Was assoziiert ihr so mit Red Bull? Weltmeister Sebastian Vettel, den Fußballverein aus Salzburg oder koffeinhaltige Getränke in Dosen? Das stimmt zwar alles, hat mit dem neuen Arcade Spiel Red Bull X-Fighters World Tour aber nichts zu tun. Dort schwingt ihr euch nämlich auf ein fettes Bike und lasst als Freestyle Motocross Fahrer auf der Piste die Sau raus. Obwohl der Titel den Eindruck eines kleinen Werbespielchens macht, müsst ihr für das Spiel trotzdem ganze 800 Microsoft Points ausgeben. Ob sich das für die virtuelle Raserei lohnt, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Der Genreprimus und sein Konkurrent
Sobald Motocross und Xbox LIVE Arcade in einem Satz zusammen erwähnt werden, denken wahrscheinlich alle Spieler an Trials HD. Dort seid ihr zwar ebenfalls motorisiert auf zwei Rädern unterwegs, die Grundausrichtung des Superhits ist aber eine völlig andere. Dort müsst ihr schließlich irre Geschicklichkeitsparcours möglichst schnell und fehlerfrei absolvieren. Bei Red Bull X-Fighters World Tour ist es viel wichtiger, dass ihr die Zuschauer mit atemberaubenden Tricks beigeistert und möglichst viele Punkte für eure Kunststücke einfahrt. Umgewöhnen müssen sich Kenner von Trials HD auch bei der Steuerung. Anstatt nämlich mit der rechten Schultertaste Gas zu geben, müsst ihr hier die A-Taste festhalten. Der Trigger wird nämlich für die zahlreichen Stunts gebraucht, aber dazu erzählen wir euch später mehr.
Lockert eure Hände
Bevor ihr euer Leben in den großen Shows riskiert, müsst ihr eure Karriere natürlich erst einmal im Tutorial beginnen. Gemächlich bekommt ihr hier die Steuerung nähergebracht und führt eure ersten Sprünge aus. Mit dem linken Stick kontrolliert ihr dabei euren Körper und könnt euch nach hinten oder vorne lehnen. Das ist nicht nur für eine saubere Landung wichtig, sondern führt bei richtiger Dosierung sogar zu Salti in der Luft. Alle anderen Tricks werden per Tastenkombination ausgeführt. Die Palette reicht von einem simplen Druck auf die B-Taste bis hin zur für die Finger wenig angenehmen Kombination von LT, LB, RB, B und Y gleichzeitig. Die besonders schwierigen Tricks erfordern daher ein klein wenig Übung. Spieler mit ganz steifen Fingern gucken bald verzweifelt in die Spielspaßröhre.
Überall auf der Welt
Die insgesamt 20 unterschiedlichen Stunts sehen nicht nur schick aus, sondern sind auch inklusive Tastenkombination im Trickbuch vermerkt. Extrem dämlich ist allerdings, dass ihr euch Selbiges nur vom Hauptmenü aus angucken könnt und nicht innerhalb der jeweiligen Wettbewerbe. Red Bull X-Fighters World Tour beinhaltet als Spielmodi Tourstopps, die Race-Tour, die Red Bull X-Fighters World Tour und Weltrekordversuche. Gefahren wird auf den fast immer gleichen Strecken in Mexiko, Gizeh, Moskau, Madrid, London und Paris. Die Kurse unterscheiden sich allerdings kaum voneinander und sind lediglich durch am Streckenrand platzierte Wahrzeichen auszumachen.
Ab aufs Treppchen
Pro Stadt erwarten euch im Herzmodus des Spiels – also bei den Tourstopps – vier kurze Herausforderungen. Dort müsst ihr entweder den Parcours in einer vorgegebenen Zeit absolvieren, ausgesuchte Tricks präsentieren (die Tastenkombination bekommt ihr hier als glücklicherweise angezeigt) oder gleich beides auf einmal darbieten. Am Ende wird abgerechnet und ihr bekommt eurer Leistung entsprechend eine Medaille verliehen oder müsst die Aufgabe erneut starten. Zusätzlich gibt es Ausrüstung für euren Fahrer in Form von recht hässlichen Anzügen und Helmen, sowie selten neue Bikes spendiert. Die unterscheiden sich aber nur in Beschleunigung und Geschwindigkeit, sodass ihr wenn möglich sowieso immer das flotteste Gerät ausgewählt habt. Tuning ist leider nicht möglich.
Der Rest vom Fest
Die Herausforderungen sind recht simpel und mit einer Bronzeauszeichnung meist schon beim ersten Versuch zu schaffen. Wollt ihr hingegen wirklich die Goldmedaille haben, müsst ihr euch schon deutlich mehr anstrengen und akrobatische Verrenkungen mit euren Fingern hinbekommen. Im Red Bull X-Fighters World Tour Modus könnt ihr dann schließlich alle erlernten Stunts anwenden und nach den Höchstpunktzahlen greifen. Ähnlich sieht es bei der Race-Tour aus, in der ihr euch in allen bekannten Städten bloß auf das pure Erreichen einer Bestzeit konzentriert und sämtliche Tricks weglasst. Kleine Empfehlung: Wartet einfach, bis ihr das schnellste Bike freigeschaltet habt, ansonsten könnt ihr manche Strecken ewig probieren. Apropos ewig – die Ladezeiten sind für ein solch kleines Spielchen ziemlich extrem, besonders, wenn ihr von einem Wettbewerb aus ins Hauptmenü zurückkehren wollt.
Es ist gleich vorbei
Den Abschluss bildet schließlich der Weltrekordmodus, in dem ihr euch von einer gewaltigen Rampe aus am höchsten bzw. weitesten Sprung probiert. Nach zwei, drei Sprüngen mit dem leistungsstärksten Bike verliert dieser Modus aber bereits komplett an Reiz. Die Spielzeit ist sowieso verdammt gering, nach spätestens zwei Stunden habt ihr alle Event mindestens einmal abgeschlossen und abgesehen von einer Bestenliste gibt es kaum Motivation für einen längeren Aufenthalt auf der Rennpiste. Von technischer Seite her bekommt ihr ziemlich wenig geboten, dafür aber haufenweise matschige Texturen spendiert. Die bunte Inszenierung kann zwar ein wenig über die magere Optik hinweghelfen, letztlich ist das Grafikgerüst aber hoffnungslos veraltet. Der Soundtrack geht in Ordnung, hat aber ebenso wenig Abwechslung zu bieten, wie die Sprüche des englischen Kommentators. Abseits der Ansage der Tricks hat der nämlich gerade einmal gefühlte fünf Sprüche auf Lager und geht euch bereits nach den ersten Wettbewerben tierisch auf den Keks. Macht aber nichts, nach zwei Stunden ist Red Bull X-Fighters World Tour ja schließlich eh durchgespielt.
Fazit
Okay, ganz so aufdringlich wie in anderen Werbetiteln ist die Reklame nicht. Trotzdem hätte man Red Bull X-Fighters World Tour auch locker gratis anbieten können, denn das Logo mit dem roten Bullen ist trotz allem oft genug im Bild. Dazu kommt, dass euch von spielerischer und technischer Seite her nicht allzu viel geboten wird. Ein paar coole Stunts mit eurem Bike hinzulegen, ist zwar ganz unterhaltsam, die Spielzeit von guten zwei Stunden sind die 800 Microsoft Points aber im Leben nicht wert. Die Grafik ist altbacken, der Kommentator beherrscht nur wenige Sprüche und im Grunde habt ihr schon nach zehn Minuten alles vom Spiel gesehen. Selbst die größten Fans von virtuellem Motorsport auf zwei Rädern sollten sich lieber den Megahit Trials HD und die beiden genialen Erweiterungen dafür kaufen, als ihre Kohle für Red Bull X-Fighters World Tour auszugeben. Denn selbst für die Hälfte des Preises bekommt ihr hier einfach nicht genug dafür geboten, dass euch ständig das Markenlogo vor der Nase herumbaumelt.
„Umsonst hättet ihr Red Bull X-Fighters World Tour noch mitnehmen können – Geld ist das Werbespiel aber nicht wert“