Habt ihr schon euren Jahresurlaub beantragt, die Telefonleitung aus der Wand gerissen und euer Facebook Konto gelöscht? Wenn nicht, dann wird es jetzt allerhöchste Zeit. Denn der potenzielle Rollenspielkracher des Jahres hat es endlich von den Entwicklern bis in die Händlerregale geschafft: The Elder Scrolls V: Skyrim ist endlich da! Entsprechend hat euer soziales Leben ein für alle Mal ein Ende, sobald ihr das Spiel zum ersten Mal in euer Laufwerk schiebt. Alleine der grandiose Vorgänger The Elder Scrolls IV: Oblivion konnte viele Spieler locker über 200 Stunden fesseln und der aktuelle Teil der Serie verspricht nicht weniger zeitfressend zu sein. In diesem Testbericht möchten wir euch ein Stück mitnehmen auf unserer Reise durch die wunderschöne Welt von The Elder Scrolls V: Skyrim, die vor Abenteuern, Geheimnissen und epischen Momenten nur so strotzt. Macht euch bereit für eine der schönsten Spielerfahrungen aller Zeiten.
Wichtig:
Uns ist natürlich bewusst, dass Story Spoiler einen Großteil der Faszination eines solch gewaltigen Spiels zunichtemachen können. Trotzdem möchten wir die Story zumindest kurz anreißen, vor der entsprechenden Stelle folgt aber ein eindeutiger Warnhinweis, falls ihr nichts verraten haben wollt.
Wohin führt euer Weg?
Da ist er wieder. Dieser eine Moment, so perfekt wie kaum ein anderer in der Videospielgeschichte. Der Beginn eines The Elder Scrolls Spiels. Dieser eine Moment, ab dem ihr die totale Handlungsfreiheit habt und in der Spielwelt tun und lassen könnt, was ihr gerade wollt. Reizt es euch der große Held zu werden, die Welt zu retten und eine Legende zu sein? Wollt ihr in der Magiergilde anheuern, tagsüber für die gute Sache arbeiten und nachts verdeckt als Dieb umherschleichen? Oder einfach nur durch die traumhaft schöne Spielwelt streifen, wilde Tiere erlegen und aus ihren Fellen Leder herstellen? Bei The Elder Scrolls V: Skyrim scheint alles möglich zu sein und fast alles ist auch tatsächlich möglich. Doch bevor ihr euch entscheiden müsst, was für einen Weg eure neue virtuelle Existenz in Zukunft beschreiten soll, müsst ihr natürlich erst einmal euren Helden im Editor erstellen.
Kreiert einen Helden
Der Charaktereditor ist wie gewohnt extrem umfangreich. Kreative Spieler können alleine hier schon ihre komplette erste Spielstunde verbringen. Sämtliche Körperteile lassen sich anpassen, sogar verschiedene Kriegsbemalungen stehen zur Auswahl. Die verfügbaren Rassen sind bereits aus den Vorgängern geläufig: Argonier, Bretonen, Dunkelelfen, Hochelfen, Kaiserliche, Khajiit, Nord, Orks, Rothwardonen und Waldelfen sind mit dabei. Der optische Fortschritt zu The Elder Scrolls IV: Oblivion ist dabei unverkennbar. Waren Orks beispielsweise früher einfach bloß Wesen mit ziemlich grünen Köpfen, sind die muselbepackten Grünhäute in The Elder Scrolls V: Skyrim tatsächlich angsteinflößend und sehen dreimal so cool aus. Wir haben uns für einen klassischen Kaiserlichen entschieden, um besonders im Nahkampf ordentlich auszuteilen. Dennoch sind wir auch der Magie nicht abgeneigt und können Feuerstrahlen oder Blitze aus unserer Handfläche schießen lassen.
Politische Konflikte und Rassenfeindlichkeit
Ein Spielelement, das die Welt von Himmelsrand besonders atmosphärisch macht, ist die Reaktion verschiedener Personen auf unsere Herkunft. So werden wir als Kaiserlicher zumeist eher abfällig von den Nord betrachtet, mit magieversessenen Elfen können die kriegerischen Wikinger erst recht nicht auskommen. Auch zwischen den NPCs kommt es häufiger zu interessanten (Wort-)Gefechten aufgrund deren Abstammung. Natürlich fehlen auch zahlreiche Anekdoten über die Geschehnisse in den anderen Regionen des großen Kontinents Tamriel nicht. Sowohl durch Konversationen als auch durch das Lesen der spielinternen Bücher erfahrt ihr so einiges über die Geschichte und aktuelle Konflikte. Das lässt die Spielwelt ungemein organisch wirken und macht euch bewusst, dass ihr im Grunde nur ein winziger Teil dieses riesigen Kontinents seid.
Achtung! Minimale Storyspoiler in den folgenden zwei Absätzen!
Eine Story mit Feueratem
Typisch für die Elder Scrolls Serie startet ihr als Gefangener in das Spiel. Musstet ihr im letzten Teil noch aus dem Kerker entkommen, sieht es nun – 200 Jahre nach den Geschehnissen von The Elder Scrolls IV: Oblivion – deutlich düsterer aus. Man will euch hinrichten, warum ist nicht klar. Nachdem ihr das Ableben eines Mitgefangenen angesehen habt (eine für die USK sicherlich unhübsche Szene), soll euer Kopf als nächster rollen. Gerade als der Henker zum finalen Schlag ansetzt, stört ein Drache die blutige Zeremonie. Flugs macht ihr euch aus dem Staub und flieht mit einem Kumpan aus Festung Helgen, die eigentlich zu eurer letzten Ruhestätte werden sollte. Die gut inszenierte Flucht lehrt euch die Grundlagen der Steuerung und kurze Zeit später ist es dann soweit und ihr erlebt den von uns bereits weiter oben beschriebenen Moment: Die totale Freiheit. Denn was nun auf eure spektakuläre Flucht folgt, ist vollkommen euch überlassen.
Das Blut der Drachen
Der empfehlenswerteste Weg ist sicherlich erst einmal der Hauptstory zu folgen. Deren Verlauf bringt euch in die erste große Stadt, inklusive Kämpfergilde, einer monumentalen Drachenfestung und einem rätselhaften abgestorbenen Baum in der Mitte der Siedlung. Hier bekommt ihr eure ersten Quests und könnt in der Umgebung selbst ohne das Beitreten bei der Kämpfergilde locker die ersten 20 Spielstunden füllen. Nach einiger Zeit habt ihr dann auch eure erste richtige Auseinandersetzung mit einem der vielen Drachen, der größten Bedrohung für ganz Himmelsrand. Nachdem ihr den Lindwurm mit der Hilfe einiger Krieger vom Himmel geholt und totgekloppt habt, passiert etwas seltsames. Euer Körper absorbiert die Seele des Drachen und von nun an könnt ihr die Sprache der Drachen sprechen und damit mächtige Zauber loslassen. Scheinbar seid ihr tatsächlich ein Dovahkiin – ein sogenanntes Drachenblut, von dem sich bloß in Legenden noch erzählt wird. Im Laufe der Hauptquest müsst ihr erforschen, was es mit eurer Gabe auf sich hat und wie ihr damit ganz Himmelsrand retten könnt. Die Geschichte hält euch gut 25 Stunden auf Trab, aber der wahre Held eines The Elder Scrolls Spiels waren ja eh schon immer die Nebenaufgaben und die Spielwelt.
Lasst eure Klinge durch eure Feinde schneiden
Was ihr in der Welt von The Elder Scrolls V: Skyrim auch anstellen wollt – um Kämpfe kommt ihr nicht herum. Wie ihr diese allerdings angeht, liegt wieder ganz bei euch. Mit den beiden Schultertasten kontrolliert ihr euren linken und rechten Arm, den ihr jeweils mit Dolch, Zauberspruch, Schwert, Schild, Axt, Hammer oder Pfeil und Bogen belegen könnt. Wer auf Nahkampf steht, schnappt sich eine dicke Axt, schmeißt sich in eine schwere Rüstung und teilt mit dem mächtigen Prügel ordentlich Schaden aus. Magier verschießen die verschiedensten Zauber, entweder miteinander kombiniert oder durch doppeltes Wirken desselben Effekts spürbar verstärkt. Gerissene Spieler schleichen sich heimlich an, schießen mit Pfeil und Bogen aus der Ferne oder setzen mit ihrer vergifteten Klinge zum finalen Stich an, bevor der Gegner euch überhaupt gehört hat. Hier ist für jeden Geschmack etwas mit dabei, natürlich könnt ihr auch ganz klassisch mit Schwert und Schild vorgehen oder als Allrounder mitten im Kampf per Schnellauswahl flott die Waffen wechseln. In der Spielwelt finden sich unzählige Ausrüstungsgegenstände, Rüstungen und Waffen, aus denen ihr euch euer Traumkampfarsenal zusammenbasteln könnt. In Schmieden können die Kampfwerkzeuge und Körperpanzer von euch verbessert, repariert, neu erschaffen oder sogar verzaubert werden. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos und bereits nach kurzer Eingewöhnungszeit wird jeder Kampf zum Spektakel und manchmal sogar von einem schick inszeniertem Finisher blutig beendet.
Giftiger Taschendieb
Am Beispiel der Kämpfe könnt ihr schon merken, wie tiefgründig das Spiel tatsächlich ist. Hierzu ein kleines Beispiel, was möglich ist, wenn ihr richtig tief in die Spielwelt eintaucht. Schon nach euren ersten Schritten durch Himmelsrand stoßt ihr auf ein paar Blumen am Wegesrand. Wenn ihr sie pflückt, könnt ihr sie entweder in eurem Inventar vergammeln lassen oder ihre Wirkung nutzen, die ihr allerdings erst durch einen Selbstversuch herausfinden müsst. Findige Spieler können mittels Alchemie aus den unscheinbaren und wertlosen Blüten im Zusammenspiel mit anderen Zutaten, wie beispielsweise Knochenmehl von besiegten Feinden, ganz eigene Zaubertränke oder Gifte herstellen. Die lassen sich dann entweder für teures Geld verkaufen oder ihr setzt sie ein und schlürft das Zeug selber. Wie gut ihr Alchemie beherrscht, hängt von eurem Level in der entsprechenden Fähigkeit ab. Generell lautet die Regel: Fähigkeiten, die ihr oft einsetzt, verbessern sich auch schnell. Wer also beispielsweise schon am ersten Dorf allen Bürgern heimlich die Taschen ausräumt, steigert die Fähigkeit Taschendieb und wird irgendwann sogar in der Lage sein, ausgerüstete Gegenstände von Leuten zu stehlen. Oder einen Kamp dadurch zu gewinnen, dass er seinem Feind heimlich ein selbst gemachtes Gift einflößt. Und so kann aus einer unscheinbaren Blume am Wegesrand letztlich ein Bestandteil des Giftes werden, dass euch später im Kampf unverzichtbare Dienste leistet – ihr müsst nur ein wenig herumprobieren.
Eine unvergleichliche Atmosphäre
Optisch weist The Elder Scrolls V: Skyrim einige kleinere Mängel auf, der Gesamteindruck ist aber überwältigend. Zur absoluten Grafikreferenz hat es nicht gereicht, aber das kann man von einem Open World Spiel ja auch nicht zwingend erwarten. An einigen Stellen ist die Vegetation ein bisschen spärlich ausgefallen, die Fernsicht lässt manche Objekte erst ziemlich spät erscheinen und bei genauem Hinsehen sind viele Texturen sehr matschig. Aber wer sitzt schon mit der Lupe vor dem Fernseher, wenn er eine riesige Welt zu erforschen hat? Was The Elder Scrolls V: Skyrim an etwaiger Schärfe fehlt, reißt das Spiel mit einer bombastischen Atmosphäre wieder raus. In den schneebedeckten Hängen umwehen euch unbarmherzige Schneestürme, während die Kälte fast schon spürbar aus der Glotze in euer Wohnzimmer kriecht. Herrliche Sonnenuntergänge malen ein unvergleichliches Panorama an den virtuellen Horizont und wer zum ersten Mal die Nordlichter in der Ferne entdeckt, bleibt mit offenem Mund staunend vor dem Fernseher sitzen. Ob in rötlichen Herbstwäldern, den extrem abwechslungsreichen Höhlen oder zerklüfteten Felshängen mit wunderschönen Wasserfällen: The Elder Scrolls V: Skyrim gelingt eine beeindruckende Darstellung der Natur. Und spätestens, wenn das idyllische Panorama eines Sonnenuntergangs im Feuermeer eines fauchenden Drachen untergeht, kommt ihr aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus.
Achtung:
Aktuell leidet die Xbox 360 Version noch unter einem Bug, wegen dem ihr von einem Installieren des Spiels vorerst absehen solltet. Denn durch die Installation verkürzt ihr die Ladezeiten nicht, ihr verlängert sie sogar noch minimal. Besonders störend ist aber, dass die Texturen deutlich matschiger werden, sobald sich das Spiel auf eurer Festplatte befindet. Bis das Problem von Bethesda behoben wird, solltet ihr also erst einmal die Lautstärke des Soundtracks voll aufdrehen, damit die epischen Klänge das Brummen eurer Xbox 360 übertönen und ihr in hübscher Optik spielen könnt.
Die passenden Klänge zur Klinge
Die Soundqualität entspricht der Grafikgüte: Größtenteils toll, manchmal eher schlecht und teilweise genial. Der größte Kritikpunkt ist sicherlich die deutsche Sprachausgabe. Nein, keine Angst – so schlecht ist sie nicht. Das Problem liegt eher darin, dass die deutsche Version für so viele Charaktere einfach nicht genügend unterschiedliche Sprecher auf Lager hat. Die gut 20 verschiedenen Stimmen sind zwar bereits ein Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger, die englische Originalfassung bietet mit gut 70 Sprechern aber einfach mehr Abwechslung und klingt wie gewohnt ein bisschen besser. Leider haben nicht beide Sprachspuren zusammen auf die Disc gepasst und somit müsst ihr euch also vor dem Kauf entscheiden, in welcher Sprache ihr eure Zeit in Himmelsrand verbringen möchtet.
Ein besonders dickes Lob hat sich der geniale Soundtrack verdient. Einige Stücke sind bereits aus anderen Serienteilen bekannt und wurden überarbeitet, viele sind ganz frisch dabei. Für jede Spielszene bekommt ihr die passende akustische Untermalung spendiert. Treibende Sounds in hitzigen Kämpfen, melancholische Töne beim Flanieren durch die Spielwelt und den dröhnenden Nordgesang aus dem berühmten Trailer bei Auseinandersetzungen mit Drachen. Mit vollaufgedrehter Soundanlage wackeln regelrecht die Wände, während ihr versucht einen bösartigen Lindwurm aus der Luft zu schießen.
Fazit
Die Erwartungen an The Elder Scrolls V: Skyrim waren unfassbar hoch, schließlich zählte schon der Vorgänger zu den besten Rollenspielen überhaupt. Und wie das halt so ist, mit zu hohen Erwartungen: Am Ende wird man doch meistens enttäuscht. Von wegen! The Elder Scrolls V: Skyrim übertrifft locker sämtliche Erwartungen und wischt mit der versammelten Konkurrenz den Boden auf. Nirgendwo sonst bekommt ihr solch eine lebendige offene Welt geboten, mit teilweise atemberaubenden Panoramen, unzähligen Geschichten und Aufgaben, die auf euch warten. Ihr werdet mit Quests geradezu überhäuft und guckt nicht selten nach einigen Stunden auf die Uhr und fragt euch verwundert, was aus eurem Vorsatz „Nur noch 10 Minuten“ geworden ist. Die Spielwelt ist so reichhaltig, dass wir in diesem Testbericht nur einigen winzigen Bruchteil davon unterbringen konnten. Da gibt es noch das neue komfortable Inventar inklusive Detailansicht der Objekte, die extrem umfangreichen Talentbäume, die wunderschöne Weltkarte, euch begleitende Charaktere, eure eigenen Häuser, spielinterne Hochzeiten, das Verzaubern von Gegenständen, Daedrakulte, zahlreiche versteckte Geheimnisse und so unfassbar viel mehr. Natürlich hat auch The Elder Scrolls V: Skyrim seine Macken und ist nicht perfekt. Aber sie alle verblassen vor der Genialität dieses Spiels, das sich die Bezeichnung „epochales Meisterwerk“ fraglos verdient hat. Wer ganz in die wunderbare Rollenspielwelt eintaucht, braucht bis Weihnachten erst einmal keine anderen Spiele oder Freizeitbeschäftigungen mehr. Weihnachten 2012 wohlgemerkt.
„Episch dürfte wohl das Wort sein, das diesem gigantischen Meisterwerk am ehesten gerecht wird – ein absoluter Pflichtkauf!“