Iconoclasts: Test zum stylischen Plattformer

Iconoclasts

 
Kann ein Mann heutzutage wirklich ein ganzes Spiel alleine entwickeln? Die Antwort lautet: Ja! Zumindest, wenn er Joakim Sandberg heißt und die letzten sieben Jahre in seinen Retro-Plattformer Iconoclasts investiert hat. Was das Ein-Mann-Projekt auf dem Kasten hat, klärt unser Test.

Die Ressourcen der Welt von Iconoclasts sind rar. Der Kraftstoff Elfenbein ist mittlerweile so heilig, dass er als von einer Gott-ähnlichen Entität gegeben angesehen wird. Noch dazu dreht der sektenähnliche Konzern „One Concern“ an den Schrauben der Macht und droht allen Bewohnern der Welt mit Buße, die ihre Regeln nicht einhalten.

Keine schöne Umgebung für eine 17-jährige Weise, die vor kurzem erst ihren Vater verloren hat. Und genau in diese Rolle schlüpft ihr in Iconoclasts. Ihr steuert Robin, ein junges Mädchen und heimliche Mechanikerin. Heimlich? Ja, denn in der Welt von Iconoclasts dürfen die Bewohner nur die Aufgaben erfüllen, zu denen sie von der heiligen „Mutter“ auserkoren wurden. Einfach den Beruf erwählen, der einem Spaß macht, wo kämen wir denn da hin?!

Noch schlimmer für Robin: Mechaniker arbeiten mit Elfenbein, das außer von „echten“ Mechanikern von niemandem berührt werden darf. Alles andere ist Sünde, für die es Buße zu tun gilt. Ihr werdet also schnell zum Ziel von „One Concern“ und seinen Inquisitoren. Könnt ihr euch aus der misslichen Lage befreien und die Geheimnisse der Welt um euch herum aufdecken? Ein spannendes Abenteuer beginnt!

Iconoclasts

 
An unserer ausschweifenden Story-Einführung merkt ihr bereits, dass ihr es in der Geschichte von Iconoclasts nicht gerade mit leichter Kost zu tun bekommt. In zahlreichen Dialogen bringt euch Joakim Sandberg die Welt, Kultur, Religion sowie die Charaktere seines Spiele-Babys näher. Auch wenn die Figuren auf den ersten Blick schwarz und weiß wirken, so zeigen sie in ihren Gedanken und Äußerungen oft Vielschichtigkeit. Spiele ich mit dem System oder gegen es? Soll ich meine Skrupel über Bord werfen und schauen, dass ich nur mich und meine Familie ernähre? Oder kann ich den sektenähnlichen Konzern, für den ich arbeite, vielleicht aus dem Inneren sabotieren?

Wir empfehlen euch allerdings, Iconoclasts möglichst auf Englisch zu spielen. Die Dialoge sind so schon kryptisch genug und strotzen vor philosophischen Ansätzen. Die deutsche Übersetzung stellt sich leider als sehr sperrig hinaus und schafft es nur sehr hölzern, diese Ansätze flüssig sowie verständlich herüberzubringen. Fans klassischer Plattformer werden mit den zahlreichen Gesprächen zudem nicht viel anfangen können. Ihr solltet euch auf jeden Fall auf viel Leserei einstellen.

Doch nun zum Spielerischen. Iconoclasts ist ein offener Plattformer, was bedeutet, dass ihr nicht nur in 2D von links nach rechts unterwegs seid, sondern die Welt weitestgehend frei entdecken dürft. Dabei leiht sich der Titel sowohl Gameplay-Elemente aus Spielen wie Metroid oder Castlevania als auch aus Klassikern wie Wonder Boy. Ihr entdeckt zu Beginn Passagen, die erst später im Spielverlauf zugänglich sein werden, wie etwa unerreichbare Plattformen oder unzerstörbare Barrikaden.

Hierfür sammelt ihr mit steigendem Fortschritt neue Waffen, die über einen zweiten Feuermodus verfügen. So beginnt ihr anfangs mit einer zielsuchenden Pistole, die bei gedrückt halten der Schusstaste einen Power-Shot abfeuern kann. Später schaltet ihr zum Beispiel auch Raketen frei oder schmeißt Granaten in kleine Öffnungen, um Schalter zu aktivieren. Diese sind Teil der zahlreichen Umgebungsrätsel in Iconoclasts.

Iconoclasts

 
Denn was wäre eine Mechanikerin wie Robin ohne einen Schraubenschlüssel? Das riesige goldene Ding eignet sich nicht nur perfekt für Wirbelattacken, sondern zum Beispiel auch zum Öffnen von Türen oder zur Reparatur von Gegenständen. So schaltet ihr Abschnitt für Abschnitt weiter frei und trefft auf eurem Weg auf meist recht leichte Feinde, auf die ihr hüpft oder mit euren Waffen wegpustet. Zumindest die über 20 Bosse bieten euch zwischendurch eine nette Herausforderung.

Außerdem begleiten euch mit der Zeit schrullige Charaktere, die durch ihre eigenen Fertigkeiten in der einen oder anderen Situation sehr nützlich sind. Ein minimalistisches Crafting-System ist ebenfalls mit an Bord. Ihr sammelt Materialien, die ihr dann an Crafting-Stationen für Power-ups wie verstärkte Wirbelattacken oder Schadensreduzierung ausgeben könnt. Diese weist ihr an Speicherpunkten freien Slots zu.

Grafisch bietet euch der Titel einen großartigen Retro-Look im besten Pixel-Art-Style. Abwechslungsreiche und bunte Landschaften mit zahlreichen Details werden euch ebenso verzaubern wie die tollen Effekte und Explosionen. Die Animationen sind trotz des Old-School-Looks geschmeidig und modern. Der Soundtrack ist nett anzuhören, bleibt jedoch wenig im Gedächtnis.

Iconoclasts

 
Iconoclasts ist eine faszinierende Hommage an die Klassiker alter Tage und vereint ihren Charme zu einem modernen, atmosphärischen Plattformer. Es ist schon unglaublich, was Joakim Sandberg hier in sieben Jahren alleine auf die Beine gestellt hat. Der Titel strotzt nur so vor Style und bietet euch eine nachdenkliche Story sowie umtriebene Charaktere, denen ihr gerne zuhört.

Für unsere Begriffe hätte es dennoch etwas weniger kryptisch sein dürfen, zumal die deutsche Übersetzung die Gedankengänge des Solo-Entwicklers nicht adäquat abzubilden vermag. Auch die Steuerung fällt manchmal unnötig kompliziert aus. Statt zum Beispiel eine Taste für die Aufnahme von Gegenständen zu belegen, müsst ihr auf einen Schlüssel springen und den Stick nach oben drücken.

Trotz dieser Kleinigkeiten zieht euch Iconoclasts stundenlang in den Bann und ist nicht nur etwas für Fans alter Metroidvanias. Ihr spürt das Herzblut des Entwicklers in jeder Sekunde des Spiels. Der Titel ist eine Message, nach so vielen Jahren vielleicht ein Teil von Sandberg selbst. Und jeder, der sich für Plattformer interessiert, sollte unbedingt einen Blick darauf werfen.

5 Kommentare Added

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  1. Zielfahnder 49070 XP Hooligan Bezwinger | 22.01.2020 - 09:51 Uhr

    Werde ich irgendwann mal ausprobieren. klingt interessant und GFX sieht auch stylisch aus.
    schöner test!

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  2. the-last-of-me-x 22285 XP Nasenbohrer Level 1 | 22.01.2020 - 10:04 Uhr

    Hört sich gut an. Mal kurz eine Frage: Könnt ihr für die Achievement-Hunter unter uns, kurz erwähnen, wie es sich mit den Erfolgen verhält bzw. eine Achievement-Liste grundsätzlich verlinken? Nur so eine Idee…

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    • Thegambler 126550 XP Man-at-Arms Gold | 22.01.2020 - 11:34 Uhr

      Ich hoffe, dass sie Achievment Hunter nicht unterstützen, denn das sind in meine Augen einfach keine Gamer!

      Ich mein, sind wir doch froh, dass es solche Games überhaupt gibt!

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  3. Homunculus 88570 XP Untouchable Star 4 | 28.01.2020 - 17:44 Uhr

    Hmm, klingt ja ganz interessant.
    Dann werde ich mir das Spiel wohl doch mal anschauen, habe es seit Ewigkeiten auf meiner Vita, aber noch nie gespielt. War so ein typischer PS+ „ach… es ist gratis, mal trotzdem mitnehm“-Titel.

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