Um manche Spiele rankt sich monatelang ein schier unglaublicher Hype. Die Vorbestellungen gehen die Millionenhöhen und die Erwartungen steigen mindestens ebenso hoch. Blockbuster werden solche Spiele genannt, mittlerweile sind sie fast mit riesigen Kinoproduktionen gleichzusetzen. Dann gibt es aber noch ganz andere Spiele. Sie entstehen im Stillen und entfachen nicht einmal bei ihrer Veröffentlichung großen Wirbel. Schlecht müssen sie deshalb keinesfalls sein. Manchmal sogar ganz im Gegenteil. The Adventures of Shuggy ist ein perfektes Beispiel dafür. Deshalb möchten wir euch den interessanten aber eher unbekannten Arcade Titel gerne in den folgenden Absätzen näher vorstellen.
Schwache Story
Die Hintergrundgeschichte des Spiels ist kaum als solche zu bezeichnen und dementsprechend vernachlässigbar. Der kleine Vampir Shuggy bekommt per Testament eine große alte Villa zugesprochen und will sich sein neues Eigentum zum ersten Mal angucken. Allerdings stimmt etwas mit dem Haus nicht. In den Räumen ist es viel zu warm, scheinbar ist die Heizung nicht in Ordnung. Auch sonst kommt euch das alte Gemäuer irgendwie seltsam vor und ihr versucht dem Geheimnis der Villa auf den Grund zu gehen. Diese Rahmenhandlung bekommt ihr in seltenen kleinen Comicsequenzen spendiert. Viel mehr als eine notdürftige Erklärung, warum ihr mit einem Vampir in einem Schloss durch die Gegend hüpft, ist die Story aber keinesfalls.
Schnappt euch die Edelsteine
Schließlich haben die Entwickler ihre Aufmerksamkeit viel mehr auf das Kreieren von mehr als 100 kleinen Jump ‚n‘ Run Levels konzentriert. Und das hat sich gelohnt. Alle Abschnitte haben mehrere Gemeinsamkeiten. Die Levels sind genau einen Bildschirm groß, ihr müsst sämtliche Edelsteine einsammeln und das Ganze möglichst in einer Zeit, die eurem Anspruch auf den Bestenlisten gerecht wird. Ebenso gibt es immer kleine Sprungpassagen, bei denen ihr aufgrund kleiner Unachtsamkeiten schnell mal in Stacheln oder Lava landet. Sobald ihr den Bildschirmtod gestorben seid, startet der Level selbstständig von vorne und ihr müsst alle eventuell schon ergatterten Klunker erneut holen. Was euch im Einzelnen für Hindernisse erwarten, ist von Level zu Level unterschiedlich.
Sterben ist nicht immer einfach
Die Möglichkeiten sind jedenfalls vielfältig. Zu den harmloseren Aufgaben zählt es noch auf Knopfdruck den Bildschirm zu drehen, damit ihr neue Orte erreichen könnt oder die Edelsteine ihren Weg zu euch finden. Ein bisschen schwieriger sind Level, in denen mehrere Shuggys bereitstehen, durch die ihr euch ebenfalls auf Knopfdruck durchschalten könnt. Zum erfolgreichen Abschluss benötigt ihr stets alle Charaktere und sobald einer ins virtuelle Gras beißt, müsst ihr komplett von vorne beginnen. Mit zahlreichen Stachelviechern, Feuerbällen oder Wespen in den Räumen des Schlosses bekommt ihr jedenfalls reichlich Möglichkeiten zum vorzeitigen Ableben geboten.
Der Kampf gegen das eigene Ich
Ein anderes Mal wiederum müsst ihr mit einem langen Seil interagieren oder kleine Tierchen auf Plattformen treten, damit sie dann eingeschlossene Edelsteine freisprengen können. Besonders diese Abschnitte spielen sich teilweise recht fummelig und können auf die Dauer nervig sein. Unser persönliches Highlight sind die Zeitmissionen, während der –zusätzlich zu allen sonstigen Widrigkeiten – eine Uhr am oberen rechten Bildschirmrand heruntertickt. Sobald der Zeiger eine volle Umdrehung hinter sich hat, erscheint euer Vergangenheits-Ich auf dem Bildschirm und führt genau dieselben Bewegungen aus, wie ihr in der vorangegangenen Zeitperiode. Nach längerer Zeit wimmelt es in den engen Levels nur so von euren Alter Egos. Was daran so schwer ist? Ganz einfach: Sobald ihr ein Vergangenheits-Ich berührt, seid ihr tot.
Spaß mit einem Vampirfreund
Zusätzlich zu dem sehr kurzweiligen Einzelspielerpart hat The Adventures of Shuggy auch noch einen Mehrspielermodus mit an Bord. Hier kommt es besonders auf gute Abstimmung zwischen den verschiedenen Spielern an. Nur als Teamplayer kommt ihr beide zum Erfolg. Entsprechend groß ist der Ärger, wenn einer von euch einen Fehler begeht und ihr beide erneut starten müsst. Spannende Hüpfeinlagen und etwaige Wutausbrüche sind also garantiert.
Die Grafik ist älter als die Villa
In technischer Hinsicht bekleckert sich The Adventures of Shuggy nicht gerade mit Ruhm. Die Optik lässt sich als „zweckmäßig“ bezeichnen, viel nettere Worte konnten wir für die Grafik nicht finden. Der Comiclook steht dem Spiel aber trotzdem gut und die Levels sind durchweg stimmig designt. Viel mehr haben wir auch gar nicht erwartet, schließlich ist das Spiel ja kein Blockbuster, sondern nur ein kleiner Arcade Titel. Der sich aufgrund seines unterhaltsamen Spielprinzips aber auf jeden Fall einen genaueren Blick eurerseits verdient hat.
Fazit
The Adventures of Shuggy ist ein nettes Spiel für zwischendurch. Die gerade einmal bildschirmgroßen Level lassen sich schnell spielen, nur an den komplizierteren Abschnitten werdet ihr ein bisschen mehr Zeit einplanen müssen. Mit den abwechslungsreichen und intelligenten Jump ‚n‘ Run Passagen und Knobelaufgaben kann das Spiel überzeugen. Der gelungene Mehrspielermodus ist eine tolle Dreingabe und sorgt für ein paar unterhaltsame Stunden. Falls ihr ein bisschen Lust auf das Spiel bekommen habt, solltet ihr der Demoversion auf alle Fälle eine Chance geben – verdient hat es sich The Adventures of Shuggy jedenfalls. Wobei ein Preis von 400 Microsoft Points auch ausreichend gewesen wäre.
„Hüpfen und Hirnanstrengen - The Adventures of Shuggy ist ein schickes kleines Spiel für zwischendurch”