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Prince of Persia: Die vergessene Zeit



Autor:Tobias Schulte - Z0RN
Streetdate: 21.05.2010
Spielgenre: Adventurespiel
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
Leser: 5508


Als wir die Einladung zur Prince of Persia: Die vergessene Zeit Präsentation erhalten haben, mussten wir von Xboxdynasty nicht lange überlegen und sind natürlich sofort nach Ubisoft gereist. Dort angekommen warteten schon die Xbox 360 Entwicklerkonsolen auf unsere Testfinger und wollten zeigen was in ihnen steckt. Nach einem kurzen Ladeprozess und der Erklärung der kinderleichten Steuerung hatten wir ein Zeitfenster von drei bis vier Stunden und durften uns durch zahlreiche unterirdische Gebiete des neuen Prinzen kämpfen. Einen ersten Eindruck, viele neue Details und eine ausführliche Vorschau zum bereits dritten Teil der Prince of Persia Serie auf Xbox 360 haben wir heute für euch mitgebracht. Zurück zu den Wurzeln
Diese Überschrift steht für viele Probleme zahlreicher angesehener Entwickler. Da erschafft man eine neue Spielserie oder weckt eine beliebte Franchise wieder zum Leben, feiert riesige Erfolge und alle Nachfolger reichen nicht mal annähernd an die Vorlage heran. Strittige Ausflüge in Actionsequenzen, Traumwelten, Cell-Shader Optiken oder rockige Finsternis musste der Prinz schon über sich ergehen lassen. Dabei war aber immer eines klar, Prince of Persia: The Sands of Time wird kein Spiel so schnell in den Schatten stellen. Lange Zeit sogar nicht mal der hauseigene Nachfolger und selbst Prince of Persia: Die vergessene Zeit wird den Xbox Titel nicht in den Schatten stellen. Muss er allerdings auch nicht. Wichtiger ist es die Atmosphäre einer längst vergessenen Zeit einzufangen. Dies scheint man bei Ubisoft erkannt zu haben und hat dem Titel nicht umsonst diesen Namen verpasst. Doch wird der neue Versuch zu alter Stärke zurück zu finden wieder scheitern oder endlich gelingen? Um die erwartungsvolle Fangemeinde zu überzeugen setzt Ubisoft jedenfalls alles daran wieder an die Wurzeln der Erfolgsserie anzuknüpfen und will um jeden Preis allen Prince of Persia Liebhabern ein ebenbürtiges Spiel bescheren.
Neue altbewährte Optik
Der Vorgänger Prince of Persia (2008) setzte auf eine eigenwillige Cell-Shader Optik. Sicher gewöhnungsbedürftig, in Aktion aber durchaus ansehnlich und spektakulär. Das sahen aber nicht viele Spieler so und der Titel konnte leider nicht wie erwartet erfolgreich durchstarten. Prince of Persia: Die vergessene Zeit hat wieder die Aufgabe einiges gut zu machen und somit die optische Aufmachung des Vorvorgängers aus dem Jahr 2008 spendiert bekommen. Die comicartige Cell-Shader Optik wurde also wieder über Bord geschmissen. Nach wenigen Spielminuten stellt sich diese Entscheidung schnell als richtig heraus. Denn auch wenn uns mitgeteilt wurde, dass das Spiel noch nicht mal die zweite Aufpolierungsphase erreicht habe, konnte sich das Spiel schon sehen lassen. Klar ist, dass man bei einer Vorabversion nicht zu hart mit der Optik ins Gericht gehen sollte, aber selbst wenn, müsste sich der Prinz keine Sorgen machen.

Die vielen inneren und unterirdischen Dungeons wurden schön finster und weitläufig gestaltet. Richtig beeindruckend wurde es, als der Prinz mal an die Erdoberfläche kam. Die Städte und Paläste das alten Persien werden erneut wundervoll eingefangen und ihr fühlt euch gleich wie in ein spielbares Märchen hinein versetzt. Für eine grandiose Weitsicht und exakte Gemäuerdarstellung sorgt die Engine, die schon bei Assassin's Creed II zum Einsatz kam. Leider waren die ersten spielbaren Level noch ganz schön schwach auf der Brust und konnten ihre Enginemuskeln nicht so zur Schau stellen, wie wir uns das gewünscht haben. Der Grund dafür war schnell erklärt, denn Ubisoft wollte in der Vorabversion den Fokus auf die neuen spielerischen Möglichkeiten legen.
Neue Spielelemente
Hauptaugenmerk im neuen Prince of Persia liegt auf dem Zusammenspiel von Erde, Wasser, Feuer und Luft. Dabei übernimmt das Wasserelement beim Klettern eine entscheidende Rolle. Durch die Kraft des Einfrierens könnt ihr Wasserstellen und sogar ganze Wasserfälle mit einem Tastendruck für kurze Zeit zu Eis verwandeln. Wasserfontänen dringen aus den Wänden und werden von euch per Knopfdruck in Eiszapfen verwandelt. Dieses Element wird vermehrt als Ersatz für die bekannten „Kletterschwingstangen“ eingesetzt. Der besondere Reiz an diesem neuen Kletterprinzip ist, dass das Wasser, das ihr gerade noch eingefroren habt um daran zu schwingen, in wenigen Sekunden wieder schmilzt und euch in den Abgrund stürzen lässt. Dabei wird ein ständiges Gefühl der Spannung erzeugt. Ihr habt nicht viel Zeit zu überlegen, müsst eure Schritte im Voraus planen und Sprünge perfekt abstimmen. Zahlreiche Fallen wie Speere, Sägeblätter in Wänden oder Falltüren erschweren euch das Leben zusätzlich.

Dicke Pfähle hingegen müsst ihr im neuen Teil nicht länger wie ein kleines Äffchen mühsam umkreisen. Ihr könnt einfach bei gedrückter Richtungstaste und einem weiterem Druck auf die Sprungtaste in die gewünschte Position weiterspringen. Lange Verschnaufpausen gibt es demnach nicht mehr. Zum Glück wird aber nach jeder heiklen Klettereinlage automatisch zwischengespeichert und bei Fehlversuchen könnt ihr noch immer die Zeit zurückspulen. Haltet ihr die RB-Taste fest, wird das Geschehen knapp 5 bis 10 Sekunden zurück gesetzt und ihr könnt euren Fehler ausmerzen. Wem das Spiel trotzdem zu schwer fällt, der kann über das Optionsmenü jederzeit den Schwierigkeitsgrad senken. Frustmomenten gehen die Macher des Spiels hiermit gekonnt aus dem Weg.
Wasserstangen
Im weiteren Spielverlauf wird die Finesse der Wasserspielchen immer deutlicher. Manche Wasserscheiden pulsieren von ihrer Wasserkraft. Das heißt, dass sie je nach Wasserdruck mal dünn, mal dick aus ihren Öffnungen fließen. Erst wenn die Wasserfontänen richtig druckvoll aus den Wänden schießen, könnt ihr diese einfrieren und zum Hangeln und Klettern nutzen. An anderer Stelle wechseln sich Fontänen ab. So müsst ihr den ersten Strahl einfrieren, daran springen, weiter hangeln, nochmal springen und in der Luft das Einfrieren kurzzeitig wieder beenden. Jetzt schießt während des freien Falls die nächste Fontäne aus der Wand. Diese müsst ihr wieder zum richtigen Zeitpunkt blitzschnell in Eis verwandeln, um euch vor dem Abgrund rettend daran festhalten zu können. Dies ist einer der effektvollsten Sprungeinlagen, die der Prinz in seinen vielen Abenteuern bisher hinter sich gebracht hat.
Erfahrungswerte verbessern
Alle elementaren Fähigkeiten sind mit Energieleisten begrenzt, wobei sich das Element des „Einfrierens von Wasser“ von alleine wieder auflädt und nur zeitlich eingeschränkt wird. Die anderen sind von diversen Energiekugeln abhängig und müssen nach Gebrauch mit diesen wieder aufgefüllt werden. Diese Kugeln erhaltet ihr, sobald ihr Gegner besiegt oder Vasen zerschmettert. Des Weiteren wird es möglich sein, euren Prinzen mit den unterschiedlichsten Verbesserungen aufzuwerten. Zwar durften wir diese Funktion noch nicht nutzen, aber es ist davon auszugehen, dass jede Fähigkeit in mehreren Stufen verbessert werden kann. Außerdem dürft ihr gespannt auf die Fähigkeit des Feuers sein. Wir hoffen, dass es ähnlich viel Einfluss auf das Spielgeschehen wie das Wasser einnimmt und nicht nur mit Feuerkugeln irgendwelche sandigen Skelette vernichtet werden können.
Irdische Kampfelemente
Die weiteren Elemente die in Prince of Persia: Die vergessene Zeit zum Einsatz kommen, beschränken sich weitestgehend auf den Kampf. Das Element der Erde macht euch eine Zeit lang stärker, eure Angriffe ziehen mehr Energie ab und ihr könnt Schilder der Widersacher mit einem Schlag zerbersten. Die Kraft des Windes erzeugt einen riesigen Wirbelsturm, der alle nah liegenden Gegner in sich hinein saugt und vernichtet. Eine sehr effektvolle und starke Waffe. Mit der Fähigkeit des Eises, könnt ihr Eisschorlen vor euch her und auf Gegner schießen. Die Kraft des Feuers ist ebenfalls vorhanden, war in unserer Version aber noch nicht nutzbar.

Effektvoll geht es im Kampf auch ohne spezielle Fertigkeiten zur Sache. Mit X und Y drescht und tretet ihr auf die euch zahlreich überlegenden Kreaturen ein und schickt sie nach und nach zurück in die Wüste. Bei gedrückter X-Taste könnt ihr einen extra starken Schlag aufladen und auf die anstürmenden Massen abfeuern. Dabei hinterlässt jeder Schlag seine Spuren und überzieht die fiesen Kreaturen ein Stück weit mit Sand. Sobald sie fast nur noch wie eine Sandskulptur aussehen, segnen sie das Zeitliche und stellen keine Gefahr mehr dar. Im Kampf könnt ihr natürlich wieder eure Schnelligkeit einsetzen. Mit B vollführt euer kleiner Held eine Prinzenrolle, weicht mit einem gekonnten Sprung feindlichen Angriffen aus und verschafft sich somit einen kämpferischen Vorteil. Mit der B-Taste rollt ihr also beiseite, springt mit A über Gegner hinweg, oder lauft mit X an ihnen hoch, um dann einen stilvollen Schlag anzusetzen. Schlagt oder tretet ihr einen Gegner zu Boden, könnt ihr einen vernichtenden Tötungsschlag ansetzen und das Wüstenmonster verabschiedet sich in bester Blade-Manier in seine verbrannten Einzelteile.

Bei der Steuerung gab es keine grundlegenden Veränderungen, doch spielt sich der Prinz nicht mehr so voll automatisch wie in seinen Vorgängern. Das richtige einschätzen des Tastendrucks wird bei jedem Sprung, Wandlauf oder Schwung über Abhänge von euch abverlangt und ist deutlich zu erkennen. Es reicht also nicht länger schon Sekunden vor dem eigentlichen Einsatz zum Beispiel den Wandlauf mit RT gedrückt zu halten. Vielmehr kommt es darauf an, an richtiger Stelle den richtigen Button zu erwischen. Leider spielte sich der Prinz manches Mal nicht sauber und präzise genug. Einige der Eingaben wurden nicht erkannt und an der Wand hangelnd war es nicht immer leicht zu erkennen, ob für einen Sprung zur Seite nach vorne, nach hinten oder oben gedrückt werden musste. Diese kleineren spieltechnischen Mankos dürften aber bis zur Endversion locker beseitigt sein. Erster Eindruck
Der erste Eindruck zu Prince of Persia: Die vergessene Zeit ist durchaus positiv. Leider haben wir das Ubisoft Hauptquartier aber nicht ohne Bauchschmerzen verlassen. Zwar haben wir die ersten Vorschaustunden genutzt, um uns von dem neuen Kletterelement zu überzeugen, aber dennoch fehlt dem Prinzen die märchenhafte Würze. Die Verantwortlichen des Spiels sprechen in den Entwickler Tagebüchern immer von einem Gefühl von „Tausend und einer Nacht“, diese Atmosphäre wollte sich bei uns aber zu keiner Zeit einstellen. Eigentlich gab es gar keine Atmosphäre. Dies lag aber daran, dass der Prinz in der ganzen Anspielzeit nicht einen richtigen Dialog mit anderen Charakteren im Spiel gewechselt hat. Die gesamte Zeit waren wir alleine in riesigen Verließen unterwegs, hangelten uns von einer Stelle zur nächsten und können heute erst einmal nur sagen, dass mit Prince of Persia: Die vergessene Zeit allen Fans ein grundsolides Spiel bevorsteht.

Ob der neue Prinz in der Erzählstruktur, Geschichte samt gerissenen Dialogen und Wortspielchen überzeugen kann, muss Ubisoft erst noch beweisen und ließ noch so manche offene Frage unbeantwortet. Für eine erste kleine Sprungeinlage und einen guten Eindruck hat es aber dennoch gereicht. Prince of Persia: Die vergessene Zeit setzt auf altbewährte Optik, mit etlichen beliebten Kampf- und Sprungeinlagen, hat die Assassin's Creed II Engine im Rücken und verbindet gekonnt das Wasserelement als neue Spieltechnik. Sollte Ubisoft noch weitere Elemente beim Spielgeschehen in der Hinterhand haben, ein märchenhaftes Abenteuer erzählen und wirkliche eine Atmosphäre von „Tausend und einer Nacht“ versprühen können, dann dürften selbst eingefleischte Fans wieder Spaß an dem Prinzen aus Persien finden.

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