Cheerleading ist ein Sport, der besonders Männern gut gefällt. Allerdings nur als Zuschauer, selber ausüben wollen Kerle die Anfeuerungstänze normalerweise nicht. Dementsprechend stellt sich beim Kinect Titel Let's Cheer natürlich die Frage nach der Zielgruppe. Unter den Besitzern einer Xbox 360 dürften wohl nicht einmal 10% weiblich sein und auch davon interessiert sich wahrscheinlich bloß ein Bruchteil für die Sportart aus Amerika. Wer also soll dieses Spiel bitte kaufen? Diese Frage können wir euch leider nicht beantworten. Dafür aber, ob sich der Kauf des Spiels überhaupt lohnt. Die Antwort wartet in unserem Testbericht auf euch.
Tanzt doch, wie ihr wollt
Wie im wahren Leben besteht das Ausüben von Cheerleading insbesondere aus hartem Training. Bevor ihr eure Choreografie der breiten Masse präsentieren könnt, müsst ihr die einzelnen Bewegungen erst einmal üben. Gemäß eurer Fähigkeiten könnt ihr jede Aktion auf einem von drei Schwierigkeitsgraden auswählen und euch dann an deren Ausführung versuchen. Welche Anspruchsstufe ihr dabei ausgewählt habt, ist letztlich aber ziemlich egal. Selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad erhaltet ihr durch bloßes Herumgezappel beinahe immer die Höchstwertung. Das macht das Spiel extrem anspruchs- und reizlos. Solltet ihr nicht total auf Cheerleading stehen, bekommt ihr von der extrem bunten Aufmachung des Titels sowieso bereits nach wenigen Minuten die Krise und die penetranten Sprechgesänge nicht mehr aus dem Kopf. Die von Profis erstellten Choreografien haben sich hingegen ein Lob verdient. Die Bewegungen sind abwechslungsreich und passend, werden aber dank der schlechten Erkennung halt leider zur Nebensache.
Eine Ansammlung von Fehlern
Natürlich könnt ihr auch mit einem Freund zusammen ein paar Bewegungen einüben und dann kooperativ tanzen. Großartig viel Spaß solltet ihr dabei aber nicht erwarten. Der einzige richtige Hoffnungsschimmer sind die bekannten Songs, zu denen ihr Cheerleaden könnt, etwa „Just Dance“, „Shake It“, „Disturbia“ oder „Celebration“. Die visuelle Präsentation eurer Auftritte ist mehr als dürftig. Die Cheerleaderinnen, von denen ihr euch am Anfang des Spiels eine aussuchen und ihre Klamotten anpassen könnt, sehen bis auf Frisur und Hautfarbe alle gleich aus. Das wahre negative Highlight sind aber die Zuschauer, die im Hintergrund bloß als Ansammlung schwarzer Schatten zu erahnen sind. Die Kombination aus Cheerleading- und Tanzspiel ist auch ein bisschen merkwürdig. In den Trainingsrunden gibt es noch typischen anfeuernden Sprechgesang zu den Bewegungen und auf der Bühne spielt sich Let's Cheer hingegen wie ein stinknormales Tanzspiel (mit schwammiger Erkennung). Zwar werden euch angebliche Fehler durch ein rotes Licht stets angezeigt. Der fünfteiligen Sternanzeige, die eure Leistung bewertet, sind eure Fehler aber ziemlich schnuppe. Ganz so, wie uns dieses Spiel völlig egal ist.
Fazit
Man könnte es als Schubladendenken verurteilen, aber bei Let's Cheer passt es einfach. Dieses Spiel lohnt nur dann gerade noch für euch, wenn ihr am Anfang eurer Pubertät steht, einen Pferdeschwanz tragt und die Wände eures Zimmers mit Bravo Postern tapeziert habt. Leider nur sind das meistens nicht die gleichen Menschen, die eine Xbox 360 mit Kinect besitzen. Solltet ihr nicht komplett auf Cheerleading abfahren, dreht sich euch nach ein paar Trainingsrunden mit den glupschäugigen Tänzerinnen der Magen um. Auf der Bühne spielt sich Let's Cheer letztlich wie ein ganz normales Tanzspiel, leidet aber unter einer sehr schwammigen Bewegungserkennung, die euch fast alle Fehler durchgehen lässt. Und bei normalen Tanzspielen gibt es schließlich deutlich bessere Konkurrenz auf dem Markt, die vor allem ein bisschen mehr als zehn Songs parat hat.
„Der Kauf von Let's Cheer lohnt sich bloß, um die Verpackung unter euren wackelnden Küchentisch zu schieben“