch steht und euer Multiplikator vielleicht sogar eine große, lilafarbene Vier zeigt, dann dürft ihr durchaus stolz auf euch sein.

Im Gegensatz zum Vorgänger, Guitar Hero 5, hat sich allerdings die Songauswahl stark verändert. War Activions damals noch bemüht, eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen und viele verschiedene Songs aus verschiedenen Genres anzubieten, gibt es jetzt eine klare Richtung: Rock! Metal, Alternative, Indie... fast alle Sparten sind vertreten und wissen zu begeistern. Kleine Beispiele gefällig? Die britische Band Muse gibt sich mit Uprising die Ehren, die legendäre Seven Nation Army von den White Stripes befindet sich genauso auf der Disk wie Fury of the Storm von Dragonforce. Und auch Megadeth gibt sich gleich mit mehreren Songs die Ehre. Einer davon wurde sogar exklusiv für das Spiel geschrieben. Wer allerdings keinen Rock mag, der wird mit Guitar Hero: Warriors of Rock nicht glücklich.Schnelles Spiel noch schneller machen
Herzstück des neuen Spiels ist das verbesserte Schnelle Spiel, das ihr bereits aus allen anderen Teilen der Serie kennt. Alle Songs werden dort entweder alphabetisch oder nach Schwierigkeitsgrad aufgelistet und ihr könnt euch nach Belieben aussuchen, was ihr spielen wollt. Es gibt auch wieder die Möglichkeit eigene Songlisten zu erstellen und auch die Möglichkeit Herausforderungen bei jedem Musikstück zu meistern, kehrt aus Guitar Hero 5 zurück. Gab es damals für euch nur das Prestige und die Gewissheit, etwas geschafft zu haben, so erhaltet ihr neben einem Platz in der Bestenliste dieses Songs auch noch diverse Sterne. Wozu die allerdings da sind, dazu später mehr. Übrigens: Die Spezialfähigkeiten aus der Kampagne könnt ihr auch beim Schnellen Spiel miteinbringen. Jedoch immer nur zwei auf einmal.

Eine Band besteht in Guitar Hero normalerweise aus einem Gitarristen, einem Bassisten, einem Drummer und jemandem, der das Mikrofon bedient. Das kann so sein, muss aber nicht. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch ein und dasselbe Lied mit vier Sängern spielen, oder zwei Bassisten und zwei Drummern. Jede Kombination ist möglich, einige Erfolge sind sogar nur auf diese Weise zu schaffen. Diese Funktion gibt es natürlich auch im Partyspiel, bei dem jederzeit neue Mitstreiter einsteigen können – nützlich auf irgendwelchen Feiern, wo sich die zunächst nur die Mutigen an die Instrumente trauen und dann nach und nach immer mehr spielen wollen. In einem Tutorial werden euch außerdem die wichtigsten Lektionen zum Thema Guitar Hero nahe gebracht, so dass ihr euch nicht mühsam alles selbst beibringen müsst.Sternenstaub schnuppern
Wenn ihr es geschafft habt, eine einigermaßen anständige Performance auf der Bühne hinzulegen und das Lied eurer Wahl mit Bravour erledigt habt, dann geht es ans Punkte beziehungsweise Sterne zählen. Denn die zeigen euch nicht nur euren Fortschritt in der Kampagne oder im Schnellen Spiel an, sondern schalten euch mit höheren Spielrängen auch noch diverse Extras frei. Entweder sind es neue Bühnen, auf denen ihr abrocken könnt, oder es sind Klamotten und Instrumente für euren ganz individuellen Rocker.

Denn auch den bereits bekannten Charakter-Editor hat Activision nicht wegrationalisiert, sondern ein wenig aufgeräumt und wieder eingefügt. Statt wie bei Guitar Hero World Tour fast unendliche Möglichkeiten bei der Gestaltung eures Gitarrenhelden zu haben, wählt ihr im neuesten Teil der Serie nur aus relativ wenigen verfügbaren Optionen euren Rocker aus. Sicher, die lassen sich bei weitem nicht an einer Hand abzählen, doch angesichts des Umfangs von World Tour hinkt Warriors of Rock doch ein wenig hinterher. Statt Geld für neue Instrumente ausgeben zu müssen, müsst ihr einfach nur noch entsprechend viele Sterne sammeln.Zusammen jammen und Spaß dabei haben
Am meisten Spaß macht Guitar Hero: Warriors of Rock jedoch, wenn ihr in einer Band spielt. Zusammen auf einen hohen Multiplikator zu kommen, perfekt im Takt die Anschlagschalter zu drücken oder auf die gummierten Trommeln zu hauen und dann noch beim Singen immer den richtigen Ton zu treffen – das ist ein Gefühl, wie wirklich auf der Bühne zu stehen. Das Adrenalin fließt dann durch euren Körper und das wohlig-bekannte Guitar Hero-Gefühl stellt sich ein. Genau deswegen verkaufen sich die Spiele dieser Serie auch noch so gut.

Und natürlich geht auch online richtig die Post ab: Neben den klassischen Modi wie Duell, Pro Duell und dergleichen. Und auch aus dem letzten Teil bekannte Modus Momentum erfährt eine glorreiche Rückkehr und bringt auch noch seinen Bruder Momentum Plus mit. So verändert sich in diesem Modus der Schwierigkeitsgrad des gespielten Lieds mit ihrer Leistung. Das heißt: Seid ihr besser, schaltet das Spiel höher. Versagt ihr auf ganzer Linie, wird es dementsprechend leichter für mich. Das Plus in Momentum Plus bedeutet außerdem noch, dass derjenige, der gerade am Verlieren ist, noch Starpower einsetzen kann, um den Führenden auf Neuling herabzustufen. Fies!Das Beste vom Rest
Wie? Das war es schon mit den Lobpreisungen? Nein, das nicht, aber die Änderungen seit dem letzten Teil sind bereits aufgezählt worden. Denn natürlich gibt es noch die liebgewonnen Funktionen und Features, die sich im Laufe der Serie in das Spiel eingeschlichen haben. Einen Editor für eure Musikstücke gibt es immer noch für euch wie die Möglichkeit, euren eigenen Avatar als Rocker einzusetzen. Auch technisch bewegt sich Guitar Hero: Warriors of Rock auf hohem Niveau, akustisch gesehen sowieso. Da haben selbst Perfektionisten nicht mehr viel Freiraum für Verbesserungen. Und das ist auch gut so, denn dann können sie sich auf andere Dinge konzentrieren. Kurz gesagt: Es wurde nichts verschlimmbessert, sondern eure Guitar Hero-Erfahrung lediglich erweitert.Fazit
Nach Guitar Hero 5 fiel es vielen von euch sicherlich schwer, noch etwas zum Bemängeln zu finden – abgesehen von der Songauswahl, die ja bekanntlich immer eine Frage des Geschmacks ist. Hat Activision mit dem letzten Teil der Serie eher eine breitere Zielgruppe angesprochen, so geht diesmal wieder richtig zur Sache. Harter und Rock kommt hier zum Einsatz, zur Unterstützung der Atmosphäre wurde das ganze Spiel inklusive Hintergrundgeschichte in einem Fantasy-Metal-Szenario untergebracht. Militante Pop-Fans lassen also lieber die Finger davon, wenn sie sich auf kein neues Musikterrain wagen sollen. Guitar Hero: Warriors of Rock bleibt sich spieletechnisch treu, wagt aber auch neue Schritte in andere Richtungen. Die sind durchaus gelungen, lassen aber noch Platz für Verbesserungen. Die eierlegende Wollmilchsau hat also dazu gelernt, sie legt jetzt auch Schokoeier und gibt Erdbeermilch. Fehlt nur noch die Stahlwolle.

„Rocker und Guitar Hero-Fans haben keine andere Wahl als sich Guitar Hero: Warriors of Rock zuzulegen“

Pro:
  • Innovativer Abenteuermodus
  • Schnelles Spiel erweitert
  • Über 91 Songs, vornehmlich aus dem Rock-Genre
  • Mehrspieler- und Partymodus sorgen für stundenlangen Spielspaß
  • Ausgereiftes Spielprinzip
  • Neue Spezialfähigkeiten

Kontra:
  • Etwas blasse Inszenierung der Hintergrundgeschichte
  • Seichterer Charakter-Editor

Einzelspieler: 9.5
Mehrspieler: 9.6
Xbox Live: 9.6
Steuerung: 9.0
Grafik: 8.5
Sound: 9.2
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 80
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 6 Jahren

Gesamtbewertung
9.4


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