Terrinoth: Heroes of Descent: Test zum einsteigerfreundlichen Taktik-RPG

Dunkle Schatten über Aerendor

Das Licht der Fackeln wirft flackernde Schatten an die feuchten Steinwände, während das dumpfe Grollen aus der Tiefe nichts Gutes erahnen lässt. Mit Terrinoth: Heroes of Descent wagt der eingestellte Brettspiel-Dungeon-Crawler Descent den digitalen Sprung auf eure Xbox-Konsole.

Entwickler Artefacts Studio verspricht ein packendes Dark-Fantasy-Taktik-RPG, das sowohl treue Tabletop-Veteranen als auch absolute Neueinsteiger in seinen Bann ziehen will. Ob das kooperative Abenteuer hält, was die beliebte Vorlage verspricht, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Geschichte entführt euch in die bekannten, weitläufigen Lande von Terrinoth und fungiert als eigenständiges Prequel, das genau ein Jahr vor den Ereignissen des Brettspiels Descent: Legenden der Finsternis angesiedelt ist.

Eine unheilvolle, finstere Bedrohung breitet sich aus, welche die Welt in eine endlose Dunkelheit zu reißen droht. Und natürlich liegt es an eurer Heldentruppe, diese zu stoppen. Alles beginnt mit dem dringenden Ruf von Baronin Harriet, die euch in die modrigen Grüfte unterhalb der Festung Aerendor schickt, um einer unheimlichen Untoten-Invasion auf den Grund zu gehen.

Obwohl die Zwischensequenzen wunderschön gezeichnet und die englischen Sprecher überzeugend besetzt sind, bleibt die eigentliche Story im Verlauf der Kampagne leider oft nicht mehr als ein hübscher Missionsrahmen. Tiefe, folgenschwere Dialoge oder moralische Grauzonen sucht ihr hier vergebens.

Auch eine die Missionen verbindende Oberwelt oder Dörfer samt freier Erkundung dürft ihr nicht erwarten. Stattdessen treiben euch die linearen Dialoge eurer Truppe zielgerichtet von Dungeon zu Dungeon sowie von einem Raum und Kampf zum nächsten. Dennoch atmet jede Ecke die dichte Atmosphäre der Vorlage und motiviert euch stets, das Geheimnis hinter den okkulten Machenschaften zu lüften.

Taktischer Tiefgang ohne Regel-Overkill

Sobald ihr den Dungeon betretet, entfaltet das Spiel seine größte Stärke: die taktischen Rundenkämpfe. Das Entwicklerteam verzichtet dankenswerterweise auf ein trockenes, überladenes Regelwerk und setzt stattdessen auf ein wunderbar eingängiges System.

Jeder eurer bis zu vier Helden verfügt pro Zug über drei Aktionspunkte, die ihr flexibel für Bewegung, Angriffe oder mächtige Fähigkeiten aufteilt. Das sorgt für ein enorm flüssiges Spielgefühl, bei dem ihr euch voll auf eure Positionierung, die Höhenunterschiede der Gebiete, die Stärken und Schwächen eurer Gegner sowie eure Sichtlinien konzentrieren könnt.

Aus einem Pool von acht einzigartigen Charakteren stellt ihr zu Beginn eurer Mission eine schlagkräftige Truppe zusammen. Da schleudert der Magier einen eisigen Blizzard in die gegnerischen Reihen, während eure Kriegerin die Feinde mit einem gezielten Schildstoß von Kanten in den Abgrund stürzt.

Das absolute Highlight im Kampf sind die sogenannten Synergie-Angriffe. Wenn ihr eure Helden clever auf dem Raster positioniert, entfesselt ihr verheerende Kombo-Attacken, die selbst gigantische Bossgegner, welche bildgewaltig gleich mehrere Felder auf dem Schlachtfeld einnehmen, erzittern lassen.

Licht und Schatten im Kampagnen-Design

Terrinoth: Heroes of Descent gliedert sich dabei in vier große Story-Kapitel und insgesamt 20 Dungeons. Ihr dürft die Kampagne entweder klassisch am Stück erleben oder euch gezielt einzelne, in sich geschlossene Missionen für einen gemütlichen Spieleabend solo oder mit euren Freunden herauspicken.

Jede dieser Missionen dauert dabei je nach Schwierigkeitsgrad und Erkundung der Level 45 bis 60 Minuten. Nach jedem überstandenen Gefecht regenerieren sich eure Lebenspunkte und Fähigkeiten vollständig, sodass sich jede Konfrontation wie ein frisches, taktisches Rätsel anfühlt.

Allerdings schleichen sich im Verlauf der Spielzeit auch ein paar unschöne Dämpfer in das ansonsten solide Gesamtpaket. Die Erkundung abseits der Kämpfe fällt extrem simpel aus. Eingestreute Schalterrätsel dienen eher als anspruchslose Lückenfüller und erfordern kaum Gehirnschmalz.

Zudem neigt das Spiel dazu, den Schwierigkeitsgrad in späteren Missionen künstlich in die Länge zu ziehen, indem es euch mit endlos wirkenden Wellen von feindlichen Verstärkungen bombardiert, statt auf clevere KI-Gegner zu setzen. Das drückt das ansonsten hervorragende Pacing der Schlachten spürbar.

Stimmungsvolle Brettspiel-Umsetzung

Anders als in anderen Rollenspielen legt ihr im Missionsverlauf erhaltene Rüstungsgegenstände oder Waffen nicht direkt an. Vielmehr gehen diese in euren Gruppenbesitz über, damit ihr diese vor der nächsten Mission euren Charakteren zuordnen könnt. In den Dungeons erbeutetes Gold lässt sich zudem im Shop für Items oder Fähigkeiten ausgeben.

Grafisch präsentiert sich das Spiel aus einer schicken, klassischen Iso-Perspektive, die das vertraute Brettspiel-Gefühl perfekt auf den Fernseher transportiert. Die Umgebungen glänzen mit stimmungsvollen Lichteffekten und detailreichen Charaktermodellen.

Untermalt wird das düstere Treiben von einem epischen, orchestralen Soundtrack, der in den wuchtigen Bosskämpfen zur Höchstform aufläuft. Auf der Xbox Series X läuft das taktische Abenteuer zudem butterweich mit stabilen Bildraten.

Fazit

Terrinoth: Heroes of Descent ist ein wunderbar zugängliches und optisch stimmungsvolles Taktik-RPG für alle, die Lust auf unkomplizierte, aber dennoch fordernde Dungeon-Crawler-Action haben.

Gerade Fans des eingestellten Brettspiels Descent: Die Reise ins Dunkel werden hier eine neue digitale Heimat finden. Ihr achtet auf die optimale Party-Zusammenstellung, kämpft euch in zahlreichen Dungeons von Raum zu Raum und achtet darauf, dass die Angriffe eurer Gruppenmitglieder durch Synergien ineinandergreifen.

Wer ein tiefgründiges Story-Epos mit komplexer Charakterentwicklung sucht, wird jedoch enttäuscht. Die Geschichte ist Mittel zum Zweck, um die jeweiligen Dungeons durch einen roten Storyfaden zu verknüpfen.

Eine zusammenhängende Oberwelt oder Rollenspiel-Zeit abseits der Kämpfe gibt es nicht. Hier liegt der Fokus klar auf den Rundenkämpfen sowie der Erkundung. Das clevere Kampfsystem fesselt euch ohne überkomplexes Regelwerk dennoch mühelos für viele Stunden an den Controller.

Terrinoth: Heroes of Descent im Microsoft Store kaufen:

  • Singleplayer: 7.5
  • Multiplayer: -/-
  • Graphic: 7.8
  • XboxLive: 7.5
  • Sound: 7.8
  • Control: 7.0
  • Overall: 7.5
  • Game Time:
  • Speech: Englisch
  • TV TEXT: Deutsch
  • Censor:
  • Qualified:
  • Letzte Worte:

    „Zugänglicher Dungeon-Crawler, der Descent würdig am Leben hält.“

The Good

  • Eingängiges, extrem motivierendes Rundenkampfsystem
  • Verheerende Synergie-Angriffe als taktisches Highlight
  • Tolle Atmosphäre aus klassischer Iso-Perspektive
  • Gelungene englische Vertonung
  • Epischer, orchestraler Soundtrack
  • Acht abwechslungsreiche Helden, die spürbar unterschiedliche Taktiken erfordern
  • Spannendes Dungeon-Crawling, solo oder im Online-Koop
  • Volle Lebens- und Fähigkeitenregeneration nach jedem Kampf für frische Kämpfe
  • Stabile Bildraten auf der Xbox Series X

The Bad

  • Oberflächliche Story ohne moralische Grauzonen oder tiefe Charakterinteraktion
  • Erkundung und Schalterrätsel fallen anspruchslos aus
  • Spätere Missionen ziehen sich durch endlose Gegnerwellen in die Länge
  • Keine Oberwelt, Dörfer oder freie Erkundung
7.4
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5 Kommentare Added

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  1. Devilsgift 156745 XP God-at-Arms Gold | 20.06.2026 - 12:57 Uhr

    Das hätte man evtl. im Frühjahr veröffentlichen sollen. Jetzt ist doch die Welle am Rollen. Glaube nicht das es sonderlich erfolgreich wird.

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  2. Katanameister 504040 XP Xboxdynasty MVP Silber | 20.06.2026 - 19:06 Uhr

    Würde ich höchstens mal für 10€ ausprobieren, so wirklich überzeugt bin ich nicht.

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