Am 09. September 2011 erschien das erste Horrorspiel für Kinect im Handel. Wir haben es uns natürlich nicht nehmen lassen, nachdem wir das Spiel auf der gamescom anzocken durften, es auch in der Komplettfassung unter die Lupe zu nehmen. Dabei haben wir unser Testlabor abgedunkelt, um eine möglichst anfällige Umgebung für das Spiel zu schaffen. Ob der Titel bei uns punkten konnte oder ihr lieber bei einem controllerbasierten Spiel die Untoten jagen solltet, erfahrt ihr nun in unserem ausführlichen Testbericht.
Prolog oder wie ihr das Laufen lernt
Verängstigt wacht ihr in einer kleinen Gefängniszelle auf, die ihr euch mit einer nicht weniger verängstigten Frau teilt. Damit beginnt der Prolog und gleichzeitig das Tutorial zu Rise of Nightmares, bei dem ihr wie ein Kleinkind das Laufen, Kämpfen und Interagieren lernt. Um euch vorwärts oder rückwärts zu bewegen, setzt ihr euer Bein nach vorne oder hinten. Gelaufen wird solange, bis ihr eure Beine wieder geschlossen habt. Dabei ist es egal, ob ihr das linke oder rechte Bein benutzt, denn das Spiel erkennt beides. Um die Richtung zu ändern, dreht ihr euren Oberkörper in die entsprechende Richtung. Diese Kombination begünstigt das flüssige Laufen, auch wenn es dennoch an manchen Stellen zum Stocken kommt und ihr euch neu ausrichten müsst.
Um mit der Umgebung zu interagieren, streckt ihr die Hand Richtung Bildschirm und bewegt den Kinectzeiger auf das gewünschte Symbol. An bestimmten Stellen müsst ihr außerdem die angezeigte Aktion ausführen, beispielsweise Schwimmen, Klettern oder Rennen. Anfangs wirkt die Steuerung noch etwas holprig, doch schnell sind die grundlegenden Bewegungen erlernt und stellt kein Hindernis mehr dar. Anerkennend sollte erwähnt werden, dass es sich bei Rise of Nightmares nicht um einen Railshooter handelt und ihr wirklichen jeden Winkel des Spiels selbst erkunden könnt.
Die Kinecterkennung funktioniert dabei selbst im dunklen Raum ohne Probleme und nur selten werden Bewegungen falsch interpretiert. Seid ihr irgendwann aus der Puste, könnt ihr an manchen Stellen das Autosystem nutzen und euer Charakter läuft selbstständig an den nächsten Zielort. Das Feature ist an sich recht hilfreich, doch leider wirkt es an manchen Teilen zu unfertig. Müsst ihr beispielsweise einen Gegenstand suchen, bringt euch das Autosystem zumeist nur an den Ausgangsort zurück, bei dem ihr den Auftrag erhalten habt.
Jetzt wird es unrealistisch
Habt ihr also den Prolog gemeistert und die ersten Schritte erlernt, findet ihr euch in der eigentlichen Hauptgeschichte wieder. Langzeitalkoholiker Josh plant mit seiner Frau Kate eine Reise durch Osteuropa, doch zwischen den Beiden kommt es zum Streit, woraufhin Kate verärgert das Abteil verlässt. Was zunächst noch als Drama direkt aus Hollywood beginnt, endet kurz darauf in einem echten Horrorschocker. Mehrere Anzeichen deuten daraufhin, dass einige merkwürdige Dinge vor sich gehen. Eure Befürchtungen werden schnell bestätigt, als eine merkwürdige Gestalt Kate entführt und der Zug entgleist. Euer Ziel ist es nun, eure Frau zu finden. Dafür macht ihr euch mit anderen Überlebenden, die sämtliche Klischees eines B-Movies erfüllen, auf den Weg durch den Wald, über den sich zahlreichen Mythen in der Gegend ranken.
Auf eurem Weg zu Kates Aufenthaltsort besucht ihr verschiedene Gegenden, sei es ein Friedhof, eine mittelalterliche Burg samt gruseligen Vorhof oder den hauseigenen Folterkeller. Auch hier darf nichts fehlen, was ein durchschnittlicher Horrorfilm zu bieten hat. Wie das auch in den Hollywood-Filmen so ist, segnen eure Gefährten nach und nach das Zeitliche und ihr seid wieder auf euch alleine gestellt. Was allerdings auch nicht weiter schlimm ist, denn so richtig warm werdet ihr mit den oberflächlichen Gestalten sowieso nicht.
Mittelalter trifft Zukunft
Anfangs ist die Geschichte rund um Rise of Nightmares noch überzeugend, wenn auch oft vorhersehbar. Je weiter ihr im Spielverlauf allerdings in die Geschichte eintaucht, umso unrealistischer wird das Ganze. Wo ihr anfangs noch mit Rohren, Beilen oder Messern kämpft, habt ihr später eine futuristisch aussehende Schiene am Arm, die euch Energiestrahlen verschießen lässt, mit denen ihr Zombies tötet oder Türen öffnet. Mehr Ernsthaftigkeit und weniger Trash wären hier vom Vorteil gewesen.
Splatterspaß vom Feinsten
Rise of Nightmares wurde bereits kurz nach der Ankündigung von SEGA als erstes Kinectspiel für Erwachsene angepriesen und genau das ist es auch, zumindest was das viele Blut angeht. Leider hat sich allerdings herausgestellt, dass das Horrorspiel weniger Horror bietet, sondern jede Menge blutigen Splatterspaß. Die Zombiekörperteile fallen in Massen, das Blut spritzt ohne Ende und ihr seid mitten drin. Das Einzige, was ein bisschen Horrorfilmspannung in das Ganze bringt, sind die gruseligen Soundkulissen. Die Grafik und das Design der Umgebungen und Gegner lässt allerdings wieder das Gefühl aufkommen, dass ihr direkt in einem Trash-Horror gelandet seid.
Welche Waffe nehme ich nur?
Um euch gegen die Untoten zu beweisen, stehen euch unzählige verschiedene Waffen zur Verfügung und es macht einfach Spaß, immer wieder neue Waffen zu entdecken und zu sehen, wie ihr sie handhabt und damit die Untoten in Bedrängnis bringt. Das regelmäßige Wechseln der Waffe ist dabei unerlässlich, denn euer Kampfgerät nimmt Schaden, wenn ihr es benutzt. Nichts ist wohl ärgerlicher, als mitten in einem Kampf zu stecken und die Waffe gibt den Geist auf. Eine neue Waffe zu finden, ist allerdings nicht sonderlich schwer, denn ihr findet sie an so ziemlich jeder Ecke und selbst bei den besiegten Gegnern gibt es Ersatz. Einziger Nachteil ist, dass ihr nicht zwei Waffen auf einmal benutzen könnt, sondern eine Hand zumeist unbewaffnet bleibt. In der Realität könntet ihr auch in einer Hand ein Eisenrohr halten, während in der anderen Explosivgeschosse ruhen.
Der Ablauf des Kampfes ist allerdings leider zu wenig abwechslungsreich, hier hätte deutlich mehr gemacht werden können. Was allerdings positiv auffällt, dass verschiedene Gegner für unterschiedliche Angriffe anfällig sind. Habt ihr beispielsweise einen gepanzerten Zombie vor euch, müsst ihr versuchen die ungeschützten Stellen zu verletzen, um so möglichst effektiv zu handeln. Dies bringt ungeahnten Spaß in das ganze Kampfgeschehen. Bei den gelegentlichen Bosskämpfen kommt zusätzliche Abwechslung ins Geschehen, dann da müsst ihr neben den Kampfbewegungen auch andere Gesten ausführen, um einem schweren Angriff zu entgehen. Dies kann Bücken oder ein Schritt in eine bestimmte Richtung sein.
Nutzlose Tarotkarten und informative Aufnahmen
Neben der Hauptgeschichte findet ihr in den einzelnen Gebieten noch zwei Sammelobjekte. Die Tarotkarten haben dabei keinen weiteren Sinn, aber die Aufnahmen eines Kriminalbeamten geben euch zusätzliche Informationen zu den Geschehnissen. Wer also alle Hintergründe aufdecken oder alle Erfolge einheimsen möchte, der wird nicht herumkommen, alle einzusammeln.
Diese Extraaufgaben sind ein nettes Gimmick, wenn auch wenig sinnvoll. Wir hätten uns gewünscht, dass es dafür als Belohnungen beispielsweise Konzeptzeichnungen, Musikstücke oder Ähnliches gegeben hätte.
Rise of Nightmares ist tatsächlich das erste Kinectspiel für Erwachsene und dafür hat sich SEGA eindeutig Respekt verdient. Sicherlich ist es nicht perfekt, setzt sich aber deutlich gegen die eher kindlichen und sportorientierten Kinectspiele ab. SEGAs Titel zeigt gut auf, was die Zukunft bereithält und was uns noch erwarten könnte. Die Kinecterkennung lässt nicht viel Raum für Kritik, einzig die Steuerung ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Dank Tutorial erlernen sich die Bewegungen allerdings schnell und nur an wenigen Stellen kommt der freie Spielfluss ins Stocken.
Wer keinen Wert auf eine gänzlich durchdachte und realistische Story legt, wird mit Rise of Nightmares durchaus seinen Spaß haben. Langeweile kommt nicht auf, denn ihr seid immer in Bewegung. Die zahlreichen Waffenvariationen bringen Abwechslung in das sonst eintönige Kampfgeschehen. Allerdings sei gleich vorgewarnt, denn nicht jedermann wird auf das literweise fließende Blut, die abgetrennten Körperteilen und die oft übertriebenen Tode stehen.
Als controllerbasiertes Spiel hätte Rise of Nightmares sicherlich kein gutes Spiel abgegeben, doch dank Kinect hat es gewisse Vorzüge.
"Endlich was für Erwachsene…"