Holt Popcorn und Cola heraus und schmeißt euch auf die Couch, denn THQ schickt einmal mehr die muskelbepackten Superstars von World Wrestling Entertainment in den Ring. Da sich die letzten Versionen des Wrestlingspektakels nicht mehr groß voneinander unterschieden, hat sich der Publisher in diesem Jahr bewusst für einen Reboot der Serie entschieden. Der sperrige Name Smackdown vs. Raw musste dem ebenso schlanken wie prägnanten WWE '12 weichen. Doch nicht nur der Titel, auch zahlreiche Verbesserungen in Grafik und Gameplay sollen einen Kauf der Neuauflage wieder lohnenswert machen. Ob der Neustart der Serie gut genug ist, um den Titel zu holen oder als bloßes Update auf die Bretter geschickt wird, erfahrt ihr in unserem Test.
Layeth the smacketh down
Das Erste, was eingefleischten Fans der Serie auffallen wird, ist das moderne und wundervoll designte Menü, welches sich exemplarisch für diesen Neuanfang übersichtlicher präsentiert, als noch im letzten Jahr. Doch solltet ihr euch von diesem Eindruck nicht täuschen lassen, da WWE '12 über sämtliche Spielmodi des Vorgängers verfügt.
Egal ob ihr eure Widersacher in Leitermachtes, Backstage Brawls oder dem Royal Rumble bearbeiten wollt, abwechslungsreichen Kämpfen sind hier keine Grenzen gesetzt. Mit dabei ist ebenfalls der überarbeitete WWE Welt Modus, welcher euch Woche für Woche die Spannung und Dramatik des Wrestlings auf den Bildschirm zaubert. Eine virtuelle Woche besteht hierbei aus den drei Sendungen RAW, Superstars und Smackdown, wobei euch das Spiel für jede Show zufällige Matches generiert. Diese könnt ihr eins zu eins übernehmen oder von den Teilnehmern über die Kampfregeln bis hin zur Arena bearbeiten. Der Clou: Wie in den echten Livesendungen geht eine Partie nahtlos in die andere über. So entsteht der Eindruck, ihr würdet einer echten WWE-Show beiwohnen. Auch Fehden und Freundschaften wurden besser integriert, als im letzten Jahr. Die Stars greifen nun auch aktiv in Matches ein, anstatt nur den Referee abzulenken. So kam es in einem Tag Team Match beispielsweise vor, dass der Ire Sheamus seinen Partner Drew McIntyre in einer Sequenz einfach niederschlug und die Arena verließ. Der Threecount war danach für uns nur noch Formsache. Zusätzlich führt WWE '12 die Storylines selbstständig fort. In der folgenden Smackdown Sendung bekam McIntyre im Main Event nämlich die Chance auf Rache. Er durfte in einem TLC-Match gegen Sheamus antreten.
Eine der Stärken der Serie ist, dass ihr das WWE-Universum ganz nach euren Wünschen gestalten dürft. Egal ob ihr einen eigenen Wrestler kreiert, Gruppierungen erfindet, Showinhalte gestaltet, eigene Finisher entwerft oder euch den Einmarsch eures Superstars zusammenbastelt, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nun hat der Creationpart in WWE '12 mit Create-an-Arena weiteren Zuwachs erhalten. Neben der Farbe der Ringseile, Logos auf den Pfosten und Mustern auf der Umrandung lassen sich auch die Begrenzungen rund um den Ring herum anpassen. Ihr bestimmt, ob Kommentatorenpulte die Halle schmücken und welche Schriftzüge auf den LED-Anzeigen der Arena erscheinen. Die von euch erstellen Hallen dürfen im Einzelspielermodus und via Xbox LIVE genutzt werden. Zusätzlich bietet euch die Community-Funktion die Möglichkeit, eure Arena oder andere selbst erstellte Inhalte für andere Nutzer hochzuladen.
Neuerungen finden sich ebenfalls im Road to Wrestlemania-Modus. Hier erwartet euch direkt zu Beginn eine faustdicke Überraschung. Denn obwohl ihr nach dem stimmungsvollen Intro John Cena zum Ring steuern dürft, wird dieser kurz nach seinem Einzug von Bösewicht Sheamus attackiert. Ihr dürft also erstmals die Story eines Villains absolvieren und ihn auf dem langen Weg nach Wrestlemania begleiten. Neu hierbei ist die Tatsache, dass nicht jedes Match zwingend von euch gewonnen werden muss. Vielmehr bekommt ihr vom Spiel diverse Aufgaben, die es für euch zu erfüllen gilt. So müsst ihr beispielsweise einen Wrestler backstage k. o. schlagen, einen Tag Team Partner schwächen oder einen Widersacher zum Fuße des Titantrons hinaufprügeln. Erfüllt ihr euer Ziel, erscheint ein hell leuchtendes Y über dem Kopf des Gegners, was euch zum Drücken des Buttons gleicher Benennung auffordert. Das heißt jedoch auch, dass ihr storytechnisch manchmal verlieren müsst, obwohl ihr das Match dominiert habt. Eine Neuerung, die nicht jeden Geschmack treffen wird.
Eine Neuerung kommt selten allein
Auch steuerungstechnisch haben die Jungs von Yukes einige Verbesserungen eingebaut, um für ein frischeres Spielgefühl zu sorgen. Das Ausführen der Moves mit dem rechten Analogstick fällt dieses Jahr weg. Dafür könnt ihr mit einer Kombination von linkem Stick und gedrückter A-Taste wieder fleißig Neckbreacker, Suplexe und Spinebuster austeilen. Jeder Kämpfer verfügt natürlich wieder über ein individuelles Moveset, welches in normale und harte Attacken eingeteilt ist. Aus dem Kampf heraus könnt ihr auf euren Gegenüber zunächst mildere Manöver wirken lassen. Hat euer Widersacher bereits einiges eingesteckt und taumelt vor euch durch den Ring, lassen sich auch Kracher wie Chokeslams oder eingesprungene DDT’s auspacken. Dies sorgt für spannende und kontinuierlich spektakulärer werdende Kämpfe, da ihr nicht direkt zu Beginn eure besten Aktionen vom Stapel lassen könnt. Wer gezielt einzelne Körperteile seines Gegners bearbeiten möchte, der kann im Grapple den rechten Bumper drücken und danach Kopf, Arme und Beine separat anwählen. Verletzungen am Kopf haben beispielsweise Auswirkungen auf die Regenerations- und Konterfähigkeit der Athleten.
Apropos Konter: Auch das Abwehren von Moves hat eine Generalüberholung spendiert bekommen. War es im letzten Teil auf den höheren Schwierigkeitsgraden noch eine einzige Konterschlacht, so wurde dies nun wesentlich intelligenter gelöst. Schläge, Tritte und Manöver lassen sich zwar immer noch mit dem rechten Trigger unterbinden, verlangen aber ein gezieltes Timing. Kurz bevor euch die Faust eures Gegenübers trifft, sorgt ein kurzer Druck dafür, dass euer Wrestler den Schlag abblockt. Drückt ihr zu früh oder zu spät, trifft euch die Hand mitten ins Gesicht. Dieses System ist gerade zu Beginn noch recht gewöhnungsbedürftig, wird euch aber nach einigen Partien in Fleisch und Blut übergehen. Wir empfehlen euch aber, auf die Aktionen eurer Gegner und nicht unbedingt auf die eingeblendete Konteranzeige zu achten. So könnt ihr eure Abwehr noch genauer timen.
Die größte Neuerung in WWE ’12 stellt die zum Einsatz kommende Predator Technologie dar. Diese sorgt dafür, dass sämtliche Animationen fließend ineinander übergehen und nicht mehr so abgehackt aneinandergereiht werden, wie noch in Smackdown vs. Raw 2011. Tritte werden flüssig in Submission Moves gekontert, eure Athleten heben ihre Gegner vom Boden auf und setzen ohne sichtbaren Übergang bereits den nächsten Backbreaker an und eure Finisher lassen sich praktisch aus jeder Situation heraus ausführen. So war es beispielsweise in einem Match von Randy Orton gegen den Undertaker der Fall, dass der Dead Man uns bereits zum Chokeslam in die Luft gehoben hatte. Wir verpassten dem Undertaker einen Tritt in den Magen und konnten, als er uns herunterließ, direkt den R.K.O. nachsetzen. Keine Sprünge in den Animationen, keine hakeligen Bewegungen. Eure Matches bekommen durch die neue Predator Technologie eine Dynamik, wie sie selten zuvor in einem WWE-Spiel zu sehen war. Alle Wrestler sind zudem schneller wieder auf den Beinen, was dem gesamten Spielgeschehen einen zusätzlichen Geschwindigkeitsschub verleiht. Erst nach harten Treffern oder längerer Matchdauer bleiben die Akteure auch mal einige Sekunden auf der Ringmatte. Doch jede neue Technik hat auch ihre anfänglichen Macken. So greifen die Akteure gerne auch einmal aneinander vorbei, springen ins Leere oder werden kurz einige Zentimeter nach rechts oder links gebeamt, um die Animation fortführen zu können. Bis zum Erscheinen von WWE ’13, denn einen Nachfolger wird es sicherlich geben, sollten diese Schwierigkeiten jedoch behoben sein.
Ihr könnt den Schweiß förmlich riechen
Nein, Geruchsfernsehen ist kein neues Feature in WWE ’12. Die grafische Präsentation des Titels vermag euch dafür die volle Ladung Wrestling-Atmosphäre zu vermitteln. Sämtliche Athleten haben noch detailliertere Modelle spendiert bekommen, als noch zu Smackdown vs. Raw Zeiten. Auch die neuen Hauttexturen können sich sehen lassen. Jede Pore, jedes Barthaar und jedes noch so kleine Tattoo ist sichtbar. Naja, fast jedes, denn bei CM Punk müsst ihr auch dieses Jahr aus markenschutzrechtlichen Gründen auf einen Teil des Körperschmucks verzichten. Sämtliche Animationen wirken dank Motion Capturing realitätsnah und gehen flüssig ineinander über, was vor allem der bereits erwähnten Predator Technologie zuzuschreiben ist.
Die Arenen der WWE wirken spektakulär wie nie. Explosionen und Feuerwerk kündigen das Erscheinen eures Superstars an. In der Halle sorgen bunte Scheinwerfer, Sucher und Blitzlichter der Zuschauer für richtige Liveatmosphäre. Apropos Zuschauer: Die wenig detaillierten Modelle auf den Rängen wurden im neuesten Serienableger geschickter beleuchtet und ins Dunkel der Arena gehüllt, um den Eindruck und die Dynamik einer vollen Halle einzufangen, ohne dass ihr euch über die mitunter hässlichen Fans ärgern müsst. Das absolute Highlight in der diesjährigen Präsentation stellen die originalgetreuen Kameraeinstellungen dar. Die Entwickler von Yukes haben sich im Zuge der Produktion viele Shows der WWE angesehen und dabei eng mit den Verantwortlichen von World Wrestling Entertainment zusammengearbeitet. Als Ergebnis erlebt ihr eure Matches aus der Sicht der TV-Sendungen, mit allen Kameraeinstellungen, die auch bei den Fernsehshows verwendet werden. Während ihr eure Schläge und Moves auf den Gegner einprasseln lasst, wechselt die Perspektive stetig, um euch die actiongeladenste und ansprechendste Sicht auf das Geschehen bieten zu können. Schnell wird es euch so vorkommen, als ob ein kleines Regieteam in eurer Xbox 360 sitzt, welches euch das Match mit immer neuer Dynamik zusammenschneidet.
Musikalisch ist WWE ’12 ebenfalls weit vorne mit dabei. Die teils rockigen und teils poppigen Einmarschhymnen der Superstars werden mit einem leichten Hall wiedergegeben, um euch das gewisse Arena-Flair zu vermitteln. Die Rufe des Schiedsrichters könnt ihr ebenso vernehmen, wie die krachenden Schläge der Wrestler oder die Aufschreie der Zuschauer. Zudem sorgen die beiden Kommentatoren Michael Cole und Jerry Lawler für reichlich Muskelkater im Zwerchfell. Gerade bei Lawler jagt ein Witz den nächsten und Sprüche wie „Sheamus once tried to enter an ugly contest and they said ‘Sorry, no Professionals‘“ sind keine Seltenheit.
Weltweites Wrestlingspektakel
Vor allem gegen menschliche Gegner macht WWE ’12 richtig Laune. Ob ihr nun eure Kumpels vor dem heimischen Fernseher oder über Xbox LIVE bearbeitet, macht hier keinen Unterschied. Jagd euch gegenseitig durch Tische, schmeißt euch von Leitern oder zieht euch Stühle über den Schädel, all die spaßigen Matches, die euch den Einzelspielermodus versüßen, sind auch mit mehreren Spielern meisterbar. Die Verbindung via Xbox LIVE verlief in unserem Test stets flüssig und ohne Slowdowns oder Verbindungsabbrüche. Der Clou ist wieder einmal der Royal Rumble, welchen ihr zusammen mit elf anderen Mitspielern rund um den Globus erleben dürft. Freunde von gebrauchten Spielen werden sich einmal mehr über den Season Pass ärgern, der dem Spiel beiliegt und von Gebrauchtkäufern für knapp 10 € zusätzlich erworben werden muss.
Was für ein Neustart! Normalerweise bedeutet ein neuer Name nicht gleich einen Schritt nach vorne. Mit WWE '12 ändert THQ jedoch nicht nur den Titel der Serie, sondern hat zudem zahlreiche grundlegende Verbesserungen im Schlepptau. Die Predator Technologie sorgt für dynamische und flüssige Kämpfe, während das umgestellte Kontersystem dafür sorgt, dass das Timing endlich wieder kampfentscheidend sein kann. Freunde von mitreißenden Rivalitäten dürfen sich über noch mehr Realismus im WWE Welt Modus freuen. Zudem sorgen die originalgetreuen Kameraeinstellungen dafür, dass eure Kämpfe kaum noch von einer TV-Übertragung zu unterscheiden sind. Die ohnehin schon bekannten Stärken, wie die Fülle an Spielmodi, Wrestlern und Arenen werden durch den Create-an-Arena-Modus komplettiert. Nun könnt ihr praktisch jedes Detail in WWE '12 mit den mächtigen Editoren nach euren Wünschen gestalten. Dem gegenüber stehen nur wenige Schwächen, wie die Y-Knopf-Events im Road to Wrestlemania Modus, die unschönen Zuschauer und die gelegentlich zu konterstarke KI gegenüber. Auch der Season Pass wird bei Gebrauchtkäufern nicht gerade für Freudensprünge sorgen. Dies alles kann die Tatsache jedoch nicht trüben, dass Yukes das bislang beste Wrestlingspiel auf einer Konsole an den Start geschickt hat.
"Größer, böser, besser! WWE ’12 ist ein Paradies für Wrestlingfans."