GreedFall II: The Dying World: Test zum Prequel des Barock-Rollenspiels

Vom Kolonisator zum Gefangenen

Das französische Studio Spiders hat mit GreedFall im Jahr 2019 eindrucksvoll bewiesen, dass man auch mit überschaubarem Budget ein stimmungsvolles Rollenspiel auf die Beine stellen kann. Das Prequel, GreedFall II: The Dying World knüpft an diese Tradition an und wagt gleichzeitig Größere.

Eine neue Hauptfigur, ein komplett überarbeitetes Kampfsystem sowie eine deutlich weitläufigere Welt. Warum das Spiel alte BioWare-Nostalgiker ins Schwärmen bringt, gleichzeitig aber mit hartnäckigen Problemen kämpft, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Geschichte setzt drei Jahre vor den Ereignissen des ersten Teils an. Wir schlüpfen dieses Mal in die Haut eines Ureinwohners von Teer Fradee, der von den Kolonisten des alten Kontinents verschleppt wird.

Nun müsst ihr in einer euch unbekannten Welt die Freiheit wiedererlangen und die dunklen Machenschaften aufdecken, die euer Volk bedrohen. Was auf dem Papier schlicht klingt, entfaltet sich in einem Geflecht aus politischen Intrigen, religiösen Konflikten und persönlichen Schicksalen zu einer packenden Geschichte.

Die Welt von GreedFall ist im Barock des 17. Jahrhunderts verwurzelt und mischt gekonnt historische Ästhetik mit Fantasy-Elementen. Mehrere Fraktionen, darunter die theokratische Nation Thélème, das Deutan-Imperium und die mysteriösen Nauts, ringen erneut um Macht. Und ihr steht mittendrin.

Dabei wechselt eure Perspektive nun zur Alten Welt, indem ihr Städte und Regionen der einzelnen Fraktionen bereist. Ob die imposanten, an Venedig oder Rom erinnernden Prachtbauten oder Hafenstädte aus urigen Holzbauten: Die Umgebungen sind liebevoll gestaltet und ermutigen euch zur Erkundung. Hier zeigt Spiders, dass atmosphärischer Tiefgang auch ohne AAA-Budget möglich ist.

Ein Hauch von Dragon Age

Wer in den frühen 2000ern mit Dragon Age: Origins oder Knights of the Old Republic aufgewachsen ist, wird beim Kampfsystem von Greefall: The Dying World ein warmes Gefühl von Nostalgie verspüren. Das neue, vollständig überarbeitete System setzt auf taktische Echtzeit-Kämpfe mit aktiver Pausenfunktion.

Ihr könnt das Geschehen jederzeit einfrieren, Befehle erteilen, die Kamera schwenken und die nächsten Züge eurer bis zu drei Begleiter koordinieren. Positionierung, Flächenfähigkeiten, Statuseffekte und Geländevorteile wollen dabei alle berücksichtigt werden.

Zu Beginn ist das durchaus gewöhnungsbedürftig und ihr ertappt euch dabei, alle paar Sekunden zu pausieren, weil die eigenen Leute sonst planlos durch die Gegend laufen. Mit zunehmender Spielzeit geht das System aber in Fleisch und Blut über und belohnt strategisches Denken spürbar.

Wer weniger Lust auf Taktik hat, kann in den Einstellungen zwischen drei Kampfautomatisierungen und drei Schwierigkeitsgraden wählen. Der Story-Modus vereinfacht Kämpfe etwa so, dass ihr in Ruhe die Geschichte genießen könnt.

Die acht Begleiter, die das Spiel bereithält, sind dabei weit mehr als bloße Schachfiguren. Euer bester Freund Nílan, die Kriegerin Shéda oder die Spionin Fausta bringen eine eigene Persönlichkeit, eigene Ziele und Beziehungsbögen mit. Quests rund um die Begleiter gehören dabei zu den spannendsten Storysträngen, die das Spiel erzählerisch zu bieten hat.

Leider agiert die KI in Gefechten manchmal wenig überzeugend: Besonders Distanzkämpfer wie der bogenbewaffnete Nílan preschen gerne ungefragt in den Nahkampf, was taktische Planungen zunichtemachen kann.

Die Questgestaltung gibt euch hingegen erfreuliche Freiheiten. Viele Missionen lassen sich auf unterschiedlichen Wegen lösen: Diplomatie, Schleichen oder Gewalt sind gleichwertige Alternativen mit spürbaren Konsequenzen.

Wer Konflikte regelmäßig umgeht, muss jedoch aufpassen. Wenn die Handlung einen Kampf erzwingt und eure Gruppe kampftechnisch unterentwickelt ist, kann es zu unangenehmen Schwierigkeitsspitzen kommen.

Technik und Welt zwischen Qualität und Kompromiss

So atmosphärisch die Städte und Regionen auch sind, so fällt auf, dass sie gelegentlich mehr Kulisse als Spielwiese sind. Die Nebenbeschäftigungen halten sich in Grenzen, und wer die imposanten Stadtbilder erkundet, wird nicht immer mit interessanten Entdeckungen oder kleinen Geschichten belohnt.

Mehr Nebenquests hätten der Welt zusätzliches Leben eingehaucht, gerade weil das Potenzial offensichtlich vorhanden ist. Abseits davon trübt auch der Einstieg die Freude: Der Prolog zieht sich spürbar in die Länge und gibt dem Spieler nur zögerlich die Zügel in die Hand.

Wer die ersten Stunden übersteht, wird mit einem deutlich flüssigeren Spielerlebnis belohnt. Doch für viele Spieler zählt der erste Eindruck, und der ist hier ausbaufähig. Visuell präsentiert sich GreedFall II: The Dying World mit Stil, wenn auch nicht auf dem Niveau der ganz großen Produktionen.

Der Qualitätsmodus auf Xbox Series X liefert ordentliche Bildschärfe, schafft es aber nicht, stabil über 30 Frames pro Sekunde zu liegen. Der Performancemodus hingegen erkauft sich die höhere Bildrate mit spürbar unscharfer Grafik statt weniger Details. Das ist bedauerlicherweise kein zufriedenstellender Kompromiss.

Technische Aussetzer wie gelegentliche Frame-Einbrüche trüben das Bild zusätzlich. Die lediglich auf Englisch vorliegende Synchronisation erfüllt ihren Zweck, ohne zu begeistern. Insbesondere der Akzent der Hauptfigur wirkt aufgesetzt und kann auf längere Sicht ermüden.

Fazit

GreedFall II: The Dying World ist ein Rollenspiel für alle, die das klassische BioWare-Feeling vermissen und bereit sind, über einige Ecken und Kanten hinwegzusehen.

Spiders liefert ein dichtes Narrativ, eine stimmungsvolle Welt und ein taktisches Kampfsystem, das nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase echten Spaß bereitet.

Die Begleiter und Quests sorgen für spannende Geschichten sowie atmosphärisches Worldbuilding. Auf der anderen Seite bremsen ein zäher Prolog, KI-Schwächen, Schwierigkeitsspitzen und technische Kompromisse das Erlebnis merklich aus.

Wer Geduld mitbringt und das Old-School-RPG-Flair schätzt, findet hier dennoch viele Stunden kurzweiligen Rollenspielspaß.

GreedFall II: The Dying World im Microsoft Store kaufen:

  • Singleplayer: 7.2
  • Multiplayer: -/-
  • Graphic: 7.0
  • XboxLive: -/-
  • Sound: 7.5
  • Control: 7.0
  • Overall: 7.0
  • Game Time: 50+ Stunden
  • Speech: Englisch
  • TV TEXT: Deutsch
  • Censor:
  • Qualified:
  • Letzte Worte:

    „Old-School-Rollenspiel mit Macken bei Technik und Kampfsystem.“

The Good

  • Old-School-Rollenspiel-Atmosphäre wie zu BioWare-Hochzeiten
  • Atmosphärische, wunderschön gestaltete Städte und Regionen
  • Vielschichtige Charaktere und Begleiter mit eigenen Geschichten
  • Taktisches Kampfsystem mit Pausenfunktion wächst mit dem Spieler
  • Flexible Schwierigkeitsgrade und Kampfprofile für jeden Spielertyp
  • Quests bieten Entscheidungsfreiheit mit Konsequenzen
  • Packender Soundtrack

The Bad

  • Zäher, langer Prolog
  • Begleiter-KI agiert im Kampf teils kontraproduktiv
  • Zu wenig Nebenquests für die Größe der Welt
  • Lediglich englische Synchro mit gewöhnungsbedürftigem Hauptcharakter-Akzent
  • Performance-Modus liefert unscharfe Grafik, Qualitätsmodus gerade so 30 FPS
7.0
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14 Kommentare Added

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  1. ZombieGott79 96760 XP Posting Machine Level 3 | 22.04.2026 - 07:19 Uhr

    Guter Test , das ist echt eine Überlegung wert sich den 2 Teil anzuschauen. Mag die alten Dragon age Spiele .

    1
  2. buimui 460550 XP Xboxdynasty MVP Bronze | 22.04.2026 - 07:55 Uhr

    Danke für den Test.

    Kommt bei mir auf die Liste und wird irgendwann mal bei einem guten Sale mitgenommen. Scheint ja Grundsolide geworden zu sein.

    1
    • Quentara 16500 XP Sandkastenhüpfer Level 3 | 23.04.2026 - 10:02 Uhr
      Antwort auf buimui

      Danke fürs Lesen! Genau, wenn man mit der Erwartung „grundsolide“ herangeht, wird man mit dem Titel seinen Spaß haben.

      0
  3. d4wGkw0n 52020 XP Nachwuchsadmin 5+ | 22.04.2026 - 08:27 Uhr

    Danke für den Test.

    Habe es mir schon kurz nach Veröffentlichung geholt und hänge noch im Prolog fest.
    Entscheidender Fehler war, mich von Crimson Desert in den Bann ziehen zu lassen. 🫤

    Will es aber auf jeden Fall weiterspielen, da ich Teil 1 super fand und auch der zweite einen mindestens gleich guten Eindruck macht.

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    • Quentara 16500 XP Sandkastenhüpfer Level 3 | 23.04.2026 - 10:04 Uhr
      Antwort auf d4wGkw0n

      Gerne 😊 Haha, ja der Prolog ist, wie im Test erwähnt, auch recht ausufernd. Auch, wenn Crimson Desert natürlich sein Übriges getan hat, um Dich wegzulocken 😄

      0
  4. de Maja 342175 XP Xboxdynasty Veteran Gold | 22.04.2026 - 08:28 Uhr

    Oldschool RPG halt, wer was Original Dragon Age ähnliches haben möchte kann hier ruhig zuschlagen.

    2
    • Quentara 16500 XP Sandkastenhüpfer Level 3 | 23.04.2026 - 10:07 Uhr
      Antwort auf Hattori Hanzo

      Danke fürs Lesen. Wenn Du mit Teil 1 Deinen Spaß hattest, wirst Du hier sicherlich nicht enttäuscht 😊

      0
  5. Katanameister 428040 XP Xboxdynasty Veteran Onyx | 22.04.2026 - 12:05 Uhr

    Scheint noch ausbaufähig zu sein, ich mag aber diese alten Rollenspiele und deshalb werde ich mir Greedfall wohl mal bei Gelegenheit kaufen und selber zocken.

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  6. Kreator78 79210 XP Tastenakrobat Level 4 | 22.04.2026 - 15:17 Uhr

    Den Vorgänger hab ich nicht lang gespielt. War technisch ne reine Enttäuschung. Da ich vom c64 bis heute so ziemlich alles mal gezockt hab im RPG Bereich kam da einfach zu wenig

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    • Quentara 16500 XP Sandkastenhüpfer Level 3 | 23.04.2026 - 10:05 Uhr
      Antwort auf Kreator78

      Da wirst Du mit dem zweiten Teil dann wahrscheinlich auch nicht warm werden. Technisch hat sich da leider wenig geändert 😞

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