Forza Motorsport 2

Interview mit Forza Motorsports 2 Mitarbeiter online

Wir haben hier etwas, was zweifellos in irgendeiner Art und Weise jedem schon einmal passiert ist. Man liegt im Bett in einer heißen Sommernacht, und kurz bevor man in den Schlaf fällt, stellt sich auf einmal ganz klar die Frage auf: Wie konnten die …

Wir haben hier etwas, was zweifellos in irgendeiner Art und Weise jedem schon einmal passiert ist. Man liegt im Bett in einer heißen Sommernacht, und kurz bevor man in den Schlaf fällt, stellt sich auf einmal ganz klar die Frage auf: Wie konnten die Leute von Turn 10 Forza Motorsport so realistisch und wahr erscheinen lassen?

Bevor ich dem Entwicklerteam von Turn 10 beitrat, habe ich mir diese Frage in der Tat oft gestellt. Ich war so von der Frage besessen, dass ich entschied für das Team zu arbeiten um diese schier unlösbare Frage zu lösen.

Ihr wollt jetzt sicher wissen, was ich die letzten Monate meines Aufenthaltes hier im Studio herausgefunden habe? Ich entdeckte, dass Forza Motorsport sich überraschend realistisch anfühlt, da die Crew sich sehr mit Autos auskennt. Es geht schon bei unserem Gamedirector Dan Greenawalt, der eine Vorliebe für Audi oder VW hat los. Hier bei Turn 10 hagelt es Autoverrückte von ganz oben bis nach ganz unten. Gamedesigner, Künstler und Testspieler sind alle sehr gut mit der Sprache von Motorsport versiert. Tatsächlich sind hier viele Mitarbeiter so autovernarrt, dass sich ihre Liebe zum Real-Life Rennsport auch auf die Rennspiele auswirkt.

Ein Interview mit Roger Jackman, Turn 10 Forschungsspezialist
Ein solches Individuum hier bei Turn 10, der ein echter Racer in seinem virtuellen, sowie seinem realem Leben ist, ist Roger Jackman ein Forschungsspezialist, der versichert, dass sich das Spiel so lebensecht wie nur möglich anfühlt. Für einen Forschungsguru wie Roger bleibt kein Detail an den Vehikeln unüberprüft. So konnte ich auch ein Interview mit Roger über seine Rolle im Team oder seine Hobbies, wie beispielsweise dem Rallysport im echten Leben reden.

Ich: Hallo Roger, könntest du als Einführung für unsere Leser ein bisschen über deine Person erzählen? Wer bist du, wie kamst du zu Turn 10, an was arbeitest du am Spiel und so weiter.

Roger Jackman: Hey. Ich bin eigentlich ein ganz normaler Typ, der es liebt stets schnell zu fahren… Ich liebe Tage auf Rennstrecken, in Go-Karts, Motorräder oder was ich auch immer in meine Hände bekomme. Allerdings könnte ich es mir nie leisten, dass andere Leute die Arbeit für mich machen oder ich mir einen echten Sportwagen zu kaufen, daher muss ich mir alles stets selbst erarbeiten. Meine Leidenschaft begann damit, dass ich alle Caroll Smith Bücher las und so alles über Rennautos oder Rennautodesigns zu verschlingen. Das war vor der Zeit des Internets, somit musste ich mir mühsam die einzelnen Informationen, die ich brauchte heraussuchen und begann eine Sammlung oder Bücherei von Photokopien, alten und neuen Büchern, Bildern und Videos … nicht zu vergessen sind auch die Modelle, welche sich mit der Zeit anhäuften. Es endete darin, dass ich ein paar Autos zusammenbaute und meinen Kumpels mit ihren Autos half, besonders gerne natürlich, wenn sie auf einer Rennstrecke waren.
Ich arbeitete auch in vielen Automobilfirmen für eine lange Zeit und landete dann schließlich bei „H&R Special Springs“ im Jahr 2000, wo ich von allem etwas machte und am Ende Motorsports Manager wurde. Ich war in der Lage zu Rennen und Shows zu fahren und mit Leuten, die wir sponserten und Abnehmern zu arbeiten. Nachdem ich H&R verließ, wollte ich mehr in der Entwicklung von echten Rennautos involviert werden, daher bekam ich einen Job in einem Renn- und Rallyvorbereitungsshop, welcher zum Beispiel den Lancer Evos und andere Rennautos entwickeln halfen.

Ich: Und du verließt all dies nur für die Videospielindustrie?

Roger Jackman: Hah, ja. Mein erster Job bei Microsoft war das Testen von Vehikeln und Fahrerfunktionen bei Prohect Gotham Racing 3, wonach ich in die geheimen Kammern von den Arbeiten an Forza Motorsports 2 eingeführt wurde. Nachdem ich Erfahrungen im echten Motorsport hatte und einige Arbeiten machte, welche die Autos in Project Gotham Racing 3 als echt erscheinen ließen, wurde ich als Forschungsspezialist bei Turn 10 angestellt.

Ich: Okay, leite uns doch mal durch deinen Arbeitstag bei Turn 10. Was für Zeugs musst du täglich erledigen?

Roger Jackman: Das erste was ich mache, wenn ich hineinkomme ist es, den Computer zu starten und etwas Kaffee zu mir zu nehmen … hehe. Okay, wenn ich für das Spiel arbeite, suche ich nicht nur Länge, Breite und Höhe von Rennautos und Pferdestärkeren für das Spiel raus, sondern ich suche Bremsmaterialen, Gewichte von individuellen Teilen, Koeffizienz zwischen Auf- und Abtrieb und viele andere Dinge, für die der Computer genutzt wird um das Spiel realistischer zu machen. Außerdem arbeite ich mit ein paar anderen Gruppen von Turn 10 zusammen, wie beispielsweise dem Lizenzteam oder dem Kunstteam, denn manchmal finde ich Dinge, die für sie von belangen sind. Des weiteren ist es wichtig das Spiel so perfekt wie nur möglich zu machen, da die Unternehmen, die diese Autos im wahren Leben produzieren, das Spiel unter den schärfsten Kriterien beobachten. Somit musste ich die besten Informationen für unser Lizenzteam herausfinden, damit man diese Autos ins Spiel bringen konnte.

Ich: Sicher, du musst eine Menge über Autos wissen. Gab es irgendwelche Dinge, die dich bei deiner Suche für Forza Motorsports 2 überrascht hatten?

Roger Jackman: Ich weiß nicht, ob es etwas gab, was mich mehr überrascht hat, als die Daten von über 300 Autos zu sehen und die Möglichkeit zu haben, diese mittels Mausklick zu vergleichen. Dann hat es mich noch überrascht, als ich sah, wie sehr das Entwicklerteam damit beschäftigt ist, um dem Spieler die Möglichkeit zu bieten, sich stets um wenige Millisekunden pro Runde zu verbessern. Es gibt so viele brillante Leute, die mit der Arbeit im Motorsport beschäftigt sind, die das Rad schon so oft neuerfunden haben.

Ich: Wie funktioniert die Suche, die du betreibst? Wie werden diese Informationen ins Gameplay übersetzt?

Roger Jackman: Die Grundidee ist, dass die Grunddimensionen und Details der Autos eine große Rolle spielen, wie sie sich später fahren werden. Andere Bereiche, welche wir fokussiert haben, machen das Spiel noch interessanter, wie beispielsweise die Reifeneigenschaften und die genau Beobachtung wie sich Aerodynamische Änderungen auf das Fahreigenschaften in Kurvenfahrten auswirken oder wenn man an der Spitze einer Fahrzeugkette fährt. Wir haben auch die Modifikationen sehr genau entwickelt. Wenn man in einem bestimmten Bereich eine Veränderung vornimmt, dann können andere Bereich davon beeinflusst werden. So können durch kleine Veränderungen große unerwartete Effekte auftreten.

Ich: Suchst du für Forza Motorsport 2 neue Autos aus dem Register oder überarbeitet ihr auch alte Autos aus dem ersten Teil?

Roger Jackman: Es gibt so viele Unterschiede zwischen den beiden Teilen, da die Xbox 360 eine komplett neue Plattform ist. So mussten jede Menge physikalische Dinge in der Engine überarbeitet werden, welches uns die Möglichkeit bot, das Spiel besser und mit mehr Details zu entwickeln, was es dann zudem auch noch realistischer macht. Natürlich übernahmen wir einige Daten aus der 1. Version, aber es gibt so viele neue Möglichkeiten und Informationen, welche wir jedem Auto integrieren konnten. Es gibt aber so viele neue Autos in der Forza Motorsports 2, welche  natürlich einen komplett neuen Datensatz benötigen. Das war ein riesiges Projekt.

Ich: Ich weiß, dass du auch ein Amateur Rennfahrer bist. Hast du daher deine guten Fahrzeugkenntnisse? Wie fühlt sich Forza im Vergleich zur Realität an, wenn man ein „echter“ Rennfahrer ist?

Roger Jackman: Es ist lustig, dass du das fragst, weil einst jemand zu mir sagte: „ Roger, du hast eine menge Wissen aus Büchern, aber wenn du mal dein eigenes Auto fahren wirst…“. Ich war von dieser Aussage wirklich beleidigt. Aber als ich damit anfing mein eigenes Auto für die Rennen vorzubereiten, war ich in der Lage mein Wissen anzuwenden und wirklich zu verstehen, was in einem Auto eigentlich vor sich geht. Bedenkt man, dass man in Forza die Wagen mit einem Controller und den Daumen steuert, so ist das Spiel ein wirklich guter Simulator. Es ist ein gutes Hilfsmittel um die Grundlagen zu lernen und um sich das richtige Timing für das Fahren einer Rennstrecke anzueignen. Ich denke das Fahren ist wie Musik: Das richtige Tempo zu finden, ist der größte Spaß!

Ich: Welches Auto bevorzugst du, wenn du ein Rennen fährst? Erzähl uns doch ein bisschen über deine Zeit als Rennfahrer.

Roger Jackman: Ich wuchs in einer Straße auf, in der es viele Leute gab, die alte Alfa Romeos und Minis sammelten. So war ich also immer in der Szene. Ich war oft auf der „Seattle International“ Rennstrecke (heute: Pazifik Raceways), aber ich war erst richtig begeistert, als ich die erste Rallye Mitte der 80-iger beobachten konnte. Meine Helden waren John Buffum und Rod Millen und ich wusste, dass Rallyes etwas für mich waren. Das endete damit, dass ich mir 1977 einen Dodge Colt mit einem 2,6 Liter Motor und Heckantrieb zulegte. Damit nahm ich einige Jahre an Rennen im Nordwesten teil.

Ich: Gibt es irgendwelche verrückten Geschichten aus deiner Rallye Zeit?

Roger Jackman: Es ist sehr schwer zu sagen welches Event sich hervorhebt, weil es bei jedem Rennen viele Herausforderungen gibt. Ich denke es war meine erste Rallye. Es war die so genannte „Wild West Rally“ und alles was schief gehen konnte, ging schief. Die erste Hälfte des Events fand bei Nacht statt und ich hatte ernsthafte elektrische Probleme, was damit endete, dass ich so schnell fuhr wie ich konnte – wortwörtlich! Die Unannehmlichkeiten setzten sich bis zur letzten Etappe des Events fort. Denn dort machte meine Frontfederung schlapp, gerade als ich einen Abschnitt erreichte, in der sie richtig beansprucht wurde. Ich flog mit über 60 über die Straße als mein Reifen sich querstellte.
Ich hatte höllische Angst. Ich frage mich immer wieder, was wohl passiert wäre, wenn ich über eine Klippe geflogen wäre. Zwar hatte ich das Rennen nicht beendet, trotzdem fühlte ich mich, als hätte ich etwas Großes vollbracht.

Ich: Wow. Welches Auto würdest du fahren, wenn du jetzt an einem Rennen teilnehmen könntest?

Roger Jackman: Halt den Mund…Willst du mich veräppeln?! Mich zu fragen, welches Auto ich bei einem Rennen nehmen würde, ist wie mich nach meinen Lieblingssong oder mein Lieblingsmodell bei Victoria Secret zu Fragen…geh raus!

Ich: Alles Klar. Ich lass dich jetzt wieder Arbeiten. Danke für die spannende Story.

Quelle: forzamotorsport.net

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