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Tropico 4

Autor: Tobias Greiser - HEADCRASH
Streetdate: 21.10.2011
Gametyp: Simulation
Entwickler: Haemimont Games
Publisher: Kalypso Media
Leser: 1305

Wollte nicht jeder von uns schon mal einen Staat nach seinen ganz eigenen Vorstellungen lenken? Seine eigenen Träume für ein Land und dessen Volk verwirklichen? Die Tropico Serie gibt euch seit jeher den Raum, um diesen Traum virtuell auf einem Inselparadies zu leben. Mittlerweile ist bereits der vierte Teil der erfolgreichen Strategie- und Aufbaureihe auf dem Markt und lockt mit einigen Verbesserungen. Wir haben für den Test den Diktator in uns herausgekramt und verraten euch nun, ob sich der Kauf von Tropico 4 lohnt oder sich im Vergleich zum Vorgänger nicht allzu viel geändert hat.

Ein Diktator hat es nicht leicht

Ihr startet euer Inselleben als El Presidente, Oberhaupt des Inselreichs. In einem umfangreichen Editor erstellt ihr erst einmal euch selbst und dann eure Hintergrundgeschichte. Keine Sorge, als Anfänger werdet ihr trotz eures hohen Amtes an die Hand genommen und in aller Ruhe mit der Steuerung und dem Spielverlauf vertraut gemacht. Das Spiel beginnt erst einmal wie ein klassischer Aufbautitel und ihr zimmert zu den bereits vorhandenen Gebäuden einige weitere hinzu, beispielsweise Kirchen, Fabriken, Kliniken oder Minen. Dann werdet ihr an den Politikpart herangeführt, schließlich wollt ihr wiedergewählt werden und solltet euch daher mit einigen Gruppen gutstellen. Nun wird euch dank entsprechender Einblendungen auch endlich klar dargestellt, wie hoch oder tief euer jeweiliges Ansehen bei unterschiedlichen Fraktionen ist. Als letzten wichtigen Part schließlich müsst ihr euch um die wirtschaftlichen Belange kümmern und zusehen, dass in der Staatskasse bloß keine Ebbe herrscht und es den Bürgern gutgeht. Denn die sollen schließlich euren Namen ankreuzen, wenn sie das nächste Mal in die Wahllokale marschieren. Und eine Rebellion gegen eure Führung ist natürlich ebenfalls nicht euer größter Wunsch.

Reichlich Beschäftigung

Diese Kombination aus Politik, Wirtschaft und Aufbauspiel könnte extrem trocken sein, ist sie serientypisch aber glücklicherweise nicht. Auch Tropico 4 lebt wieder von seinem schwarzen Humor, den überzeichneten Charakteren und ungewöhnlichen Missionen. Ob amerikanische Atombomben, fiese Verschwörungen oder Ninjas – hier ist einfach alles vorhanden, was man sich auf einer durchgeknallten Tropeninsel vorstellen kann. Bis zu fünf lustige Nebenaufträge könnt ihr zusätzlich zum Hauptziel auf einmal annehmen, was Leerlauf entgegenwirkt und für reichlich Beschäftigung sorgt. Die Kampagne besteht aus 20 Missionen, die endlich durch einen roten Faden miteinander verbunden sind. Immer mal wieder verschlägt es euch auf ein neues Eiland, das ganz neue Herausforderungen an euch stellt. So mangelt es etwa an Rohstoffen oder euer Palast steht direkt am Fuße eines Vulkans. Das hält die Abwechslung auf einen konstant hohen Level und sorgt dafür, dass es euch auch nach zahlreichen Stunden nicht langweilig wird.

Die Neuerungen

Aber was genau gibt es denn neben den satten 20 Missionen und zehn neuen Inseln noch so alles in Tropico 4? Da hätten wir beispielsweise 20 neue Gebäude, von der Einkaufspassage bis hin zum Mausoleum. Dazu kommen negative Naturschauspiele wie Vulkanausbrüche, die nicht nur schlecht für eure Wirtschaft sind, sondern leider auch nicht gerade überragend visualisiert wurden. Sollte eure Bananenrepublik selber nicht genug für eure Bewohner produzieren können, müsst ihr euch auf Importware aus anderen Ländern einlassen. Das wiederum kostet natürlich enorm viel Moneten, weshalb ihr als Basis eurer Inselherrschaft auf alle Fälle eine solide Wirtschaft benötigt. Auf politischer Seite habt ihr euch darum zu kümmern, dass ihr Minister der verschiedenen Aufgabengebiete richtig einsetzt. Ein fähiger Politiker kann euch einiges an Stress ersparen und gibt euch hilfreiche Hinweise. Wenn sich der Außenminister durch den Gebrauch einer Gabel beim Sushi-Futtern mit dem japanischen Botschafter jedoch ausländische Feinde macht, solltet ihr euch überlegen, den Kollegen rauszuschmeißen. Auch zu den Waffen wird manchmal gegriffen, etwa wenn das unzufriedene Volk gegen euch aufbegehrt und euren Palast stürmen will. Dann solltet ihr auf alle Fälle genug Soldaten parat stehen haben, könnt aber auch selber ins Geschehen eingreifen. Kurz darauf ploppen schon wieder mehrere Nebenmissionen auf – langweilig wird es euch auf der Insel so schnell jedenfalls nicht.

Die Krux mit dem Zoom

Auch technisch ist der Platz des Diktators auf der Insel recht einladend. Die schicke tropische Umgebung bietet besonders atmosphärisch einige Schmankerl fürs Auge und präsentiert euch eine lebhafte Spielwelt. Von jedem einzelnen Bewohner könnt ihr erfahren, wie zufrieden er mit dem Leben in eurem tropischen Reich ist und was er von euch denkt. Die Weitsicht bleibt leider deutlich hinter der Qualität der PC-Version zurück und auch die restlichen Texturen wirken teilweise unschön verschwommen. Besonders blöd ist die Bedienung mit dem Controller, für den Strategiespiele einfach nicht gemacht sind. Sich mit dem Steuerkreuz stundenlang durch Menüs zu fummeln ist keine große Freude. Dass sich der seltsam eingestellte Zoom auf dem rechten Stick allerdings nicht umkehren lässt, ist verdammt ärgerlich. Wir jedenfalls konnten uns selbst nach Stunden nicht an die grauenhafte Zoomsteuerung gewöhnen, was uns den Spielspaß in nicht zu geringem Maß verhagelt hat.

Fazit

Tropico 4 eine klare Empfehlung auszusprechen ist nicht einfach. Strategiespiele haben auf Konsolen im Grunde eh nichts zu suchen, was die holprige Bedienung mit dem Controller hier wieder einmal verdeutlicht. Zwar gibt es neue Missionen, Gebäude und das Ministerium – aber sind diese Verbesserungen wirklich 60 Euro wert? Unserer Meinung nach nicht wirklich, zumindest nicht für Besitzer des Vorgängers. An zu vielen Stellen wirkt Tropico 4 bloß wie ein Vollpreis-Add-on und sieht sogar genauso aus, wie sein Vorgänger. Zudem sind manche Kritikpunkte, wie die schlimmen Wegfindungsprobleme, immer noch nicht behoben. Abgesehen davon macht das Spielprinzip natürlich immer noch Spaß. Fans der Vorgänger werden auch am vierten Teil ihre Freude haben können. Hauptsächlich aber halt nur, weil Tropico 4 halt fast dasselbe Spiel wie Tropico 3 ist.

 

„Kaum hat der Begriff Vollpreis-Add-on so gut gepasst, die Neuerungen rechtfertigen nicht wirklich den Kaufpreis“

 


Pro:
  • Hübsches Tropenflair
  • Gute deutsche Sprecher
  • Schmissige Hintergrundmusik
  • Cooler Humor
  • Tolle Verzahnung von Wirtschaft und Politik
  • 20 gute Missionen
  • Neue Gebäudetypen
  • Zahlreiche Fraktionen
  • Viele Nebenaufträge

Kontra:
  • Häufige schwammige Texturen
  • Fummelige Bedienung per Controller
  • Zoomsteuerung nicht umkehrbar(!)
  • Generelle Animationsarmut
  • Wahre Flut von Textfenstern
  • Schlimme Wegfindungsprobleme

Einzelspieler: 7.3
Mehrspieler: -
Xbox Live: -
Steuerung: 6.7
Grafik: 7.0
Sound: 7.4
Sprache: Deutsch
Bildschirmtexte: Deutsch
Zensur: nicht notwendig
Spielzeit ca. in Stunden: + 40
Geeignet für: Anfänger bis Profis
Altersfreigabe: Ab 12 Jahren

Gesamtbewertung
7.2


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