I Am Alive
Autor:Tobias Schulte -
Z0RN
Streetdate: 07.03.2012
Spielgenre: Actionspiel
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Leser:
2474
Postapokalyptische Szenarien bieten nicht nur spannenden Stoff für grandiose Spiele, sondern sind auch ein lukratives Geschäft für Entwickler. Die Titel aller Genres erfreuen sich nicht erst seit dem Erfolg der Fallout-Reihe großer Beliebtheit. Nun schickt Ubisoft mit I Am Alive einen Arcadekandidaten in den Ring, der den Fokus auf das nackte Überleben legen soll. Keine großartigen Waffen, keine Rüstungen, purer Überlebenskampf. Ob diese Rechnung aufgeht? Wir durften das Abenteuer, welches am 07. März im Rahmen der Xbox LIVE Arcade House Party für 1200 Microsoft Points erscheinen wird, vorab anspielen und berichten euch, wie die Zeit nach der Apokalypse aussehen wird.
Der Staub der Vergangenheit
Die Welt ist nicht mehr dieselbe. Euer namenloser Protagonist hat gerade einen monatelangen Fußmarsch hinter sich, um die Überreste seiner Heimatstadt zu erreichen, die einst schöne Metropole Haventon. Eine Apokalypse hat das Land zerstört, zentimeterdicken Staub über Häuser, Autos und ehemalige Spielplätze gelegt. Mit eurer Rückkehr verfolgt ihr nur ein Ziel: eure Frau und eure Tochter zu finden und sie endlich wieder in die Arme zu schließen. Nur mit ein paar Verpflegungsmitteln und einer Kamera, um euer Abenteuer festzuhalten ausgerüstet, betretet ihr die Ruinen der einstigen Großstadt. Doch werdet ihr eure Frau in den Trümmern und sozialen Unruhen der Metropole finden können? Gibt es überhaupt Überlebende? Und was führte schlussendlich zu dieser Katastrophe? Betretet Haventon und findet es heraus.
Sport ist Mord
An dieser Stelle wirft euch I Am Alive direkt mitten ins Geschehen. Ihr steht vor den zerstörten Toren Haventons und müsst euch einen Weg durch den kaum wiederzuerkennenden Hafen in das Stadtzentrum bahnen. Mächtige Tanker wurden wie Strandgut auf die Straßen gespült, Autos sind wie Spielzeug ineinandergeschoben und dort wo einst majestätisch ein Fluss die Skyline zierte, donnert ein metertiefer Wasserfall in den Abgrund. Über eine zerstörte Brücke müsst ihr euch nun auf die andere Seite des Flusses hangeln. Durch weniger komplizierte Balance- und Sprungeinlagen kommt ihr unproblematisch einige Meter voran. Doch dann offenbart der Titel erstmals seinen Überlebenscharakter. Alles, was ihr tut, kostet euren Protagonisten Ausdauer, egal ob ihr geht, rennt oder klettert. Hangelt ihr euch also an einem Brückenpfeiler hinauf, so müsst ihr schnellstmöglich einen sicheren Vorsprung erreichen, bevor euch die Puste ausgeht. Ansonsten stürzt euer namenloser Held in den sicheren Tod.
Leider funktionieren viele dieser Passagen noch nach dem Trial and Error Prinzip. Ihr klettert erst einmal drauflos und hofft darauf, dass ihr noch rechtzeitig einen sicheren Vorsprung erreichen werdet. Aufgrund der in der Preview-Fassung noch recht ungenauen Steuerung kostet das Hangeln und Hochstemmen einiges an Menge Zeit. Sekunden, die euch hinterher das Leben kosten könnten. Hoffen wir, dass die Entwickler hier noch nachbessern. Solltet ihr doch einmal das Zeitliche segnen, so gibt euch die Zahl neben einem Kamerasymbol Auskunft über die euch noch zur Verfügung stehenden Wiederholungen.
Um euch in den Ruinen der Metropole zurechtzufinden, verfügt ihr über eine Stadtkarte, die in ihrer Funktion an die Silent Hill Serie erinnert. Euer Protagonist zeichnet dort nämlich unpassierbare Straßen ein, markiert wichtige Plätze und kreist Zielorte ein. Dies ist besonders wichtig, wenn der Staub euch wieder einmal die Sicht nimmt, sodass ihr nur noch mit Hilfsmitteln navigieren könnt. Bricht die Dunkelheit des Staubs nämlich über euch hinein, wird euch langsam die Ausdauer entzogen. Klettert ihr nicht schnell genug über die Schicht, sterbt ihr.
Das Überleben des Stärkeren
I Am Alive versetzt euch nicht in die Rolle eines bis an die Zähne bewaffneten Superhelden, sondern in die Haut eines normalen Bürgers, der sich wie jeder andere seinen Platz in den Überresten der Zivilisation erkämpfen muss. Auf die sozialen Strukturen und Interaktionen haben die Entwickler daher besonders wert gelegt. Die verstreuten Überlebenden sind euch entweder freundlich gesinnt, brauchen Hilfe, haben Angst oder nehmen sich mit Gewalt, was sie begehren. Munition und Waffen sind rar gesät, wer also allzu schnell die Pistole sprechen lässt, der wird in Haventon nicht lange überleben.
Spaß bereitete uns vor allem die taktische Komponente des sozialen Überlebenskampfes. Als ihr in der zerstörten Großstadt ankommt, begebt ihr euch beispielsweise durch einen Abwasserkanal. Als ihr dort auf einen Bürger trefft, der sich hier mit seinem Hab und Gut verschanzt hat, zieht er die Waffe und fordert euch vehement auf, das Weite zu suchen. Indem ihr euch ganz langsam von ihm wegbewegt, lässt seine Angst nach und ihr könnt unbeschadet weiterziehen.
Immer auf der Lauer
Wenig später steht ihr einer Bande von Plünderern gegenüber, die die Straße zu eurer Wohnung blockiert. Nur mit einem Messer und einer einzigen Kugel ausgestattet, sollt ihr gleich drei Personen ausschalten. Zunächst pirscht sich einer der Kriminellen an euch heran. Bevor er euch fast erreich hat, zückt ihr euer Messer und rammt es ihm in den Bauch. Überrascht und voller Wut springt der zweite Killer auf euch zu. Schnell zieht ihr eure Kanone und schießt ihm mitten in die Brust.
Die letzte Kugel ist verbraucht, doch eine Person ist noch übrig, die euch mit gezücktem Messer nach dem Leben trachtet. Doch woher soll der Plünderer wissen, dass ihr keine Kugeln mehr im Magazin habt? Flink zückt ihr die Pistole und richtet sie auf euren Gegner. Dieser weicht voller Angst zurück, wobei ihr ihm mit einem Druck auf die X-Taste noch zusätzlich Feuer unterm Hintern machen könnt. Habt ihr ihn nahe an einen Abgrund getrieben, reicht ein gezielter Tritt, um ihn in den selbigen zu befördern. Situation gemeistert.
Helft ihr in Not geratenen Charakteren, so erhaltet ihr nicht nur eine Wiederholung zusätzlich, sondern erfahrt zudem allerhand zu den Geschehnissen rund um die Apokalypse. Auf der Suche nach eurer Frau begegnet ihr zusätzlichen Herausforderungen, die die Story vorantreiben. So rettet ihr etwa ein kleines Mädchen, welches ihr aus Versehen für eure Tochter gehalten habt, vor Plünderern und müsst es zu seinem Vater zurückbringen. Doch die Kleine erkrankt und ihr müsst für die schwer beschaffbaren Medikamente sorgen.
Eine Stadt macht sich aus dem Staub
Grafisch sieht man I Am Alive durchaus an, dass es sich schon längere Zeit in der Entwicklung befindet. Die Überlebenden kommen animationstechnisch noch recht steif daher. Die Umgebung um euch herum unterliegt einem Wechselspiel aus detailliert gestalteten zerstörten Stadtteilen und karg ausstaffierten Szenerien. Bis auf die Klettereinlagen und durch eine Lichtsäule hervorgehobene Gegenstände darf euer Charakter kaum mit eurer Umgebung interagieren. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler hier noch einen Trumpf in der Hand haben, um Haventon abseits der sozialen Pfade etwas Leben einzuhauchen.
Ein tolles Lichtspiel
Hervorragend gelungen ist das Spiel mit Licht und Farben. Der Titel kommt mit einer geringen Bildsättigung aus, präsentiert sich nahe an nostalgischen Schwarz-Weiß-Szenerien, um gezielt einzelne Objekte und Gebäude mit dezenten Farben hervorheben zu können. Wenn ihr durch zerstörte Häuserschluchten wandert, das Licht in Strahlen durch den dichten Staub bricht und die Partikel in der Luft glühend tanzen, dann werdet ihr der Apokalypse zumindest atmosphärisch etwas Gutes abgewinnen können. Auch die Sound- und Musikeffekte machen bislang einen guten Eindruck. Einzig die dramatische Note, die bei geringer Ausdauer eingespielt wird, kann schnell nerven. Sie wird nämlich auch aus euren Boxen dröhnen, wenn ihr durch einen Sprint an Ausdauer verliert.
Auch wenn I Am Alive aus technischer Sicht noch Ecken und Kanten hat, verspricht die soziale und taktische Komponente des Titels frischen Wind in das postapokalyptische Survivalgenre zu bringen. Ihr müsst euch ganz auf die Überlebenden einlassen, herausfinden, ob sie euch feindseelig gesinnt sind oder nur aus Angst ihr Territorium verteidigen wollen. Die Tatsache, dass euch kein bewaffneter Elitesoldat mit massig Waffen, sondern nur ein besorgter Ehemann mit einem Schuss Munition zur Verfügung steht, bringt den nötigen Nervenkitzel ins Spiel. Die schönen Lichtspielereien und Farbakzente kreieren eine subtile und trotzdem elegante Atmosphäre. Animationen und Detailgrade der Umgebungen sind bislang allerdings sprichwörtlich verstaubt. Auch das Trial and Error Prinzip, welches ihr durch den Einsatz der Ausdauerleiste noch regelmäßig in Anspruch nehmen müsst, trübt den Spielspaß. Sollten die Entwickler hier noch etwas am Feintuning arbeiten, steht euch mit I Am Alive ein großartiges Arcade-Spiel bevor.
Verwandte Actionspiel Spiele
|