Christophe Gans möchte es noch einmal wissen. Der Regisseur, der mit Silent Hill eine der besseren, manche sagen sogar die beste Videospielverfilmung aller Zeiten erschuf, kehrt im wahrsten Sinne des Wortes nach Silent Hill zurück. Mit Return to Silent Hill verfilmt er dieses Mal den legendären Klassiker der Reihe, nämlich Silent Hill 2.
Nach dem ersten Trailer waren viele Fans jedoch skeptisch. Sowohl schauspielerisch als auch effekttechnisch sah das Gezeigte eher mau aus. Die Videospielvorlage bietet jedoch eine so großartige und zeitlose Story, dass man sich dachte: Wenn Gans und seine Co-Writer dieser folgen, kann eigentlich nichts schiefgehen, oder?
Die Story von Return to Silent Hill
In Return to Silent Hill erwartet euch die Geschichte von James Sunderland, der einen mysteriösen Brief von seiner Ex-Freundin Mary erhält. Sie lädt ihn nach Silent Hill ein, einem Ort, der ihnen beiden viel bedeutete. Hier folgt ihr James auf seiner verzweifelten Suche durch die nebelverhangene Stadt, während euch der Film in Flashback-Sequenzen seine Liebesbeziehung zu Mary näherbringt.
Was als emotionale Reise beginnt, entwickelt sich schnell zu einem albtraumhaften Abstieg in die Abgründe der menschlichen Psyche. Silent Hill konfrontiert James mit grotesken Kreaturen und immer wieder wechselnden Realitäten zwischen der nebligen, verlassenen Stadt und der rostigen, blutigen Anderswelt. Dabei begegnet James unterschiedlichen Charakteren, die alle ihre eigenen Dämonen mit sich tragen und ihre Gründe haben, sich durch die verfluchte Stadt zu kämpfen.
Spieleoptik im Kinosessel
Die erste halbe Stunde von Return to Silent Hill ist durchaus anständig. Ihr lernt, wie sich James und Mary kennenlernten, dass James durch die Trennung der beiden zu einem gebrochenen Mann wurde und nun versucht, die Beziehung in Silent Hill zu kitten.
Doch sobald es das erste Mal in die Anderswelt geht, wird euch schlagartig bewusst, warum der Film im Vorfeld so viele vernichtende Bewertungen erhalten hat. Denn besonders das CGI wirkt so aus der Zeit gefallen, dass man es Kinozuschauern in der heutigen Zeit eigentlich nicht mehr vorsetzen kann.
Klar, man kann Regisseur Gans zugutehalten, dass er auch in Return to Silent Hill eine gewisse Videospielästhetik beibehalten wollte. Diese sollte dann allerdings an moderne technische Maßstäbe und Sehgewohnheiten angepasst sein, statt an die der damaligen Zeit.
Monster, Locations, sogar ganze Shots sind aus der Vorlage entnommen und solide umgesetzt, kranken allerdings in Nahaufnahmen am fehlenden hochwertigen Make-up oder eben der digitalen Umsetzung. Im Silent Hill 2 Remake, welches im vergangenen Jahr auch auf der Xbox eingetroffen ist, habt ihr das in besserer Qualität zu Gesicht bekommen.
Veränderte Story untergräbt den Kern
Auch einige Figuren hat Christophe Gans aus Silent Hill 2 übernommen, jedoch, wie die Hauptgeschichte an sich, in diversen Punkten umgeschrieben, um anscheinend auch den Spielefans etwas Neues bieten zu wollen.
An sich löblich, da eine frische filmische Version spannender ist, als lediglich das reine Spiel abzufilmen. Sonst könntet ihr euch auch genauso gut einen Supercut der Zwischensequenzen auf YouTube anschauen.
Das Problem ist jedoch, dass Gans und seine Skriptkollegen die Handlung in einigen Punkten massiv verändern, und dass diese Veränderungen den Sinn und Zweck unterlaufen, den die Stadt Silent Hill im Spiel eigentlich hat.
So ergibt der Handlungsstrang von James samt seiner Torturen, die er durchläuft, nicht immer Sinn. Zudem führt es dazu, dass Charaktere, die von Gans etabliert werden, von der Handlung zu einem anderen Zeitpunkt vergessen werden, weil sie in seiner Interpretation keinen richtigen Zweck erfahren.
Fehlbesetzung James Sunderland
Mit der Besetzung von Jeremy Irvine als James Sunderland hat man sich ebenfalls keinen Gefallen getan. Während der James im Spiel ein melancholischer, introvertierter Charakter ist, dem man über die Zeit gerne bis zur ultimativen Auflösung folgt, bekommt ihr mit Irvines Version einen draufgängerischen, extrovertierten Künstler, der gerne Mustang fährt und auf Pseudo-cool macht.
Bei solch einer Person sitzt die Wucht des finalen Twists einfach nicht, zumal sich Gans dafür entschieden hat, Irvine in der emotionalen Schlüsselszene des Films einen sichtbar falschen Vollbart anzukleben. Und so zerfiel der Film nach einer durchaus okayen ersten halben Stunde in seine Einzelteile.
Die Frage nach dem Abspann lautet: Welche Zielgruppe spricht dieser Film überhaupt an? Fans der Videospielvorlage werden sich über diverse Änderungen, Logiklöcher und Ungereimtheiten ärgern. Personen, die die Videospiele gar nicht kennen, dürften den springenden Handlungssträngen und den wechselnden Szenerien nur schwerlich folgen können.
Fazit
So recht kann man Regisseur Christophe Gans nicht böse sein, weil er es zumindest versucht hat, zu alten Wurzeln und seiner Silent Hill-Vergangenheit zurückzukehren. Mit Return to Silent Hill hat er es zumindest geschafft, besser als der Vorgänger Silent Hill: Revelation abzuschneiden.
Hier kann man zumindest unterstellen, dass das Team mit einer gewissen Aufrichtigkeit versuchte, einen Klassiker des Survival-Horror zu inszenieren. Schlussendlich scheint Gans sein Mojo aus der Inszenierung des ersten Teils jedoch verloren zu haben und hätte sich lieber auf einen passenderen Hauptdarsteller sowie ein schlüssigeres Skript verlassen sollen.
Weder optisch noch erzählerisch wird Return to Silent Hill Spiele- und Horror-Fans begeistern können. Da hilft auch der wundervolle Soundtrack von Akira Yamaoka nichts, der durch bekannte Klänge Nostalgie heraufbeschwört, jedoch viel zu selten genutzt wird.
Wer also nach Silent Hill zurückkehren und in die Haut von James Sunderland schlüpfen möchte, der sollte lieber zum Remake des Bloober-Teams greifen, um eine modernisierte Variante von Silent Hill 2 zu erleben.
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Schade, fand die beiden Vorgänger wirklich sehr gut.😢
Und silent hill 2 gehört zu meinen Lieblings Horror spiele.
Ich hab vor kurzem schon eine Review zu dem Film gesehen, die ähnliche Töne anschlägt. Dann spart man sich den Gang ins Kino oder schaut eben einen anderen Film.
Vielleicht ist es dann eher ein Samstag Abend Couch-Streaming-Film und kein Kino Knaller. Videospiel Verfilmungen sind immer etwas schwierig, da man beim zocken alles etwas intensiver erlebt, als wenn man es als Film schaut. Er hatt’s versucht, ging dann wohl eher in die Hose.
Die Kritiken lesen sich gar nicht gut… werde ihn mir trotzdem anschauen und ein eigenes Bild machen. Vielleicht bietet Amazon Prime den Film für 99 Cent zum leihen an. Gibt ja öfters dieses Aktion. War zuletzt sogar Jurassic World Rebirth.
Schade. Aber zumindest mal im Heimkino-Stream ne Chance geben, wenn er da kommt.
Schade das liest sich ja furchtbar.