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Resonance of Fate


Autor:Sandra Friedrichs - anormaldisaster
Streetdate: 26.03.2010
Gametyp: Rollenspiel
Entwickler: tri-Ace
Publisher: SEGA
Hits:3582

Japan ist am Ende! Mit diesen markigen Worten versuchte Capcom-Produzent Keiji Inafune die Spielehersteller in seiner Heimat wach zu rütteln. Und in der Tat, beim einstigen Branchenführer herrscht derzeit großflächiger Stillstand. Insbesondere das einstige Aushängeschild, die japanischen Rollenspiele, treten seit Jahren auf der Stelle. Daran ändern selbst Kracher wie Final Fantasy XIII nichts, die lediglich altbekanntes in frischem Gewand abliefern. Den Entwicklern von Tri-Ace genügt das allerdings nicht mehr. Sie wollen mit Resonance of Fate das Genre revolutionieren. Überraschend, da die Jungs bisher vor allem mit konservativen Vertretern wie der Star Ocean-Reihe von sich Namen machten. Aber deshalb nicht weniger vielversprechend…

Vom Ende der Welt
Doch schon die ersten Minuten in Resonance of Fate verdeutlichen, dass wir es hier mit keinem gewöhnlichen Japano- RPG zu tun haben. Die typischen, Anime-artigen Charakter streifen nicht etwa durch gewohnt bunte Landschaften, sondern durch eine düstere, post-apokalyptische Welt. In einer fernen Zukunft ist die Welt längst unbewohnbar, die Natur am Rande der Vernichtung. Einzig eine gigantische Maschine, der Turm von Basel, bietet einen letzten Rückzugspunkt für die Menschheit. Diese Zufluchtsstätte ist unterteilt in zahlreiche Ebenen und stellt damit die komplette Spielwelt. Durch diese steuert ihr die drei Kopfgeldjäger Vashyron, Zephyr und Leanne. Recht viel mehr wollen wir euch zur Handlung gar nicht verraten, sonst würden wir eine ganze Menge spoilern.

Das Spiel beginnt nämlich extrem träge: Während der ersten Kapitel bekommt ihr praktisch nur Small-Talk zu hören. Derlei Szenen helfen dabei, den Charakteren Profil und Tiefe zu verleihen. Fein. Dummerweise spielt ihr so erst mal Stunde um Stunde und habt nicht den geringsten Schimmer warum eigentlich. Außerdem prägen den Anfang einige flapsige, beinahe komödiantische Einlagen, die im krassen Gegensatz zur Ernsthaftigkeit des Titels stehen. Erst viel später entfaltet sich der Plot und zieht euch in einen tief traurigen Strudel, der unter anderem die Todessehnsucht der Protagonisten thematisiert. Unheimlich melancholisch und bewegend.

Tick, tack, tick, tack …
Passend zur finsteren Gemütslage gibt sich auch die Grafik. Zwar erreicht die Technik niemals den bahnbrechenden Glanz eines Final Fantasy XIII, doch dafür erzeugt Resonance of Fate von Beginn an eine düstere und dichte Atmosphäre. Das Levelbild bestimmen dabei Zahnräder, flackernde Lichter und Schrotteile aus Metall, die den mechanischen Ursprung der Spielweltverdeutlichen. „Die ganze Zeit auf einem Turm herum hüpfen? Klingt ja echt öde!“, denkt ihr nun vielleicht. Aber keine Angst, einige Ebenen bieten üppige Wälder, ein andermal durchkämmt ihr verfallene Minenschächte oder dringt in den komplett vereisten Kern von Basel vor. Doch egal wo, überall könnt ihr zwischen den leveltypischen Details kleine, maschinelle Elemente wie klackernde Zahnräder erkennen …


Die Mission beginnt
Wer Resonance of Fate nun genauer auf den Zahn fühlt, bemerkt drei grundlegende Spielaspekte: Die Städte, die Oberwelt und die Kämpfe. Den Anfang nimmt eure Reise im Haus des Heldentrios. Von dort aus lauft ihr zur Gilde, um euren ersten Auftrag abzuholen. Die Stadtviertel durchwandert ihr dabei aus einer festen Kameraperspektive. Das hat den Vorteil, dass die Entwickler auf detailreich gerenderte Hintergründe zurückgreifen können. Im Gegenzug habt ihr allerdings kaum Bewegungsfreiheit und die Steuerung fühlt sich aufgrund der starren Perspektive etwas hakelig an. Nicht selten bleibt ihr an Ecken hängen oder fragt euch, ob ihr wirklich alles gesehen habt, was es in diesem Areal zu entdecken gibt. Schade, denn dadurch wirkt die Szenerie oft starr und leblos. Das mag zum dystopischen Stil des Spiels passen, aber eben nicht zum lebendigen und wuseligen Bild, das wir von einer Stadt haben. In der Gilde angekommen sondiert ihr das Schwarze Brett. Die Aufgaben auf besagter Tafel stellen eure Nebenquests dar, Aufgaben also, die ihr nicht erfüllen müsst, die allerdings eine feine Belohnung versprechen. Die Variationen reichen dabei von den typischen „Besiege Feind X“-Missionen bis zu Aufträgen, bei denen ihr bestimmte Gegenstände finden müsst. Im Großen und Ganzen nichts weltbewegendes, aber guter Standard.

Folgt dem Strom!
Da freigeistige Abenteuerer wie wir schlecht am immer gleichen Ort bleiben können, reisen wir natürlich auch in Resonance of Fate zwischen Siedlungen, wilden Gebieten und den obligatorischen Dungeons hin und her. Das geschieht auf einer Karte, die in Hexfelder (also Sechsecke) unterteilt ist. Dort wandert ihr mit einem Cursor von Feld zu Feld, wobei euch an einigen Stellen Gegner attackieren können, was in einen Kampf mündet – dazu später mehr.

Der eigentliche Clou an der Sache: Die Felder sind zu Beginn deaktiviert! Ihr müsst sie mittels Energiezellen an das Stromnetz anschließen, bevor ihr sie bereisen könnt. Besagte Energiezellen erbeutet ihr in Kämpfen oder als Belohnung für erfolgreiche Aufträge. Einige Zellen erfordern obendrein besondere, farbige Energieplatten oder verleihen euch spezielle Bonuseffekte in den Gefechten. Was sich anfangs simpel anhört, entwickelt mit der Zeit einen ganz eigenen Reiz. So ertappt ihr euch vermutlich bald dabei, wie ihr die Geschichte erst mal links liegen lasst und lieber versucht, komplette Stockwerke zu reaktivieren. Zum Lohn warten unter manchen Feldern Schatztruhen, die euer Inventar aufstocken. Super Sache!


Streifschuss? Nö, Volltreffer!
Da besagtes Inventar unter anderem Pistolen, Maschinengewehre und Granaten umfasst, liegt es auf der Hand, dass ihr euch früher oder später einem Kampf stellen müsst. An dieser Stelle wird Resonance of Fate etwas kompliziert. Also keine Sorge, wenn ihr erst mal nur Bahnhof kapiert - das ging uns ganz genauso. Die Speerspitze eurer Attacken bilden grundsätzlich die sogenannten Heldenpunkte. Mittels dieser löst ihr Heldenaktionen aus, bei denen die Figur eine von euch festgelegte Linie abläuft oder springt und dabei mehrfach auf die Gegner feuert. Sobald eure Heldenpunkte allerdings aufgebraucht sind, geraten die ach so tapferen Recken in Panik und wimmern wie kleine Kinder. In diesem Zustand sind sie äußerst verwundbar und bekommen kaum eine Aktion gebacken.

Es ist also ratsam, eure Heldenpunkte stets mit gelungenen Aktionen wieder aufzufüllen. Da solche Aktion meist das Ausschalten oder starke Verletzten eines Gegner beinhalten, müsst ihr die Kräfte eurer Recken bündeln. Maschinengewehre zum Beispiel verteilen eine Menge Streifschaden. Dieser reißt ordentlich was von der Lebensleiste eurer Widersacher herunter, heilt aber nach einiger Zeit wieder und tötet niemanden. Um den Angriff also zu komplettieren, feuert ihr mit einer Pistole oder Granate hinterher, die Direktschaden verursacht. Landet ihr einen Treffer, schmerzt den Gegner nicht nur der verursachte Schaden, sondern obendrein wandelt ihr damit den Streifschaden in „richtigen“ Schaden um. Damit das Ganze noch ein bisschen komplexer wird, verdient ihr euch obendrein sogenannte Resonanzpunkte, in dem ihr mit einer Figur im Heldenmodus zwischen den anderen beiden Protagonisten hindurch lauft. Dann dürft ihr einen mächtigen Tri-Angriff starten, bei dem euer Trio Infernale um die Gegner kreist und heftig aus allen Rohren feuert.


Aus allen Rohren
In diesen Momenten zeigt Resonance of Fate, was es wirklich kann: Die Gefechte sind wahnsinnig fett inszeniert, eure Kämpfer fliegen durch die Luft wie in einem John Woo-Film oder Max Payne-Spiel. Wer den Dreh einmal raus hat, zaubert die wildesten und abgefahrensten Stunts auf den Schirm und sitzt einfach nur ungläubig staunend vor der
Glotze, wenn euer Alter Ego mal wieder eine Granate per Hackentrick in Richtung Gegner befördert. Keine Angst, Resonance of Fate ist zu 100 Prozent Rollenspiel und hat mit Action-Titeln nichts zu tun - aber die Zeitlupen-Stunts rocken einfach nur derbe! Und auch wenn man die Grundzüge nach ein bis zwei Stunden begriffen und verinnerlicht hat, so stellt einen das Spiel bald darauf mit Barrikaden auf dem Schlachtfeld, Rampen und Höhenunterschieden vor ständig neue taktische Herausforderungen. Dementsprechend vergeht zwischen dem Schritt „Verstehen“ und der Höchststufe „Meistern“ noch einiges an Spielzeit, das könnt ihr uns glauben. Ach ja, Faustangriffe sind theoretisch auch möglich. Aber glaubt uns einfach: Die braucht niemand. Es ist schließlich wenig ratsam, mit einem Messer zu einer Schießerei zu kommen … von bloßen Händen ganz zu schweigen!

Kleider machen Leute
Nachdem wir die große Innovation von Resonance of Fate beleuchtet haben, das Kampfsystem, fragen sich nun sicher viele: „Wo bleibt die Charakter-Entwicklung? Ich lese schließlich den Test zu einem Rollenspiel!“ Nun ja … an diesem Punkt vermag uns der Titel leider nicht so recht zu befriedigen. Der Stufenaufstieg funktioniert mehr oder minder automatisch, abhängig davon, welche Waffe ihr nutzt. Die Gegenstände umfassen das übliche an Heilmittelchen, sowie verschiedene Bauteile, mittels derer ihr eure Waffen tunen könnt. Das ist ganz gut gelöst, kann aber dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eben nur magere drei verschiedene Waffengattungen gibt.

Das ungewöhnlichste und zugleich unverständlichste sind schlussendlich die Outfits. Ihr dürft eure Charaktere nämlich frei ausstatten, so elegant wie es euer Geldbeutel erlaubt. Sonnenbrillen, Lederstiefel, sexy Kleider oder schnieke Anzüge – alles drin. Und in den Kämpfen und Zwischensequenzen sehen eure Figuren auch noch genau so aus, wie ihr sie eingekleidet habt. Sowas bieten Japano-RPGs nur selten, wirklich klasse. Umso bescheuerter mutet es da an, das sich die Outfits kein bisschen auf eure Statuswerte auswirken. Egal ob ihr halbnackt oder als Supersoldat herum stapft, der Effekt ist derselbe. Dementsprechend verliert die virtuelle Puppenstube sehr schnell an Reiz. Schade, hier wurde Potential verschenkt.


Unterm Strich bleibt Resonance of Fate eine etwas zwiespältige Angelegenheit. Auf der einen Seite steht massig verschenktes Potential: Warum haben Klamotten keine Auswirkungen auf meine Helden? Warum beherrsche ich von Beginn an das komplette Kampfsystem – und lerne in den restlichen 15 Kapiteln praktisch nichts mehr dazu?! Warum können die Menüs nicht etwas zugänglicher sein? Und vor allem: Warum zur Hölle entwickeln diese Wahnsinnigen von Tri-Ace ein so komplexes und geniales Kampfsystem, schaffen es aber nicht, dem Spieler mit einer vernünftigen Einführungsmission zur Hand zu gehen? Klar, solche Scherereien wie der zähe Story-Anfang, holperige Spieleinstieg oder das öde Textfenster-Tutorial sind typisch für japanische Rollenspiele. Aber genau mit solchen verstaubten Konventionen wollten die Entwickler doch brechen!

Auf der Haben-Seiten stehen im Gegenzug aber eine stimmige und fantastische Welt und ein wirklich innovatives und erfrischendes Kampfsystem, das die Feuerkraft besitzt, um all die festgefahrenen Strukturen dieses Genres gehörig durch zu rütteln. Außerdem verzaubert uns Tri-Ace mit einer derart traurig-schönen Geschichte, das wir den mühsamen Einstieg und die teilweise frustigen Kämpfe schnell verziehen haben.

 

„Resonance of Fate überzeugt trotz aller Macken mit seinem mutigen Kampfsystem und einer bezaubernden Story“

 


Pro:
  • Traurig-schöne Geschichte
  • Frei erkundbare Welt
  • Viele Nebenaufgaben
  • Geniale Effekte
  • Schöne Grafik
  • Gelungene Sprachausgabe
  • Komplexes und innovatives Kampfsystem...

Kontra:
  • ...das für Anfänger zu kompliziert ist
  • Schwieriger Spieleinstieg
  • Änderung der Kleidung hat keine Auswirkungen
  • Charakter-Entwicklung etwas enttäuschend

Einzelspieler: 8.2
Mehrspieler: -
Xbox Live: -
Steuerung: 8.0
Grafik: 8.0
Sound: 8.0
Sprache: Englisch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 20
Geeignet für: Profis und Hardcore Gamer
Altersfreigabe: Ab 16 Jahren

Gesamtbewertung
8.2


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