Activision: Martin O’Donnell lässt kein gutes Haar am ehemaligen Partner von Bungie

Videospielindustrie-Veteran Martin O’Donnell lässt kein gutes Haar an Bungie’s ehemaligem Partner Activision.

Videospielindustrie-Veteran Martin O’Donnell, der die Musik für Halo komponiert hat und im Vorstand von Bungie saß, hat sehr offen über den Deal gesprochen, den Bungie mit Activision abgeschlossen hat. Lange Rede, kurzer Sinn: O’Donnell hatte von Anfang an ein schlechtes Gefühl bei dem Deal für Destiny – und die ganze Geschichte ist wie aus einem Film.

Im Gespräch mit YouTuber HiddenXperia stellte O’Donnell zunächst klar, dass es die sieben Vorstandsmitglieder von Bungie waren, die gemeinsam die Entscheidung trafen, mit Activision zusammenzuarbeiten. O’Donnell war Mitglied, also erkannte er seinen Anteil an der Entscheidung an. O’Donnell hält auch weiterhin Aktien von Bungie.

Im Gespräch über die Ursprünge des Deals sagte O’Donnell, dass er sofort Bedenken hatte.

„Wir wussten von Anfang an, dass es sich um ein Risiko handelte. Es stellte sich heraus, dass es genau so schlimm war, wie wir dachten, dass es sein würde. Jeder, der nicht mehr für Bungie arbeitet, wird sagen: ‚Ja, es war von Anfang an schlecht.‘

Wenn Sie immer noch für Bungie arbeiten, werden Sie politisch sein und alle möglichen Dinge sagen wie: ‚Oh, wir hatten eine gute Partnerschaft und bla bla bla bla, wir konnten eine wunderbare Sache aufbauen. Und es kam die Zeit, dass wir getrennte Wege gingen, weil jeder von uns andere Ziele hatte, aber wir sind glücklich und lieben einander. Das ist BS“

O’Donnells Zusammenfassung des Deals mit Activision ist, dass es „überhaupt keine Ehe war, die im Himmel geschlossen wurde.“

Bungie beschloss, bei Activision zu unterschreiben, weil der Call of Duty Publisher Bungie erlaubte, das Eigentum an der Destiny IP zu behalten. Dazu kam es wegen Bungie’s Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Microsoft. Bungie verkaufte die Halo-IP im Jahr 2000 an Microsoft und musste sich seitdem bei Microsoft verantworten. Bungie wollte dies für seinen neuen Vertrag mit Destiny nicht wiederholen.

„Der Grund, warum wir uns für Activision entschieden haben, war nicht nur das Geld, sondern als Teil des Vertrags – sie besaßen die IP nicht.“

O’Donnell sagte, dies sei für ihn ein „nicht verhandelbarer“ Punkt in seinen Diskussionen mit dem restlichen Vorstand von Bungie, bevor er den Deal mit Activision abschloss. Und enthüllt auch, dass Bungie „sehr nahe dran“ war, einen Deal mit Microsoft für Destiny abzuschließen, bevor Activision den Zuschlag bekam. „Wir wären fast wieder zu Microsoft zurückgekehrt“, sagte O’Donnell.

Während des Interviews spielte O’Donnell auch auf einen der Gründe an, warum Bungie ihn gefeuert hat. Einige Mitglieder von Bungie’s Führungsteam wollten Activision mehr Kontrolle über Destiny geben.

„Jetzt kommt der pikante Teil. Activision hatte nicht nur nicht das Recht, sich die IP zuzulegen. Die einzige Möglichkeit, wie sie daran gehindert werden könnten, sich damit zu befassen, wäre, wenn die gesamte Führung von Bungie sagen würde, dass man sich nicht die Destiny IP anlegen darf. Und das ist nicht das, was passiert ist. Und deshalb haben sie mich gefeuert.

Das war wahrscheinlich meine größte Enttäuschung – wir haben ein Jahrzehnt lang daran gearbeitet, um sicherzustellen, dass wir in einer Position sein können, in der wir dem Publisher die Stirn bieten und sagen können: Nein, die IP gehört uns – man darf sich nicht mit ihr anlegen. Und ich wurde überstimmt und schließlich gehen gelassen.“

Eine der erschreckenderen Enthüllungen aus dem Interview ist eine Geschichte, die O’Donnell über ein Abendessen erzählte, das er mit den Führungskräften von Activision hatte, kurz bevor der Deal abgeschlossen wurde, darunter CEO Bobby Kotick und ein CFO, den O’Donnell als einen österreichischen Mann von der „Vienna School of Economics“ bezeichnete. Er erwähnt nie einen Namen, aber Activisions ehemaliger CFO war Thomas Tippl, ein Österreicher, der an dem Deal zur Unterzeichnung von Bungie für Destiny beteiligt war.

O’Donnell sagte, dass er ein Sprichwort hat: „Sei nett zu der Gans“, was bedeutet, dass man nett zu der Gans sein sollte, denn von dort kommen die goldenen Eier. In dieser Analogie ist Bungie die Gans, die das goldene Ei legt, das Destiny ist. Dieser namenlose österreichische Geschäftsmann sagte zu O’Donnell: „Ja, ich mag diese Geschichte…, goldene Eier…, die Gans. Aber manchmal geht nichts über eine gute Foie Gras (Gänseleber Pate).“

O’Donnell war erschrocken, dass Activision Bungie als eine Gans sah, die gemästet und dann getötet werden soll und heute wünscht er sich, er hätte seinen Kollegen gegenüber seine Bedenken geäußert.

„Ich bin gerade dabei, am Wein zu nippen und er sagt das, und ich so: „Oh mein Gott“. Ich fühlte mich wie in einer Twilight-Zone-Episode. Was ich hätte tun sollen, ist aufstehen, den Tisch umdrehen und den anderen Bungie-Jungs sagen sollen: ‚Wir müssen weg von hier – jetzt! Aber das passiert nur in meinen Träumen.“

Zur selben Zeit, als Activision diesen Deal mit Bungie abschloss, befand sich Activision mitten in Streitigkeiten mit dem Call of Duty Modern Warfare-Entwickler Infinity Ward, bei denen die Firmengründer Jason West und Vince Zampella entlassen wurden.

„Sie aßen die Leber von Infinity Ward, während ich an diesem Tisch saß. Ich dachte, wir wären davor geschützt, dass sie das Bungie antun und ich habe mich geirrt. Mein Instinkt sagte mir, dass das schlecht ist und wir das nicht tun sollten.“

O’Donnell war später Mitbegründer des unabhängigen Spielestudios Highwire Games, das Ende 2019 den VR-Titel Golem für PS4 veröffentlichte.

Was Bungie anbelangt, veröffentlicht das Studio nach dem Ausstieg von Activision nun selbst die Destiny-Reihe. Das Studio hat ehrgeizige Ambitionen für die Zukunft von Destiny, einschließlich neuer Erweiterungen bis 2022.

28 Kommentare Added

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  1. Ash2X 167980 XP First Star Onyx | 11.07.2020 - 13:28 Uhr

    Jeder weiß wie Activision tickt… Und nach 5 Halo-Spielen dürfte auch klar sein das Bungie einen Tritt in den Hintern brachte um sich weiterzuentwickeln… Am Ende bekam man halt Destiny 1 mit toller Optik, tollem Soundtrack und der trägen Spielgeschwindigkeit von Halo Reach während 343 vielleicht nicht alles richtig machte aber beim zweiten Versuch die Referenz in Hinsicht des Gameplays geschaffen hat.
    Bungie brachte Destiny 2 welches immerhin besser war als vorher aber auch wieder nicht das was es sein könnte.

    Die Frage ist ob das an Activision lag oder an Bungie die sich vor 10 Jahren festgefahren haben und nicht gemerkt haben das die Konkurrenz nicht im Tiefschlaf ist und dabei das Genre weiterentwickelt.

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    • SPAMTROLLER 7620 XP Beginner Level 4 | 11.07.2020 - 13:35 Uhr

      Ein Sehr guter Kommentar.

      Ich persönlich finde das Gameplay von Destiny ( 2 ) aber nicht träge. Ich finde es sogar sehr gut und elegant gelöst.

      Bei allen anderen stimme ich dir vollkommen zu.👌

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      • Ash2X 167980 XP First Star Onyx | 11.07.2020 - 13:46 Uhr

        Das wird auch erst richtig fies störend wenn man im gleichen Zeitraum drumherum ähnliches spielt. Selbst Borderlands 3 wirkt dagegen schnell, aber gerade wenn man halt Warframe gespielt hat bei dem Distanzen selbst auf den offenen Karten keine besonders große Relevanz hat… Und naja, First Person Shooter sind allgemein etwas schneller und in den ganzen Bewegungsabläufen flüssiger geworden.
        Man kann sich bei Destiny 2 dran gewöhnen, aber es ist schon alles irgendwie suboptimal. Ich wünschte sie würden sich halt an Halo 5 bedienen – die Sprints sind Sprints und bei der Klettermechanik ist es vollkommen selbstverständlich wann sie genau greift.

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    • TheMedium 6780 XP Beginner Level 3 | 11.07.2020 - 13:46 Uhr

      Mich würde mal interessieren warum Activision überhaupt gegenüber Microsoft den Zuschlag bekommen hat? Lasst mich raten, die haben großspurig gesagt, die bringen die Marke noch grösser raus 😉

      Und dafür wollten die eine Gegenleistung? Skandalös!

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      • Ash2X 167980 XP First Star Onyx | 11.07.2020 - 13:48 Uhr

        Sagen Sie ja: Activision ließ Ihnen die Markenrechte an Destiny… Und naja, mehr Plattformen, mehr Geld.

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        • TheMedium 6780 XP Beginner Level 3 | 11.07.2020 - 13:56 Uhr

          Ja, so fern ihnen Microsoft nicht auch die Markenrechte an Destiny überlassen hätte.

          Denk an Ryse, Alan Wake, Sunset Overdrive, Ninja Gaiden, Dead or Alive. Nur weil ein Spiel exklusiv für die Xbox erscheint, heisst noch lange nicht, dass die Marke in Besitz von MS übergeht.

          Ich vermute die Triebfeder war rein die Kohle. Die haben sich verkauft.

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  2. doT 40520 XP Hooligan Krauler | 11.07.2020 - 13:45 Uhr

    Ich glaube das die Story Bungie x Microsoft noch lange nicht vorbei ist, die 2 ziehen sich doch eh an.

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  3. Chobo 1600 XP Beginner Level 1 | 11.07.2020 - 17:09 Uhr

    Wenn ich mir anschaue, was mit Blizzard geschehen ist, seit sie unter der Fuchtel von Activision stehen…
    Der ewige Kampf zwischen Kunst und Kommerz. Nur, dass auch der Künstler vom Anblick der Scheine und Zahlen geknechtet werden kann…

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  4. Lurchi 71 12500 XP Sandkastenhüpfer Level 2 | 11.07.2020 - 17:56 Uhr

    So wie O`Donnell das Abendessen beschreibt, könnte man meinen er saß mit Hannibal Lecter an einem Tisch und schaute zu wie dieser eine Leber mit Fava Bohnen und einem köstlichen Chianti genossen hat.
    Ich kenne durch meinen Job bedingt jegliche Art von IT -Fuzzis und eines haben sie alle gemeinsam ,es sind Drama Queens !

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  5. Karamuto 9365 XP Beginner Level 4 | 11.07.2020 - 19:37 Uhr

    Ja sie einsicht kommt etwas spät, nützt nichts in der Vergangenheit zu leben der Zug ist halt abgefahren.

    @Lurchi 71, was ist für dich den ein „IT-Fuzzi“? Du willst doch nicht etwa alle Menschen die im IT Bereich arbeiten über einen Kamm scheren? 😃

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  6. Phonic 72495 XP Tastenakrobat Level 1 | 11.07.2020 - 20:01 Uhr

    Tja selber schuld wenn man einen Pakt mit so ner Firma macht

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  7. Brandel 2920 XP Beginner Level 2 | 11.07.2020 - 21:25 Uhr

    Jaja bungo und actimel… wurde ja teilweise wie der rosenkrieg der gamingindustrie verbreitet. Könnt mir glatt vorstellen wie die damals „hart“ verhandelt haben…. actimel: hey bungo, unterschreibt unseren deal, dann machen wir für dlcs 1 jahr exclusivdeals für playstation, damit wir unsere ärsche vergolden. Später fingieren wir dann ne unvermeidbare trennung, über die alle reden werden, was wie immer auch gute werbe einnahmen bringt. Danach erklärn wir euch, wie ihr mit copy/ paste von altem scheiss und paint ( um alten scheiss ne neue farbe zu verpassen) euch über jahre hinweg über wasser haltet. Keine sorge, die spieler gehn nicht weg, da reicht ein cooler screenshot einmal im jahr, den ihr mit x effekten immer wieder anders darstellt und schon denken die idioten ihr arbeitet für euer geld und zeitgleich geben sie 100e euro für inhalte wie cosmetics aus, die sie allesamt nie besitzen, sondern nur fürn 10er/ geste sich das nutzungsrecht leihen, bis ihr das zeug einfach vom server fegt. Und zu guter letzt haben wir nun ein konzept entwickelt, wie man ohne aufsehn die seasonpässe kastriert, das man mind 4 im jahr braucht anstatt einen, was bedeutet, 4 mal im jahr pro depp macht sich copy and paste wiedermal bezahlt… na, was sagt ihr jetzt? Bungo: hey wir sind seriös, uns ist wichtig, was spieler von halten, unsere mission ist immer: nix geht raus, bevor nicht alle bugs beseitigt sind!!!!! …….. kurzer moment der stille, …….. lachflash, ätsch, da dachtet ihr ganz kurz wir meinen es ernst, hahaha, komm wo solln wa unterschreiben????
    Damals sagten viele, die trennung der beiden, wäre das beste überhaupt und es kann alles nur berg auf gehen, aber mal ehrlich, bungie ist leider sogar in mehreren punkten noch geldgeiler als activision und bringen im gegenzug dann sogar noch weniger neues und immer mehr reskin stuff, wofür man im destiny lebenszyklus teilw schon 5 mal bezahlen musste…. sind allesamt halsabschneider, aber auch nur dank uns, weil wir für unser hobby teilweise jeden preis zahlen, wozu also anstrengen, wenns auch ohne leistung geht?

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  8. Commandant Che 77040 XP Tastenakrobat Level 3 | 11.07.2020 - 21:43 Uhr

    Wer einen Vertrag selbst mit unterschreibt, und das, nach dem er, wie er es sagt, die Anekdote von der Leberpastete der Gans eingetrichtert bekommen hat, hatte nur eine Ambition, auf den Deal einzugehen. Das liebe Geld. Sonst nichts!

    Und wenn die gesamte Führungsriege eines Unternehmens für etwas stimmt, dann hat das sicherlich seine Gründe.
    Die nennt er natürlich nicht.

    Für mich klingt der Typ nach einem maßlos enttäuschten Menschen, der mehr für sich erhofft hatte und enttäuscht wurde.

    Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit klingt anders.

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  9. Dr Gnifzenroe 91525 XP Posting Machine Level 1 | 11.07.2020 - 23:07 Uhr

    Den Deal selbst mit eingefädelt und jetzt weinen, dass man dem Teufel die Seele verkauft hat? Mein Mitleid hält sich sehr in Grenzen.

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  10. Wallow 880 XP Neuling | 12.07.2020 - 15:10 Uhr

    Wenn er im Vorstand saß ist es aber auch sein versagen. Er hätte es ja verhindern können wenn sein Bauchgefühl schlecht war

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