Arise: A Simple Story: Test zum emotionalen Jump’n’Run

Arise: A Simple Story

 
Mit Arise: A Simple Story haben sich die drei Gründer der Piccolo Studios einen Traum erfüllt – ihr eigenes Videospiel. Eigentlich arbeiteten sie für gutes Geld, mit zahlreichen Awards ausgezeichnet, in der Werbeindustrie. Doch erfüllte es wirklich ihr Leben? Würden sie sich im hohen Alter mit Freude daran erinnern? Aus dieser Reflexion auf das eigene Sein entstanden nicht nur die Piccolo Studios, sondern auch die Idee hinter Arise: A Simple Story. Ob sich der eigene Jugendtraum positiv erfüllt hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Arise: A Simple Story beginnt mit einem tragischen Moment. Auf einer grünen Wiese entdeckt ihr einen weißhaarigen, alten Mann, in Würde und mit eleganter Kleidung auf eine hölzerne Ruhestätte gebettet. Um ihn herum treten langsam alte und junge Menschen auf den Weisen zu, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, um Abschied zu nehmen. Ja, Arise beginnt mit dem Tode – und macht ihn zum Anfang eines emotionalen Abenteuers.

Denn sobald der Körper des Mannes den Flammen seines feurigen Grabes zum Opfer fällt, findet ihr euch in seiner Haut auf einem verschneiten Bergpass wieder. Auf dem Weg zum letzten Gipfel stapft ihr von Erinnerung zu Erinnerung und durchlebt aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Existenz des Mannes. Wie wurde er groß? Gab es eine Liebe in seinem Leben? War sein Dasein ein erfülltes?

Die Erinnerungen selbst erfahrt ihr in Form eines klassischen Jump’n’Run, in dem ihr abwechslungsreiche Welten auf dem Weg zum nächsten Geschichtsstück durchlauft. Ihr klettert Hänge hinauf, springt von Stein zu Stein und sammelt sogar kleine Zeichnungen aus dem Leben des alten Herren. Durch ein Wurfseil dürft ihr an einigen Stellen weite Abgründe überwinden oder in Rutschsequenzen die bunten Level schneller überwinden.

Arise: A Simple Story

 
Der Clou ist jedoch, dass eure Figur die Zeit beeinflussen kann. Mittels des rechten Analogsticks ist es euch möglich, in jedem Level die Zeit ein wenig vor- und zurückzuspulen. Im späteren Spielverlauf dürft ihr diese sogar anhalten. So lasst ihr beispielsweise Eis schmelzen, um Flüsse ansteigen zu lassen oder spult bis zum Einbruch des Schneetreibens zurück, um die Schneewehen als Klettermöglichkeit zu nutzen. Im Koop darf sogar einer von euch die Zeitsteuerung übernehmen, während der andere die Figur durch die Landschaft navigiert.

Fliegende Bienen dienen euch ebenso als Transportmittel wie treibende Holzstücke, die ihr natürlich durch das richtige Timing in der Zeitmanipulation erwischen müsst. Zu Beginn sind die Passagen in Arise: A Simple Story dabei recht einfach gehalten, steigen jedoch mit der Spieldauer im Schwierigkeitsgrad an.

Ihr könnt zwar sterben, etwa indem ihr einen zu hohen Abgrund hinabstürzt oder ertrinkt. Die Speicherpunkte sind allerdings fair gesetzt, sodass kein Frust aufkommt. Zwar lässt sich die feste Kameraperspektive minimal bewegen, die optimale Übersicht bietet diese dennoch nicht immer.

Insgesamt fällt das Gameplay bei Arise: A Simple Story natürlich nicht so komplex aus wie in anderen Jump’n’Runs. Und bis auf das Sammeln der Erinnerungen könnt ihr auch sonst keine Gegenstände einsammeln beziehungsweise mit der Umwelt interagieren. Das braucht es jedoch auch nicht, denn der Titel generiert seine Faszination vor allem aus seiner Emotionalität und seiner Atmosphäre.

Arise: A Simple Story

 
Da wäre zum einen die malerisch-minimalistische Optik, die euch durch geschickte Farb- und Lichtgebung dennoch in ihren Bann zieht. Von der nordischen Tundra bis zum bunten Sonnenblumenfeld findet ihr abwechslungsreiche Landschaften vor, die ihr oft aus der Insektenperspektive betrachtet. Bäume, Pflanzen, Tiere, alles wirkt gigantisch und wie in einem Fantasiereich.

Hinzu kommt der großartige Soundtrack von David García Díaz, der euch mehr als einmal eine Gänsehaut verpassen, wenn nicht sogar Tränen in die Augen treiben wird. Denn obwohl die Geschichte in Arise: A Simple Story im wahrsten Sinne des Wortes simpel ist, schaffen es die Piccolo Studios, sie emotional zu inszenieren.

Und das, obwohl die Figuren sogar ohne Gesichtsanimationen auskommen. Der Werdegang des alten Mannes zeigt eben Storys aus dem wahren Leben, wie ihr und ich sie erlebt haben oder noch erleben werden. Dieses Mitfühlen, gepaart mit Optik und Sound, geht wahrlich unter die Haut.

Arise: A Simple Story

 
Bereits der Einstieg in Arise: A Simple Story ist ein Brocken. Da seht ihr euren Charakter auf dem Sterbebett, Familie und Freunde sagen ihm Lebewohl. Und genauso geht diese emotionale Achterbahnfahrt weiter, die zwar eine simple, aber dafür sehr greifbare Geschichte erzählt. Arise stellt sich die Frage: Was bleibt von uns, wenn es mit uns zu Ende geht? Wie blicken wir auf unser Leben zurück? Wie werden uns die, die wir lieben, in Erinnerung behalten?

Eingebettet wird dies durch ein nettes Jump’n’Run Gameplay, welches durch die Zeitmanipulation einen frischen Ansatz bietet. Ihr müsst nun nicht nur genaues Timing bei Sprüngen beweisen, sondern durch das Vor- und Zurückdrehen der Zeit erst einmal Sprungmöglichkeiten finden. Leider ist die Kameraperspektive nicht immer optimal und Genrefreunde werden sich sicherlich ein etwas längeres Abenteuer wünschen.

Die Gründer der Piccolo Studios haben sich ihren Jugendtraum erfüllt – und es ist ein schöner Traum geworden. Wenn das Studio mit der gleichen Akribie und Passion weiterarbeitet, freuen wir uns bereits auf das nächste Projekt der Spanier. Möge es ebenso emotional werden wie Arise: A Simple Story.

8 Kommentare Added

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  1. Thoridias83 37550 XP Bobby Car Rennfahrer | 18.01.2020 - 09:04 Uhr

    Schön geschriebener Test.

    Ich hab Arise auch bereits durchgespielt und kann mich nur anschließen.

    Die Story hat einige Momente die einen ins Grübeln aber auch zum Schmunzeln bringen.

    Aber auch kann sie einen sehr traurig stimmen an gewissen Stellen.

    Alles in allem super Spiel meiner Meinung nach!

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  2. DarkRaziel 535 XP Neuling | 18.01.2020 - 09:20 Uhr

    Sehr schönes Spiel.
    Als ich den Trailer gesehen habe wusste ich das mir dieses Game gefallen wird.
    Und so war es auch, denn der Test beschreibt genau auch meine Eindrücke. Simpel, aber sehr gut gemacht mit einem schönem Soundtrack.

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  3. oOStahlkingOo 19915 XP Sandkastenhüpfer Level 4 | 18.01.2020 - 09:30 Uhr

    Wie sieht es denn aus mit den Erfolgen? Wäre vielleicht noch Erwähnungswert..

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    • Thegambler 126470 XP Man-at-Arms Gold | 18.01.2020 - 12:36 Uhr

      Da entwickelt ein Indiehersteller mit viel Herzblut ein Spiel und manche Leute interessieren sich nur für die Erfolge, die man freischalten kann? Beschämend!

      Auf der Erste Xbox gab es das auch nicht und die Spiele haben nicht weniger Spass gemacht! Was ist nur aus unserem Hobby geworden? 🤕

      Es sollte immer der GENUSS im Vordergrund stehen!

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  4. Ryo Hazuki 18220 XP Sandkastenhüpfer Level 4 | 09.02.2020 - 11:06 Uhr

    Das wäre meiner Meinung nach, ein Spiel das gerne im Gamepass landen kann.

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  5. Cerdiwan 9505 XP Beginner Level 4 | 16.02.2020 - 20:13 Uhr

    Schöner Test, das Spiel ist genau mein Ding und ich werde es im Auge behalten 👍

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  6. olispyrit 1120 XP Beginner Level 1 | 22.03.2020 - 08:01 Uhr

    Hab ich noch nie gesehen, sieht ein wenig wie Brothers aus, wäre was für mich aber ich hab den Game Pass und warte voller Hoffnung

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