Während draußen die Bäume ihre Blätter fallen lassen, könnt ihr drinnen ab sofort wieder das Tanzbein schwingen. Denn Just Dance 3 von Ubisoft macht euer Wohnzimmer mit dem Kinect Sensor zur Tanzfläche für bis zu vier Personen. Und da es auf der Welt sowieso keine besseren Tänzer als Videospielredakteure gibt *hüstel*, haben wir uns natürlich sofort auf das Spiel gestürzt und unsere eingerosteten Knochen ein bisschen rotieren lassen. Ob wir das Unterfangen überlebt haben und wie viel Spaß uns Just Dance 3 dabei bereitet hat, verrät euch nun unser Testbericht des Spiels.
Von Queen bis Robin Sparkles ist alles mit an Bord
Die Vorzeichen für eine fette Party mit Just Dance 3 stehen gar nicht schlecht. Denn existenziell für ein solches Spiel ist natürlich eine gute Auswahl an Songs, zu denen ihr euch die Seele aus dem Leib tanzen könnt. Und hier ist mit Sicherheit für den jeden Geschmack etwas mit dabei. Die Liste reicht von Klassikern wie „Crazy Little Thing Called Love“ und „Are You Gonna Go My Way” über aktuelle Hits wie etwa „Dynamite“ oder „California Gurls“ bis hin zu Sondersongs wie „Let’s Go To The Mall“ aus der TV-Serie How I Met Your Mother. Außerdem lassen sich noch einige Stücke mit der Zeit freischalten. Da ist es dann auch egal, dass überall auf der Packung die „51 neuen Hit-Songs“ beworben werden und im Handbuch von 49 Liedern die Rede ist. Für ordentlich viel tanzbare Mucke ist auf alle Fälle gesorgt.
Von Weißen, Farbigen und vielen bunten Tänzern
Die Optik von Just Dance 3 lässt sich am ehesten als bunt bezeichnen. Eure Vortänzer sind sehr farbenfroh gekleidet und auch die Hintergründe quillen meist vor Farben über. Je nach Thematik des Songs befindet ihr euch hier beispielsweise in einer Mall oder seht einer Tänzerin zu, die Katy Perry gar nicht so unähnlich sieht. Leider sind aber nicht alle Lieder so authentisch in Szene gesetzt, bei „Forget You“ von Cee-Lo Green tanzt etwa ein schlaksiger Weißer statt eines dicken Farbigen. Die Animationen der sogenannten Coaches können sich durchweg sehen lassen – an die Qualität der virtuellen Tänzer aus Dance Central kommen die Ubisoft Kollegen aber nicht heran. Sehr ähnlich ist hingegen die gut funktionierende Menüsteuerung, die über Schieberegler abläuft. Sollten euch im Menü trotzdem einmal die Arme lahm werden, könnt ganz einfach auf Controllerbedienung umschalten und euch den nächsten Song mit dem Gamepad heraussuchen. Auf Knopfdruck wechselt ihr dann auf Kinecterfassung und könnt sofort wieder loslegen.
Tänzer im Spiegel
Der Spielablauf ähnelt anderen Tanzspielen für Kinect und ist nicht schwer zu verstehen. Ihr müsst möglichst genau die Bewegungen des virtuellen Coaches nachmachen, also des bunten Vortänzers auf eurem Bildschirm. Dafür könnt ihr euch entweder direkt an seinen Bewegungen orientieren oder einen Blick auf die Piktogramme werfen, die unten rechts am Bildschirmrand in euer Blickfeld laufen. Die sogenannte Punktekugel verrät euch nach jeder Aktion, wie genau ihr die geforderte Bewegung ausgeführt habt. Dieses System ist simpel, dafür aber auch ungenau. Denn ihr bekommt somit nur gesagt, dass eure Aktion „okay“ war, nicht aber woran es letztlich gehapert hat. Je nachdem, wie gut ihr die Tanzschritte ausführt, hagelt es am Ende Bewertungs- und Erfahrungspunkte. Mit Ersteren könnt ihr vor Freunden prahlen und mit Letzteren füllt ihr euer Mojo auf, also quasi die Erfahrungspunkteleiste. Sobald ihr dort ein Level aufsteigt, hat das Spiel eine Belohnung für euch parat. Dabei kann es sich unter anderem um eine besondere Choreografie oder einen speziellen Spielmodus handeln.
Übung macht den Meister
Neben den Punkten wird eure Leistung nach einer Performance auch in Sternen bewertet und mit weiteren kleinen Auszeichnungen versehen. Die kann es beispielsweise für besonders synchrones Tanzen zusammen mit Freunden, das beste Rhythmusgefühl oder besonders energiegeladene Bewegungen geben. Bis ihr allerdings wirklich gute Benotungen für einen Song kassiert, müsst ihr diesen einige Male spielen. Erst dann habt ihr die Choreografie einigermaßen verinnerlicht und komplett ohne Übung seid ihr punktemäßig ziemlich aufgeschmissen. Der Vortänzer bewegt sich nämlich in einem für Anfänger kaum nachzufolgendem Tempo und wirbelt sämtliche Extremitäten nur so durch die Luft. Die oftmals ungenauen Piktogramme geben euch auch nicht genug Information darüber, was für ein Tanzschritt nun als Nächstes folgt.
Anders als beispielsweise bei Rock Band werden die Songs nach eher miesen Auftritten glücklicherweise nicht abgebrochen, sondern ihr kassiert am Ende einfach nur weniger Punkte. Das lässt gar nicht erst Frust aufkommen, auch wenn ihr manchmal noch einige Bewegungen versemmelt. Dazu kommt, dass ihr den Schwierigkeitsgrad euren Bedürfnissen entsprechend anpassen könnt. Zusätzlich zur normalen Anspruchsstufe gibt es noch den leichten Modus, in dem nur euer Oberkörper erkannt wird und ihr euch um Drehungen oder Sprünge nicht weiter kümmern müsst.
Flotter Vierer auf einmal
Besonders viel Spaß macht ein Spiel wie Just Dance 3 natürlich im Mehrspielermodus. Und hier kommen wir gleich zu einer Weltpremiere. Just Dance 3 ist nämlich das erste Spiel für Kinect, dass ihr gleichzeitig mit bis zu vier Spielern zocken könnt. So lautet zumindest die Theorie, die euch versetztes Stehen in der Viererformation als Platzsparer empfiehlt. In der Praxis allerdings müsst ihr euer Wohnzimmer schon in einer kleinen Lagerhalle haben, ansonsten wird das Tanzen mit vier Spielern recht kompliziert. Schon zwei Spieler kommen sich mit ausgebreiteten Armen und bei den wilden Drehungen öfters ins Gehege. Vier Spieler nebeneinander dürften nur in die wenigsten Wohnzimmer und Partykeller passen. Nichtsdestotrotz macht der Mehrspielermodus jede Menge Laune. Hier ist besonders auf die unterschiedlichen Arten von Choreografien zu achten. In manchen Songs machen alle Spieler wie im Solopart die Bewegungen eines virtuellen Tänzers nach. In Dance Crew Auftritten oder Duetten hingegen ergänzen sich die Tänze und jeder muss andere Bewegungen ausführen. Das ist noch schwerer zu erlernen, macht auf Partys aber ebenso noch mehr Spaß. Damit auch hier kein Frust aufkommt, kann übrigens jeder Spieler den für sich passenden Schwierigkeitsgrad auswählen.
Tanzen als Workout
Damit aber noch nicht genug der Spielmodi. Ihr könnt noch auf viele weitere Arten das Tanzbein schwingen. So könnt ihr euch etwa an thematisch gegliederten Songlisten versuchen, lauthals mitsingen (der Text eines Songs wird immer unten links eingeblendet), Medleys ausprobieren, Kurzversionen von Songs tanzen, einen Modus mit eingeblendeten Spezialbewegungen ausprobieren oder „Just Sweat“ aktivieren. Dabei sichert ihr euch durch ausgelassenes Tanzen Punkte für einen Schweißzähler, der oben links am Bildschirmrand eingeblendet wird. Ubisoft preist diesen Modus zwar als Workout an, die Punkte sind aber wenig aussagekräftig und keinesfalls mit verbrannten Kalorien gleichzusetzen. Dass ihr bei dem ganzen Herumgezappel ins Schwitzen kommt, steht allerdings auserfrage.
Kreative Naturen dürfen zu manchen Songs sogar ihre eigenen Choreografien erstellen, diese aufnehmen und dann online mit anderen teilen. Wie ein angeschossenes Huhn vor dem Fernseher herumzuhampeln ist beim ersten Mal vielleicht noch spaßig, wird aber schnell albern und unmotivierend. Zudem ist die Erkennung nicht besonders gut gelungen – uns wurden beispielsweise beim Vortanzen virtuell die Handgelenke weggeschnitten. Für Freunde des Gamerscores ist Just Dance 3 übrigens kaum geeignet, da das Spiel von euch unter anderem eine dreistündige Spielsession am Samstagabend oder Getanze zwischen 0 Uhr und 4 Uhr morgens erwartet. Und das muss bei aller Liebe dann wirklich nicht sein, erst recht nicht als eingerosteter Spieleredakteur.
Fazit
Achtung, ganz blöder Spruch: Just Dance 3 kann man kaufen, muss man aber nicht. So doof das jetzt auch klingen mag, so sehr entspricht es doch der Wahrheit. Just Dance 3 ein kein schlechtes Spiel. Die Songauswahl ist gut gelungen, sehr abwechslungsreich und die einzelnen Lieder sind schick in Szene gesetzt. Die Kinecterkennung funktioniert im Spiel und im Menü reibungslos und besonders mit mehreren Spielern machen gemeinsame Auftritte und die Jagd nach Höchstpunktzahlen eine Menge Spaß. Großartig Motivation bekommt ihr allerdings nicht geboten, die freischaltbaren Tänze locken nur richtige Hüftschwungfetischisten immer wieder vor die Konsole. Just Dance 3 ist somit nichts Besonderes, aber ein technisch sauberes und sehr solides Tanzspiel, dass auf ausgelassenen Partys mit vielen Spielern sein volles Potenzial erreicht. Der Umfang ist mit den vielen Modi recht stattlich, wirklich gehaltvoll ist das Spiel aber letztlich nicht. Entsprechend ist Just Dance 3 nun einmal ein Spiel, dass Tanzfreudige sicherlich gerne ihrer Sammlung hinzufügen können, bei dem alle Hüftsteifen aber nichts verpassen. Kleiner Tipp: Der mittlerweile bereits deutlich preisreduzierte Platzhirsch Dance Central röhrt immer noch lauter als die Konkurrenz aus dem Hause Ubisoft.
„Solides Tanzspiel mit toller Songauswahl – lohnt sich aber nur für wirklich Tanzbegeisterte“