Im letzten Jahr bot euch Ubisoft mit MotionSports bereits ein Kinectspiel, das mit Sportarten wie Fußball, American Football, Boxen, Skifahren, Reiten und Drachenfliegen punkten wollte. Doch richtig funktionierte das damals nicht und so konnte es das Spiel gerade mal auf eine Wertung von 5.2 schaffen. Dieses Jahr legt das Entwicklerteam noch einen mehr drauf und will den Extremsportler in euch wecken. In Motion Sports Adrenaline überleben nur die Hartgesottenen unter euch. Warmduscher bleiben lieber gleich weg und widmen sich dem Spiel „Barby auf dem Ponyhof“. Haben wir nur übertrieben oder verlangt das Spiel wirklich alles von euch? Das erfahrt ihr nun in unserem Test.
Das Adrenalin brodelt
Mit der Veröffentlichung von Kinect kam auch der Boom von Sportspielen. Nach Kinect Sports, Michael Phelps, Your Shape: Fitness Evolved und Dance Central erwartet euch nun in MotionSports Adrenaline eher ausgefallene Sportarten. Ihr könnt euer Können in Wingsuit, Mountain Biking, Kitesurfen, Kajak, Bergsteigen und Extrem-Ski beweisen. Ziel in jedem Rennen ist es, den Kurs schnellstmöglich zu beenden, dabei Münzen zu sammeln, Stunts hinzulegen und Hürden auszuweichen, um euren Score in die Höhe zu treiben. Diese nennen sich Adrenalin-Punkte und werden dazu benötigt, um verbesserte Ausrüstungen, Charaktere oder Strecken freizuschalten. Klingt auf jeden Fall spannend in einem realistischeren Spiel ungewöhnliche Sportarten auszuprobieren. Voller Vorfreude fand das Spiel also den Weg in die Testkonsole.
Wir konnten das erste Rennen natürlich nicht abwarten und haben uns im Menü direkt für den nächstbesten Modus entschieden. Im „Schnelles Match“ Modus haben wir dann eine der sechs Sportarten ausgewählt und waren ganz gespannt. Allerdings fiel uns dann ein, dass wir noch gar nichts über die Spielsteuerung erfahren haben. Wir wollten gerade zurück ins Hauptmenü, um das Tutorial zu suchen, als im Ladebildschirm etwas auffiel. Die Anleitung zur Steuerung findet sich nämlich genau in den Wartezeiten und nirgendwo anders. Ein interaktives Tutorial sucht ihr hier vergeblich und so werdet ihr total unvorbereitet in das erste Rennen geschickt, denn um sich alle Sachen zu merken, sind es einfach so viele Informationen auf einmal. Hier wäre es bei einer komplexen Steuerung, wie sie bei diesem Spiel vorherrscht, auf jeden Fall die bessere Entscheidung gewesen, einen konkreten Lernmodus einzubauen, wo ihr Schritt für Schritt erfahrt, wie ihr das Bestmögliche aus euch herausholt. Mit ein wenig Übung werdet ihr euch allerdings auch daran gewöhnen und mit zunehmendem Können steigt auch der Spielspaß. Die Frage ist nur, ob ihr soviel Durchhaltevermögen habt, um auch so lange zu üben.
Dummheit an die Macht
Trotz unserer ersten Enttäuschung waren wir gespannt, als es dann endlich losging. Oberkörper nach links, nach rechts, ducken, springen und Turbo einsetzen. Alles bekannte Bewegungen, die ihr hier in der Kombination beherrschen müsst. Es wurde sich Mühe gegeben, euch ein realistisches Erlebnis zu bieten, denn eure Bewegungen sind davon abhängig, welche Sportart ihr gerade absolviert. Sitzt ihr im Kajak, müsst ihr eure Hände so bewegen, als hättet ihr ein Paddel in der Hand und beim Skifahren, als wären es Skistöcke. Die Steuerung ist abwechslungsreich, wenn auch im Grunde dieselben Bewegungen von euch verlangt werden. Allerdings kann die Steuerung noch so gut sein, wenn sie dann durch die miese Kinecterkennung ruiniert wird. Oft werden Bewegungen gar nicht oder viel zu spät erkannt, was schnell zur Frustration im Spielverlauf führt. Besonders schlimm ist das Ganze beim Bergklettern, denn dort werden die Bewegungen nach oben oft in Klettern nach unten interpretiert. Was dann schon zu einer wahren Geduldsprobe ausartet, wenn ihr das Level beenden wollt. Besser aber auch nicht perfekt klappen hier Wingsuit und Mountain Biking.
Während wir uns wieder darüber aufregen, dass die Charaktere einfach zu dumm sind, blinkt plötzlich ein Hinweis auf. Solltet ihr nämlich während des Spielens eine Verbindung zu Xbox LIVE haben, werden euch im normalen Verlauf diverse Herausforderungen angeboten oder ihr platziert sogar selbst welche, wenn ihr besonders gut seid. Dafür wird dann kurz das Spiel pausiert und ihr könnt euch anschauen, was erwartet wird. Dann bleiben insgesamt sieben Tage Zeit, um die Herausforderung zu verteidigen oder für euch zu entscheiden. Ein erneuter Versuch kann über das Adrenalin-Labor jederzeit gestartet werden.
Dort kann übrigens auch der Charakter gewechselt werden, denn euch stehen sieben verschiedene Extremsportler zur Verfügung. Einen Unterschied außer im Aussehen gibt es allerdings nicht. Hier könnt ihr euch auch mit den Extras aufrüsten, die ihr mit euren Adrenalinpunkten freigeschaltet habt, die nach jedem Rennen als Belohnung verteilt werden. Je länger ihr spielt, umso besser werdet ihr auch.
Hübsch, aber irgendwie doch nicht
Neben dem Schnellspiel gibt es auch noch die beiden Modi Adrenalin-Party und »Du gegen die Welt«. Im Ersteren können bis zu vier Spieler entweder gegeneinander oder im Team in zehn zufällig gewählten Events antreten. Dabei stehen euch dann auch einige Extras zur Verfügung, mit denen ihr euren Gegnern das Leben schwer machen könnt. »Du gegen die Welt« ist ein Onlinemodus, in dem ihr gegen Spieler aus aller Welt in einem virtuellen Wettbewerb antretet, bei dem ihr euer Können in mehreren Events beweisen müsst. Die Besten bekommen dabei jede Menge Adrenalinpunkte, wodurch sich Extras freischalten. Allerdings wird auch hier wieder eine unnötige Hürde eingebaut, denn um diesen Modus zu spielen, benötigt ihr einen Uplay Account und 20 Punkte, um euch diesen damit zu kaufen. An sich sind sowohl der Online- als auch der Einzelspielermodus unterhaltsam, wenn auch nicht auf Dauer fesselnd. Obwohl hier vor allem die Grafik und der Sound versuchen, einiges rauszureißen.
Grafisch kann der Titel durchaus überzeugen, weil er Wert auf Realismus legt und nicht mit kleinen Spielmännchen in übertrieben bunten Welten aufwartet. Die Umgebungen sind realen Orten nachempfunden und können mit Detailreiche punkten. Allerdings werden sie schnell eintönig und bieten auch keine großen Überraschungsmomente. Der Sound ist typisch Sportspiel eine Mischung aus Rock und Elektropop, der ein gewisses Maß an Ansporn und Motivation verbreitet. Doch spätestens nach dem fünften Mal hören, nervt es nur noch und der Ton wird ausgestellt, weil es zu wenig Abwechslung gibt. Hier wäre eine Möglichkeit eigene Lieder einzubauen, absolut perfekt gewesen, denn nichts ist cooler, als mit der Lieblingsmusik Sport zu treiben.
Vielleicht gönnt euch Ubisoft in Zukunft einige Patchs, um das Spielerlebnis zu verbessern und die von uns genannten Mängel auszumerzen. Dann könnte hier durchaus eine positivere Wertung möglich sein. Wer schnell gelangweilt ist, für den ist auf der Rückseite der Verpackung bereits zu lesen, dass es Downloadinhalte geben wird. Bisher wurde dazu zwar noch nichts offiziell verkündet, aber vielleicht könnt ihr das Spiel bald mit noch mehr Sportarten und Features erweitern, die euch über die vielen Mängel hinwegsehen lassen.
Mittlerweile gibt es einfach haufenweise Sportspiele für Kinect und da kann ein eher mittelmäßiges Spiel nicht mithalten und wird gegen die Konkurrenz einfach zu schnell verblassen. Dieses Schicksal wird wohl auch MotionSports Adrenaline erwarten, obwohl die Idee mit den ungewöhnlichen Sportarten durchaus gut klingt, doch leider ist die Umsetzung weniger geglückt. Die Kinecterkennung ist milde ausgedrückt einfach nur schlecht. Oft werden Bewegungen gar nicht oder viel zu spät erkannt, was schnell zur Frustration im Spielablauf führt und dafür sorgt, dass der Platz im Regal schneller besetzt ist, als Ubisoft den ersten DLC raushauen kann. Die Herausforderungen und der »Du gegen die Welt«-Modus bieten einen gewissen Ansporn und frischen das Spielgeschehen auf.
Richtig überzeugen konnte uns leider auch MotionSports Adrenaline nicht. Das Adrenalin kocht zwar hoch, aber nicht wegen Begeisterung, sondern aus Wut. Doch nicht traurig sein Ubisoft, vielleicht klappt es im nächsten Jahr mit dem dritten Teil zu MotionSports, falls einer geplant sein sollte.
„Das Adrenalin kocht, aber nicht wegen Begeisterung, sondern aus Frust.“