WRC 8: Test zum lizenzierten Anwärter der Rallye-Krone

Wer virtuell am liebsten auf unbefestigten Pisten unterwegs ist, die jedes Auto an die Grenze der Belastbarkeit bringen, der hat auf der Xbox One leider nur eine überschaubare Auswahl. In Sachen Rallye-Rennspielen könnt ihr euch auf die DiRT-Reihe aus dem Hause Codemasters stürzen oder euch der WRC-Reihe von Bigben Interactive widmen. Nachdem DiRT Rally 2.0 Anfang dieses Jahres vorgelegt hat, zieht nun WRC 8 FIA World Rally Championship mit erhobener Flagge in die Schlacht, um die Schlamm besudelte Krone des Rallye-Sports auf der Xbox One einzuheimsen.

Wir haben uns den Thronanwärter genauer angesehen und verraten euch in diesem Test, ob WRC 8 das Zepter in die Hand nimmt.

Gleich nach dem Spielstart steht zunächst eine kurze Testfahrt an, bei der euer fahrerisches Können ermittelt wird und ihr dementsprechende Voreinstellungen spendiert bekommt. Für jeden ist hier der passende Härtegrad der Konkurrenz zu finden. Den Schwierigkeitsgrad könnt ihr optional noch stufenweise von „Leicht“ bis „Authentisch“ hochschrauben und die Fahrhilfen euren Wünschen nach ein- oder ausschalten.

Etliche Justierungen an der Kamera dürfen ebenfalls vorgenommen werden, damit sich jeder die optimale Kameraposition für seine bevorzugte Ansicht zurechtbiegen kann. Im Anschluss kümmert ihr euch um die Erstellung eures Fahrerprofils und beantwortet noch schnell die Frage, ob ihr in der Junior WRC loslegen wollt oder gleich in der WRC-2-Meisterschaft durchstarten möchtet.

Damit auf dem Weg zum WRC-Titel keine weiteren Fragezeichen aufploppen, nimmt euch ein optionales Tutorial an die Hand und führt euch in die Pflichten des Karrieremodus ein. Denn auch abseits des Rennalltags gibt es in der WRC 8 FIA World Rally Championship einiges zu erledigen.

Im etwas unübersichtlichen Karrieremenü plant ihr über den Kalender eure Nebenaktivitäten, um den Zeitraum zwischen der Meisterschaftsrennen mit Leben zu füllen. Beispielsweise widmet ihr euch einem Trainingslauf, versucht ein ramponiertes Fahrzeug bei extremen Wetterbedienungen ins Ziel zu schaukeln oder nehmt an historischen Wettbewerben teil. Gerade Letzteres verspricht viel, hält jedoch nur wenig. Nur zwei echte Rallye-Klassiker haben ins Spiel gefunden. Weitere Modelle müssen gegen bare Münze hinzugekauft werden. Schade, denn gerade hier hätte man den lizenzierten Rahmen etwas ausdehnen können.

Anderseits sind es eben diese Lizenzen, die WRC 8 von der Konkurrenz abheben. Und der Umfang stimmt dank der kompletten WRC, WRC 2 und WRC Junior ebenfalls. 50 Teams, 14 Austragungsorte und über 100 Wertungsprüfungen aus der Saison 2019 zementieren das! Gerade die originalen Streckenverläufe suchen ihres Gleichen und sind durch Eigenkreationen kaum zu toppen. Hier hat WRC 8 die Nase ganz klar vor DiRT Rally 2.0.

Grafisch, bei der Steuerung und der Fahrphysik fällt das Urteil allerdings weniger deutlich aus. Beim Fahrgefühl, der damit einhergehenden Steuerung geht es bei WRC 8 einen Tick rücksichtsvoller zur Sache. Was auch Einsteiger nicht gleich den Controller zur Seite legen lässt und einen leichteren Eintritt in die Materie gewährt. Doch Obacht, einfach wird es dennoch nicht! Ohne den gefühlvollen Umgang mit Gas und Bremse sowie der Lenkung endet euer wilder Ritt früher im Graben, als das Spiel zum Laden benötigt.

Mit jedem abgeschlossenen Event in der Karriere erhaltet ihr Erfahrungspunkte, Moral und Preisgeld. Die Beute steckt ihr in Reparaturkosten und fördert die Weiterentwicklung eures Rennstalls. So steigert ihr mit der Zeit die Leistung eures Boliden, verbessert die Zuverlässigkeit oder wertet euren Personalstamm auf. Beschäftigt ihr beispielsweise einen neuen Meteorologen, bekommt ihr detaillierte Wetterberichte vor dem Rennen kredenzt. Ein besserer Mechaniker beschleunigt hingegen die Reparaturen während der Events, was aufgrund der zeitlich begrenzten Reparaturzeit Gold wert sein kann.

Habt ihr den Bürokram erledigt und eure Nebenbeschäftigungen absolviert, startet ihr ungebremst in die entscheidenden Meisterschaftsrennen. Auf der Strecke dürft ihr euch keine groben Patzer erlauben und müsst euch auf den teils sehr langen Etappen mit über 14 Kilometern Distanz aufs Äußerste konzentrieren. Jede Fahrzeugklasse fährt sich deutlich unterschiedlich. Während die frontgetriebenen Autos der Junior WRC noch recht einfach beherrschbar sind, sieht es in einem von 380 Pferden allradgetriebenem WRC-Schlitten schon ganz anders aus.

Außer einer begrenzten Anzahl von Neustarts habt ihr keinerlei Möglichkeiten, Fahrfehler wieder aus der Welt zu schaffen. Eine Rückspulfunktion sucht ihr vergeblich – immerhin dürft ihr euer Vehikel aber jederzeit per Knopfdruck zurück auf die Strecke beordern.

Um die Geländeraketen gekonnt durch die haarsträubenden Kurven zu schaukeln, bedurfte es bei uns im Test etwas Nachhilfe in den Einstellungsoptionen. Mit etwas gedrosselter Sensibilität fluppte es schon deutlich besser. Übung, Konzentration und stets ein offenes Ohr für euren Beifahrer und sein aufgeschlagenes Gebetbuch sind die restlichen Zutaten, die es zum Erfolg benötigt. Bestenfalls seid ihr mit einem Lenkrad ausgestattet, denn damit ist die Bedienung wesentlich gefühlvoller zu bewältigen.

Trotz alledem ist die Steuerung mitunter etwas hakelig gestaltet. Der Umgang mit der Handbremse lässt sich nicht immer wie gewollt umsetzen und bei schnellen Richtungsänderungen reagiert das Auto etwas zu ruckartig – trotz gefühlvoller Eingabe. Auch die Fahrphysik fühlt sich weniger authentisch an, als es bei DiRT Rally 2.0 der Fall ist. Insgesamt bekommt ihr mit etwas Übung aber eine ordentliche Steuerung übergeben, die eine gute Mixtur aus Arcade und Realismus bietet.

Grafisch macht das Spiel einen zeitgemäßen Eindruck und offenbart auf der Xbox One X hochauflösende Texturen, fantastische Lichteffekte und ansehnliche Umgebungen. Die dynamischen Wetterbedingungen sind ebenfalls sehr hübsch anzusehen und unterstreichen die gelungene optische Darbietung. Zudem läuft das Ganze auch absolut flüssig über den Bildschirm. Nur einzelne nachladende Texturen, verschwommene Landschaften in der Ferne und die wie so oft bemängelte leblose Flora trüben den Eindruck wieder. Gleiches gilt für zeitweise Bildstörungen, die euch zum Neustart des Spiels zwingen. Hier muss dringend noch mit einem Update nachgeholfen werden.

Auch der eSport wird in WRC 8 wieder großgeschrieben. Wöchentliche Events sind hier die Eintrittskarte, um sich mit den Besten der Besten zu messen. Davon abgesehen könnt ihr eigene Lobbys erstellen oder gezielt nach euren Vorlieben suchen. Wer keine Zeit verschwenden möchte, der drückt einfach auf „Schnelles Spiel“. Leider herrschte in unserer Testphase nur wenig Betrieb und Mitspieler ließen sich nur mit sehr viel Geduld finden. Wer einen potenziellen Mitspieler zur Seite hat, kann sich dafür jederzeit im lokalen Mehrspielermodus austoben.

WRC 8 FIA World Rally Championship schindet optisch Eindruck, bietet dank der lizenzierten Strecken atemberaubende Fahrten über Stock und Stein und kann auch vom Umfang her überzeugen. Der Karriere wurde etwas mehr Tiefgang verpasst und das dynamische Wetter rundet die Sache ab. Beste Voraussetzungen also, um der Konkurrenz in Sachen Rallye-Sport den Rang abzulaufen.

Leider zieht WRC 8 trotz der guten Voraussetzungen und Verbesserungen im Vergleich mit DiRT Rally 2.0 immer noch den Kürzeren. Bei der Fahrphysik zeigt das Spiel immer noch signifikante Schwächen. Es fehlt eine authentische Rückmeldung des Streckenuntergrunds und Unfälle wirken sehr unrealistisch. Zudem wäre eine eindrucksvollere Präsentation der Veranstaltungsorte mit nützlichen Informationen nett gewesen. So bekommt ihr beim Laden nur ein paar Hinweise zum Austragungsort hingeklatscht. Davon abgesehen erhaltet ihr in der Karriere auch abseits der regulären Rennen etwas Abwechslung geboten.

Grafisch hingt WRC 8 trotz der hochauflösenden Texturen und wunderschönen Lichteffekte der Konkurrenz etwas hinterher. Während die dynamischen Wetterbedienungen noch als optisches Highlight durchgehen, trüben nachladende Texturen und verwaschene Landschaften in der Ferne das Bild. Bildstörungen und komplette Spielabbrüche tragen sich ebenfalls auf der Schattenseite ein.

Was bleibt, ist ein sehr solides und spaßiges Rennspiel, das sich auf das wesentliche beschränkt und dank der etwas einsteigerfreundlichen Steuerung auch Gelegenheitsspieler bei der Stange halten kann. Wem das in die Karten spielt und wer nicht auf die originalgetreuen und gleichermaßen genialen Wertungsprüfungen und Fahrzeuge der WRC verzichten möchte, kann bei WRC 8 FIA World Rally Championship bedenkenlos zuschlagen!

6 Kommentare Added

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  1. Dreckschippengesicht 83665 XP Untouchable Star 2 | 12.09.2019 - 21:48 Uhr

    Hab ja mal ein WRC gespielt, dass nach etwas Zeit auch echt Spaß gemacht hat. Aktuell is der Rennspielbock bei mir nicht so vorhanden, warum auch immer. Sollte es im GP Laden guck ich mir das mal an.
    Der Test ist ja nun nich so schlecht ausgefallen.

  2. Fenistair 24565 XP Nasenbohrer Level 2 | 12.09.2019 - 22:10 Uhr

    Die vorherigen Teile waren, den Infos im Internet zu Folge, ja eher durchwachsen. Schön das der neuste Teil anscheinend viel richtig macht, auch wenn es immer noch nicht für die Krone reicht. Vielleicht werde ich bei Teil 8 endlich mal zugreifen…

  3. Robilein 195945 XP Grub Killer Master | 13.09.2019 - 00:50 Uhr

    Der letzte Teil den ich gespielt habe war WRC 6. Das scheint eine tolle Steigerung zu sein.

    Hole ich mir vielleicht. Aber das dauert.
    Bin aktuell mit Gears 4 und 5, Blair Witch und The Council beschäftigt, welches eine tolle Story hat.

  4. Lurchi 71 6140 XP Beginner Level 3 | 13.09.2019 - 06:38 Uhr

    Kylotonn sollte lieber Hovercraft Simulationen entwickeln.
    Da ist es wenigstens realistisch das die Fahrzeuge über dem Boden schweben und
    man keinerlei Feedback vom Untergrund erhält.

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  5. DerOpaZockt 28615 XP Nasenbohrer Level 4 | 13.09.2019 - 07:52 Uhr

    Autorennen sind meine Leidenschaft, doch gerade bei Rallyspielen frage ich mich manchmal, ob dabei nicht der Grad des Realismus etwas zu hoch angesetzt wird. Daher werde ich hier wohl passen. Zudem regt sich meine Frau über die ständigen Ansagen des Beifahrers auf. Getreu dem Motto. Auf mich als Beifahrerin hörst Du ja auch nie 😉 .

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