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Clive Barker, einer der bekanntesten Horrorschöpfer unserer Zeit, ist ein wahres Multitalent. Er betätigt sich als Autor, Regisseur und Zeichner zugleich und schuf so beispielsweise seine unvergessene Figur „Hellraiser“. 2001 wagte sich Barker erstmals auch an ein Computerspiel heran und erreichte mit „Undying“ einen Achtungserfolg bei den Kritikern, ohne jedoch mit guten Verkaufszahlen zu glänzen. Diesmal scheint sich der Spieß jedoch umzudrehen, während die Absatzzahlen weltweit recht ordentlich sind, verliert die Presse nur selten gute Worte über sein zweites Projekt „Clive Barkers Jericho“. Ob „Clive Barkers Jericho“ wirklich so schlecht ist, wie sein Ruf, erfahrt ihr in unserem Review. |
Story
3 Uhr morgens, das laute Klingeln eures Telefons reißt euch aus eurem wohlverdienten Schlaf, die Welt braucht erneut die Hilfe von euch und eurem Einsatzteam „Jericho“. Ihr Schlüpft in die Rolle von Ross und seid der Anführer von „Jericho“, euer Team ist für verdeckte, okkulte Kriegsführung zuständig und so geheim, dass nicht einmal die Regierung von euch weiß. Der zigfache Mörder und Anführer einen okkulten Gruppe Arnold Leach hat in der Wüstenstadt al-Khali einen Spalt in die so genannte „Box“ geöffnet. Die Box ist eine alternative Welt, in der vergangene Ereignisse wie der 2. Weltkrieg oder die Kreuzzüge erneut nachempfunden werden können. Allerdings nicht wie damals auf der Erde, sondern in einer höllenähnlichen Umgebung. Euer Ziel ist es, Leach zu stoppen und seinen Machenschaften ein Ende zu bereiten. Im Laufe des Spiels wagt die Handlung sich in noch obskurere und abstraktere Gefilde vor, insgesamt wirkt sie einfach zu wirr, kann euch jedoch immerhin bei Laune halten.
Als ihr Leach entdeckt, ist es bereits zu spät, er hat sich in ein Monster verwandelt, tötet euch und flüchtet anschließend in die Box. Zu allem Überfluss hat er auch euer Team mit in die Tiefen der Box genommen und zu eurer Überraschung auch euch selbst, denn nur eure menschliche Hülle ist gestorben, euer Geist lebt in der Box weiter. Zudem besitzt ihr nun die Kraft, in jedes eurer Teammitglieder zu schlüpfen und die Kontrolle über deren Fähigkeiten zu übernehmen. Darum wird es Zeit, euer Team mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. |
Gemeinsam sind wir stark!
„Jericho“ besteht neben euch aus sechs weiteren Mitgliedern, die allesamt sowohl in Waffenkunst, als auch in obskurer Kunst ausgebildet sind. Über das Steuerkreuz könnt ihr eurem Team einfache Befehle wie „Angreifen“ oder „Stellung halten“ geben. Zusätzlich könnt ihr ein Teammitglied wählen, durch dessen Augen ihr seht und durch dessen Hände ihr handelt. Ihr seid stets in der Lage durch Gedrückthalten des A- Knopfes zwischen den momentan an der Handlung beteiligten Mitgliedern zu wechseln, dies können manchmal alle sechs sein, manchmal aber auch nur drei.
Euer Team ist auf die zwei Einsatztrupps „Alpha“ und „Omega“ verteilt. Einsatztrupp „Alpha“ besteht aus Black, Church und Rawling. Und Einsatztrupp „Omega“ aus Jones, Delgado und Cole.
Black ist auf Fernkampf spezialisiert, sie besitzt ein Scharfschützengewehr, das als Sekundärfunktion auch über einen Granatenwerfer verfügt, weiterhin kann sie durch Telekinese Trümmerhaufen oder lockere Wände bei Seite schieben. Mit ihrem Präzisionsschuss ist es ihr möglich einen steuerbaren Schuss aus ihrem Scharfschützengewehr zu feuern, der gleich mehrere Gegner durchdringen kann.
Church ist eine Nahkampfspezialistin, mit ihrem Schwert richtet sie immensen Schaden bei ihren Feinden an, jedoch ist sie durch ihre zierliche Figur zugleich auch leicht verwundbar. Möchte sie doch einmal auf Distanz kämpfen, so kann sie dies mit ihrer Pistole tun oder einen ihrer okkulten Zauber benutzen.
Rawling ist die gute Seele des Teams, er ist Priester und verfügt über heilende Kräfte. Er hält sich meist im Hintergrund auf, kommt er dennoch in Gefahr, weiß er sich mit seinen zwei Pistolen zu helfen. Leider ist Rawling mit Abstand der nutzloseste Charakter, er richtet kaum Schaden an und seine heilenden Kräfte werden nicht unbedingt benötigt, da jeder Charakter jeden wiederbeleben kann, aber dazu später mehr.
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Jones ist ein Meister der Telekinese, er kann selbst auf große Entfernungen noch Gegner übernehmen und sie für eigene Zwecke nutzen. Sein Maschinengewehr mit eingebauter Shotgun schützt ihn vor Gefahren. Jones ist eher ein besonnener und umgänglicher Typ, er macht seine Arbeit ohne den Helden spielen zu wollen.
Im krassen Gegenteil dazu steht Delgado, er ist ein echter Draufgänger, reißt coole Sprüche und wirft sich mit seiner Minigun vor jeden Gegner. Sollte ihm seine Minigun mal eine zu lange Vorlaufzeit haben, greift er blitzschnell zur Pistole oder nutzt seine mächtigen Feuerzauber.
Cole hat die besondere Gabe die Zeit beeinflussen zu können, in schweren Situationen verlangsamt sie die Zeit und heizt den Gegnern mit ihrem Sturmgewehr ordentlich ein. Verkriecht sich ein Monster hinter einer Deckung, ist sie in der Lage es mit ihren Granaten in die Arme der Anderen zu treiben.
Die Art und Weise, wie das Teamplay in „Clive Barkers Jericho“ umgesetzt wurde ist durchaus frisch, innovativ und komplex. Leider ist das Ganze fast schon zu komplex, da die etwas träge Steuerung dadurch zusätzlich noch in manchen Situationen überladen wirkt. Deshalb wird es euch gerade am Anfang schwer fallen, schnell genug den richtigen Charakter auszuwählen, um die anstürmenden Gegnerscharen in den Griff zu bekommen. Mit der Zeit werden sich aber die meisten von euch daran gewöhnen und lernen damit umzugehen. Die künstliche Intelligenz eurer Mitstreiter schwankt etwas, ist aber weitestgehend gut und kann euch in der ein- oder anderen Situation die Haut retten. Sollte eines eurer Teammitglieder sterben, geht es in die Knie und kann wiederbelebt werden, aber nicht nur von Rawling, sondern von jedem beliebigen Mitglied, dies macht den Priester relativ nutzlos, die Entwickler wollten wohl damit den immensen Schwierigkeitsgrad im Nachhinein etwas entschärfen. Stirbt der Charakter, den ihr gerade steuert, habt ihr kurz die Möglichkeit selbstständig zu wechseln, ansonsten wechselt ihr automatisch in ein anderes Mitglied, Game Over seid ihr erst, wenn alle Mitglieder auf dem Boden Knien. Löblich ist, dass sich die Entwickler bemüht haben, einige Rätsel mit in das Spiel zu integrieren, deren Lösung charakterspezifische Eigenschaften erfordern. Besonders viel Grips wird dabei nicht von euch gefordert, aber es ist immerhin eine ganz nette Abwechslung und Auflockerung des actionorientierten Gameplays. |
Schaurige Gegner + monotones Leveldesign = gruselig ???
Die eben genannte Auflockerung hat das Gameplay auch dringend nötig, denn euch wird nur selten eine Verschnaufpause gegönnt. Immer wieder strömen massenweise Gegner auf euch zu, die durch ihre beachtliche künstliche Intelligenz nicht zu unterschätzen sind. Zudem sind die meisten sehr widerstandsfähig und halten extrem viel aus. Hervorragende Arbeit wurde beim Gegnerdesign gemacht, hier erkennt man ganz klar Clive Barkers Handschrift. Schaurigere und kreativere Gegner bekommt ihr in kaum einem andern Spiel geboten, einen kleinen Vorgeschmack bekommt ihr in unseren Screenshots. Erfreulich dabei ist, dass man nicht nur auf Äußerlichkeiten achtete, sondern auch auf spielerisch abwechslungsreiche Gegner, die man idealerweise auch nur mit bestimmten Charakteren angreifen sollte. So gibt es beispielsweise einen Gegner, der ganz langsam auf euch zu läuft, um ihn zu töten müsst ihr mehrere Punkte seines Körpers treffen, habt ihr alle getroffen verabschiedet er sich in einer großen Explosion, also sollte man ihm möglichst nicht zu Nahe kommen. Andere wiederum fliegen, laufen schnell, sind Fernkämpfer oder setzen euch ordentlich mit ihren Fäusten zu.
Einzig negativer Punkt ist, dass es ein paar mehr Gegnerarten hätten sein können und man sich somit früher oder später auf jeden Gegner eingestellt hat. Dadurch kommt doch recht schnell eine gewisse Monotonie auf, was auch sehr stark am Leveldesign liegt. Ihr bewegt euch oft durch enge Höhlen, die kaum Bewegungsfreiheit geben und wenn ihr in Außenarealen kämpft, wurden die Levelgrenzen so eng gesetzt, dass diese sich wie Höhlen spielen. Der Spielablauf dabei ist über weite Strecken des Spiels sehr ähnlich, ihr erreicht einen bestimmten Punkt, viele Gegner spawnen und respawnen, wenn alle tot sind, könnt ihr euch wieder ein Stückchen bewegen bis sich das Ganze wiederholt. Dadurch geht leider sämtliche Gruselstimmung verloren, da selten etwas Unerwartetes passiert und Schockmomente fast komplett ausbleiben. Hinzu kommen die fast schon unverschämt langen Ladezeiten zwischen einzelnen Levelabschnitten, diese werden zwar immerhin mit interessanten Texteinblendungen etwas versüßt, aber an der verlorenen Stimmung ändert dies auch nichts.
Horrorfans sollten sich also bewusst machen, dass es sich bei „Clive Barkers Jericho“ nicht unbedingt um einen Horrorschocker handelt. Das Wort „Horrorspiel“ verdient es sich lediglich durch die Welt, in der es spielt, und deren Bewohner. Actionfans hingegen, die auf gnadenlose Balleraction stehen werden hier vollends bedient. |
Schwere Kost
An dieser Stelle möchten wir Anfänger unter euch ausdrücklich vor „Clive Barkers Jericho“ warnen, denn selbst auf der niedrigsten Schwierigkeitsstufe ist das Spiel ein ziemlich harter Brocken. Oftmals werdet ihr von der gegnerischen Übermacht in die Enge getrieben und wisst nicht so recht, was ihr machen sollt. Die überladene Steuerung tut dann in hektischen Situationen noch ihr Übriges, sodass ihr an vielen Stellen mehrere Anläufe und die richtige Taktik zum Überleben braucht. Das wäre alles nur halb so schlimm, wenn man wenigstens frei speichern könnte, aber dies ist leider nicht möglich. Stattdessen wird mit festen Speicherpunkten gearbeitet, die zwar oft einigermaßen fair gesetzt sind, aber in manchen Situation zu weit voneinander entfernt sind, und genau diese Stellen treiben den Frustfaktor extrem in die Höhe. Selbst die Quick-Time-Events sind so schwer, dass sie kaum beim ersten Versuch geschafft werden können und auswendig gelernt werden müssen, glücklicherweise wurde direkt vor jedes Event ein Speicherpunkt gesetzt, denn alles Andere hätte den Frust in ungeahnte Höhen schießen lassen. Profis dürfen sich auf eine echte Herausforderung freuen, alle Andern sollten sich genau überlegen, wie dick ihr Nervenkostüm ist, bevor sie sich das Spiel anschaffen.
„Clive Barkers Jericho“ bietet nicht nur im Bezug auf den Schwierigkeitsgrad schwere Kost, sondern auch in der Gewaltdarstellung. Die sowieso schon sehr morbiden Gegner verlieren ordentlich Blut beim Sterben, allerdings ohne dass das Ganze übertrieben wirkt. Dennoch ist das Spiel in Deutschland nie für die Xbox 360 erschienen, daher müssen Interessenten zur Importversion greifen. Auf welche Version ihr zurückgreift ist hierbei egal, da das Spiel weltweit codefree ist. |
Schwankende Technik
Die Grafik in „Clive Barkers Jericho“ ist eine sehr zwiespältige Sache. Das Spiel weiß vor allem in Punkto Charakteranimation zu überzeugen, sowohl die eigenen Charaktere, als auch die Gegner sehen sehr gut aus und weisen einen hohen Detailgrad auf. Auch die Waffen sind wunderbar animiert worden, ebenso wie einige Lichteffekte und die hervorragenden Zwischensequenzen. Dagegen ist die Umgebungsgrafik abgesehen von einige Lichtblicken eher mittelprächtig bis schwach, man könnte stellenweise fast meinen, dass Charaktere und Umgebung aus verschiedenen Spielen stammen. Die Soundeffekte sind gut, gehen aber nicht über den Standard hinaus. Ebenso sieht es mit der deutschen Synchronisation aus, die Sprecher machen einen guten Job, es gab aber schon Besseres. Wirklich überzeugend ist jedoch der Soundtrack, er verbreitet eine gute Gruselstimmung und kann mit einigen hervorragenden Stücken glänzen. Bei besserem Leveldesign hätte er euch oft einen Schauer über den Rücken gejagt, so ist er alleine fast gruseliger, als im Spiel. |
Fazit:
Wer sich auf einen packenden Horrorschocker gefreut hat, wird bitter enttäuscht werden, da fast nie wirkliche Spannung aufkommt. Leute mit schwachen Nerven sollten aber dennoch die Finger von „Clive Barkers Jericho“ lassen, nicht wegen des Horrors, sondern wegen dem sehr hohen Schwierigkeitsgrad. Solltet ihr hingegen Freunde von geballter Action sein und keine Angst vor einer großen Herausforderung und monotonem Leveldesign haben, könnt ihr mit diesem Spiel durchaus Freude haben.
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Pro
- Geballte Action
- Gutes Gegnerdesign
- Klasse Zwischensequenzen
- Hervorragender Soundtrack
- Tolle Charakteranimation
- 7 spielbare Charaktere
- Clevere Waffenauswahl
- Sympathische Helden
- Interessante Story...
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Kontra
- ... die aber mit der Zeit zu wirr wird
- Monotones Leveldesign
- Lange Ladezeiten
- Kaum Gruselstimmung
- Überladene Steuerung
- Kein Multiplayer oder Xbox Live
- Quick-Time-Events
- Zu schwer, dadurch hoher Frustfaktor
- Maue Umgebungsgrafik
- Checkpoints könnten geschickter liegen
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