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Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary

Autor: Tobias Schulte - Z0RN
Streetdate: 15.11.2011
Gametyp: Ego-Shooter
Entwickler: 343 Industries
Publisher: Microsoft
Leser: 2506

Eine Ode an die Fans, die Neuauflage eines Meisterwerks, ein Tribut für zehn Jahre Treue – Die Erwartungen an die Entwickler von Halo: Anniversary waren groß, ein Spiel zu schaffen, das es wert ist als Remake des preisgekrönten ersten Halo Teils zu gelten. Doch können Microsoft und 343 Industries in die Fußstapfen von Bungie treten und mit Halo: Anniversary dem Flair des ersten Teils gerecht werden und sowohl eingefleischte Anhänger, die den ersten Teil noch in guter Erinnerung haben, als auch neue Fans der Serie, die Halo nur von Erzählungen kennen, zufriedenstellen? Wir konnten den fertigen Titel bereits einige Tage vor Release testen und haben die Kampagne über das Wochenende in einigen Nachtsession endlich wieder einmal ausgiebig durchgespielt. In unserem Testbericht lest ihr jetzt, ob es sich bei Halo: Anniversary um ein Geschenk an die Fans oder den müden Abklatsch eines Klassikers handelt!

Bevor wir mit unserem Testbericht beginnen, möchten wir euch noch darauf hinweisen, dass dies kein gewöhnlicher Test ist, sondern sich hauptsächlich damit beschäftigt Halo: Anniversary mit dem alten Halo von 2001 zu vergleichen. Wer einen ausführlichen Testbericht zu den Details der Kampagne, dem Spielablauf, der künstlichen Intelligenz und den Waffen erwartet, sollte ergänzend hier unseren alten Testbericht zu Halo für die Xbox lesen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Spieletester oder die Redaktion.

Es bleibt wie es war

Viele Anhänger der Halo Reihe hatten im Vorfeld Angst 343 Industries würde die Kampagne verändern, neue Abschnitte schaffen und somit vom ursprünglichen Verlauf der Geschichte abweichen. Nichts davon ist geschehen. Das Spiel beginnt, wie schon sein Vorgänger, mit dem Angriff der Allianz auf den Planten Reach, mit dessen Verteidigung ihr euch im neuesten Halo Teil beschäftigen durftet. Selbst die Filmsequenzen sind, wenn auch neu gerendert und aufpoliert, meist identisch mit den bereits bekannten aus dem Halo von 2001. Lustigerweise könnt ihr nicht nur zwischen der alten und neuen Grafik im Spiel umschalten, dies wirkt sich auch auf die Zwischensequenzen aus, die je nach Wahl, in der neuen Grafik glänzen oder die Nostalgiker unter euch bedienen.

Schon der Startbildschirm ist eine eins zu eins Umsetzung des klassischen Halo und lässt euch auf eine riesige, grafisch aufpolierte Darstellung der Ringwelt blicken. Dieser Grundsatz alles beim Alten zu lassen zieht sich durch das ganze Spiel. Fans der Serie, die den ersten Teil von 2001 noch gespielt haben, werden trotz der besseren Grafik nahezu jede Einstellung im Spiel wieder erkennen. Das macht Laune und ließ uns während des Tests in alten Erinnerungen schwelgen. Einzig in der Pillar of Autumn und im Level 343 GuiltySpark hatten wir den Eindruck, dass einige Stellen wie die Architektur des Schiffes oder die Brutstätte der Flood leicht verändert wurden, aber wer kann das nach nunmehr zehn Jahren wirklich mit Gewissheit sagen? Zudem liegen in der Kampagne nun mehr Powerups und Unsichtbarkeitswürfel herum, die besonders vor schweren Kämpfen eure Schilde überladen oder euch für den Feind verschwinden lassen. Störend ist das aber eigentlich nicht, auch wenn es in den höheren Schwierigkeitsgraden einige der sehr schweren Kämpfe vereinfacht.

Auch die Geschichte bleibt wie gehabt: Erneut verschlägt es euch bei der Flucht von Reach zur von der Allianz besetzten ersten Ringwelt, genannt Halo. Dort angekommen müsst ihr euch ein weiteres Mal mit fanatischen Eliten, halb toten Monstern und verrückten Wächtern herumschlagen und die Vernichtung allen Lebens im Universum verhindern. Wer erpicht darauf ist, trotzdem etwas mehr über den Konflikt zwischen der Allianz, den Menschen und der Flood zu erfahren, der kann sich auf die Suche nach den aus Halo 3 bekannten Terminals machen. Die Mal mehr, mal weniger gut versteckten Infoterminals zeigen euch bei Benutzung kurze Ausschnitte und Zwischensequenzen aus dem Leben des Illuminaten 343 Guilty Spark, die einen tieferen Einblick in das Halo Universum ermöglichen. Damit sind endlich die Zeiten vorbei, in denen ihr ellenlange Texte vorgesetzt bekommen habt. Ob lustige Abschnitte, in denen euch der Wächter von seinem einsamen Dasein berichtet, über Action geladene, bis hin zu melancholischen Stellen – die Infoterminals bringen leben in die eigentlich ja bereits bekannte Kampagne.

Sprachsteuerung mit Frustfaktor

Erstmals wollten Microsoft und 343 Industries auch Kinect in ihren Shooter einbauen. Wer den schwarzen Kasten sein Eigen nennen kann, der bekommt in Halo: Anniversary einen Vorgeschmack darauf, wie in einigen Jahren wohl die meisten Spiele ausgestattet sein werden. So dient Kinect im Spiel zwar lediglich als Mikrofonersatz, erlaubt es euch so aber eine Handvoll Befehle umzusetzen. Dabei hatten wir ein gemischtes Bild von der Sprachsteuerung, die es euch beispielsweise erlaubt schnell zwischen alter und neuer Grafik zu wechseln, ohne erst in das Menü zu gehen und das Ganze von Hand umzustellen. Aber auch Gegenstände und Gegner könnt ihr mit Hilfe von Kinect scannen und zu einer Bibliothek hinzufügen. Anfangs waren wir von diesem Element begeistert, nach einiger Zeit wird jedoch deutlich das hier noch Entwicklungspotenzial nach oben ist. Häufig nimmt die Sprachsteuerung eure Befehle nicht an oder setzt Befehle um, die es gar nicht gab. Seid ihr beispielsweise in einer Party und sprecht mit Freunden, fasst die Kinect Sprachsteuerung dies häufig als Befehle auf und wirft beispielsweise bei dem Wort „Marine“ eine Granate, obwohl der korrekte Befehl dafür „Granate werfen“ lautet.

Wir haben die Kinect Funktion deswegen nach kurzer Zeit deaktiviert, zumal sie sowieso nicht wirklich notwendig ist. Auf den unteren Schwierigkeitsgraden ist es ganz lustig und mitunter hilfreich, aber wer wirklich ernsthaft spielen will, dem bricht die logische leichte Verzögerung zwischen Befehl und Ausführung das Genick. Trotzdem ein nettes Gimmick das besonders Casual Gamern gefallen wird. Die Funktion zeigt was mittlerweile möglich ist und passt optimal zum kommenden Dashboard Update.

Solides Mittelmaß

So viel also zur Spielarchitektur und den Unterschieden zwischen heute und damals. Um einen fairen Vergleich anstellen zu können, wollen wir aber auch ein paar Worte zum Spielgefühl und der Grafik verlieren. Doch bevor wir darauf näher eingehen, sei noch ein Wort zur Soundkulisse gesagt. Denn diese wurde durch die Experten von Skywalker Sound überarbeitet, so dass Hintergrundmusik, Explosionen und Gespräche jetzt auch in glasklarem Dolby Digital Surround Sound zu hören sind. Diese Änderung fällt besonders bei Explosionen sehr stark auf. Selbst die Detonation einer Granate klingt als ob neben euch gerade der nächste Weltkrieg ausgebrochen wäre. Ein bisschen weniger Schmackes wäre hier sicher angebracht gewesen, aber so kommen Besitzer einer 5.1 Anlage immerhin voll auf ihre Kosten. Etwas seltsam hört sich allerdings die deutsche Sprachvertonung an. Hier sind die Jungs von Skywalker Sound kläglich dabei gescheitert die alte Sprachschleife neu zu optimieren und haben es sich gespart die Kampagne neu zu vertonen.

Besonders die Synchronisation ist ein schlechter Witz: Da spricht zum Beispiel Cortana und bewegt ihren Mund zu einem vollkommen anderen Text oder Sergeant Johnson ist schon lange vor dem Ende seiner Lippenbewegungen mit seinem Satz fertig. Gott sei Dank wurden keine Änderungen an der musikalischen Untermalung in Halo Anniversary vorgenommen, schließlich war gerade die Hintergrundmusik seinerzeit ein Markenzeichen von Halo: Kampf um die Zukunft und ist für das Halo Gefühl einfach notwendig.

Grafische Leistung

Kommen wir jetzt also zur sichtbarsten Veränderungen in Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary: Der Grafik. Dazu sei gesagt, dass die Kampagne auf der Saber3d Engine und der Mehrspieler auf der überarbeiteten Version der Halo: Reach Engine basiert. Womit eins auch gleich schon klar ist - ein grafisches Feuerwerk solltet ihr nicht erwarten. Nichtsdestotrotz sieht Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary mit der neuen Grafik schick aus, auch wenn es nicht an Genregrößen wie Gears of War herankommt. Schließlich ist es auch zu viel verlangt für einen Halbpreistitel eine komplett neue Engine aus dem Boden zu stampfen. Verglichen mit der Grafik aus dem ersten Teil sieht das Remake allerdings, wie nicht anders zu erwarten, um Längen besser aus: Frühere kahle Bäume haben jetzt ein dichtes Blätterwerk, Wellen kräuseln sich im Meer und Schlammspritzer haften an eurem Warthog. Dabei haben die Jungs von 343 Industries größtenteils der Versuchung widerstanden, größere Veränderungen an der Umgebung vorzunehmen.

Bis auf das nun sichtbare Schattenspiel wurden keine neuen Elemente, wie Bäume oder Felsen in die Kampagne eingefügt, wobei es auch schwierig ist, das abschließend zu beurteilen. So haben früher kahle Stellen jetzt einfach mehr Texturen spendiert bekommen, Lichter leuchten kräftiger und die Umgebung strahlt in viel intensiveren und vielschichtigeren Farbtönen. Leichte Veränderungen sind hingegen bei den Waffen erkennbar. Nicht nur das diese jetzt viel detailreicher sind, es wurde auch das eine oder andere Element hinzugefügt, das es so im ersten Halo Teil definitiv nicht gab. Allerdings gestaltet es sich wohl auch schwer eine Waffe einfach nur mit neuen Texturen zu versehen, ohne sie dabei zwangsläufig leicht zu verändern. Das Innenleben der Pistolen, Gewehre und Scharfschützenpistolen ist dafür unverändert, so wurden zum Beispiel die Fadenkreuze in ihrer alten Form beibehalten.

Aus alt mach neu und aus neu macht alt

Ein besonderes Gimmick in Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary stellt der schon erwähnte Klassik-Modus Knopf dar, mit dem ihr zu jeder Zeit im Spiel zwischen der neuen Grafik und der von vor zehn Jahren wechseln könnt. Eine nette Idee, die es Fans der Serie ermöglicht die grafische Entwicklung über die Jahre nachzuvollziehen. Wirklich korrekt wurde die alte Grafik allerdings nicht umgesetzt, so wirkt die 2001er Umgebung vollkommen farblos und kantig, Texturen fehlen zum Teil völlig und eure Waffe sieht aus wie ein glatter aus einem Block gefräster Stab. Sicher ist die damalige Darstellung der heutigen um Längen unterlegen und wirkt auf einem HD fähigen Fernseher noch mal schlechter, aber so mies sah sie damals nun auch nicht aus. Schließlich wurde Halo: Kampf um die Zukunft seinerzeit für die auf einer Konsole geradezu atemberaubende Grafik gerühmt.

Schade, dass 343 Industries hier so übertrieben hat, denn gerade auf die Darstellung des grafischen Unterschieds sollte ja besonders Wert gelegt werden. Auch der Wechsel von alter zu neuer Grafik dauert mitunter ein paar Sekunden, was den Spielfluss unterbricht und sicher viele davon abhalten wird allzu häufig die Ansicht zu wechseln.

Nach zehn Jahren endlich Realität

In der Tat könnt ihr in Halo Anniversary die Kampagne gemeinsam im Co-op Modus online durchspielen. Hier haben Microsoft und 343 Industries auf den Wunsch der Fans gehört und Halo: Kampf um die Zukunft um einen Mehrspielerpart erweitert. Und eins wird deutlich: Das ist die Art für die Halo einst konzipiert wurde, bevor Microsoft das Spiel als Launch Titel für seine Xbox auserkoren hat. Die Kampagne ist voll und ganz auf Co-op Gameplay abgestimmt und macht gerade dann einen riesen Spaß. So sollte Halo gespielt werden!

Übrigens gibt es auch einen Online Multiplayer in Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary. Bevor ihr jetzt aber in Freudentänze ausbrecht, müssen wir euch leider wieder in die Realität zurückholen. Bei dem sogenannten „Mehrspieler“ handelt es sich lediglich um ein neues Kartenpaket für Halo: Reach. Zwar wurden sechs der beliebtesten Mehrspielerkarten aus Halo und Halo 2 für den Online Multiplayer überarbeitet, aber wer noch weiß wie sich Halo: Kampf um die Zukunft oder Halo 2 seinerzeit im Mehrspieler online und offline gespielt haben, den wird es ärgern, das 343 Industries keinen extra Online Multiplayer entwickelt, sondern einfach den Halo: Reach Multiplayer aufgestülpt hat. Die altbekannten Karten aus Halo und Halo 2 wecken zwar Gefühle an früher und waren lange überfällig, aber mit der Halo Reach Engine, den Halo Reach Spezialfähigkeiten und den neuen Halo Reach Waffen, spielen sich die Karten einfach nicht wie früher.

Fazit

Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary macht Laune, das ist unumstritten. Die neue Grafik steht dem Spiel in allen Bereichen sehr gut, macht verdammt viel her und lässt beim Wechsel zwischen alter und neuer Umgebung die Entwicklung erkennen. Dafür ist der Vergleich mit der alten Grafik ein Witz, so einfarbig, monoton und kantig war Halo seinerzeit einfach nicht. Außerdem treten in der Kampagne Clippingfehler auf, die dazu führen, dass Texturen mitunter nicht rechtzeitig geladen werden oder der Bildverlauf ruckelt. Entschädigt werdet ihr dafür mit einem Co-op Modus der Halo wirklich gut zu Gesicht steht und der leider ungenügenden Einbindung der Kinect Sprachsteuerung. Auch die deutsche Sprachvertonung und die Synchronisation in den Zwischensequenzen wirken eher lieblos dahingeworfen. Genauso wie der Online Multiplayer, der aus einem neuen Kartenpaket für Halo: Reach besteht. Nichtsdestotrotz ist Halo: Kampf um die Zukunft Anniversary ein tolles Geschenk an die Fans und spielt sich heute wie gestern immer noch wie Halo. Vielleicht gibt es ja in drei Jahren ein Remake von Halo 2, bei dem die Umsetzung etwas liebevoller ist und der alte Mehrspieler wirklich eins zu eins umgesetzt wird. Wir würden uns freuen.

 

„Halo Anniversary ist im Co-op ein Geschenk für jeden Master Chief“


Pro:
  • Geschichte wurde durch Videosequenzen aufgepeppt
  • Co-op Modus ist eine Wucht und macht riesen Spaß
  • Keine Veränderung der Umgebung oder Story
  • Aufpolierte Soundkulisse
  • Spielt sich wie vor zehn Jahren
  • Günstiger Anschaffungspreis
  • Infoterminals liefern noch mehr Details
  • Scanning von Gegenständen und Gegnern

Kontra:
  • Grafik aus dem Original wird übertrieben schlecht dargestellt
  • Online Multiplayer ist lediglich ein Kartenpaket für Halo: Reach
  • Leichte grafische Fehler
  • Kinect Sprachsteuerung hat einige Macken
  • Deutsche Synchronisation wirkt lieblos

Einzelspieler: 7.3
Mehrspieler: 7.8
Xbox Live: 7.6
Steuerung: 8.3
Grafik: 8.0
Sound: 9.1
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 8
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

Gesamtbewertung
7.5


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