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Singularity Autor:Henry Lai - MadD4mon Streetdate: 29.06.2010 Gametyp: Ego-Shooter Entwickler: Activision Publisher: Activision Hits:3156 Mit Zeitreisen hat der gemeine Zocker schon Erfahrung: Viele, viele Spiele thematisieren diesen lang gehegten Traum der Menschen, der Vergangenheit mal so richtig eins auszuwischen. Einen Sechser im Lotto von letzter Woche haben, das Spiel Deutschland gegen Argentinien richtig vorhersagen oder einfach nur mal kurz bei Karl dem Großen vorbeischauen. Vor allem das Genre der Shooter kann sich mit passablen Spielen rühmen, wie zum Beispiel Timeshift. Raven Software wirft mit Singularity einen weiteren Kandidaten in das Ringen um das beste Zeitreisespiel. Schafft es das Spiel mit seinem Zeitmanipulationsgerät (ZMG), die Geschichte zu verändern, oder entpuppt es sich letztlich doch als alter Hut? Unverbrauchte Story in der Gegenwart und Vergangenheit Startet ihr die lineare Einzelspielerkampagne, so werdet ihr sofort und ohne Erklärung in den Körper des amerikanischen Elitesoldaten Nathaniel Renko versetzt. Der befindet sich gerade auf einer streng geheimen Mission, um mysteriöse Vorgänge auf der Insel Katorga-12 zu untersuchen. Wie es der Zufall so will, entlädt sich nur wenige Meter neben eurem Helikopter eine Energieanomalie und ihr stürzt am Rand der Insel ab. Es liegt also zunächst an euch euren Waffenbruder zu finden und die Geheimnisse der Insel zu entschlüsseln, die sich nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit verstecken - und irgendwie auch mittendrin. Die Hintergrund der Geschichte ist zwar interessant, das russische Setting wurde in Verbindung mit der Zeitreise-Thematik noch nicht zu oft benutzt und ist (noch) frisch. Aber bereits hier merkt ihr, dass Raven Software stark bei vielen Genregrößen abkupfert. Die Anfangsszene im Helikopter erinnert frappierend an Call of Duty, während euer einsamer Streifzug über Katorga-12 nebst Begegnungen mit entstellten Kreaturen BioShock-Allüren aufweist. Sogar die Erzählweise der Story mit Hilfe von Zwischensequenzen, Funkdurchsagen eurer Alliierten und alter Audiotagebücher wecken wohlige Erinnerungen an das Spiel des Jahres 2008. Blöd nur, dass Raven beim Klauen ein paar Fehlerchen eingebaut hat. Zum einen reicht die Qualität der Dialoge nicht an die des Unterwasser-Shooters heran und zum anderen stellt ihr euch sehr früh die Frage, warum zum Teufel die Audiotagebücher nicht mitgenommen werden können. Einmal aktiviert, spielen sie ihre Nachricht ab. Die kann aber schon einige Minuten in Anspruch nehmen und falls ihr euch zu weit von dem Tagebuch wegbewegt, hört ihr den Erzähler schon nicht mehr. Das nimmt dem Spiel viel Tempo und gleichzeitig sinkt auch die Motivation, sich überhaupt von der Story gefangen nehmen zu lassen. Gänzlich unverständlich ist auch der Verzicht auf Untertitel. Das darf heutzutage nicht mehr passieren! Karge Waffenauswahl mit einer Überraschung Okay, um nicht zu viel von der Story zu verraten, hier nochmal die Essenz des Spiels: Singularity ist ein reinrassiger Shooter. In einen reinrassigen Shooter gehören wuchtige Schusswaffen, die ordentlich Schaden austeilen und eure entstellten Gegner noch weiter entstellen. Bei den unterschiedlichen Typen an Kanonenfutter hat Raven leider auch gespart. Kaum ein halbes Dutzend werdet ihr zu Gesicht bekommen. Mal bekämpft ihr russisches Soldaten aus den 50er Jahren, ein anderes Mal sind es mutierte Inselbewohner, einer genauso hässlich wie der andere. Unter diesen Mutanten gibt es dann noch unterschiedliche starke Ausführungen. Das war es aber schon. Auch das Waffenarsenal ist überschaubar, was dem Spiel aber nicht zum Nachteil gereicht. Teils futuristische Ausführungen, teils auch etwas antikere Modelle stehen euch hier zur Verfügung. Die Palette ist Veteranen des Genres wohlbekannt und dürfte für keine Überraschungen sorgen. Die Centurion ist eure erste Waffe. Diese Pistole ist klein und macht wenig Schaden, schießt dafür aber relativ präzise. Also besser als gar nichts. Maschinengewehr und Schrotflinte haben da schon mehr Wumms, das Präzisionsgewehr mit eingebauter Zeitlupe hat es wirklich in sich. Zielgenaue Schützen können mit einem Magazin ein halbes Dutzend Feinde erlegen. Singularity hat vielleicht keine große Auswahl, aber dafür eine ausgewogene. Einzige Überraschung bei den Waffen ist die Striker. Diese Waffe, die an die Redeemer aus Unreal Tournament erinnert, lässt ferngesteuerte Kugeln verschießen, die beim Aufprall explodieren und ihre Umgebung in Mitleidenschaft ziehen. Bei dieser Waffe wird leider auch die Schnittfreudigkeit Deutschlands sichtbar: Während ihr in der ungeschnittenen Version mit einem gut gezielten Schuss auf den Kopf oder eine Gliedmaße eures Gegners eben jene auf dem Boden wiederfinden könnt, geht das in der harmlosen Variante für Deutsche gar nicht. Blut gibt es auch fast keines zu sehen. Nicht, dass es spieltechnisch wichtig wäre, aber auch das nimmt dem Spiel viel von der wichtigen Atmosphäre. Wer hat an der Uhr gedreht? Wenn es das jetzt schon gewesen wäre, könntet ihr Singularity getrost im Regal verstauben lassen. Zum Glück hat das Spiel jedoch eine halbwegs innovative Spielmechanik, die ihm eine schöne Würze verleiht. Natürlich ist vom Zeitmanipulationsgerät die Rede, das eine Art portable Zeitmaschine darstellt. Das ZMG lässt euch viele Umgebungsobjekte altern oder bei Bedarf auch verjüngen. Beispiel gefällig? Ihr steht vor einer Treppe, die vor 50 Jahren neu, glänzend und nicht kaputt gewesen ist. Dank eurer handlichen Zeitmaschine und genügend Zeitenergie könnt ihr also mit einem Druck auf LB die Zeit für eben diese Treppe zurückdrehen und gemütlich darüber spazieren. Das funktioniert mit so ziemlich allem: Kisten, Deckungen, Wände, ganze Gebäude oder auch euren Gegnern. Normale Soldaten verwandeln sich in Staub, Mutanten stehen wie gelähmt da und lassen sich brav von euch umnieten. Ihr solltet immer auf eure Energieleiste achten, denn jede Aktion mit dem ZMG kostet euch unterschiedliche viel davon. Wenn sie leer ist, dann könnt ihr entweder warten bis sich alleine auffüllt oder aber eine Energiezelle benutzen, um eine sofortige Aufladung zu erhalten. Bei eurer Gesundheit verhält es sich ähnlich. Statt eines Regenerationsystems, wie es in letzter Zeit bei vielen Shootern üblich ist, wird in Singularity wieder auf die gute alte Gesundheitsleiste gesetzt. Die müsst ihr dann mit Stimpacks oder Medikits auffüllen, wenn ihr nicht unfreiwillig den Löffel abgegeben wollt. Doch zurück zum ZMG. Neben der bereits beschriebenen Fähigkeit gibt es auch noch ein paar andere, die natürlich nicht unerwähnt bleiben sollen. Ihr könnt, entsprechenden Kampagnenfortschritt vorausgesetzt, fast alle beweglichen Objekte anheben, per Impulsschlag nahe Gegner wegschleudern und mit Hilfe einer kleinen Zeitkugel die Zeit innerhalb dieser Kuppen anhalten. Sehr nützlich, um durch einen angeschalteten Ventilator zu kommen. Raven Software hat sich Mühe gegeben, um das ZMG nicht nur als Offensivutensil einzusetzen, sondern auch immer wieder dafür gesorgt, dass ihr eure grauen Zellen anstrengen müsst. Mehr als ein paar einfache Puzzles dürft ihr vom dem Spiel aber nicht erwarten. Mit Geld könnt ihr euch alles kaufen Auf eurem Weg durch Katorga-12 sammelt ihr eine Menge des mysteriösen Elements E-99 ein. Dieses fungiert in Singularity als Währung für Verbesserungen eures ZMGs und eures Charakters. Kurios ist aber, dass ihr erst einige Stunden nach Spielstart erfahrt, wofür das E-99 überhaupt da ist. Bis zu diesem Zeitpunkt sammelt ihr emsig vor euch hin, habt aber keine Ahnung wofür eigentlich. Bevor ihr nämlich irgendetwas für Upgrades ausgeben dürft, müsst ihr zunächst sogenannte Biopläne einsammeln. Diese schalten dann beim Verbesserer neue Kaufmöglichkeiten frei. Ihr könnt dort zum Beispiel eine größere Lebensleiste oder eine höhere Lungenkapazität kaufen. Auch eure Waffen werden mit der Zeit stärker. Das kostet aber kein E-99, sondern muss mit noch selteneren Waffen-Tech-Kisten bezahlt werden. Waffenkammern sind oft und an strategisch wichtigen Orten verteilt, so dass ihr auch oft genug euer Arsenal wechseln könnt. Das ist auch nötig, denn ihr könnt lediglich zwei Schießeisen gleichzeitig tragen. Dabei ist es aber oft wichtig, unterschiedliche Waffentypen dabei zu haben, um das Beste aus den Vorteilen beider Waffen herauszuholen. Von Matschtexturen und kantigem Feuer Apropos herausholen: Aus der Unreal 3-Engine hätte Raven mehr rausholen müssen. Singularity sieht tatsächlich so aus, als käme es aus der Vergangenheit. Selbst wenn es zum Setting passt, so ist das immer noch keine Entschuldigung für hoffnungslos verwaschene Texturen, die zudem noch gefühlte ewige Ladezeiten haben. Ab und zu kann es passieren, dass ihr vor einer Wand steht und regelrecht zuschauen könnt, wie immer detailliertere Texturen auf die Polygone geklatscht werden. Feuereffekte und Ähnliches kommen wohl ebenfalls frisch aus der Zeitmaschine: Sichtbare Kanten, kaum Lichtreflexe. Dafür sehen Aktionen mit dem ZMG fast immer gut aus. Wenn sich eine zerstörte Wand vor euren Augen wie von Geisterhand wieder zusammensetzt, dann sieht das einfach nur spektakulär aus. Dass es trotzdem im Allgemeinen besser geht, haben bereits viele Spiele, die die gleiche Engine verwenden, gezeigt. Immerhin sind die Waffenmodelle ganz brauchbar und weisen viele Details auf. Die akustische Seite von Singularity gibt sich unauffällig. Die Soundeffekte sind ein wenig Blass, die Waffen und Explosionen könnten mehr Bumms vertragen. Beim Soundtrack hält sich das Spiel zurück und ist an vielen Stellen einfach nur ruhig. Schade, denn ein atmosphärischer Song im Hintergrund und hätte den Grusel des Spiels noch weiter gefördert. Die Sprecher hingegen sind ganz okay, der russische Akzent wirkt nicht übermäßig gestellt und homogen. Leider können wir die deutsche Synchronisation nicht bewerten, da uns für den Testbericht nur die englische Version des Spiels zur Verfügung stand. Spannende Mehrspielermodi, verödete Server Es ist überraschend, dass Singularity nur zwei Mehrspielermodi anbietet: Extermination und Kreaturen gegen Soldaten. Extermination versetzt euch in die Rolle der Soldaten. In diesem Modus müsst ihr drei Kontrollpunkte aktivieren und jeden davon 20 Sekunden lang gegen Monsterhorden verteidigen. Im anderen Modus ihr übernehmt abwechselnd die Rolle der Monster beziehungsweise der Soldaten. Am besten lässt sich dieser Modus wohl mit Left 4 Dead vergleichen, nur dass die Kreaturen keine KI-Helfer haben. Es gibt vier verschiedene Klassen auf jeder Seite. Die Kreaturen spielt ihr in der Außenansicht. Anders als im Spiel regeneriert sich der Lebensbalken mit der Zeit, dafür müsst ihr auf präzise Distanzwaffen verzichten. Der Zek kann sich zum Beispiel tarnen, ein explosives Fass heraufbeschwören und mit seinen Pranken kräftig austeilen. Ein anderes Untier ist so klein wie ein Spinne, kann sich dafür aber auf allen Oberflächen festhalten und ahnungslose Gegner von oben anfallen. Bei den Soldaten gibt es Klassiker wie den Heiler oder den Tank, der viel aushält und viel austeilt, aber langsam ist. Am interessantesten fanden wir die Klasse Blitzer, die über eine Teleportfähigkeit verfügt. Die Geschickten unter euch können sich mit dieser Fähigkeit nicht nur schnell fortbewegen, sondern können auch durch Wände gehen. Landet ihr zufällig (oder auch ganz absichtlich) auf einem Gegner, so wird dieser blutig zerquetscht. Tada! Schon wieder zehn Erfahrungspunkte für das Rangsystem. Wie so viele andere Genrevertreter könnt ihr auch in Singularity Ränge aufsteigen. Erfahrungspunkte gibt es für Kills oder Vorbereitungen dafür. Wozu es die Ränge aber gibt, ist unklar. Wohl eine Prestigesache. Leider ist auf den Servern nicht viel los, so dass es schwer fällt, genügend Spielpartner zu finden. Fazit Singularity reiht sich in die Reihe derjenigen Spiele ein, die ein auf den ersten Blick zwar innovatives Spielkonzept haben, denen es aber nichtsdestotrotz etwas an Feinschliff fehlt. Der Rabe entpuppte sich bei diesem Spiel eher als diebische Elster und hat sich viele Elemente aus erfolgreichen Shootern zusammen geklaut. Leider hat es beim Zusammensetzen etwas gehakt, so dass ein zwar grundsätzlich unterhaltsames Abenteuer im Raum-Zeit-Kontinuum entstanden ist, dem es aber dennoch an Feinschliff fehlt. Veraltete Präsentation und mangelnde Abwechslung verderben euch hier den langfristigen Spielspaß. Der Mehrspielermodus ist eher dürftig, sowohl was die verfügbaren Modi als auch die verfügbaren Mitspieler angeht. Schade, Raven Software. Vielleicht sollten die Entwickler mal in eine Zeitmaschine hüpfen und sich noch um Fehler kümmern. Denn dann wäre Singularity ein richtig gutes Spiel geworden. „Singularity qualifiziert sich als guter Durchschnitts-Shooter. Nicht mehr und nicht weniger.“ Pro:
Kontra:
Einzelspieler: 7.2 Mehrspieler: - Xbox Live: 7.0 Steuerung: 6.5 Grafik: 7.8 Sound: 7.3 Sprache: Deutsch Bildschirmtexte: Deutsch Zensur: zensiert Spielzeit ca. in Stunden: + 8 Geeignet für: Anfänger bis Profis Altersfreigabe: Ab 18 Jahren
Gesamtbewertung
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