FIFA 20: König Fifa regiert ungebrochen die Konsolenwelt

König Fifa regiert ungebrochen die Konsolenwelt und bleibt einsame Spitze.

Tor, Tor, Tor: So wie Fußball mit vier Milliarden Fans als die mit großem Abstand beliebteste Sportart der Welt gilt, so hat sich die unerreichte Popularität der Kicker auch bei den Videogames bewiesen. Seit 1993 ist die Fifa-Reihe ein weltweiter Verkaufsschlager, der ungezählte Freizeitsporter vor die Konsole oder Gamer ins Stadion oder sogar aufs Spielfeld gelockt hat.  

Dabei hatten selbst die Entwickler, EA Canada, nicht mit einem derartigen Erfolg von „Fifa International Soccer“ gerechnet. Auf 300.000 verkaufte Exemplare der Fußballsimulation, in der verpixelte Männchen in simplen Spielzügen aufs gegnerische Tor schossen, hatten sie gehofft. Doch als sie nach gerade mal vier Wochen eine halbe Million Spiele abgesetzt hatten, war eindeutig, wie sehr die Fans auf ein Fußballspiel für die Konsole gewartet hatten. Entsprechend groß war das Interesse der Entwickler, das Spiel immer ausgefeilter und anspruchsvoller zu gestalten. Die erste Ausgabe in 3D-Optik kam bereits drei Jahre nach der Einführung des ersten Spiels auf den Markt. „Fifa 1998“ wurde auch von Fachzeitschriften für seine bahnbrechende Grafik gelobt. 

Weil das Spiel mit jeder neuen Variante realistischer wurde und mehr Detailtreue besaß, hat es längst außer seinem Kultstatus auch eine Lernfunktion, was die Feinheiten des Spiels angeht. Hinzu kommt, dass echte Spitzenvereine und einzelne Spieler dargestellt sind, deren Stärken und Schwächen sich studieren lassen. Das daraus gewonnene Wissen lässt sich zum Beispiel auch bei Fußballwetten bei Wiliam Hill einsetzen. 

Auch die Atmosphäre im Stadion wird simuliert, und wenn es nur Diskussionen mit dem Schiedsrichter nach einer gelben oder gar roten Karte sind. Jedes Jahr im September kommt die Neuauflage des Spiels auf den Markt, und alljährlich warten die Fans schon Monate im Voraus auf die jeweiligen Verbesserungen und Neuerungen von Fifa. 

Wo am Anfang fiktive Spieler aufs Feld geschickt wurden, die dem Schiedsrichter einfach davonlaufen konnten, wenn er eine Karte zückte, so sind mittlerweile die größten Stars unter den Kickern elektronisch nachgebildet. 

Allerdings machen immer ausgefeiltere und schnellere Spielzüge das Game auch komplizierter. Wer Superstar Ronaldo kunstvoll über den Rasen dribbeln und dann mit einem eleganten Fallrückzieher den Ball im Netz versenken will, muss dafür diverse Tasten gleichzeitig drücken. 

Doch was für so manchen Hobbykicker fast schon zu komplex ist, um die reine Spielfreude der älteren, simpleren Ausgaben zu erleben, hat Fifa zu einem echten E-Sport mit eigenen Ligen und einer Konsolenweltmeisterschaft werden lassen, die bislang auf Xbox und Playstation ausgetragen wird. 

Auch die Bundesligavereine haben das Potenzial längst erkannt. Die Deutsche Fußball-Liga gehört seit Jahren zu den Partnern von EA-Sports – kein Wunder bei Verkaufszahlen von 17 Millionen Exemplaren allein für „Fifa 17“ und 14,6 Millionen Spielen von „Fifa 18“.  

Weil das Spiel auch als E-Sport immer mehr Zuschauer in ausverkaufte Hallen zieht, um weltweit bei Turnieren zwischen Konsolenkickern zuzuschauen oder selbst beim virtuellen Match anzutreten, haben etliche Bundesligisten mittlerweile Gamer unter Vertrag. Den Anfang machten der VfL Wolfsburg sowie der FC Schalke 04, und auch RB Leipzig und der VfB Stuttgart haben e-Kicker verpflichtet.  

Hertha BSC hat als erster Traditionsverein in der Bundesrepublik sogar eine eigene E-Sport-Akademie gegründet, um Nachwuchs auszubilden, der auf der Konsole Pokale und Titel für den Club holt. Auch der FC Nürnberg, Bayer 04 Leverkusen, FSV Mainz 05 und der SV Werder Bremen leisten sich virtuelle Kicker. Auch in der echten 2. Bundesliga haben etliche Clubs e-Sportler unter Vertrag.  

Einer der erfolgreichsten Clubs in der virtuellen Bundesliga ist der amtierende Meister Werder Bremen, der derzeit auf Platz drei der e-Tabelle liegt. In der echten Bundesliga finden sich die Norddeutschen nach Abschluss der Herbstmeisterschaft auf einem Abstiegsplatz. 

Aber Bremen hat mit den Nationalspielern Mohammed „MoAuba“ Harkous und Michael „MegaBit“ Bittner auch zwei der erfolgreichsten virtuellen Fußballer unter Vertrag. Harkous holte bei dem Fifa eWorld Cup August 2019 in London als erster deutscher Spieler den Weltmeistertitel. Harkous setzte sich in dem konsolenübergreifenden Finale mit einem Endstand von 3:2 gegen den amtierenden Weltmeister Mosaad „Msdossary“ Aldossary aus Saudi-Arabien durch. Sein Teamkollege Bittner war enttäuschenderweise bereits im Achtelfinale an dem bis zum Endspiel ungeschlagenen Aldossary gescheitert. 

Jeweils 32 Spieler qualifizieren sich für den World Cup. Dabei spielen 16 auf der Xbox und 16 auf der Playstation 4. 

Dabei treten am Anfang Tausende Kicker aus der ganzen Welt an, um sich online in der Ultimate Team Champions Weekend League zu qualifizieren. Wer diese Hürde geschafft hat, muss bei Turnieren die gesamte Saison über zeigen, was in ihm steckt. Die besten 128 Spieler treten dann bei den Global Series Playoffs an, um sich einen Platz im Weltcup zu sichern. 

Im Gegensatz zu den Profis auf dem Rasen müssen sich die virtuellen Kicker Jahr für Jahr auf Änderungen einstellen, weil die jeweils neueste Auflage des Spiels zum Einsatz kommt. Allzu viel Zeit bleibt ihnen dafür nicht, weil die Weltmeisterschaft zwar erst rund elf Monate nach der Einführung der jüngsten Fifa-Version stattfindet, die Qualifizierungsturniere aber schon bald nach Saisonstart beginnen. 

Für „Fifa 20“ sind die Erwartungen schon jetzt hoch. Etliches ist bereits bekannt über das Spiel, das am 27. September 2020 an den Start geht. So sind dank neuer Lizenzen erstmals 90 Stadien weltweit originalgetreu nachgebildet, darunter auch 18 Stadien aus Deutschland. Während sich die Zocker als Trainer von Bundesligateams bei „Fifa 19“ noch überwiegend in Fantasiestadien finden, können in der kommenden Version die Kicker unter anderem im Kölner RheinEnergie-Stadion, in der Frankfurter Commerzbank-Arena oder im Bremer Weserstadion auflaufen. 

Eine Weiterentwicklung gibt es auch beim Trainer, der künftig auch eine Trainerin sein darf, mit frei wählbarem Aussehen und Kleidung – nicht unentscheidend, wenn der Gamer als Coach regelmäßig an der Seitenlinie eingeblendet wird oder von der Presse nach dem Training befragt wird. Neue Grätschen- und Schusssimulationen machen das Spiel noch realistischer.  

Wer sich bei all den Neuerungen nach dem guten alten „Fifa 98“ zurücksehnt, kann einen Hauch der Vergangenheit im neuen Straßenfußballmodus erleben. Darin können Spieler in vier verschiedenen Modi in Hinterhöfen oder in der Halle in Teams gegeneinander antreten. 

Obwohl Fifa inzwischen von etlichen anderen Simulationen Konkurrenz bekommen hat, wird mit der Neuausgabe wohl auch weiterhin EA Sports die Championrolle zukommen.

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