Deliver Us The Moon: Lesertest zum Mondabenteuer

Bereist in diesem storygetriebenen Survival-Adventure den Mond und deckt dessen Geheimnisse auf. Unser Leser Helmut berichtet in seinem Lesertest, wie ihm der Titel gefallen hat.

In diesem Lesertest berichtet euch unser Leser Helmut davon, wie ihm Deliver us the Moon gefallen hat. Wenn Du Dich auch bei uns als Spieletester bewerben möchtest, lass uns doch gerne eine Nachricht über das Kontaktformular zukommen. Vielen Dank an Helmut für seinen Test!

Aufregendes Mondabenteuer oder lahme Mondfahrt?

Als der niederländische Indie-Entwickler KeokeN Interactive 2016 Deliver us the Moon in einer Kickstarter-Kampagne ankündigte, war von einem storygetriebenen Adventure mit Survivalaspekten die Rede. Nachdem das Spiel nach Finanzierungsschwierigkeiten mehrfach verschoben werden musste und dann auch noch in einem unfertigen Zustand für den PC veröffentlicht wurde, kam dem Indie-Entwickler der Publisher Wired Productions finanziell zur Hilfe. Seitdem wurde das Spiel immer weiter verbessert und ist nun auch für die Xbox One erhältlich. Ob es sich bei Deliver us the Moon nun um das versprochene storygetriebene Survivalabenteuer oder doch eher um eine Mondbruchlandung handelt, zeigt unser Test.

Aber worum geht es überhaupt? Die Entwickler ließen sich von den aktuellen Entwicklungen inspirieren, nämlich der Energiekrise. Die fossilen Energieträger auf der Erde gehen dramatisch zuneige und die Erde verwüstet (im Sinne von “die Wüsten breiten sich aus”) zunehmend. Im Jahre 2030 gründet die Menschheit schließlich die World Space Agency, kurz WSA, um außerhalb der Erde alternative Energieträger aufzuspüren und eine Antwort auf diese dramatische Krise zu finden.

Die Antwort lautet Helium-3. Ein sehr energiereiches Element, welches in nahezu unerschöpflichen Mengen auf dem Mond vorkommt und die Erde über viele Generationen hinweg mit Energie versorgen kann. 2032 gründet die WSA die erste Kolonie auf dem Mond und schickt die Energie mit einem sogenannten Mikrowellen-Energie-Transmitter zur Erde.
Das geht auch lange Zeit gut, bis es plötzlich im Jahre 2054 ohne erkennbaren Auslöser einen Blackout gibt und die Kommunikation zu den Kolonisten auf dem Mond abbricht. Ein halbes Jahrzehnt später, 2059, unternehmen ehemalige Wissenschaftler der WSA einen letzten Versuch, die Energieversorgung wiederherzustellen. Sie wollen herausfinden, was damals zu dem Blackout geführt hat und was mit den Kolonisten passiert ist.

Dafür soll ein einzelner Astronaut noch einmal zum Mond geschickt werden. Selbstverständlich schlüpft ihr in die Rolle des namenlosen und stummen Astronauten. Zwar ist die Story an sich nicht gerade preisverdächtig, aber unterhält durchaus über die sechs bis acht Stunden Spielzeit, die das Spiel bietet. Ein befriedigendes Ende bekommt ihr zudem geboten.

Abwechslung ist Trumpf

Deliver us the Moon

 
Der Spielablauf besteht hauptsächlich darin, dass ihr immer ein Hauptziel bekommt, welches aber durch diverse Probleme und Hindernisse erst einmal nicht direkt erreichbar ist. Also gilt es mal Energiekerne zu finden und einzusetzen, um eine Türe zu öffnen, die Stromversorgung wiederherzustellen oder auch ein Andockmanöver zur Raumstation durchzuführen. Dabei wechselt Deliver us the Moon immer wieder zwischen ruhigen, atmosphärischen Erkundungen und actionreicheren Parts, die gerne mal mit einem Zeitlimit versehen sind.

Vor allem die Abschnitte, in denen ihr nur begrenzt Sauerstoff zur Verfügung habt, sind teils sehr fordernd ausgefallen. Ihr könnt den Sauerstoff zwar wieder auffüllen, indem ihr Sauerstoffkanister aufsammelt. Die wollen aber erst mal gefunden werden, zumal die Kanister teilweise in Spinden und Kisten versteckt sind und manche davon per Plasmaschneider zugänglich gemacht werden müssen. Unter Zeitdruck natürlich!

Als Astronaut stehen euch einige hilfreiche Tools zur Verfügung, darunter eine Taschenlampe, Schubdüsen oder auch der nützliche Plasmaschneider, mit dem ihr Kisten und Verriegelungen öffnen könnt. Im späteren Spielverlauf kommt auch noch eine steuerbare Drohne dazu, mit der ihr hin und wieder kleinere Rätselaufgaben lösen müsst. Auch für das Abspielen von Hologrammen und für das Öffnen einiger Türen benötigt ihr die kleine Drohne. Praktisch: Wenn ihr die Drohne steuert, schaltet das Spiel in einen besonderen Sichtmodus, bei dem interaktive Levelelemente optisch hervorgehoben werden und sogar durch Wände hindurch sichtbar sind.

Die Levels erstrecken sich über verschiedene Locations wie beispielsweise eine Raketenbasis auf der Erde, eine mondnahe Raumstation oder letztlich natürlich dem Mond selbst. Meist handelt es sich um kleinere Areale, die recht linear aufgebaut sind. Lediglich auf dem Mond gibt es hier und da mal einen größeren Bereich zu erkunden. Ab und an stehen auch Fahrzeugmissionen auf der To-do-Liste, in denen ihr mit einer Art Mondbuggy direkt auf dem Mond rumfahren dürft.

Zwar sind diese örtlich begrenzt, aber die Fahrabschnitte machen ziemlich Laune und bieten eine willkommene Abwechslung zu den Innenlevels. Sämtliche Räumlichkeiten sind durchaus nachvollziehbar und glaubhaft umgesetzt. Dank der Hintergrundmusik, die unauffällig, aber passend die Atmosphäre unterstützt, fühlt sich das Erkunden der meist menschenleeren Bereiche sehr mystisch und atmosphärisch an.

Innerhalb der Level lassen sich E-Mails, Audiodateien und Hologramme finden, die die Geschichte rund um die Vorkommnisse zum Zeitpunkt des Blackouts erklären. Da ihr unter anderem auch die Gemächer der Kolonisten und Stationsbewohner erkunden könnt, erzählen auch Räume an sich etwas über das Leben vor Ort. Mal hängen von Kindern gemalte Bilder an den Wänden, mal liegen Zeitungen und Notizen oder andere Gegenstände herum, die ihrerseits eine Geschichte erzählen, wenn ihr sie mithilfe eures Astrotools scannt.

Schöne Panoramen und eine tückische Steuerung

Deliver us the Moon

 
Grafisch ist das Spiel dank der Unreal Engine 4 sehr ansprechend gestaltet. Die Beleuchtung ist stimmungsvoll, die Örtlichkeiten detailliert und reich ausstaffiert. Lob verdient auch die Stilsicherheit des Spiels, die einem jederzeit intuitiv vermittelt, was gefordert ist. Schade ist nur, dass einige Bereiche sehr dunkel geraten sind und auch die Taschenlampe da nicht viel ausrichtet. Dennoch schafft es das Spiel, eine sehr angenehme und geheimnisvolle Stimmung zu entfalten und zu halten. Nicht zu vergessen, dass wir hier von dem Erstlingswerk eines Indie-Entwicklers sprechen und nicht einem AAA-Titel mit Multimillionen Dollar im Rücken. Well done!

Die Steuerung ist zwar schnell verinnerlicht, hat aber so ihre Tücken. Vor allem die Drehung der Kamera in der Verfolgeransicht und das Führen des Plasmaschneiders in der Ego-Perspektive spielen sich zäh und verlangsamt. Eine Besonderheit des Spiels ist, dass die Levels teilweise in Third-Person-Ansicht, teils aber auch in der Ego-Perspektive gespielt werden. Beide Varianten lassen sich akzeptabel steuern, wobei uns die Ego-Ansicht besser gefällt.

Das Spiel wechselt die Perspektiven automatisch, man hat als Spieler keinen Einfluss darauf und kann sie auch nicht umschalten. In der Third-Person-Ansicht fällt die merkwürdige Laufanimation der Spielfigur besonders negativ auf. Ebenfalls negativ ist, dass die Drehung der Kamera in der Verfolgerperspektive sehr langsam reagiert und das Bild in der Drehung unscharf wird. Sonstige Fehler oder Abstürze sind nicht aufgetreten.

Soundtechnisch gibt es wenig zu mäkeln. Das Geschehen auf dem Bildschirm wird jederzeit angenehm und passend musikalisch begleitet, was teilweise einen leicht meditativen Effekt beim Erkunden der Locations hat. Auch an der deutschen Sprachausgabe gibt es nicht viel zu kritisieren. Nicht überragend, aber auch nicht störend. Fans von Gronkh können sich übrigens freuen, da er eine Sprecherrolle in dem Spiel bekommen hat.

Fazit

Deliver us the Moon

 
Deliver us the Moon ist ein sehr atmosphärisches Erkundungsabenteuer, welches durch die vielen Action- und Rätseleinlagen immer wieder spielerisch aufgelockert wird. Gerade der Wechsel zwischen ruhiger Erkundung, Rätseln und Actioneinlagen (teils unter Zeitdruck), ist dem Spiel gut gelungen. Ihr werdet für die 6 – 8 Stunden Spielzeit gut unterhalten, wenngleich erzählerische Höhepunkte eher ausbleiben. Spannend ist die Story dennoch und hält euch bis zum Ende bei der Stange. Die Rätsel sind erfreulicherweise sehr logisch und nachvollziehbar, sodass ihr relativ schnell versteht, was zu tun ist. Minutenlanges und planloses „Rumprobieren“ entfällt hier also.

Das Gameplay ist abwechslungsreich, die Grafik durchaus ansprechend und die meditativen Klänge der musikalischen Untermalung ergeben insgesamt ein sehr stimmungsvolles Abenteuer. Störend wirken vor allem die steifen Animationen des Hauptcharakters, die verlangsamte Kamera in einigen Situationen und die Bewegungsunschärfe beim schnellen Umdrehen. Auch eine Vertonung des Protagonisten wäre der Immersion zuträglich gewesen. Des Weiteren hätte dem Spiel mehr Interaktion mit der Umgebung während den Erkundungen gutgetan.

Da die verschiedenen Örtlichkeiten aber recht überschaubar in Bezug auf die Größe sind, kommt glücklicherweise kein Leerlauf auf. Wer gerne in Ruhe geheimnisvolle Orte erkundet und Rätsel mag, kann durchaus zugreifen, zumal das Spiel neu nur 30 € kostet. Wer hingegen durchweg auf Action, Kämpfe oder spektakuläres Gameplay setzt, dem dürfte Deliver us the Moon definitiv zu ruhig und langatmig sein. Einen Mehrspielermodus gibt es im Übrigen nicht. Deliver us the Moon ist ein reines Singleplayerspiel.

12 Kommentare Added

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  1. Sallgood Man 9815 XP Beginner Level 4 | 03.06.2020 - 09:05 Uhr

    Schöner Test. Kann ich auch so bestätigen: das Spiel hat mich kurzweilig unterhalten und ein paar bleibende Eindrücke zurück gelassen. Wer Weltraumabenteuer mag, für den ist der Mix aus „interstellar light“ + „moon“ bestimmt etwas.

    Ich konnte es durch den Xbox Gamepass ohne weitere Kosten spielen. Könnte man bei den Kosten noch ergänzen.

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  2. Prowler 24865 XP Nasenbohrer Level 2 | 03.06.2020 - 09:09 Uhr

    Schöner Usertest! Habe das Spiel auch schon eine weile durch und kann dem zustimmen! Die Steuerung kann einen wahnsinnig machen, vor allem in den Parts in denen man ziemlich genau auf iwelche Elemente springen muss…. Und dann immer und immer wieder hinab segelt ^^
    Schön geschrieben!

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  3. MacCoin 8080 XP Beginner Level 4 | 03.06.2020 - 09:14 Uhr

    Wenn ich survival lese bin ich immer skeptisch. Ich habe keine Lust dauernd Ressourcen zu suchen, ich würde lieber ohne Druck alles erkunden.

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    • Sallgood Man 9815 XP Beginner Level 4 | 03.06.2020 - 09:26 Uhr

      Das ist in diesem Fall aber ein Missverständnis deinerseits. Es ist kein Survivalspiel in dem Sinne. Es gibt Passagen, in denen das Sauerstoffkontingent zum Rätsel gehört und das ist in den Situationen stimmig gemacht. Sonst hast du genügen Zeit zu erkunden, lesen, Szenerie genießen und erforschen, was da vor Ort los ist.

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  4. manugehtab 19000 XP Sandkastenhüpfer Level 4 | 03.06.2020 - 09:29 Uhr

    Sehr ausführlicher Test, danke. Jedoch kommt die eigene Wertung etwas kurz. Sind das jetzt 90/100 Punkte oder was anderes? Kommt für mich nicht ganz rüber. Das Fazit hingegen finde ich schon wieder zu lang, da wäre eine Liste mit pro und Contra noch ganz cool

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  5. SPAMTROLLER 5260 XP Beginner Level 3 | 03.06.2020 - 10:54 Uhr

    Ein wirklich überraschend guter Titel.
    Natürlich hat es hier und da ein paar Schwächen.
    Die würde im Test aber schon erwähnt.

    Nicht erwähnt wurde die absolut miserable
    Technische Umsetzung der Konsolen Version.

    Das Spiel hätte auf der One X eigentlich genau so aussehen können wie auf dem PC.
    Leider ist dies aber nicht so.

    Aber wie gesagt.
    Ich finde es gar nicht so übel.

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  6. Lord Maternus 79620 XP Tastenakrobat Level 4 | 03.06.2020 - 13:21 Uhr

    Lesertest … sehr cool.
    Das Spiel hat auf jeden Fall seinen Reiz. Wenn es nur nicht so viele Spiele gäbe, die ich gerne mal ausprobieren würde. Zu viele Spiele, zu wenig Zeit xD

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  7. Cerdiwan 20085 XP Nasenbohrer Level 1 | 03.06.2020 - 13:30 Uhr

    Danke für den guten Test, dann werde ich mir das Spiel auch mal angucken.

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  8. Senseo Mike 30320 XP Bobby Car Bewunderer | 03.06.2020 - 21:21 Uhr

    Ich würde die wirklich ganz hervorragende deutsche Lokalisierung in Wort und Schrift bei diesem „Low Budget“ Titel noch etwas hervorheben. Rockstar, Multimillionen Dollar schwer, schafft das bis heute nicht. Ach warte, das ist ja Kunst, das darf nur im Original Kauderwelsch Slang gezockt werden. Die Doofen können ja die Minniuntertiltel lesen….
    Ich schweife ab.

    Der Test ist klasse, herzlichen Glückwunsch für die Veröffentlichung.
    Deliver us the Moon habe ich im Game Pass in einem rutsch durchgezockt, ich fand es echt richtig gut. Hätte ich es mir gekauft wäre ich auch damit glücklich geworden.

    Die virtuellen Rückblenden, die man im Laufe der Story findet, sind auch sehr cool gemacht.
    Da muss man als Lesefauler nicht jeden Schnipsel beachten, man bekommt alles schön präsentiert, die komplette Story, was damals auf dem Mond schief gelaufen ist.
    Die Atmosphäre ist bombig, die Schwerelosigkeit macht Spass, die Rätsel sind alle lösbar.
    Wer auf „Der Marsianer“ steht, kann hier blind zuschlagen.
    Viel Spaß.

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  9. Robilein 257965 XP Xboxdynasty Veteran Silber | 03.06.2020 - 21:27 Uhr

    Kann meinen Vorrednern beipflichten. Toller Test zu einem tollem Spiel. Für mich bis jetzt eines der besten Game Pass Spiele.

    Der erste Mondspaziergang war für mich ein Moment, den ich schon lange nicht mehr erlebt habe in einem Spiel. Top👍

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