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International Cricket 2010


Autor:Henry Lai - MadD4mon
Streetdate: 18.06.2010
Gametyp: Sportspiel
Entwickler: Codemasters
Publisher: Codemasters
Hits:2095

Ballsportarten gibt es viele: Fußball, Basketball, Tennis und auch Baseball. Von diesen könnten wohl viele von euch die Regeln aus dem Stegreif aufsagen beziehungsweise auf den Platz gehen und es spielen. Doch wie sieht es mit dem in unseren Breitengraden eher unbekannten Sport namens Cricket aus? Da könnte es schon eng werden. Um dieser Sportart etwas mehr vom Rampenlicht der Sportbühne zu geben, hat Trickstar Games in Zusammenarbeit mit Codemasters International Cricket 2010 entwickelt. Ob es eine würdige Umsetzung für einen in unseren Gefilden recht unbekannten Sport ist, erfahrt ihr im Test.


Was ist Cricket?
Bevor ihr mit dem Lesen der Bewertungen anfangt, solltet ihr zunächst die Regeln des Spiels verstehen – niemand soll sagen können, auf Xboxdynasty würde man kein Allgemeinwissen lernen.

Eine frühe Form von Cricket kann bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgt werden, die von Schafhirten und Bauern gespielt wurde. Es liegen schriftliche Belege über ein Spiel namens creag aus dem Jahre 1300 in Kent vor, das von Prince Edward gespielt wurde. Cricket ist eine Teamsportart, die vor allem in England und den Ländern des Commonwealth große Popularität genießt.
Bei einem Cricketspiel stehen sich die Teams immer abwechselnd als Schlagmannschaft (batting side) und Feldmannschaft (fielding side) gegenüber. Ein solcher Spieldurchgang wird Innings (sic!) genannt und nach der Mannschaft benannt, die in diesem Durchgang am Schlag ist. Ein Spiel besteht aus einem oder zwei Innings pro Mannschaft. Die Schlagmannschaft versucht, eine möglichst hohe Zahl von Runs, also Punkten, zu erzielen. Dazu befindet sich je ein Schlagmann (Batsman) an den beiden Wickets, die an den Enden der Pitch stehen. Ansonsten sind keine Spieler der Schlagmannschaft auf dem Spielfeld. Diese kommen erst zum Einsatz, sobald einer der Batsmen ausscheidet. Der Werfer (Bowler) der Feldmannschaft bowlt von einem Ende der Pitch jeweils sechs Würfe, ein so genanntes Over, auf den jeweils gerade am anderen Ende der Pitch befindlichen Batsman. Dieser Batsman wird Striker genannt. Hinter ihm und seinem Wicket steht ein weiteres Mitglied der Feldmannschaft, der Wicket-Keeper, welcher als einziger seines Teams Fanghandschuhe trägt. Die restlichen neun Spieler der Feldmannschaft, die Fielders, sind auf dem Spielfeld verteilt. An dem Pitchende, von dem aus gerade gebowlt wird, steht einer der beiden Schiedsrichter (Umpires), der andere steht auf Höhe des Strikers, ungefähr 20 Meter von der Pitch entfernt. Nach jedem Over wird der Bowler gewechselt und vom anderen Ende der Pitch aus gebowlt. Die Batsmen bleiben aber jeweils an dem Pitchende, an dem sie gerade stehen. Kein Bowler darf also zwei Over hintereinander absolvieren. Meist wechseln sich eine Zeit lang zwei Spieler ab. Diese und weitere Infos findet ihr übrigens in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia, falls ihr euch noch mehr für die Materie interessiert.
Wenig Abwechslung geboten
Nachdem ihr euch jetzt ein wenig über die englische Ballsportart informiert habt, könnt ihr euch endlich dem eigentlichen Spiel widmen. International Cricket 2010 könnte ein wenig als das Pro Evolution Soccer des Cricket gesehen werden. Neben einem umfangreichen Trainingsmodus, in dem euch noch mal die wichtigsten Regeln des Spiels näher gebracht werden, könnt ihr euch mit den verfügbaren Mannschaften auch in der Cricket-Weltmeisterschaft messen. Zur Verfügung stehen auch noch viele weitere Events. Wenn ihr wollt, könnt ihr auch eure eigenen Matches festlegen: Wetter, Zeit, Stadion. Alles eure Entscheidung. Lediglich bei den Mannschaften müsst ihr Abstriche machen. Erstens sind nur einige wenige der Nationalmannschaften verfügbar und zweitens bestehen diese gänzlich aus unbekannten, sprich fiktiven Namen und Gesichtern. Darüber hinaus gibt es zwischen den Gesichtern auch nicht gerade viel Abwechslung, so dass es euch schwer fällt zu unterscheiden, wen ihr denn gerade vor euch habt.
Ihr habt ein leichtes Spiel
Spielerisch gesehen unterscheidet sich International Cricket 2010 nicht von seinen Vorgängern. Ihr spielt, genau wie im realen Spiel, abwechselnd die Batsmen oder die Bowler. Dabei ist der Schlüssel zum Erfolg immer euer Timing. Wenn ihr am Schlagen seid, könnt ihr grundsätzlich zwischen vier unterschiedlichen Schlagarten wählen. Den Ball in einem hohen Volley durch das Stadion zu schlagen, kann euch zwar genug Zeit bringen, damit der Runner so oft wie möglich hin und her rennen kann. Allerdings besteht dann auch die Möglichkeit, dass jemand aus dem gegnerischen Team den Ball fängt. Damit wäre dann euer Schlagmann draußen.
Andererseits könnt ihr auch defensiv schlagen. Damit könnt ihr zwar sicher sein, dass euer Wicket stehen bleibt, dafür werdet ihr so schnell auch keine Runs schaffen. Auf der Bowler-Seite habt ihr ebenfalls mehrere Möglichkeiten, um den Ball nach vorne bringen. Je nach Fähigkeitsstufe eures Spielers, könnt ihr auf mehrere Wurfarten zurückgreifen, um den Feind zu verwirren.
Das klingt ja alles gar nicht schlecht, dennoch ergibt sich bereits nach einer kleinen Eingewöhnungszeit ein Problem. Wenn ihr gut genug seid und die richtige Kombination aus Schlag- beziehungsweise Wurfart und Timing gefunden habt, so hat die KI keine Chance mehr gegen euch. Wenn ein einzelner Batsman in einem Match über 200 Runs schafft, dann kann etwas nicht stimmen. Gegen einen menschlichen Mitspieler habt ihr es natürlich nicht so einfach. International Cricket 2010 verfügt über einen lokalen oder einen Online-Mehrspielermodus, indem ihr die allerselben Matches wie auch schon im Einzelspieler nachspielen könnt. Viel besser wird das Erlebnis dadurch aber nicht.
Es sieht nicht gut aus
Auch mit der Grafik stimmt leider etwas nicht. Es wurde ja bereits erwähnt, dass die Gesichter der Spieler nur wenig Abwechslung bieten. Leider geht es mit der optischen Litanei bei den Animationen weiter, die nicht nur hölzern aussehen, sondern in seltenen Fällen manchmal auch ganz aussetzen. Auch die Texturen sind nicht gerade von hoher Qualität, die Stadien und vor allem die Zuschauer präsentieren sich größtenteils als Pixelhaufen. International Cricket 2010 ist vielleicht nicht das hässlichste Spiel, aber ganz sicher kein gut aussehendes.
Auf der akustischen Seite sieht es schon besser aus. Die englischen Kommentatoren unserer Testversion sind in Ordnung und in den ersten paar Stunden sogar recht unterhaltsam. Sie erzählen nicht nur vom Spielgeschehen, sondern auch einige kleine Anekdoten oder sie machen hier und da einen Scherz. Eben ganz so wie andere Sportreporter. Leider wiederholen sie sich nach einer Weile und ihr wisst schon im Vornherein, was sie als nächstes sagen werden. Eben wie bei echt schlechten Sportreportern. Wieso fast gänzlich auf Hintergrundbeschallung verzichtet wurde, bleibt den Cricket-fernen Spielern unter euch wohl für immer ein Geheimnis.
Wir können nicht von uns behaupten, Experten auf dem Gebiet Cricket zu sein. Überhaupt gibt es nur wenige Videospiele, die sich mit diesem seltenen Sport befassen. Vielleicht ist es uns also nicht ganz gelungen, den Geist dieser Sportart zu erfassen und deren Faszination zu spüren, als die DVD von International Cricket 2010 im Laufwerk unserer Konsole lag. Denn obwohl die komplexen Cricket-Regeln lobenswert von den Entwicklern umgesetzt worden sind, sind es vor allem die technischen und spielerischen Mängel, die dem Spiel das Genick brechen. Die Präsentation kommt aus dem Mittelalter, die KI lässt sich mit ein wenig Geschick leicht austricksen. Abwechslung gibt es außerdem nur wenig – aber das könnte vielleicht auch am Sport selbst liegen. Wer von euch also ein Faible für Cricket hat, der findet mit International Cricket 2010 eine der besten Umsetzungen auf dem Markt. Der Rest widmet sich lieber dem Fußball, das versteht wenigstens jeder.

"Müsst ihr nicht kaufen, wenn ihr kein Cricket mögt"

Pro:
  • Gute Umsetzung der Regeln
  • Viele verschiedene Turniere
  • Eingängige Tutorials
  • Unterhaltsame Kommentatoren

Kontra:
  • ... die sich wiederholen
  • Wenig Abwechslung
  • Nur fiktive Mannschaften
  • Matschige Texturen, hölzerne Animationen
  • Kaum Hintergrundbeschallung

Einzelspieler: 5.0
Mehrspieler: 5.5
Xbox Live: 5.5
Steuerung: 6.0
Grafik: 4.8
Sound: 5.0
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 40
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Keine Altersbeschränkung

Gesamtbewertung
5.3


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