Der Vietnamkrieg, ist einer der wohl schlimmsten Kriege in der Geschichte der Menschheit und der USA. Als sich der Norden und der Süden von Vietnam in einem schrecklichen Bürgerkrieg befanden, begannen die Amerikaner 1965 mit der Bombardierung des umkämpften Gebiets. Im März landeten die ersten Truppen in Vietnam und kämpften an Land weiter. Russland und China versorgten stattdessen Vietnam mit Waffen und verstärkten somit die Truppen die gegen die USA kämpften. Durch den Krieg wurde die Search & Destroy Kriegsführung entwickelt, die Dauerfeuerfunktion an M16 Gewehren in 3 Schuss umgerüstet und laut wikipedia.de pro getöteten Feind circa 50.000 Schuss abgefeuert. 1975 zogen sich die Amerikaner aus dem Gebiet wieder zurück. Bis zu diesem Zeitpunkt erforderte der Krieg über 3 Millionen Todesopfer, davon waren 2 Millionen Menschen Zivilisten. Weitere 4 Millionen Menschen wurden im Krieg verletzt. Bis heute sind über 1 Million Menschen von den Folgen des Krieges von Missbildungen und Krebs betroffen.
Trotz dieser schrecklichen Ereignisse sind Kriegsspiele mindestens genauso beliebt wie Filme über den Krieg und auch Shellshock 2: Blood Trails für Xbox 360 macht sich das grauenvolle Szenario des Krieges zu eigen. Eidos verspricht ein schockierendes Kriegserlebnis und ein Frontalangriff auf eure Psyche. Ob das Spiel unserem Test stand halten kann oder unsere Psyche nach dem Endscreen erst mal seelischen Beistand benötigt, erfahrt ihr jetzt! |
Whiteknight, Ursprung allen Übels Auf dem Weg nach Vietnam verschwindet ein amerikanisches Flugzeug samt seiner streng geheimen Ladung mit dem Codenamen Whiteknight über dem kambodschanischen Dschungel spurlos. Kurz darauf fehlt auch von einem eilig entsandten Bergungsteam der Special Ops jede Spur. Einen Monat später taucht ein Soldat aus dem Team wieder in der Zivilisation auf, aber sein Verhalten erscheint irrational, vom Wahnsinn besessen. Das Spiel beginnt im Herbst 1969. Ihr sitzt mit ein paar anderen Rekruten in einem Flieger nach Vietnam. Der Krieg gilt bereits als verloren, eine Menge Soldaten sind gefallen und jetzt müsst ihr ran. Irgendein Sergeant meint, dass ihr besonders wichtig für die bevorstehende Mission seid und schickt euch für einen Spezialeinsatz zur Grenze von Kambodscha. Aber Hölle bleibt Hölle! Grenze hin oder her. Ihr werdet in den Keller einer Bar gelotst. Überall quälende Schreie des Vietcong, US-Soldaten die andere verhören und Experimente an ihnen ausüben. Immer wieder hört ihr das Codewort Whiteknight, bevor ein weiterer Gefangener hingerichtet wird.
Der einzige Soldat der Whiteknight überlebt hat wurde blutüberströmt an ein Bett gefesselt. Nach einem genaueren Blick wird euch klar, dass diese blutüberströmte Person euer Bruder ist. Doch was ist dieses Whiteknight überhaupt? Ist es eine Waffe, die den Krieg beenden könnte? Oder eine Epidemie? Eine Person? Irgendein verdammter Scheiß ist passiert! Nur Cal, euer Bruder kennt die Antworten, doch bevor anfangen könnt Fragen zu stellen ist Cal spurlos verschwunden. Ihr macht euch auf euren Bruder zu finden und das Geheimnis hinter Whiteknight zu lüften. Doch auch der Seargeant Griffin und Trang, der vernabte vietnamesische Anführer sind hinter Cal und Whiteknight her. Ein Wettlauf gegen die Zeit und ein Kampf gegen das Schrecken des Krieges beginnen. |
KÄMPFEN SOLDAT! In der ersten spielbaren Sequenz müsst ihr aus der Bar fliehen und euch gleichzeitig mit der Steuerung vertraut machen. Hier gibt es keine Überraschungen. Die Analog-Sticks sind zum Navigieren, LB zum Sprinten, Y hebt Waffen auf oder lässt euch über Hindernisse klettern, RB Granaten werfen, LT heran zoomen und RT schießen. Klingt simpel und ist es auch. Lediglich die Zielvorrichtung wurde nicht optimal durchdacht, da ein zoomen eure Waffe so nah an den Bildschirm heranholt, dass ihr den Rest auf dem Bildschirm kaum noch erkennen könnt. Trotzdem, jeder der von euch schon den ein oder anderen Shooter gespielt hat, wird sofort mit der leichten Steuerung zu Recht kommen. Habt ihr den Ausgang aus der blutverschmierten Bar gefunden und etliche Leichen in ihren Zimmern hinter euch gelassen, befindet ihr euch mitten in der Nacht auf der Straße wieder. Es ist verdammt dunkel und ihr könnt eure Gegner nur erahnen. Dann ein Kämpfer des Vietcong schreit wie wild und rennt auf euch los, ihr zuckt zusammen und verpasst ihm zwei Kugeln in seinen Körper. Ihr schleicht weiter durch die Häuserschluchten und trefft auf einige US-Truppen, die euch den weiteren Weg zeigen. Hier setzt das Spiel bereits gekonnt auf einige Schockmomente. Ihr könnt fast nichts sehen und entdeckt eure Gegner meist nur an ihren Schritten oder am Mündungsfeuer ihrer Waffen. Haben die feindlichen Soldaten euch entdeckt, beginnt meistens das Chaos mit lautem Geschrei, Schüssen aus allen Richtungen und mindestens einem Soldaten der immer auf direktem Wege auf euch zu läuft.
|
Dschungel und Kreaturen Nach euren ersten Metern werdet ihr von Griffin in ein unter Quarantäne stehendes Gebiet kutschiert. Dort soll es weitere Hinweise über euren Bruder geben. Ihr schlagt euch durch den dichten Dschungel, tötet immer mehr Feinde, sichert einen Gegenangriff an einer Holzbrücke und kämpft euch zu einer verlassenen Kirche durch. In der Kirche befinden sich mehrere verwirrte amerikanische Soldaten und ihr hört wie immer mehr Vietnamesen die Kirche umzingeln. Plötzlich eine Explosion und die feindlichen Armeetruppen greifen an. Eure Kameraden schießen aus allen Rohren und ihr beobachtet wie sie die letzte Kugel nicht abfeuern, sondern im schlimmsten Fall gegen sich selbst richten. Doch bevor es soweit kommt, ein lautes Gebrüll, aber was ist das? Tiger oder Löwen gibt es in diesem umkämpften Gebiet schon lange nicht mehr, es muss eine andere Kreatur sein. Ihr erledigt einige Feinde und seht wie die Truppen abgeschlachtet werden. Draußen muss etwas Schlimmes vor sich gehen, etwas... Unvorstellbares. Geschrei und blutverschmierte Holzböden, wieder hat dieses Etwas einen erwischt. Ihr schleicht euch mit einem Kameraden weiter durch die Kirche. Dann bricht der Boden ein und der Soldat wird ebenfalls von der Kreatur heimgesucht und verschlungen. |
Psychologischer Schrecken Eure erste Begegnung mit diesem Etwas hat mindestens 100 Soldaten das Leben gekostet. Wenige Meter weiter habt ihr eine Vision. Ihr habt etwas gesehen, etwas was er gesehen hat. Ihr habt durch die Augen eures Bruders etwas Schreckliches gesehen. Euch war bewusst, dass dieser Ort euch verändern kann, manche treibt er sogar in den Wahnsinn und in den Selbstmord. Aber warum habt ihr diese Vision gehabt? Wie kam es dazu und wird es euch helfen weiter zu überleben? Dies erfahrt ihr nur, wenn ihr all euren Mut zusammen nehmt und weiter marschiert. Eure Stiefel durchstreifen den Matsch, die Sicht verschwimmt und der Dschungel scheint lebendig zu werden. Werdet ihr langsam verrückt oder ist Cal in der Nähe? Irgendwo in der Dunkelheit, irgendwo in dem verwinkelten Tunnelsystem, irgendwo unter euren Füßen musste er sein. Ihr springt einen Schacht hinunter und schleicht euch langsam durch die engen Rattenlöcher. Über euch erschüttern Granaten und Mörser die Erde und lassen immer mehr Dreck und Asche den Schacht hinunter bröckeln. Plötzlich wieder ein lautes Geschrei und ihr seht nur noch wie ein US-Soldat davon läuft. Ihr hört euer eigenes Herz schlagen, atmet immer schneller und Rauch versperrt euch die Sicht. Ihr durchforstet den gesamten Tunnel und entdeckt einen geheimen Ausgang. An der Erdoberfläche angekommen entgegnet euch ein Bild des Grauens.
Überall Soldaten die von heimtückischen Fallen aufgeschlitzt wurden. Soldaten aufgespießt von spitzen Bambusstämmen, hingerichtet durch Kopfschüsse... Ihr bewegt euch einige Meter vorsichtig weiter und tretet auf einen kleinen Ast. Dieser entfesselt eine weitere Falle. Ein Baumstamm voller Zacken rast auf euch zu, aber in letzte Sekunde schafft ihr es beiseite zu springen. Jetzt seid ihr noch vorsichtiger, doch immer lauter werdende Schüsse treiben euch schneller voran. Ihr achtet mehr und mehr auf Fallen am Boden, die weitere schreckliche Tötungsapparate auslösen könnten. |
Grauenvoll gelungenes Spielerlebnis Ihr entdeckt einen kleinen Pfad, der sicher zu sein scheint. Ihr folgt diesem Fußweg, schleicht weiter durch den dunklen Dschungel und zögert nicht lange auf raschelnde Büsche zu schießen. Meist erledigt ihr aber nur ein Wildschwein oder scheut Vögel in den Bäumen auf. Wenige Schritte weiter erreicht ihr einen Friedhof der GI's mit einem Hauptstützpunkt der amerikanischen Armee. Hier werdet ihr erneut von den gegnerischen Soldaten angegriffen. Ihr befindet euch in einem Bunker und von oben stürzen immer mehr Feinde auf euch herein. Sie ballern alles was ihre Gewehre hergeben, werfen Granaten und schießen sogar mit Panzerfäusten auf euch. Immer mehr Soldaten sterben und verrecken in ihrem eigenen Blut. Einigen wurde durch eine Kugel das Gesicht zerfetzt, anderen fehlt ein Bein oder ein Arm. Die letzten Atemzüge verbringen viele eurer Kameraden mit heraus klappenden Organen und verbluten unter dem tosenden Geschrei der feindlichen Truppen. Nach dem ihr euch weiter durchgekämpft habt, gelangt ihr zu einem weiteren Tunnelsystem. Ihr schreitet sehr langsam voran, denn aus der Ferne schallen euch schmerzerfüllte Schreie entgegen und wie aus dem Nichts steht plötzlich ein toter vietnamesischer Soldat wieder vor euch. Mit einigen Kugeln durchlöchert ihr diese Kreatur und müsst mit ansehen, wie ein weiterer Soldat in euren Reihen mit zwei Macheten an einen Holzpfeiler geschlachtet wurde. Kaum habt ihr diesen Schock verkraftet, gelangt ihr an einen von Blut getränkten Fluss. Hier springen euch immer mehr dieser infizierten Untoten-Soldaten entgegen und zersplatten ihre Köpfe an euren Kugeln.
Auf einem Boot der US-Truppen habt ihr ein wenig Zeit zu verschnaufen und nachzudenken. Es gibt also noch mehr Infizierte, die in dieser Hölle lauern. Cal muss hier gewesen sein, er verbreitet dieses Whiteknight Virus wie einen Flächenbrand. Ein Typ namens Crazy L bringt euch weiter flussaufwärts zu einem Versteck der Special Ops. Wie es hier weitergeht müsst ihr schon selbst herausfinden. |
Schockierendes Gameplay Das Gameplay von Shellshock 2: Blood Trails simuliert die Wahrnehmungsveränderungen, die durch Angst, Drogen und kampfbedingte Schockzustände entstehen. Ihr erlebt in euren Missionen dieses Chaos, den Schrecken und die Orientierungslosigkeit des Vietnamkriegs. Durch die rohe Kriegsbrutalität wird eine enorme Spannung aufgebaut. Die Geräuschkulisse reicht fast schon aus, um euer Adrenalin gehörig steigen zu lassen. Die vielen Fallen, Tretminen und Schockmomente lassen euch oftmals auf der Couch zusammen zucken und manche Effekte haben nicht mal Dead Space oder Doom III erreicht. Hinzu kommt der äußerst begrenzte Munitionsvorrat, jeder Schuss zählt, jede Patrone ist Gold wert und es zählt nur das Überleben dieser stinkenden Hölle. Ihr geratet oft an Stellen an denen ihr eure Angst erst mal verdrängen müsst und euch fast schon zwingen müsst weiterzugehen. Das Wissen, dass hinter jeder Ecke Fallen oder ungeahnte Schrecken lauern könnten, die euer Leben sofort ein schreckliches Ende bereiten können, saugt jeden Millimeter des Spiels in euch auf. Besonders die Storyline, die sich nur langsam entfacht und die damit verbundene Spannung, die stetig ansteigt, hat es uns angetan. Das Spiel fühlt sich in den verschlammten und verdreckten Tunnelgebieten und furchteinflößenden Dschungelarealen sehr wohl.
Dies merkt ihr auch an der Präsentation von Shellshock 2: Blood Trails. Je mehr ihr in den Dschungel marschiert, desto heftiger wird das Grauen und fesselnder die Atmosphäre. Nebel ziert den Dschungel, Mondlicht wirft weite Schatten eurer Gegner voraus und einige Blätter am Boden entpuppen sich schnell als Falle oder Tarnung einer Tretmine. Ein kleiner Soundeffekt und sich bewegende Büsche reichen hinterher schon aus, um bei euch einen kleinen Schockmoment hervorzurufen. Definit nichts für Weicheier! |
Fazit Shellshock 2: Blood Trails ist ein schockierendes, fesselndes und spannendes Einzelspielererlebnis. Aufgrund der hohen Brutalität und der vielen Schockmomente ist das Spiel auf keinen Fall für nervenschwache Menschen geeignet. Ständig habt ihr die schrecklichen Schreie im Hinterkopf, die Sicht reicht meist nur wenige Meter und Kugeln zerfetzen Gesichter, lassen Köpfe platzen oder Arme abreißen. Überall ist das Grauen des Krieges zu sehen, zu hören, fast schon zu riechen. Je mehr ihr spielt, desto heftiger werden die Schockmomente für euch und liefern ein fast schon unerreichtes heftiges Erlebnis. Sicher ist die Grafik nicht auf dem höchsten Xbox 360 Niveau und die Einzelspielerkampagne ist nach knapp 8 bis 10 Stunden beendet. Davon habt ihr aber mindestens 6 Stunden ein atmosphärisches Kriegserlebnis das Seinesgleichen sucht. Nur wenige Spiele haben eine so heftige Atmosphäre und fesseln euch so dermaßen an den Controller. Hätten die Entwickler noch ein bisschen mehr Inhalt integriert und mehr mit der Polierwatte hantiert, hätte es hier Höchstnoten geben können. Zwar müsst ihr im Spiel einige Abstriche in Punkto Grafik, Umsetzung und Umfang machen, wen das aber nicht abschrecken kann, der sollte sich von diesem Spiel in seinen Bann ziehen lassen. Wir waren häufig total gefangen, schockiert und mussten uns wirklich vor Angst oft zwingen weiterzuspielen! Danke Eidos für dieses packende Spielerlebnis.
"Shellshock 2: Blood Trails ist ein grauenvoll geniales Einzelspielerelebnis"
|
Pro
- Schockierendes Spielerlebnis
- Echte Schockmomente
- Nette Dschungelgrafik
- Leichte Steuerung
- Unglaubliche Atmosphäre
- Geniale Soundkulisse
- Gelungener Spannungsbogen
|
Kontra
- Extrem brutal
- Grafik nicht auf höchstem Niveau
- Leider zu kurz ausgefallen
- Geringer Wiederspielwert
- Synchronisation nicht optimal
|