Pillars of Eternity II: Deadfire – Ultimate Edition: Test zur Konsolenversion des Rollenspiel Epos

Pillars of Eternity II

 
Pillars of Eternity is back! Das 2018 für den PC erschienene Sequel zu Obsidians Rollenspiel findet nun endlich seinen Weg auf die Xbox One. In der Ultimate Edition bekommt ihr die volle Ladung Pillars geboten. Ob sich das RPG mit dem Controller genauso gut spielt wie mit Maus und Tastatur? Wir haben Pillars of Eternity II: Deadfire für euch getestet.

Fans des ersten Teils dürfen sich auf eine Fortsetzung der Story freuen. Nach den Geschehnissen in Pillars of Eternity setzt ihr euch auf eurem Bergfried Caed Nua zur Ruhe und regiert mit ruhiger Hand das Reich um euch herum. Doch etwas rumort unter euch – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Gott Eothas ergreift abermals eine weltliche Gestalt, bricht aus dem Fundament der Burg heraus und zerstört alles um sich herum. Ihr selbst fallt seiner Wut zum Opfer.

Doch ihr wärt kein Watcher, wenn ihr so einfach den Löffel abgeben würdet! Gefangen in einer Zwischenwelt zwischen Leben und Tod stellen euch die Götter vor eine Wahl: Kehrt zurück, um Eothas erneut zu besiegen oder sterbt endgültig. Natürlich entscheidet ihr euch für das Leben und folgt dem gefallenen Gott in das Deadfire Archipel für den hoffentlich letzten, finalen Kampf.

Die Inselkette entführt euch raus aus mittelalterlichen Burglandschaften und rein in die Karibik. Ihr bereist Inseln, trefft auf Piraten, erkundet malerische Sandstrände und interagiert mit Ureinwohnern. Das Setting ist eine nette Abwechslung zu den düsteren Szenarien der klassischen RPGs und bringt neue Gameplay-Elemente mit sich, auf die wir später noch eingehen.

Pillars of Eternity II wird euch von Anfang an verzaubern. Auch beim Nachfolger setzt Obsidian wieder auf das Flair von RPGs alter Schule. Wer Baldur’s Gate & Co. geliebt hat, wird auch hier wieder seinen Spaß haben. Vor allem die Atmosphäre klassischer D&D Games wurde gut eingefangen. Ihr sprecht nicht einfach nur mit Charakteren, sondern lauscht zusätzlich einer Art Dungeon Master, die euch in wundervoll geschriebenen Passagen bildhaft die Charaktere näher bringt.

Pillars of Eternity II

 
So ist es auch nicht verwunderlich, dass Pillars of Eternity II: Deadfire mit mehreren Schwierigkeitsgraden daher kommt. Ihr könnt entweder eine sehr leichte Stufe wählen, um euch voll und ganz auf die Story sowie die Welt um euch herum einzulassen. Oder ihr schraubt die Kampfschwierigkeit hoch, damit ihr ein wahrhaft forderndes RPG erlebt – inklusive Permadeath-Option!

Apropos Kampfsystem: Hier habt ihr zu Beginn die Option zwischen Echtzeitkämpfen und einem rundenbasierten Ansatz. Erstere kennt ihr aus Titeln wie Baldur’s Gate, dürft also direkt auf eure Feinde eindreschen, allerdings mit der Option das Spiel jederzeit zu pausieren. Ein cooles neues Feature in Deadfire ist, dass ihr dabei Herr über die Zeit seid. In Fights gegen Standardgegner dürft ihr die Zeit vorspulen, während ihr sie in härteren Duellen zu einer Art Bullet Time verlangsamen könnt. So reagiert ihr schnell auf eure Feinde und stimmt die Angriffe eurer Mitstreiter aufeinander ab, ohne das Spiel anhalten zu müssen.

Die rundenbasierten Kämpfe zollen der Tabletop-Vergangenheit der RPG Serie ihren Tribut. Hier bewegt ihr euch wie in den klassischen Fallout-Spielen Zug um Zug vorwärts. Wie in den Echtzeitkämpfen würfelt der Titel im Hintergrund eure Schadenspunkte aus, wie sich diese genau zusammensetzen, wann ihr daneben langt und wann es kritische Treffer gibt, bekommt ihr sogar transparent in einem Tutorial erklärt. Solltet ihr aus Rollenspielen kommen, die den moderneren Ansatz wählen, lasst euch also nicht verunsichern, wenn ihr zwar schlagt, aber keinen Schaden verursacht.

Insgesamt zieht ihr mit nunmehr vier zusätzlichen Mitstreitern durch die Welt und nicht mehr mit fünf Partymitgliedern. Allerdings ist dies nicht weiter tragisch, weil die verbesserte KI sowie variablere Klassen das gut auffangen. Eure Gefährten agieren nicht nur intelligenter und setzen ihre Fähigkeiten besser ein, ihr könnt diese auch bis ins Detail skripten. Habt ihr also eher Lust, euch auf euren Hauptcharakter zu konzentrieren, stellt ihr ein, wer sich in welcher Situation und bei welchen Feindtypen wie zu verhalten hat. Mehr Detailarbeit geht nicht!

In Pillars of Eternity II: Deadfire dürft ihr euren Charakter sowie eure Partymitglieder aus unterschiedlichen Klassen wählen. Vom Krieger über den Magier bis hin zum Waldläufer sind die Klassentypen dabei, die ihr aus klassischen Rollenspielen gewohnt seid. Allerdings dürft ihr diese auch als Multiklasse mit anderen Typen mischen und so weitere Talente freischalten. Natürlich haben weitere Optionen wie Herkunft und Gesinnung Auswirkungen auf die Werte sowie das Verhalten eurer Figuren.

Pillars of Eternity II

 
Die Charakterentwicklung teilt sich diesmal in Attribute und Skills auf. Während Attribute eure Kampffähigkeiten beeinflussen, wirken sich Skills auf euer Verhalten in der Welt aus. Diplomatie ist zum Beispiel wichtig, um andere Figuren zu überzeugen, während ihr mit der Fähigkeit „Schleichen“ Konflikten aus dem Weg gehen könnt. Der überarbeitete Fähigkeitenbaum erlaubt es euch, genau zu sehen, welche Abilitys ihr nacheinander freischalten könnt, solltet ihr einen bestimmten Pfad einschlagen.

Die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben, lassen in Pillars of Eternity II: Deadfire keinen Spieldurchlauf wie den anderen anmuten. Ihr genießt große Freiheiten, euch euren Charakter so zu bauen, wie ihr das Spiel erleben möchtet. Dies hat auch Auswirkungen auf die Quests sowie die Geschichte selbst. Agiert ihr als skrupelloser Berserker, der mit dem Schwert schneller ist als mit der Zunge, tötet ihr wohlmöglich spätere Questgeber. Auf der anderen Seite ist es auch möglich, dass ihr Situationen komplett ohne Blutvergießen meistert, euch vorbeischleicht oder aus schwierigen Situationen einfach herausredet.

Insgesamt dürft ihr euren Charakter bis auf Stufe 20 hochleveln ohne Angst haben zu müssen, dass ihr bei einem friedvolleren Vorgehen grinden müsst. Das Spiel belohnt euch für Kämpfe wie Pazifismus gleichermaßen mit Erfahrungspunkten, sodass ihr wenn ihr der Geschichte folgt und die Nebenquests absolviert, auf die ihr Lust habt, ausreichend für den weiteren Spielverlauf vorbereitet seid.

Und diese Quests haben es in sich. Oft steht ihr nicht vor Entscheidungen, die schwarz und weiß sind, sondern gelangt in moralische Zwickmühlen. Aufträge, die zu Beginn einfach erscheinen, legen im Questverlauf unvorhergesehene Wendungen an den Tag. Friedvolle Questgeber entpuppen sich auf einmal als zwielichtige Personen mit eigener Agenda. Oft steht ihr auch vor Aufgaben, die sich für euch nicht moralisch einwandfrei bewerten lassen. Da heißt es sich für eine Seite entscheiden und hoffen, dass ihr am Ende die richtige gewählt habt.

So unterschiedlich die Quests und Fähigkeiten sind, so divers sind auch eure Mitstreiter. Pillars of Eternity II legt dabei großen Wert auf die Beziehungen der Charaktere untereinander. Je nachdem für welche Partymitglieder ihr euch entscheidet, entstehen mit der Zeit Kameradschaften, Liebesbeziehungen, aber auch emotionale Pulverfässer. Die Figuren interagieren miteinander, während ihr eure Reise antretet, können durch eure Entscheidungen allerdings auch in die eine oder andere Richtung gestupst werden. Dabei solltet ihr jedoch aufpassen, dass ihr eure Gefährten entsprechend behandelt. Agiert ihr nicht nach ihren persönlichen Werten, verlassen sie euch im schlimmsten Fall. Besonders toll: Der Nachfolger ist komplett vertont, sodass ihr die Dialoge jederzeit von guten Sprechern präsentiert bekommt.

Pillars of Eternity II

 
Was wäre ein Insel-Abenteuer ohne ein Schiff. Statt mit eurer Party nur durch die Lande zu ziehen, schenkt euch Pillars of Eternity II die Kontrolle über euer eigenes Segelschiff. Dies dürft ihr nicht nur optisch anpassen, sondern müsst zusätzlich für einen überlegten Einsatz eurer Crew sorgen. Jede Figur hat spezifische Eigenschaften für eine bestimmte Rolle, sei es als Koch, Schiffsarzt oder Navigator. Außerdem gilt es, im Spielverlauf Materialien für euer Schiff zu sammeln, um es in Schuss und die Kanonen befüllt zu halten.

Im Verlauf der Story ist es nämlich auch möglich, andere Schiffe anzugreifen. Dies geschieht anders als in normalen Kämpfen rundenbasiert, wobei ihr nach einer gewissen Kampfdauer zusätzlich die Möglichkeit des Enterns erhaltet – falls ihr den Feind vorher nicht schon versenkt habt. Hier wartet weitere Beute auf euch, die ihr dann wieder im normalen Kampfmodus an Deck erstreiten dürft.

Grafisch erwartet euch der 2D-Stil eines Old School Rollenspiels gepaart mit modernen 3D-Charakteren. Die Hintergründe der Welten sind zweidimensional, während eure Figuren aus 3D-Modellen bestehen, die in die Spielwelt integriert wurden. Für die nötige Tiefe sorgt eine dynamische Kamera mit dem sogenannten Parallax-Effekt. Das bedeutet, dass verschiedene 2D-Ebenen übereinander liegen, sich beim Scrollen jedoch unterschiedlich schnell bewegen.

Dieser Grafik-Hybrid hat seine Vor- und Nachteile. Die klassische Atmosphäre alter Rollenspiel-Perlen hat Pillars of Eternity II: Deadfire dadurch erhalten und wirkt artistisch wirklich wundervoll. Auch die detailreichen Charaktere wissen zu überzeugen, zusätzlich wurden sie gut in die 2D-Szenerie integriert. Allerdings bemerkt ihr bei einigen Objekten unschöne Ränder. Ab und an wirkt die Perspektive auch einfach unnatürlich. Zudem hat der Titel trotz der Power der Xbox One X mit kleineren Einbrüchen in der Framerate zu kämpfen. Die Unity Engine lässt wieder grüßen.

Dafür begeistert euch der Titel mit tollen visuellen Effekten, die bei Zaubern oder Explosionen die Umgebung um euch herum in eine magische Farbenpracht hüllen. Auch der Soundtrack trägt zur Atmosphäre bei. Die orchestralen Klänge passen sich den Spielsituationen an, von den vollvertonten Dialogen haben wir euch bereits oben berichtet. Auf deutsche Synchronsprecher müsst ihr leider verzichten, was angesichts der Qualität der englischen Sprecher aber kein großes Minus ist.

Pillars of Eternity II

 
Pillars of Eternity II: Deadfire wird euch in seinen Bann ziehen! Zwar ist die Hauptgeschichte nicht die spannendste Story unter der Sonne. Die Welt, ihre Charaktere sowie die zahllosen Freiheiten sorgen jedoch dafür, dass ihr mehrere hundert Stunden in den Titel versenken könnt. Allein die Art und Weise, verschiedene Quests durch unterschiedliche Fähigkeiten und Figuren zu lösen, sorgt für schier unendliche Möglichkeiten beim erneuten Durchspielen.

Hinzu kommt, dass ihr euren Charakter wirklich nach euren eigenen Ansprüchen entwickeln dürft. Wählt ihr eine Standard- oder Hybridklasse? Verteilt ihr eure Erfahrung in Abilitys oder Skills? Geht ihr den Weg des Kriegers oder eines Diplomaten? Welche Partymitglieder holt ihr euch ins Boot? Welchen Fraktionen vertraut ihr? Und auf welche Seite schlagt ihr euch in so mancher Quest?

All das sind Fragen, die euch im Spielverlauf begegnen und die Pillars of Eternity II zu so einem immersiven und einzigartigen Abenteuer machen. Zusätzlich enthält die Ultimate Edition alle Addons und Verbesserungen, die ihren Weg zuvor bereits auf den PC gefunden haben.

Obsidian hat sich an das bewährte Rezept des Vorgängers gehalten und sukzessive moderne Elemente integriert, die das Erlebnis auffrischen. Sei es das malerische Inselsetting, das Schiffsmanagement, die Wahl zwischen rundenbasierten Kämpfen oder Duellen in Echtzeit: Vieles bringt neuen Schwung in die Pillars-Welt. Hinzu kommen die toll geschriebenen, voll vertonten Dialoge, eine verbesserte Kamera und nette visuelle Effekte. Jeden echten Rollenspielfan wird Pillars of Eternity II: Deadfire garantiert nicht mehr loslassen.

8 Kommentare Added

Mitdiskutieren
  1. Crusader onE 48845 XP Hooligan Bezwinger | 28.01.2020 - 15:58 Uhr

    Oha, das ließt sich ja mega gut. Ich glaub aber mir ist das Spiel zu Zeitaufwändig und komplex 😀

    1
  2. Archimedes 211720 XP Xboxdynasty Veteran Bronze | 28.01.2020 - 17:19 Uhr

    Ich bin noch so hin und her gerissen. In Teil 1 musste man so viel lesen, dass es mich irgendwann genervt hat.
    Wie ist das hier denn?

    1
    • Quentara 6395 XP Beginner Level 3 | 28.01.2020 - 17:26 Uhr

      Es gibt natürlich immer noch viele Dialoge, die sind allerdings diesmal allesamt vertont. Lediglich die Beschreibungen zu den Figuren haben nicht immer eine Sprachausgabe. Ich finde die Dialoge und Umschreibungen allerdings echt gut gelungen, ist im Stil dieser alten Fantasy-Spielbücher.

      0
    • eruvadhor 61295 XP Stomper | 03.02.2020 - 09:00 Uhr

      so geht es mir genauso, eigentlich ein tolles Spiel aber locker 60% der Zeit ließt man einfach nur da kann ich mir auch gleich ein Buch schnappen und mich gemütlich irgendwo hin setzen.

      0
  3. Kraftwuerfel 9505 XP Beginner Level 4 | 28.01.2020 - 20:49 Uhr

    Wie sieht es mit den Ladezeiten aus? Hab teilweise gelesen, dass die auf Konsole aus der Hölle kommen sollen.

    0
  4. BenioX60 2920 XP Beginner Level 2 | 15.02.2020 - 21:44 Uhr

    Bin auch noch unentschieden . Teil 1 habe ich noch nicht durch, obwohl das Spiel eigentlich ganz Ok ist. Ich werde noch etwas abwarten bis man es im Angebot bekommen kann.

    0

Hinterlasse eine Antwort