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LEGO Harry Potter: Die Jahre 1-4


Autor:Sandra Friedrichs - anormaldisaster
Streetdate: 25.06.2010
Gametyp: Adventurespiel
Entwickler: Travellers Tales
Publisher: Warner Bros. Interactive
Hits:2599

Als wir zum ersten Mal LEGO Harry Potter in den Hände hielten, waren wir überaus skeptisch. Die letzten Spiele von Traveller’s Tale wie Indiana Jones 2 oder Batman heimsten immense Kritiken weltweit ein, da sie das Spielprinzip der keineswegs fehlerfreien LEGO-Reihe etwas schlechter umgesetzt haben als ihre Vorgänger. Fast jeder von euch dachte sich, dass die Entwickler etwas ändern müssen, um euch wieder zu überzeugen. Sie scheinen sich die Kritiken zu Herzen genommen zu haben, denn es erwartet euch mit der Inszenierung von Harry Potter das beste LEGO-Spiel aller Zeiten.
Zeit für eine Veränderung
Wie habt ihr auf die Ankündigung reagiert, dass Traveller’s Tales ein neues LEGO-Spiel entwickelt? Wohlmöglich habt ihr die Augen gerollt. Dabei hat die Serie so gut angefangen.

Mit LEGO Star Wars haben die Entwickler bewiesen, dass sie einen Film für Erwachsene in ein lustiges, aber auch intelligentes Kinderspiel transformieren können. Endlich hatten die Eltern auch einmal ihren Spaß, wenn sie mit ihren Kids zu Hause im Co-op Modus spielten, und lachten wie ihre Jüngsten über den niedlichen Humor. Traveller’s Tales bewies viel Liebe zum Detail und so war die Erwartung auch groß, als LEGO Indiana Jones veröffentlicht wurde. Harrison Ford ist wahrscheinlich auf sein altes Ego stolz, schließlich verkaufte sich das Spiel nicht nur wie warme Semmel, sondern war auch überaus unterhaltsam. Doch so langsam schlich sich eine Monotonie in beide Videospiele ein. Das Setting, die Geschichte und Charaktere sind zwar stets unterschiedlich, doch das Spielprinzip blieb gleich. Bei den nächsten LEGO-Ablegern (Batman, Indiana Jones 2, Star Wars 2) wurde das Gameplay aber noch etwas schlechter. Die Spiele strotzen nur so von K.I.-, Steuerungs- und Kameraproblemen, womit nicht nur die Spieltester weltweit unzufrieden waren.
 
Unter dem Druck, die LEGO-Reihe wieder zur alten Stärke zurück zu bringen, stand Traveller’s Tales und suchten sich zum Erschrecken der Spieler und Fans die mit Herr Der Ringe beliebteste Romanreihe aus: Harry Potter. Das hätte schief gehen können, denn die Bücher wie auch Filme sind breit gefächert und beinhalten etliche Szenen, die ein gesamtes Spiel nicht einfangen kann. Und dann wollen die Entwickler es wirklich schaffen, gleich vier Schuljahre unseres Lieblingszauberlehrlings zusammenzufassen?
Das lustige Spiel mit dem Tod
Ja, das haben die Entwickler geschafft und das vor allem sehr gut. Das Spiel nimmt euch mit auf das Abenteuer von Harry Potter. Zu Beginn wird in einer witzigen Filmsequenz die Vorgeschichte des Helden zusammengefasst.

Ein Kind hat den Angriff des dunklen Magiers, Lord Voldemort, als einziger überlebt und ihn damit in die Flucht geschlagen. Als Waise wird er, Harry Potter, zu der Familie seiner Tante gebracht. Diese ist nicht nur konservativ, sondern alle Mitglieder sind darüber hinaus Muggels (Nichtmagier). Bis zu seinem elften Lebensjahr wird Harry Potter dort gepeinigt und muss jede Drecksarbeit für sie erledigen. Doch pünktlich zu seinem Geburtstag öffnet er seinen Schicksalsbrief: Eine Einladung nach Hogwarts. Natürlich akzeptiert er diese und ohne es zu wissen, stürzt er sich in ein riesiges Abenteuer bei dem er öfter als ihm lieb ist dem Tod in die Augen blicken muss.

Da wir euch nicht allzu viel verraten möchten, belassen wir es bei dieser kleinen Zusammenfassung. Das Spiel beinhaltet die wichtigsten Momente des Schullebens von Harry Potter aus den Büchern „Stein der Weisen“, „Kammer des Schreckens“, „Der Gefangene von Askaban“ und „Der Feuerkelch“. Ihr trefft beispielsweise sehr oft auf euren größten Feind, dem dunklen Lord und müsst euch nebenher noch auf eure Quidditch-Kämpfe und akademische Karriere vorbereiten. Kein Wunder, dass ihr viele Stunden allein mit der Haupthandlung beschäftigt seid.
Natürlich gibt es auch immer wieder kleine und größere Zwischensequenzen in denen der typische LEGO-Witz zur Geltung kommt. Beispielsweise geht ihr durch die Bank Gringotts. Ein Kobold soll für euch einen Tresor öffnen in dem ein wichtiger Gegenstand liegt. Jedoch schließt er für euch eine falsche Tür auf und beweist unfreiwillig, dass auch seine Artgenossen feiern möchten. In dem Raum hört ihr laute Musik, seht tanzende Kobolde und es herrscht eine ausgelassene Stimmung, mitten während der Arbeitszeit! Da soll noch wer sagen, dass Kobolde grimmig sind und keinen Spaß verstehen.

Leider werdet ihr das gesamte Spiel nicht verstehen, wenn ihr die Bücher nicht gelesen oder keinen Film gesehen habt. Daher ist das neue LEGO Videospiel nur etwas für Harry Potter Fans beziehungsweise Kenner der Romanreihen.
Da möchten wir auch wohnen
Wer schon bei den Büchern und Filmen gedacht hat, dass Hogwarts die perfekte Schule sei, wird mit dem Spiel noch bestätigt. Die Zauberschule ist einfach verrückt und jeder Schüler spielt mit einem Professor einen Schabernack. Trotzdem ist Hogwarts idyllisch und schön. Das liegt nicht nur an der perfekten Lage am Wald (auch wenn in diesem mehr Gefahr als Harmonie wartet), sondern auch an der Innenausstattung. Die riesige Halle bietet lange Tische und eine verzauberte Himmelsdecke, die große Treppe kann mit lebenden Gemälden punkten und die Gänge mit geheimnisvollen Ecken und Kanten. Ja, dieses Hogwarts würdet ihr gerne sehen, mit Lego Harry Potter könnt ihr das! Die Schule wurde grandios in die LEGO Optik umgesetzt. Viele kleine Details wie die bereits genannten sprechenden Gemälde wurden schön und glaubhaft ins Spiel integriert. Doch nicht nur die Umgebungen sind wunderschön anzusehen, sondern auch die Charaktere. Mimik, Gestik und Kleidung passen zu den Figuren wie die Faust aufs Auge. Hagrid beispielsweise, ein kräftiger Halb-Riese, trägt stets einen etwas abgenutzten Mantel, Dumbledore hingegen gibt mit seinem langen Bart eine Steilvorlage für viele kleine Witze.

Vor allem möchten wir da gerne wohnen, weil es dort kaum zu Kämpfen kommt. Die letzten LEGO-Spiele haben gerade dort viele Fehler gemacht und die Schlachten waren langweilig und monoton. Doch nun kämpft ihr ohnehin sehr wenig und wenn, müsst ihr euch eine Taktik ausdenken. Jeder Gegner, wie auch Bossgegner kann nur mit einer speziellen Strategie und einem Zauber bezwungen werden. Mithilfe dieser Knobelarbeit wird jeder Kampf abwechslungsreich und spaßig.
Simsalabim
Natürlich lernt ihr auf einer Zauberschule auch Zauber, acht an der Zahl. Vingardium Leviosa ist der erste, der euch begegnet. Mithilfe eines Kopfdrucks wendet ihr den Zauber an und euer anvisierter Gegenstand fliegt empor. So lassen sich prima versteckte Wege finden oder ein Hindernis zur Seite räumen. Damit könnt ihr weiterhin Konstruktionen zusammensetzen, um neue Steine einzusammeln. Neben den Engorgia Skulls, der bisher in keinem Buch vor kam, könnt ihr auch den überlebenswichtigen Patronuszauber lernen. Dieser ist vor allem im dritten Schuljahr von Harry Potter von großer Bedeutung, schließlich schlagt ihr so die bösartigen Dementoren in die Flucht, die sonst eure Seele rauben würden.

Wie aufmerksame Leser jetzt bemerkt haben, sprachen wir eben von „Steinchen sammeln“. Das Auflesen wird eure Hauptaufgabe während des gesamten Spielens sein. An jedem Ort sind unterschiedlich viele LEGO Steine versteckt, die es heißt aufzusammeln. Je mehr ihr besitzt, desto mehr schaltet ihr frei, wie unter anderem 100 verschiedene Personen wie Harry Potter mit dem typischen Weihnachtspulli der Weasleys oder Ron mit seinem modisch fragwürdigen Anzug auf dem Ball. Weiterhin könnt ihr etliche Nebenquests bewältigen, um euer Steinkonto weiter in die Höhe zu treiben. Ist euch das immer noch nicht genug, könnt ihr Schüler in Not retten. Diese befinden sich beispielsweise in eingeschlossenen Räumen oder auf Dächern und ohne eure Hilfe können sie sich nicht mehr befreien. Harry hat also ganz schön was zu tun. Wie kann er sich da nur aufs Lernen konzentrieren?
Aus alt macht neu
Habt ihr das Gefühl, dass Harry Potter ein gelungenes Spiel ist, aber ihr trotzdem irgendwie alles kennt? Das ist berechtigt, schließlich erfindet LEGO Harry Potter das LEGO-Rad nicht neu. Äußerlich hat sich einiges getan, schließlich erwarten euch eine andere Geschichte, ein neues Umfeld und frische Charaktere, die das Spiel versüßen. Doch technisch hat sich nichts geändert.

Das Gameplay ist identisch mit dem aus den anderen Teilen der Reihe. Ihr steuert einen Charakter mithilfe des Analogsticks und sucht Legosteine zum Freischalten von Objekten. Vor jedem Level könnt ihr im Hauptquartier speichern. Ihr springt über Hindernisse und schlagt (in diesem Falle zaubert) Gegenstände kaputt, um noch mehr Steine zu erhalten. Oder ihr richtet einen Angriffszauber auf eure Gegner, die kaum etwas aushalten und so schnell beseitigt sind.
Bei den etlichen Sprungpassagen taucht wie in den anderen Spielen auch ein Kameraproblem auf. Diese ist hinter eurem Helden zentriert und lässt sich nicht frei einstellen. Daher könnt ihr manche Entfernungen nicht richtig einschätzen und fallt dadurch ins Leere. Da hätten wir uns spätestens jetzt endlich einmal Besserung gewünscht, schließlich machen die Entwickler den Fehler seit dem ersten Teil ihrer Serie!
Reale Freunde gegen künstliche Intelligenz
LEGO Harry Potter besitzt wie seine Vorgänger auch einen Co-Op Modus. In den letzten Spielen habt ihr darauf wohl mehrmals zurückgegriffen, denn die K.I. war schlecht und ärgerte die meistens immens. Euer Freund und ihr schlüpft in die Rolle eines Helden und erkundet die Welt von Hogwarts innerhalb der verschiedenen und zahlreichen Level. Weiterhin wurde dem Spiel der Bedarfs-Splitscreen beigefügt. Das heißt, wenn die Figuren nah beieinander sind, bleibt ein großer Bildschirm. Laufen sie aber in verschiedene Richtungen, teilt sich der Bildschirm. So könnt ihr auch unabhängig eures Mitspielers die Welt erkunden. Spaß macht der Modus auf jeden Fall und wenn ihr Besuch habt, ladet den Gast unbedingt auf eine Runde virtuelles LEGO spielen ein.

Dieses Mal lohnt es sich aber auch, das Spiel alleine zu bestreiten. Die K.I. wurde stark verbessert und reagiert beinah automatisch auf eure Wünsche. Beispielsweise müsst ihr euch auf eine Kiste stellen und euer Kumpane diese mit Vingardium Leviosa in die Luft befördern. Und wer hätte es gedacht, euer Kamerad macht es wirklich, ohne Fragen zu stellen oder dumm auf einer Stelle zu stehen. Das ist wirklich lobenswert!

Für uns reicht eigentlich ein offline Mehrspieler, aber wir wissen, dass sich viele von euch einen Online Modus wünschen. Dafür würde sich das Spiel natürlich perfekt anbieten. Ihr sucht via Xbox LIVE einen neuen Mitspieler für einen Spielabschnitt und binnen Sekunden könnt ihr das Level gemeinsam bestreiten. So würde das Spiel noch mehr Spaß machen und euch weitere schöne Stunden bringen. Doch dank der verbesserten K.I. wird dieser Kritikpunkt etwas abgeschwächt, schließlich müsst ihr nicht unbedingt mehr zu zweit spielen, um euch zu vergnügen.
Wir waren extrem skeptisch, ob uns Traveller’s Tale wieder begeistern kann. Und ohne lange um den heißen Brei herumzureden, sie haben es! Es erwartet euch nicht nur das beste Kinderspiel des Jahres, sondern auch das gelungenste Videospiel der bisherigen LEGO-Serie.

LEGO Harry Potter macht die Fehler der durchschnittlichen Vorgänger wett und kann mit vielen neuen Ideen euch noch länger vor die Konsole locken. Die K.I. wurde stark verbessert und interagiert intelligent und nachvollziehbar. So müsst ihr jetzt nicht immer auf einen Kumpel warten, damit er euch beim Spielen unterstützt. Doch nicht nur die Magie in Hogwarts mit den acht unterschiedlichen Zaubern, die schön inszeniert wurden, hat uns überzeugt, sondern auch die Zauberschule selbst. Das Internat ist riesig und lädt euch zum stundenlangen Erkunden ein. Viele Geheimnisse und vor allem Sammelobjekte warten auf euch. Und ihr müsst euch keine Sorgen machen, dass ihr euch verlauft, schließlich hilft euch der Kopflose Nick stets weiter und führt euch zu den Hauptmissionen. Diese spiegeln die wichtigsten Erlebnisse von Harry Potter in den ersten vier Schuljahren gelungen wieder. Dort trefft ihr nicht nur auf bekannte Gegner wie Lord Voldemort, sondern auch auf den hervorragenden LEGO Humor, den leider nur Kenner der Bücher beziehungsweise Filme verstehen.

Mit LEGO Harry Potter beweisen die Entwickler, dass sie das bestehende Spielprinzip inklusive Steuerung und dem fehlenden Online Modus nicht ändern müssen, um Spaß zu verbreiten. Natürlich rechnen wir diesen Mangel an Innovation negativ an, schließlich wird es langsam Zeit für etwas Neues bei LEGO. Vielleicht hätte das Spiel mit einem überarbeiteten Gameplay auch eine höhere Wertung bekommen. So müssen sich die Entwickler mit einer stolzen 8.5 zufrieden geben. Immerhin die höchste Wertung, die ein LEGO Spiel jemals auf Xboxdynasty erreichen konnte.


„LEGO Harry Potter ist das beste Spiel der bisherigen LEGO-Reihe, das nicht nur kleine Kinder oder Fans überzeugt“

Pro:
  • Gelungener Humor
  • Liebevolle Präsentation
  • Viel zum Freischalten
  • Unterhaltsamer Co-Op Modus
  • Großer Umfang
  • Abwechslungsreiche Rätsel
  • Einfache Steuerung
  • Verbesserte K.I.

Kontra:
  • Zu einfach für Ältere
  • Ohne Film- oder Buchkenntnisse kann das Spiel nicht verstanden werden
  • Altes Spielprinzip neu verpackt
  • Manchmal Kameraprobleme

Einzelspieler: 8.2
Mehrspieler: 8.5
Xbox Live: -
Steuerung: 8.0
Grafik: 8.7
Sound: 9.0
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 15
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

Gesamtbewertung
8.5


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