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Naughty Bear


Autor:Sandra Friedrichs - anormaldisaster
Streetdate: 24.06.2010
Gametyp: Adventurespiel
Entwickler: Behaviour
Publisher: 505 GAMES
Hits:3025

Wir von Xboxdynasty waren von den ersten Spielvideos des Naughty Bears begeistert. Sie zeigten wie sich ein gemeiner Bär an seine Nachbarn rächt, weil sie eine Geburtstagsfeier zelebriert haben, ohne ihn einzuladen. Rache ist wohl etwas untertrieben, er begeht ein Massaker. Doch trotz dieser kreativen Spielidee kam bei uns Skepsis auf, schließlich erschien Naughty Bear ohne große Ankündigung und Werbung. Das verheißt in den meisten Fällen nichts Gutes und diese Erfahrung sollte sich auch bei diesem Videogame bewahrheiten.
Blöder Gruppenzwang
Auch Teddybären sind Rudeltiere, jedenfalls wenn ihr den Entwicklern von 505 Games Glauben schenkt. Sie feiern gemeinsam Geburtstage, Präsidentenwahlen und weitere, eher menschliche Ereignisse. Die Stimmung ist ausgelassen und alle lassen es sich gut gehen. Alle? Nein, denn ein Bär wird von den ganzen Parties ausgeschlossen. Sein Name ist Naughty Bear und er hat es nicht leicht im Leben. Der eigentlich herzliche Teddybär mit einem abgenagten Ohr und einer große Narbe im Gesicht wird von seiner inneren zynischen Stimme immer wieder zu Schandtaten angestiftet. Da er zu keiner Feier eingeladen wurde, müssen die anderen dafür büßen. Doch wie bereits erwähnt, ust die Rache keinesfalls ein kleiner Schabernack, sondern ein großes Massaker.

Sein blutiger Feldzug wird in sieben Episoden mit jeweils fünf Unterkapiteln präsentiert. Leider sind die Missionen viel zu kurz und ihr könnt diese innerhalb von zehn Minuten ohne Probleme abschließen. Schließlich müsst ihr in diesen lediglich alles Töten, was euch vor die Flinte läuft und dabei möglichst viele Punkte sammeln. Zu den Missionsabläufen aber später noch mehr.
Der geplante Amoklauf
Die bereits erwähnten Punkte sammelt ihr während des Spielens mithilfe von Gemeinheiten. Ihr jagt den Bären mit einem herzlichen „Buh“ einen Schrecken ein, spielt etliche Streiche mit ihnen, wodurch sie nicht nur bittere Angst vor euch haben, sondern auch wahnsinnig werden. Sie töten sich selbst mit ihren eigenen Waffen! Das bringt euch natürlich sehr viele Punkte ein.
Weitere könnt ihr sammeln, wenn ihr Gegenstände um euch herum kaputt macht oder sabotiert. Dann drückt ihr den entsprechenden Knopf und schon folgt der böse Bär euren Befehl. So lassen sich komplizierte Geräte wie ein Schallplattenspieler oder Telefone mit einem einzigen Tastendruck zerstören.

Genauso einfach ist die gesamte Steuerung des Spiels. Ihr schlagt mithilfe der X-Taste zu und bewegt euren Teddybär mit dem Analogstick. Prügelt ihr lang genug auf einen Gegner mit einer Waffe ein, erscheint die RT-Taste. Nun könnt ihr den Bären vernichten und weitere Gemeinheitspunkte sammeln.
Ausgeplüscht
Unser Naughty Bear ist also ein grandioser Anti-Held. Bei seinem Rachefeldzug tötet er alle Lebewesen, die ihm in den Weg kommen. Selbst die Missionsziele wie töte den Partybären Daddles und lass keinen sonst am Leben lassen euch das vermuten. Heißt im Klartext: Ein Amoklauf in spe. Das lässt sich unser Bär natürlich nicht zweimal sagen und startet von seiner Hütte aus sein Massaker.

Wie wir bereits erwähnt haben, sammelt ihr im ganzen Spielverlauf Punkte für Gemeinheiten oder, besser gesagt, für das Erschrecken und die Ermordung. Dabei geht ihr in jeder Mission ähnlich vor. Erst versteckt ihr euch im Gras, damit euch die Bären nicht entdecken können. Wenn die Luft rein ist, sabotiert ihr ein paar Gegenstände und eilt wieder ins Gras. Der Sinn? Der gegnerische Teddybär sieht den kaputten Gegenstand und versucht ihn zu reparieren. In diesem Moment greift ihr an und löst via RT-Taste einen Spezialangriff aus. Eine kurze Videosequenz zeigt dann eine ziemlich kreative Art, einen Gegner mithilfe des Gegenstandes zu töten. Beispielsweise könnt ihr einen Bären in einer Toilette ertrinken lassen, einen Plattenspieler als Sägeblatt benutzen, um so sein ganzes plüschiges Gesicht zu entfernen, oder die Autotür gegen den Kopf eines Widersachers schlagen. Ja, das Spiel ist brutal und wir wundern uns, dass uns nur eine USK 16 auf dem Cover entgegen lächelt. Natürlich spritzt kein Blut, sondern es fliegt eher viel Stoff umher, trotzdem seht ihr die aggressiven Mordarten, die manchmal schon an Geschmacklosigkeit grenzen.

Im Spiel gibt es über 100 verschiedene Tötungen mit unterschiedlichsten Waffen und Gegenständen. Doch selbst wer sich an solche Brutalität erfreut, wird nach der zweiten Episode eher von den Videosequenzen genervt sein. Ihr habt sie schon einmal in einem anderen Spielabschnitt gesehen und sie stören darüber hinaus enorm den Spielfluss. Doch ihr müsst dieses Ermorden so durchführen, um Combos zu aktivieren und die Punktzahl noch weiter in die Höhe zu treiben.
Bärenstarkes Outfit
Doch wofür sind diese Punkte überhaupt gut? Bei jeder Mission müsst ihr eine bestimmte Anzahl erreichen, um den Spielabschnitt erfolgreich abzuschließen und einen Pokal (Bronze, Silber oder Gold) zu ergattern. Mithilfe von diesen könnt ihr weitere Kapitel mit neuen Gegnertypen wie die Zombie- oder Roboterbären freischalten und es darüber hinaus noch auf die Bestenliste der ganzen Welt schaffen.

Weiterhin erhaltet ihr für das Abschließen der Missionen Kostüme für euren Bären. Diese Outfits werten die Fähigkeiten eures Stofftieres auf, wodurch er einen Bonus beispielsweise auf Stärke oder Genauigkeit erhält. Für solch eine Verbesserung braucht er sich bei der „Partylöwe“- oder „Präsident“-Kleidung nur einen passenden Hut aufsetzen. Die Outfits ändern sich natürlich im weiteren Verlauf, aber wir hätten uns etwas kreativere und vor allem lustigere Outfits gewünscht. Sich ein Papphut aufzusetzen bringt zwar einen Schmunzler ein, aber nicht mehr.
Brutale Niedlichkeit
Wie wir bereits in den Absätzen davor erwähnt haben, wiederholen sich die Missionen sehr stark und ihr müsst in 80% der ganzen Episoden dieselben Aufgaben erfüllen. Das heißt, dass ihr alle Bären ermorden und darauf achten müsst, dass niemand entkommt. Spannender soll das ganze Abmetzeln im späteren Spielverlauf mit Zeitlimits oder einer Vorgabe von Tötungsarten werden. Dennoch wird Naughty Bear schnell monoton, da ihr meistens gleich vorgeht. Zuerst ermordet ihr den Anführer der Teddyhorde, damit seine Untergebenen fürchterliche Angst vor euch bekommen. Danach braucht ihr sie nur noch ein paar Male zu erschrecken, damit sie wahnsinnig werden und Suizid begehen. An diesem Missionsablauf ändert sich kaum etwas und enttäuscht daher auf ganzer Linie. Doch wer glaubt, dass euch optisch Abwechslung geboten wird, irrt sich gewaltig.

Es gibt in den Spielabschnitten insgesamt nur drei verschiedene Leveldesigns, die sich von der Präsentation her auch noch ähneln. Meistens startet ihr von der Hütte des Naughty Bears aus, erhaltet die Aufgabe der Mission und begebt euch zu den Blockhäusern eurer Feinde. Diese stehen fast in jedem Level an einem identischen Platz, selbst die unterschiedlichsten Waffen wie Äxte, Baseballschläger oder Ninjamesser liegen ständig an denselben Orten herum. Wir können also sagen, dass ihr nach knapp zehn Minuten das größte von dem Spiel gesehen habt und sich im weiteren Spielverlauf daran kaum etwas ändert. Was für eine Enttäuschung!

Auch technisch muss der Bär ein paar Stofffetzen hinterlassen. Die etwas pixelige Comic-Grafik wird durch die störrische und hektische Kamera getrübt. Viel zu oft findet ihr euch in kleinen Räumen wieder, in denen ihr die Wand bewundern, aber oft nicht den Standpunkt eures Bärens erkennen könnt. Das ist gerade in einem Kampf fatal, schließlich registriert ihr so nicht, in welche Richtung ihr angreifen müsst, ob eurer Gegner weg gerannt ist oder sogar euch angreift. Die kleine Karte am unteren Spielrand hilft bei diesem Kameraproblem auch nicht weiter, wodurch ihr auf euch allein gestellt seid und bald keine Lust mehr habt, Häuser zu inspizieren. Das ist ein großes Problem, schließlich barrikadieren sich die meisten Bären in ihren Hütten und kommen nicht mehr heraus. Also müsst ihr für das erfolgreiche Abschließen der Mission in den sauren Apfel beißen und die miserable Kamera akzeptieren.
Amokläufer sind Einzelgänger
Wer von euch jetzt den Eindruck bekommen hat, dass der Einzelspieler nicht überzeugen kann, liegt goldrichtig. Die eigentlich lustige Hintergrundgeschichte gerät bei den ganzen Wiederholungen und Problemen ins Vergessen. Worauf greifen dann die meisten Leute zurück? Genau auf den Multiplayer. Bei Naughty Bear ist das ein Fehler, da er noch weniger Spaß macht als der Einzelspielermodus.

Es erwartet euch im offline wie auch online Mehrspieler vier Modi. In drei von ihnen müsst ihr einen Gegenstand finden und behalten, in einem zerstört ihr zwei Statuen der Gegner und im Gegenzug verteidigt ihr eure. Theoretisch hören sich diese Missionen im ersten Moment abwechslungsreich an, schließlich habt ihr immer andere Ziele. Praktisch ist das monoton und keineswegs spannend. Das simple Button-Smashing macht sich unmittelbar bemerkbar und nach ein paar Runden keinen Spaß mehr. Schließlich prügelt ihr ohne Unterlass auf euren Gegner ein, um danach zu hoffen, dass ihr als erstes die „Vernichten“-Taste drücken könnt. Dann sammelt ihr den gesuchten Gegenstand ein und verteidigt euch wieder mit etlichem Tastendrücken. Stupider und langweiliger geht es kaum noch, da euch auch nur drei unterschiedliche Umgebungen erwarten, die schon aus dem Singleplayer bekannt sind. Des Weiteren müsst ihr beim Onlinemodus mit Verbindungsabbrüchen rechnen. Kein Wunder also, dass sich kaum ein Spieler dort herumtreibt oder?
Was haben wir von dem gemeinen Bären nicht alles erwartet. Das Spiel sollte amüsant und makaber zugleich sein, die etlichen Tötungsarten hätten frischen Wind bringen und den Racheakt abwechslungsreich gestalten müssen. Ja, wie ihr erkennt, Naughty Bear besitzt viele gute Ideen und hätte ein Überraschungshit werden können. Aber das Potenzial wurde grenzenlos verspielt und euch erwartet ein überaus schlechtes Spiel.
Warum braucht Naughty Bear überhaupt eine Geschichte? Die Missionen laufen immer gleich ab: Töte den Bär, lass keinen entkommen. Es spielt nach einiger Zeit überhaupt keine Rolle mehr, wieso ihr die knuddeligen Bären tötet. Ihr tut es einfach, weil ihr es müsst. Dabei haben uns die Trailer so gut gefallen, die sarkastisch und makaber waren! Die Geschichte verliert ihren Wert und wirkt während des Spielens überflüssig.
Doch ohnehin wird euch der fiese Bär nicht lange unterhalten können. Der Umfang des Spiels ist mit sieben Episoden und fünf Untermissionen viel zu gering. Das liegt natürlich nicht nur an den Aufgaben, die fast immer identisch sind, sondern auch an den lediglich drei unterschiedlich aussehenden Spielabschnitten. Langeweile ist bei diesem Mangel an Abwechslung vorprogrammiert.
Neben der fehlerhaften Kamera und dem lächerlichen Mehrspielermodus, fällt uns nur ein Rat für euch ein: Gebt kein Geld für dieses stumpfe Massaker aus und holt euch lieber ein Spiel, was sein Potenzial nicht so einfach verschenkt.


„Stumpfes und blasses Teddyblutbad ohne jeglichen Tiefgang“

Pro:
  • Ungewöhnliches Konzept
  • Gemeiner, schwarzer Humor
  • Etliche Tötungsarten

Kontra:
  • Geringer Umfang
  • Drei Standartlevels
  • Missionen wiederholen sich zu oft
  • Spezialattacken nutzen sich zu schnell ab
  • Problematische Kamera
  • Geschichte nur im Hintergrund
  • Mehrspielmodus mit geringem Umfang
  • ….und online mit Verbindungsabbrüchen

Einzelspieler: 5.0
Mehrspieler: 5.0
Xbox Live: 4.0
Steuerung: 4.8
Grafik: 6.3
Sound: 5.5
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: zensiert
Spielzeit ca. in Stunden: + 10
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

Gesamtbewertung
4.9


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